Der Theaterregisseur Christoph Schroth erhält das Bundesverdienstkreuz

Wie die Lausitzer Rundschau vermeldete, wird dem Theaterregisseur und langjährigem Intendanten Christoph Schroth, u.a. von 1974 bis 1989 am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin und 1992 bis 2003 am Staatstheater Cottbus, das Bundesverdienstkreuz verliehen. Der Festakt findet heute im Staatstheater Cottbus statt.
Erst einmal Glückwunsch an Christoph Schroth, ein renommierter gesamtdeutscher Theaterpreis für ihn wäre mir zwar lieber, aber mit dem Bundesverdienstkreuz trifft es hier auf jeden Fall jemanden, der nicht erst nach der Wende deutsche Theatergeschichte mit geschrieben hat. Ein Zufall wollte es, das ich gerade heute erst in Cottbus war und von dieser Auszeichnung erfuhr. Konnte leider zur Feierstunde nicht dableiben. Mit Christoph Schroth verbinde ich immer noch einige meiner schönsten Theatererlebnisse.
Es trifft auf jeden Fall zu, was Sewan Latchinian sagt, das er den Theatern die er geleitet hat ein außerordentliches künstlerisches Profil und hohe gesellschaftliche Relevanz verliehen hat. Sein Faust 1 und 2 in Schwerin ist legendär. Er hat sicher mit seinem Schaffen Leute wie Castorf, Hartmann oder Latchinian als Intendanten erst möglich gemacht. Schauspieler wie Ulrike Krumbiegel und Veit Schubert haben sich in Schwerin ihre ersten Sporen verdient. Einige der Schweriner Truppe hat er nach der Wende mit ans Staatstheater Cottbus gebracht. Hier hatten auch unter ihm Anne Ratte-Polle als Effi Briest und Stephanie Schönfeld u.a. als Käthchen ihre ersten großen Erfolge. Unvergessen sind Schroths Zonenrandermutigungen in dieser Zeit, die zu einem Theatererlebnis für ein großes begeistertes Publikum wurden. Denn das war ihm vor allem wichtig, keine elitäre Selbstverwirklichung, sondern Arbeit mit dem Ensemble und die Heranführung breiter Schichten an das Theater. Sein Konzept eines Bürger-Theaters der sozialen Aktion ist mit Sicherheit aufgegangen. Davon zehrt auch heute noch sein Nachfolger Martin Schüler. Mit ihm kam eine große Zäsur für das Staatstheater mit Sparmaßnahmen und einer radikalen Verkleinerung des Sprechtheaterensembles, was leider auch zu einigen qualitativen Einbußen in dieser Sparte geführt hat. Trotzdem ist es immer wieder ein Erlebnis in Cottbus ins Theater zu gehen und die Begeisterung des Publikums zu spüren.
Sewan Latchinian führt das Konzept Schroths nun mit dem Glück-Auf-Fest an der Neuen Bühne in Senftenberg weiter, mit großem Zuspruch wie ich am Samstag selbst feststellen konnte. Auch dort inszeniert Christoph Schroth immer noch und eine seiner langjährigen Mitstreiterinnen Gisela Kahl wirkt dort und in Cottbus als Dramaturgin.
Zum Abschluss möchte ich noch Martin Linzer (langjähriger Theaterkritiker von TdZ und der LR) aus dem Artikel der Lausitzer Rundschau zitieren: „Will man ein paar Kriterien andeuten, die für Schroths Theater prägend sind, so könnte man sagen: Für ihn ist das Publikum immer wichtiger als das Feuilleton, das künstlerische Handwerk wichtiger als der ‚Einfall‘ (an Fantasie fehlt’s ihm trotzdem nicht), das Ensemble wichtiger als der Star . . .“ Dem ist nichts hinzu zu fügen.

www.staatstheater-cottbus.de

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