Das neue Museum Barberini in Potsdam wartet zur Eröffnung mit Landschaftsmalerei des Impressionismus, Klassikern der Moderne und Künstlern in der DDR auf

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Wolfgang Mattheuers „Jahrhundertschritt“ im Hof des Museum Barberini – Foto: St. B.

Das am 23. Januar 2017 neu eröffnete Museum Barberini am Alten Markt in Potsdam wartet gleich zum Start mit drei Ausstellungen auf. Der milliardenschwere Kunst-Sammler und große Potsdam-Mäzen Hasso Plattner hat das Haus mit einer Ausstellungsfläche von 2.200 Quadratmetern hinter der historisch getreu errichteten Fassade des 1945 zerstörten Palais Barberini in drei Jahren Bauzeit erbauen lassen. Plattners Stiftung finanziert auch den laufenden Betrieb des Museums. In den 17 Ausstellungssälen der zwei Gebäudeflügel können die Besucher auf drei Etagen nun Werke der Kunst der Moderne vom Impressionismus über Fauvismus und Expressionismus bis zur Abstraktion und gegenständlichen zeitgenössischen Kunst aus der Sammlung des SAP-Gründers Plattner bewundern.

 

Recht großzügig gestaltet sich das Eingangsfoyer mit Kassenbereich und Café. Im durch die beiden Gebäudeflügel begrenzten Hof, der sich zur Havel hin öffnet, steht die Großskulptur Der Jahrhundertschritt des Leipziger Malers und Bildhauers Wolfgang Mattheuer. Das Sammeln von Werken ehemaliger DDR-Künstler ist einer der Schwerpunkte Plattners. Eine Auswahl von Gemälden ist in den Räumen des rechten Erdgeschossflügels untergebracht. Hier ist den Werken Mattheuers aus den 1960er bis 1990er Jahren ein ganzer Saal gewidmet. Aber auch die fleischigen Körperportraits von Staatskünstler Willi Sitte, große Geschichtsbilderbögen des Malers Bernhard Heisig, frühe Werke von Arno Rink, oder die der italienischen Renaissance verhafteten Gemälde von Werner Tübke hängen hier dicht nebeneinander. Die Alte Leipziger Schule nimmt einen breiten Raum in Plattners Sammlung ein. Daneben haben es der Hallenser Maler Rolf Händler oder der aus Bautzen stammende Harald Metzkes eher schwer. Ganz im Gegensatz zur überwiegend figurativen Malerei der Vorgenannten steht die zeichenhafte Abstraktion des aus Görlitz stammenden Stefan Plenkers. Ab Ende Oktober sollen in der Ausstellung Hinter der Maske. Künstler in der DDR die verschiedenen Spielarten künstlerischer Selbstinszenierung in der DDR zwischen Rollenbild und Rückzug, verordnetem Kollektivismus und schöpferischer Individualität nebeneinandergestellt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt der Sammlung Plattner ist die Malerei und Plastik der Klassischen Moderne. Im Ausstellungsteil „Klassiker der Moderne“ stehen Max Liebermann, Edvard Munch, Emil Nolde und Wassily Kandinsky im Mittelpunkt. Im ersten Saal des linken Flügels im Erdgeschoss sind die beiden großen Antipoden der Berliner Secession mit ihren prächtigen Gartenbildern zu sehen. Was dem Expressionisten Nolde sein Domizil im nordfriesischen Seebüll war, war dem Spätimpressionisten Liebermann der Garten seiner Villa am Berliner Wannsee. So traut nebeneinander hat man die farbenfrohe Blütenpracht der Streiter um die Moderne selten gesehen.

 

Edvard Munch: „Mädchen auf der Brücke“, 1902, Privatsammlung – Foto (c) Museum Barberini

 

Dem Düsteren unter den Modernen, Edvard Munch, ist der hintere Saal gewidmet. Eines der Highlights der Ausstellung ist sein 1902 entstandenes Gemälde Mädchen auf der Brücke. Das Bild aus einer ganzen Serie, die Munch von 1899 bis in die 1920er Jahre im norwegischen Badeort Åsgårdstrand malte, wurde erst im November 2016 für umgerechnet 50,7 Millionen Euro von einem US-amerikanischen Privatsammler beim New Yorker Aktionshaus Sotheby’s ersteigert. Nur Munchs berühmter Schrei war teurer. Aber sicher ebenso eindrucksvoll ist die sich im dunkelblauen Wasser spiegelnde gelbe Mondsäule auf dem Gemälde Sommernacht am Strand (1902/03).

