Quai West von Bernard-Marie Koltès, inszeniert von Werner Schroeter in der Volksbühne Berlin

Es lässt schon tief blicken, wenn die versammelte Kritikerschar zum kollektiven Abpennen in die Volksbühne geht. Wenn sie es schon nicht knappe zwei Stunden aushalten können einem Text zu folgen, schlafen können sie doch wirklich zu Hause.

Natürlich macht es Schroeter keinem leicht, aber das war doch wohl auch zu erwarten, wenn man die Antigone/Elektra gesehen hat. Heute Abend hat zumindest, so weit ich das gesehen habe, kaum einer gepennt, obwohl man mindestens 2 Seesäcke zum ausbreiten hatte.

Das Stück versprüht ordentlich 80ziger-Jahre-Ästhetik und Schroeter lässt das auch mit seiner Inszenierung zu. Kein Gegenwartsbezug, keine Schlapperhosen, Plastikbeutel, Flaschen oder ähnlicher Kram stört. Der würde sowieso nach ein zwei Drehungen von der Scheibe fliegen.

Die Schauspieler sind konzentriert, immer präsent, verkrallen sich förmlich in diese schräge Platte. Wer aufgibt könnte runter fliegen. Jeder ist ganz Ich. Dialoge kommen kaum vor und wenn, dann ist da Kampf. Dieses Stück hat sehr viel mit der heutigen Gesellschaft zu tun.

Das ist düster und ohne Ausweg. Vielleicht hat sich Schroeter genau so gefühlt und Koltès gerade deswegen ausgewählt, auch wenn der ja sogar von einer unmittelbare Komik in „Quai West“ spricht. Man spürt das ja an der grotesken Situation und den Dialogen, die immer irgendwie ins Leere laufen. Aber da ist trotzdem ganz normales Leben drin, schon dadurch das Maria Kwiatkowsky ständig hin und her tänzelt eben weil sie einfach mal pinkeln muss. Das Körperliche zusammen mit dieser überhöhten Sprache ist das was Schroeter ausmacht.

Wer da wegschlummert, hat aufgegeben, wie Maurice. Wenn man dieses Stück noch sehen will, muss man sich wohl beeilen. Es wird wohl keine längere Chance an der Volksbühne haben.

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„Die Sinnlichkeit. Dass man den Menschen als Körper nimmt und nicht als Gedanken. Die Sprache ist doch körperlich. Sie ist wie Pisse, das ist auch physisch. Alles ist Körper. Schauen Sie doch: Hier ist der Sprachkörper. Und jetzt ist er weg.“ (taz, April 2009)
Werner Schroeter (* 7. April 1945 in Georgenthal; † 12. April 2010 in Kassel)
Danke!

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