Neues aus Kalau (6)

War Richard Wagner etwa doch schizophren?

Wie den Kalauer Illustrierten Tagesblättern (KILT) aus gut informierten Kreisen (dapd/jW) zugetragen wurde, trennt der Dirigent und Wagner-Verehrer Christian Thielemann strikt zwischen der Musik des Komponisten Richard Wagner, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird, und dem Autor antisemitischer Schriften wie „Das Judenthum in der Musik“. Thielemann geht sogar soweit gegenüber der B.Z. (Samstagausgabe vom 05.01.13) zu behaupten, der Komponist Wagner und der Antisemit Wagner seien zwei verschiedene Menschen. O-Ton Thielemann: „“Die kennen sich überhaupt nicht!““

Der Generalmusikdirektor der Dresdner Staatskapelle Christian Thielemann hat nämlich soeben ein Buch veröffentlicht mit dem Titel: „Mein Leben mit Wagner“ (erschienen bei C.H. Beck). Nun haben wir es also endlich schwarz auf weiß und aus profundem Mund. Wagner war schizophren. Und der zweite Weltkrieg samt Holocaust scheint auch bloß der Irrtum eines musikliebenden Schizos gewesen zu sein, der sich mal eben nur kurz in der Partitur vergriffen hatte.

„“Richard Wagner hat mich mit mir selbst konfrontiert““ bekennt Thielmann in seinem Buch. Leider hat er dabei vergessen zu erwähnen, welchen von den beiden Menschen Wagner er da genau meint. In diesem leichten Fall von Verwirrung plädieren wir natürlich genau wie Thielemann selbst für Toleranz und hoffen auf baldige Rückbesinnung. In Fällen wie diesen soll sich ja z.B. eine Luftveränderung durchaus gedächtnisfördernd auswirken. Da trifft es sich gut, dass Thielemann nach dem Besteigen des Grünen Hügels immer ein besonderes Ritual pflegt. „“Und ich gehe gern vor der allerersten Probe, wenn das Orchester noch nicht da ist, in den Graben und atme den Geruch dort.““ Und wenn das nicht hilft, bläst ihm demnächst ganz bestimmt Henryk M. Broder in einer seiner berühmt-berüchtigten Kolumnen die Nase wieder frei.

S. v. K.

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Eine gespaltene Persönlichkeit? Wagner mit und ohne Kopfbedeckung in einer Ausstellung im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek Wien – Fotos: St. B.

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