Der Mitbegründer der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ Wassily Kandinsky bildet im 1. OG den Übergang vom Impressionismus über den Jugendstil und die Fauves zur Abstraktion. Neben seinem von Hinterglasmalerei inspiriertem Gemälde Weißer Klang (1908) hängen der Wiener Jugendstilmaler Gustav Klimt und der französische Maler und Grafiker Maurice de Vlaminck. Über eine Galerie mit Skulpturen des französischen Bildhauers August Rodin gelangt man schließlich zur zeitgenössischen Moderne mir abstrakten Werken von Gerhard Richter, der gerade seinen 85. Geburtstag feiert, dem Mexikanischen Maler Rufino Tamayo oder dem abstrakten Expressionisten Sam Francis aus Kalifornien. Platterns transatlantische Sammlerleidenschaft schließt auch den Pop-Art-Künstler Andy Warhol mit dessen Gemälde Viermal Mona Lisa ein.

 

Claude Monet: Seerosen, 1914–1917
Privatsammlung, Scan RECOM ART

 

Die größte der drei Eröffnungsausstellungen ist aber die Schau Impressionismus. Die Kunst der Landschaft. Hier vereint Museumschefin Ortrud Westheider auf beiden Flügeln im 1. und 2. Obergeschoss des Hauses 93 Werke bekannter französischer Impressionisten. Mit allein 41 Gemälden gibt es sogar eine kleine Retrospektive der Naturmalerei von Claude Monet. Wald und Lichtung, Weite des Meeres, Winterlandschaften, Himmel und Felder, sowie Gartenbilder und die berühmten Seerosen, die Monet auf seinem Landsitz in Giverny von 1904 bis 1918 in Serie malte, sind der Themenkreis dieser umfangreichen Ausstellung, in der Monet auch mit seinen ebenfalls in Serie entstandenen Bildern von Heuschobern vertreten ist. Weitere wichtige Werke sind von Gustave Caillebotte, Camille Pissarro, Pierre-Auguste Renoir, Paul Signac und Alfred Sisley. Die französischen Maler des Lichts glänzen hier mit faszinierenden Wasserspiegelungen, Lichtreflexen und scheinbar flüchtigen Farbtupfern, die sich erst im Auge des Betrachters mischen.

 

Gustave Caillebotte: „Die Brücke von Argenteuil und die Seine“, um 1883, Privatsammlung – Foto (c) Museum Barberini

 

Einziges Manko dieses neuen Tempels der Moderne ist doch die recht verwinkelte Architektur des im Stil des Klassizismus wiedererbauten Barock-Palazzos, das einem die Orientierung doch etwas erschwert und die bei aller mondänen Pracht die Diskussion über den verhinderten Neubau an der Stelle des alten Mercure Hotels wohl so schnell nicht verstummen lassen wird. Vor- und Nachteile einer modernen Ausstellungsarchitektur mit großzügigen, weiten Räumen gegenüber den Liebhabern eines gediegenen Historizismus werden sich sicher demnächst am geplanten Neubau der Kunsthalle am Berliner Kulturforum ausmachen lassen. Ansonsten lockt das Museum Barberini bereits mit einer Vorschau auf Kommendes. Neben der im Oktober beginnenden Schau Hinter der Maske. Künstler in der DDR setzt das Haus, das jährlich drei Ausstellungen organisieren will, ab Juni mit Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne den Fokus auf die Klassiker der Moderne fort und gibt einen Ausblick auf das Jahr 2018, das im Februar mit Max Beckmann. Welt-Theater starten wird.

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Klassiker der Moderne. Liebermann, Munch, Nolde, Kandinsky
23. Januar bis 28. Mai 2017

Impressionismus. Die Kunst der Landschaft
23. Januar 2017 bis 28. Mai 2017

Künstler in der DDR. Aus der Sammlung des Museums Barberini
23. Januar bis 3. Oktober 2017

Museum Barberini
Alter Markt
Humboldtstr. 5–6
14467 Potsdam

Infos: http://museum-barberini.com/

Zuerst erschienen am 12.02.2017 auf Kultura-Extra.

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