„Liebe und Geld“ von Dennis Kelly, Thalia Theater Hamburg

Eine Inszenierung von Stephan Kimmig zu Gast im Deutschen Theater Berlin

Eine Liebesgeschichte vom Ende zum Anfang hin zu erzählen ist nicht neu, im französischen Kinofilm 5×2 von François Ozon spielen Valeria Bruni Tedeschi und Stéphane Freiss ein Paar, dessen Geschichte rückwärts von der Scheidung, Krise über Kind, Hochzeit bis zur Begegnung beider erzählt wird. Die Episoden werden auch wie in der Inszenierung von Stephan Kimmig mit Musik von einander getrennt. Bei Kelly schafft es das Paar allerdings nicht zum Kind und die Scheidung fällt wegen frühzeitigem Tod der Frau aus, an der ihr Mann tatkräftig mithilft, indem er ihr zu ihrem Selbstmordversuch mit Schlaftabletten noch Wodka einflößt. Das ganze wird als Email-Roman mit seiner Geliebten im Detail ausgemalt. Schuld für die erkaltete Liebe ist das liebe Geld, das Jess mit vollen Händen rauswirft, weil sie an Kaufsucht leidet und David lieber ein neues Auto hätte. Die Möglichkeiten an Geld zu kommen sind schlecht, es müssen zusätzliche Jobs her. Als ihm das Gehalt als Lagerarbeiter anstatt Vertriebsmanager zu gering ist, bekommt David von seiner Chefin und Ex-Frau den Rat, lieber Blowjobs zu machen und die Fotos davon zu verkaufen.

Flankiert wird die Story des Paars von weiteren durch Geld und Liebe getriebenen Gestalten, die Grabsteine auf Jess Beerdigung schänden, um mal wieder den Kick zu kriegen, die glauben bei einer Story über Photosynthese ginge es nur um Kohle, weil das Zeug mit den Pflanzen ja so langweilig ist, oder sie sind einfach nur geil und kommen zu dem ergreifenden Schluss, dass das Leben Scheiße ist und man auch noch alt dabei wird. Wie oft soll einem so was eigentlich noch als große Dramatik verkauft werden? Hier die Spannung zu halten, die sonst nie aufgekommen wäre, gelingt Dennis Kelly tatsächlich nur damit, das man auf ein dickes Ende wartet. Zu banal und unwirklich sind die Figuren aus seinem Stück. Der Text soll hart und dreckig klingen, ist aber eher peinlich und unfreiwillig komisch.

Bei Stephan Kimmigs Inszenierung fragt man sich irgendwann, was ihn tatsächlich an den Figuren interessiert und warum Susanne Wolff als tote Jess ständig durch das Hamsterhäuschen turnen muss und auf dem Dach der Dinge harrt, die da kommen werden. Kimmig verbrennt hier gute Schauspieler für eine Brüllszene mit Mikroport, damit auch in der letzten Reihe alle mitkriegen, wie Scheiße es denen auf der Bühne geht, obwohl die Kiste fast mitten im Zuschauerraum steht.

Das dicke Ende zum Schluss ereilt uns dann endlich auch mit der Hochzeit und Jess darf rotweinselig einen Vortrag über Schwerkraft, das Universum und den Fisch (ach nein, das war von einem anderen Briten und wirklich witzig) halten und kommt, wer hätte das gedacht, zu der Erkenntnis, dass das ja alles gar nicht wichtig ist und nur die Liebe zählt. In der anschließenden Suche nach dem Glück treten dann erst die blöden Probleme mit dem Geld auf. Das ist biedere Küchenpsychologie und man versteht nachträglich wirklich nicht, was die Auswahljury zum Theatertreffen bewogen, hat dieses Stück samt uninspirierter Inszenierung einzuladen. Wahrscheinlich hat gerade noch ein Stück zum Thema Geld und der universellen Lösung Liebe gefehlt. Unglaublich, aber scheinbar wahr.

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