Dantons Tod – Sebastian Baumgarten inszeniert Georg Büchner am Maxim Gorki Theater Berlin

Die Macht der Sprache, die Sprache als Machtinstrument. Das sollte das Thema von Sebastian Baumgarten an diesem Abend im Maxim Gorki Theater sein. Die französische Revolution interessiert wenn überhaupt nur am Rande. Sie ist verkommen noch bevor sie richtig vollendet werden konnte. Überall nur Zombies. Der eine predigt Wasser, der andere säuft Wein. Überall wird mal vom Honigtöpfchen der guten Regieeinfälle genascht, aber es bleibt nichts Essentielles kleben.

Baumgarten hangelt sich so von 68er Kommunardenagitationszirkeln über lustige Bettszenen a la Kommune 1, Kunst kontra Radikalisierung a la RAF zum totalen Untergang mit Zyankalikapseln. Dazwischen immer mal wieder auch Büchners Danton und seine Kontrahenten Robespierre und Saint-Just, die dann irgendwann, wenn das Bühnenbild sich vom Bunker in eine Treppe gewandelt hat, als Hüter der Moral in Schäferkostümen zum Fanal gegen die Abtrünnigen blasen. Sprache ist viel an diesem Abend in allen Formen. Der belehrende Ton der politischen Schulung im SDS-Format, weinseliges Kommunarden-Bla-Bla, demagogisches Geschrei und vergebliches Verteidigungsgestammel der in ihrer Macht erschütterten Dantonianer. Die Sprache der Gasse ist ausgesperrt und nur wenn sich die Tür des Bunkers öffnet ist sie lautstark zu vernehmen. Sie wird auch irgendwann Robespierre hinwegschreien und dann ist Stille, wenn die Macht erloschen ist. Baumgarten zeigt zum Schluss alle Protagonisten in einem Stummfilm. Die Idee ist gut, nur sie bleibt leider unverständlich.

„Die Idee einer gesamtgesellschaftlichen Sprache, die Macht immer wieder neu organisiert und jenseits von übergeordneten Autoritäten setzt, ist bis heute uneingelöste Utopie der Demokratie und der Aufklärung.“ So verheißt es das Programmheft. Da aber heute zur Sprache auch die Macht der Bilder hinzukommt, können das bloße Einblenden von Videos über Straßenkämpfe keinen mehr auf die Barrikaden bringen.

Hannah Arendt hat sich lange mit den Revolutionen der Welt beschäftigt. Sie wird im Programmheft zitiert: „Macht aber besitzt eigentlich niemand, sie entseht zwischen Menschen, wenn sie zusammen handeln, und sie verschwindet, sobald sie sich wieder zerstreuen.“ Baumgarten versteht die gemeinsame Sprache der Revolution als ein großes chaotisches Babel? Und so bleibt leider die ganze Inszenierung das was Danton erst zum Schluss ist, nämlich ziemlich kopflos.

One Response to “Dantons Tod – Sebastian Baumgarten inszeniert Georg Büchner am Maxim Gorki Theater Berlin”

  1. Georg Büchners Literatur hat einen Subtext, der keineswegs immer sehr komplex ist, aber bislang ignoriert wird. Vgl: Christian Milz: „Georg Büchner. Dichter, Spötter Rätselsteller:“ (Passagen Verlag, Wien)