Der Theatersommer 2013 geht in den Stadtraum – „King Bethel“ von Shakespeare im Park und „Forest: The Nature of Crisis“ von Constanza Macras.

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All Aboard / Einsteigen Bitte: „King Bethel“, eine Art Lecture-Performance am Rande des Görlitzer Parks über einen Eisenbahnkönig der Gründerzeit, die Wurzeln des Kreuzberger Stadtbezirks und die Macht der menschlichen Vorstellungkraft

Henry Bethel, rail and pickle king!
All flock to hear his hammer ring… (Shakespeare im Park)

King Bethel Karte

King Bethel I-III von
Shakespeare im Park

Seit drei Jahren nutzen die Macher von Shakespeare im Park bereits die weitläufige Kreuzberger Parkanlage zwischen Wienerstraße, Görlitzer Straße und dem Landwehrkanal als Spielwiese für ihre Performance-Theaterstücke, die sich bisher immer um eine Gestalt des Shakespeare‘schen Dramenkreises wie König Heinrich IV. oder Thomas Moore mit seinen Vorstellungen von der Insel Utopia drehten. Da sie im letzten Jahr mit ihrer wilden Performance „Utopia™ – Where All Is True“ Teilnehmern einer türkischen Feier in die Quere kamen, haben sie sich in diesem Jahr freiwillig an den Rand des Görlitzer Parks verzogen und stellen dort an der Parkmauer in einem Buddelkasten die Gründerzeitstory um den jüdisch-deutschen Eisenbahnkönig des 19. Jahrhunderts Bethel Henry Strousberg und damit ein gutes Stück Kreuzberger Geschichte nach.„King Bethel“ ist eine Art Lecture-Performance, in drei Teilen angelegt, die, thematisch gesehen, auch gut für sich allein stehen könnten. Verbindendes Element ist die historische, heute fast vergessene Figur des 1823 in Ostpreußen geborenen und in England aufgewachsenen, ideenreichen Gründers und Eisenbahnunternehmers Bethel Henry Strousberg (eigentlich Baruch Hirsch Strousberg). Er begann mit Hilfe guter Beziehungen zur preußischen Regierung und englischer Finanziers ab 1962 ein kleines deutsches Eisenbahnimperium aufzubauen. Man könnte auch sagen, Strousberg war einer der ersten und sehr erfolgreichen Lobbyisten in eigener Sache, der seine Beziehungen zur preußischen Regierung geschickt zu nutzen wusste, bevor er selbst in die Politik einstieg und Abgeordneter im damaligen Reichstag des Norddeutschen Bundes wurde. Heute verlaufen die Karieren deutscher Politiker eher andersherum.Das Interessante, und damit der wirkliche Link in die Gegenwart, ist aber die, für damalige Verhältnisse einfallsreiche Finanzierung seiner kostspieligen Eisenbahnbauvorhaben. Er bezahlte die ausführenden Generalunternehmer mit Anteilen an seinen Eisenbahnaktien, die jedoch weit überzeichnet waren und somit das vermeintliche Kapital seiner Gesellschaft künstlich aufblähten. Eine faule Finanzblase also, die einem heute auch nicht von ungefähr so aktuell erscheint. Nach dem Platzen der finanziellen wie politischen Träume in den 1870er Jahren verstarb Bethel Henry Strousberg in eher einfachen Verhältnissen 1884 in Berlin.

King Bethel_Teil 1

King Bethel. Das kleine Journal – Foto: St. B.

