Rumsbums und Zackzack oder Shakespeare, es geht nicht

Es ist schon wieder was passiert.

Der große Kritiker S. hat den eher unbekannten Dramatiker S. aus Stratford-upon-Avon in einer seiner unnachahmlichen Denkschriften über das Theater, deren Wortlaut ich hier gar nicht in der Lage bin, im Detail wiederzugeben, der „hanebüchenen Kolportagendramaturgie“ eines „Renaissance-Groschenheftes“ bezichtigt. Das wäre an sich noch nicht der Untergang der Welt, weiß man doch, das S., der Dramatiker, in einer Zeit lebte, in der ein schneller Erfolg bei den Massen, einem schon die nackte Existenz sichern und der Verriss des wütenden Mobs, das schnelle Ende der Karriere nach sich ziehen konnte. Also dieser S., der Kritiker, belehrt uns nun im 21. Jahrhundert, wie man im 16. Jahrhundert Stücke schrieb und zu schreiben hatte. Leider tut er dies am Beispiels einer unbedeutenden Liebestragödie, die jüngst in Frankfurt am Main aufgeführt und durch Nachtkritik nicht besucht wurde. Ich sehe mich daher gezwungen, mein Loblied auf diesen erneuten großen Geistesblitz des Herrn S. hier zu singen, da es mir durchaus passend erscheint.


Rumsbums und Zackzack oder Shakespeare, es geht nicht

frei nach Gerhard Stadelmaiers Kritik zu Romeo und Julia in den Frankfurter Kammerspielen in der FAZ vom 07. Juni 2010

Seht, ehrlich, wie kann das sein
Gesehen, verliebt, verheiratet, oh, nein
Heimlich, da verfeindet, unverzeihlich
Vetter gemeuchelt, wie peinlich
Rumsbums und Zackzack
Klippklapp und Datschkapp
Shakespeare, es geht nicht

Schwülstig Geplapper mit Wucht
Balkongekletter und schnelle Flucht
Pater mit toxisch Trunk zur Hand
Scheintod, so Unbill gebannt
Rumsbums und Zackzack
Klippklapp und Datschkapp
Shakespeare, es geht nicht

Liebstem das Herze erweicht
Brief im Exil nicht erreicht
Liebste scheinbar so tot
Säuft`s auch, ach große Not
Rumsbums und Zackzack
Klippklapp und Datschkapp
Shakespeare, es geht nicht

Sie erwacht, er nun echt hin
Stürzt in Dolch, wo ist der Sinn
Ende der Kolportage, aus die Maus
Welche Scharteke, einfach rein-raus
Rumsbums und Zackzack
Klippklapp und Datschkapp
Shakespeare, es geht nicht

Zum Dank für die erhellenden Weisheiten des großen S. sollte er eine Rolle in dem von ihm so geliebten Stück „Was ihr wollt“ bekommen, so das er tatsächlich nicht mehr weiß, ob er noch Männlein oder Weiblein ist. Ich schlage die Rolle des Malvolio in der Inszenierung von Armin Holz vor und hoffe Herrn S. am Wochenende mit gelben Strümpfen und kreuzweise gebundenen Strumpfbändern im Renaissance-Theater in Berlin begrüßen zu dürfen.
Wie immer möchte ich meine kleinen unbedeutenden Verse jemandem widmen und wer wäre passender, als das vielleicht größte Liebespaar aller Zeiten. Vielen Dank für die vielen schönen erlebnisreichen Stunden im Theater.

„Altes Verlangen stirbt; es zu beerben ward junge
Leidenschaft geschwind ersehn: Die Schöne, derhalb Liebe wollte sterben,
Ist neben Julias Schönheit nicht mehr schön. Romeo liebt und wird
geliebt, gefangen von gleichem Reize beide, doch als Feind gilt sie ihm,
wie als Köder ihr zu bangen auf tück’scher Angel süße Liebe scheint.
Als Feind darf er sich nicht zu ihr getrauen, mit Schwüren ihre Liebe zu
erflehn, sie liebt wie er, allein, um ihn zu schauen, weiß sie der Wege
weniger noch zu gehn.
Doch Leidenschaft gibt Kraft, Zeit weist die Wege, der Liebe Süße
schwächt die schlimmsten Schläge.“

(aus Romeo und Julia von William Shakespeare)

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