Strousberg hatte aber auch eine durchaus fortschrittliche und soziale Seite an sich, die man nicht ganz unerwähnt lassen sollte. Er zahlte vergleichsweise gute Löhne, baute Arbeitersiedlungen in der Nähe seiner Fabriken und verkürzte die Arbeitszeit von seinerzeit 11 auf 10 Stunden pro Tag. Diese Ambivalenz eines einerseits an hochproduktivem Manchesterkapitalismus und dubiosen Finanzierungsmechanismen orientiertem Industriellen und andererseits eines am gesellschaftlichen Fortschritt interessierten Entwicklers ganzer Stadteile und überregionalen Infrastrukturen bietet genug Stoff für eine abendfüllende künstlerische wie auch politische und in Teilen nicht ganz unironische Betrachtung seitens der Macher von Shakespeare im Park. Jedes der drei Stücke nimmt sich dann auch eine ganz bestimmte Episode aus der bewegten Biografie Strousbergs zum Thema einer spielerisch didaktischen Performance mit viel Musik und regional spezifischem Bezug zum Spielort Görlitzer Park.Zu Beginn des 1. Teils, der am 10. August Premiere hatte, verteilt das Team (Katrin Beushausen, Maxwell Flaum, Alberto Di Gennaro und Brandon Woolf), in blaue historische Schaffnerkostüme gekleidet, „Das kleine Journal“. Ein Handzettel, auf dem anhand von Leitartikeln und in kleinen Randglossen die Story in groben Zügen nachlesbar ist. Innerhalb von ca. 45 min. entwickeln die Performer ein Bild des Mannes, um den es laut Titel dieser „ortsspezifischen Performance“ im Weiteren gehen wird. Und dazu werden in einem Buddelkasten am Rande des Görlitzer Parks mit Paletten und Metallstangen auch Schienen verlegt. Ein Prozedere, das sich an den folgenden Tagen immer wiederholen wird.

King Bethel, Teil 1 Foto: St. B.

King Bethel, Teil I – Foto: St. B.

King Bethel Strousberg im weißen Frack, in der Gestalt des sonst stummen Musikers Leigh Jonathan Thomas, wird in einer Art Schatztruhe auf Rädern über diesen provisorischen Schienenstrang geschoben. Sein Leben entsteht in Erzählungen, Spielszenen und kleinen Moritaten wie dem „Choo, Choo Sham!“ (Eisenbahnschwindel), einer Art Präludium, das, auf einem kleinen Flügel vorgetragen, zum alles verbindenden musikalischen Hauptthema des Stückes wird. Es geht um die Anfänge Strousbergs, seine erste Maschinenfabrik in Hannover-Lenden und dem von ihm errichteten Musterstädtchen, das bei einer Art imaginierten Führung bildlich aus Pappe vor uns entsteht. Der Wohltäter King Bethel, der seine Nähe zu den Arbeitern betonte und sie sogar als „Schwingen des Kapitals“ bezeichnete, schloss das Werk in Hannover allerdings nach einer ersten Krise sofort und zog nach Berlin.

King Bethel Teil II. Die kleine blaue Lokomotive - Foto: St. B.

King Bethel, Teil II. Die kleine blaue Lokomotive – Foto: St. B.

Hier finanzierte er mit Hilfe von Aktienverkäufen z.B. den Bau des Görlitzer Bahnhofs, baute die erste Markthalle und wurde von Friedrich Engels bereits zum neuen Kaiser von Deutschland geadelt. Der 2. Teil, der wie ein lustiger Kindertheaternachmittag beginnt, und von der Willenskraft der kleinen blauen Lokomotive aus einem gleichnamigen Kinderbuch berichtet, führt das Publikum spielerisch an die schwierig zu verstehenden Zusammenhänge und Finanzierungspraktiken Bethel Strousbergs heran. Es treten ein erster Gastarbeiter Mr. Spider und die schlauen Anwälte Herr Fuchs und Herr Igel auf, die Spider einen imaginären Phantasietaler überreichen. Dazu philosophiert Kant, der andere große Ostpreuße aus Königsberg und Experte für gesunden Menschenverstand, über die Vorstellungskraft und den Satz vom Widerspruch. Apriori oder a posteriori, mit der Kraft der Imagination und Phantasie lässt sich auch eine hohe Parkmauer bezwingen, wie dieser sehr unterhaltsame Nachmittag beweist.Im Teil 3 geht es dann noch um die globalen Unternehmungen Strousbergs. In einer fiktiv satirischen Rede des osmanischen Botschafters spricht Katrin Beushausen von den Bestrebungen des Eisenbahnkönigs um 1868 eine Bahn nach Istanbul zu bauen. Er nutzte dazu wiederum seine Beziehungen zum Haus der Hohenzollern, dessen Prinz Karl Eitel Friedrich Fürst von Rumänien war. Finanzierungsengpässe, Pfusch am Bau und der Russisch-Osmanische Krieg 1878-79, in dessen Ergebnis sich Rumänien unabhängig erklärte, lassen Strousbergs Expansionsträume jedoch platzen. Der Gründerkrach bringt ihn um 1879 dann schließlich ins Schussfeld nationalliberaler Reichstagsabgeordneter wie Eduard Lasker und Heinrich von Treitschke, die mit antisemitischen Ressentiments und entsprechenden Schriften Stimmung gegen die „Gier des Gründerunwesens“ und das „Zeitalter deutsch-jüdischer Mischkultur“ machen. Treischkes Machwerk „Unsere Aussichten“ wird verteilt und das Team setzt sich Masken mit krummen Nasen auf.

King Bethel, Teil III Foto: St. B.

King Bethel, Teil III – Foto: St. B.

Strousberg landet schließlich hinter Gittern und eine Pappeisenbahn geht in Flammen auf. Im letzten Teil der Trilogie überschlagen sich die Ereignisse etwas, was sich auch im leicht chaotischen Spiel der multilingualen Truppe bemerkbar macht. Die Fäden laufen nicht mehr so zielsicher zusammen, wie noch beim Bau der Spreewaldgurkenbahn. Und wie eine Bahnlinie mit den Stationen London, Berlin, Istanbul nicht an einem Nachmittag erbaut ist, so lässt sich selbst mit den Mitteln der Imagination in einem Stündchen Theater vergleichsweise wenig an Informationen unterbringen.

Was in den letzten Jahren das Pfund war, mit dem die Truppe wuchern konnte, erweist sich nun vor den Mauern des Parks als großes Manko. Die Einengung auf ein beschränktes Areal, tut der schier grenzenlos, ausufernden Performance nicht immer gut. Ob es dem Mangel an Fördergeldern geschuldet ist, oder den in Kreuzberg allgegenwärtigen Mechanismen zwischen Migration, Integration und Verdrängung, die das Stück ja auch indirekt thematisiert. Egal, was das Performanceteam daraus machen, ist in jedem Fall sehenswert. Es ist den Machern von Shakespeare im Park auf jeden Fall zu wünschen, dass es auch im nächsten Jahr mit ihrem stadtteilerkundenden Spiel weitergeht.

King Bethel. Der Musiker Leigh Jonathan Thomas - Foto: St. B.

King Bethel. Der Musiker Leigh Jonathan Thomas – Foto: St. B.

„Disconto is the New World Esperanto…”
(Shakespeare im Park)

Letzte Termine:

Teil I: So, 25.8 (16h)
Teil II: Sa, 24.8 (19h)
Teil III: Fr, 23.8 (19h)

Ort: Görlitzer Park, Berlin
Wiener Str. Ecke Görlitzer Ufer,
an der äußeren Parkmauer
Der Eintritt ist frei.

zur Livekritik

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„Forest: The Nature of Crisis“ – Im romantisch verwunschenen Müggelwald lässt Constanza Macras die Krise tanzen.

„In der lebendigen Natur geschieht nichts, was nicht in der Verbindung mit dem Ganzen steht.“ Johann Wolfgang Goethe

Die Idee, die satten Kulturgroßstädter im Sommer raus aufs Land zu bringen, ist nicht neu. Es ist noch nicht allzu lange her, dass bei sogenannten Landpartien willige Bildungsbürger Berlins eingesammelt und mit Bussen nach Groß Leuthen, Neuhardenberg oder sonst wohin ins Brandenburgische gekarrt wurden. Meistens klingt das irgendwie nach romantischer Sommernacht in einem abgelegenen Wasserschloss mit angeschlossenem Park, wo feenhafte Wesen auf Ruderboten bei Fackelschein Goethe, Shakespeare, Nietzsche oder Selbstgedichtetes zur Laute deklamieren, während sich das geneigte Publikum am Ufer des Sees bei einem guten Tropfen Wein und Mitgebrachtem aus dem Picknickkorb niederlässt. Als Kontrastprogramm dazu gibt es moderne Kunst in alten ruinösen Gemäuern zu sehen. Das Ganze nennt sich dann Rohkunstbau, und findet immer noch in abgelegen Schlössern im Umland von Berlin statt. Dazu aber vielleicht später noch mehr.

Der Müggelturm - Foto: (c) Andreas Steinhoff

Der Müggelturm – Foto: (c) Andreas Steinhoff

Nicht ganz so deliziös und leicht verdaulich ist die Kost, die uns ebenfalls ab dem 10. August die Choreografin Constanza Macras mit ihrer Tanzcompany „DorkyPark“ im Köpenicker Müggelwald auftischt. Sie bringt die allgegenwärtige Krise samt krisengeschütteltem Kunstpersonal in die Natur. Das nennt sich dann „Forest: The Nature of Crisis“ und stützt sich wohl auf die Theorie vom naturgegebenen Zyklus des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Das Gesetzmäßige dieses zyklischen Auf und Abs lässt sich schon bei Karl Marx nachlesen. Constanza Macras, sonst an der Schaubühne aktiv, interessiert sich nun für die Umsetzung dieser Bewegung in modernen Tanz. Wobei ihr das Gelände am Teufelssee um das stillgelegte Ausflugslokal Müggelturm eine kongeniale Umgebung zu sein scheint. Nur das dieses kriselnde ostdeutsche Vehikel eher eine wendebedingte Altlast darstellt, und nun in Zeiten des allgemeinen Investitionsstillstands wohl endgültig in seinem andauernden Dornröschenschlaf dahindämmern wird.

Nun ist das Gelände wenigsten zeitweilig durch Musenkuss erweckt, und muss sich gleich einer ungewohnt hohen Anzahl nach Kunst gierender Eindringlinge erwehren, die mit Klapphockern, Taschenlampen und mehr oder weniger tauglichem Schuhwerk ausgerüstet, über die alten Waldwege trampeln. Einem Herdenauftrieb gleich strömt das Volk den Weg zum Müggelturm und zur ersten Station der Krisenperformance hinauf, während links im Wald die ersten Opfer gesichtet werden, die schreiend den Hang hinunter stürzen. Oben stehen Dixiklos. Erstaunlicherweise muss nur ich. Das Sturzbier beim Rübezahl-Biergarten am Müggelsee, der pünktlich um 19:00 Uhr schließt, drückt. Jetzt fängt es zu allem Übel auch noch an zu regnen. Das musste ja bei dem andauernden schönen Wetter mal so kommen. Erste Regenschirme werden aufgespannt, während wir an der Prinzessin auf der Erbse, die sich albtraumartig räkelt (sie drückt vermutlich eher der eingenähte Notgroschen), einem herumspringenden Zottelwesen und einem freundlich winkendem Menschen mit Wolfskopf vorbeigehen. „Es wird Ihnen nichts passieren.“ verspricht er fröhlich.

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Treffpunkt am Rand des Müggelwaldes zu „Forest: The Nature of Crisis“ von Constanza Macras. – Foto: St. B.

Da bin auch ich froh und ziehe den Reißverschluss meiner Regenjacke bis unters Kinn zu. Auf einer Waldlichtung sitzen einige der Performer und blasen auf Mundharmonikas Krisensound, während sich Tänzerinnen über den Waldboden drehen, winden und das Haar schütteln. Wir sind zweifellos bei Rapunzel angekommen, wie das Programmheft verheißt. Dazu singt schaurig schön eine Sängerin Schumannlieder, wie Heinrich Heines „Lotosblume“ („Der Mond, der ist ihr Buhle…“) und anderes. Ein Mondlicht ist leider nicht zu sehen. Dafür gibt es jetzt moderne Märchen vom armen Jazzdance Teacher und bösen ausbeuterischen Pizza Master sowie dem Schneewittchen, das heute eine Studentin aus Zaragossa ist, Drogen nimmt, sich für eine Eigentumswohnung schwer verschuldet und eine böse Stiefmutter mit Hang zur plastischen Chirurgie hat. Und der Apfel, der Schneewittchen vergiftet, ist zwar Bio, aber mit Quecksilber belastet. Da hilft wohl nur eine Rückkehr zu den Zeiten vor der großen Depression in den USA. Aber auch das kann Schneewittchen nicht wirklich erwecken. Das ultimative Ziel ist da ein starkes widerstandfähiges Ego, wie wir lernen.

Die nächste Station lädt zu einem ebenfalls recht ironischen Ausflug in die Historie des John Law, einem Ökonomen und Banker der ersten Stunde, der, in England in Ungnade gefallen, Anfang des 18. Jahrhunderts in Frankreich Papiergeld, Kreditwirtschaft- und Aktienhandel einführte und somit die wundersame Vermehrung von Reichtum. Irgendetwas scheint aber damals schon schief gegangen zu sein. Während heutzutage, auch ganz ohne Regen, ein Rettungsschirm nach dem anderen aufgeht, musste Law mal wieder das Land verlassen und verfiel dem Glücksspiel. Kommt einem trotzdem irgendwie bekannt vor. Sich regen, bringt Segen. Und wohl auch deshalb wird wieder getanzt und auf dem Klavier erklingt Richard Claydermans romantische „Ballade pour Adeline“, bevor wir mit dem gestörten Ökosystem der Großstädte, den globalisierten Wegen des Grünen Punkts und der Müllmafia, die unseren Plastikabfall im Indischen Ozean verklappt, konfrontiert werden. Voyage voyage oder der Mensch wird zum Survivalist in einer Welt aus giftigen Plastikgeräten. Thanks BP.

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Im verwunschenen Müggelwald. „Forest: The Nature of Crisis“ von Constanza Macras. – Foto: St. B.

Vor der Ruine des Ausflugslokals am Müggelturm angekommen, haben derlei lehrreiche Abhandlungen dann erst mal Pause und die Truppe tanzt wild über den Betonparkplatz, während der Himmel die Schleusen weiter öffnet. Wohl auch deshalb geht es ziemlich schnurstracks zur letzten Station von Constanza Macras „Tour de force de la crise dans marche de la nature“ durch den mittlerweile ziemlich dunklen und rutschigen Müggelforst. Vom Teufelssee her winken feenhafte Gestalten. Das kennt man ja schon als alter KulTourist, und streut schon mal vorsichtshalber Kiesel auf den Weg, um den Abzweig zur Straße nicht zu verfehlen. Auf einer erleuchteten Waldlichtung sitzt eine Performerin und erzählt dann tatsächlich die Geschichte von Hänsel und Gretel, nur unter ganz anderen Vorzeichen, als noch bei den Brüdern Grimm. Die zwei werden hier von der Stiefmutter zum Betteln nach Buenos Aires gebracht und merken sich den Rückweg an den vielen Werbeplakaten. Als die in Folge der Krise immer mehr aus dem Stadtbild mit seinen Häuserschluchten verschwinden, treffen unsere hungrigen Kids wieder auf den Pizza Master und Hänsel übernimmt, nachdem er aus diesem Traum erwacht, einen Job als Pizzabote und Gretel als Mädchen für alles. Und wenn sie nicht gestorben sind, werden sie bestimmt in nicht allzu langer Zeit reich sein.

Wie um diese ironische Aussicht zu brechen, bewegt sich der ganze Pulk der Performer noch einmal in verstörenden Choreografien der Anziehung und Abstoßung, einem nicht enden wollenden Auf und Ab der krisengeschüttelten Körper. Dazu spielt die Live-Band 80er-Jahre-Rock und Wave-Musik bis die düstere Ballade vom Erlkönig die Show beendet. Und da gibt es tatsächlich nicht mehr viel zu sagen, wie eine Frau im Regen allein am Flügel konstatiert. Der Städter ist wieder mit sich allein und kämpft sich den dunklen Waldweg in Richtung Zivilisation zurück, die er spätestens an der Straße wieder erreicht hat. Und auch wenn die Krise hier recht leicht abperlt, wie der flüchtige Regen, und vorerst abgeschüttelt scheint, wird einiges der Performance sicher noch nachwirken. Ich grolle nicht, und wenn das Herz auch bricht…

Rübezahl - Foto St. B.

Rübezahl.
Foto: St. B.

Darauf schwiegen die Vögelein im Walde.
Über allen Wipfeln ist Ruh
In allen Gipfeln spürest du
Kaum einen Hauch.

Bertolt Brecht nach Goethes „Ein Gleiches“

Siehe auch die Livekritik vom 16.08.13

Keine weiteren Termine mehr in Berlin.

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