Die Eröffnung der neuen Volksbühne mit drei Beckett-Einaktern von Walter Asmus und „Women in Trouble“ von Susanne Kennedy

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Nicht Ich / Tritte / He, Joe – Walter Asmus inszeniert drei Einakter des irischen Dramatikers Samuel Beckett als Referenz für das Avantgarde-Erbe der neuen Volksbühne Berlin unter Chris Dercon

Viel Streit im Vorfeld (Castorf– versus Dercon-Jünger), dann Tanzeröffnung im September auf dem Tempelhofer Feld, eine syrische Iphigenie-Adaption im Hanger 5 und dann nochmal Ärger mit einer Besetzung des Haupthauses am Rosa-Luxemburg-Platz durch junge politisch engagierte Performance-Künstler. Sie wurden nach gescheiterten Verhandlungen durch die von Chris Dercon herbeigerufene Polizei geräumt. Absperrgitter standen seitdem vor dem Zugang. Kaum glaubte man noch daran, dass auch hier wieder Theater auf der großen Bühne gespielt werden würde. Nun ist also am Wochenende des 10. bis 12. November die Volksbühne Berlin unter neuer Intendanz doch noch ganz offiziell mit drei Beckett-Einaktern – flankiert von Arbeiten des deutsch-britischen Performances-Künstlers Tino Sehgal – feierlich eröffnet worden. Sehr begeistert zeigte sich das Gros der Kritikerzunft jedoch nicht.

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In den Spielplan der Volksbühne übernommen wurden die Einakter Nicht Ich / Tritte / He, Joe, inszeniert vom ehemaligen Beckett-Assistenten und jahrelangen Regisseur von dessen Stücken Walter Asmus, gespielt von der ehemaligen Schauspielmuse des Schaubühnenintendanten Thomas Ostermeier Anne Tismer (die schon vor Jahren ins freischaffende Performancegeschäft gewechselt ist, das Ballhaus Ost mitbegründete und eine Zeitlang in Togo lebte). In He, Joe ist der dänische Schauspieler Morten Grunwald (bekannt als Benny aus zahllosen Olsenbanden-Filmen) zu sehen.

 

Anne Tismer´s Mund im Beckett-Monolog Nicht ich an der Volksbühne Berlin – Foto (c) David Baltzer

 

Die neue Volksbühnenleitung beansprucht den irischen Schriftsteller und Dramatiker Samuel Beckett als neuen Hausheiligen. Chris Dercon ist dabei vor allem bemüht um Becketts spätes dramatisches Werk, das aus einer starken formalen Reduktion früherer Stückthemen besteht. Sehr viel Endspiel, etwas von Glückliche Tage oder auch Das letzte Band. Immer geht es um letzte Dinge, verzweifelte Rückblicke und den ausweglosen Horror aus immer gleichen, sinnlosen Verrichtungen. Hier steht aber mehr Becketts Sinn für Bilder, Bewegung, Licht, Stimme und Ton im Vordergrund. Es geht um die Frage – wie es Programmdirektorin und Dramaturgin Marietta Piekenbrock in der Einführung zur Vorstellung am 28. November ausdrückte – , welches Erbe uns das 20. Jahrhundert übergeben hat. Beckett als Motor der heutigen Avantgarde. Ein Gruß „tief aus dem Maschinenraum des 20. Jahrhunderts“ an die Zukunft, die gerade die Grenzen zwischen Theater und Performance auslotet.

Der späte Beckett mit seinen experimentellen Einaktern ist da tatsächlich eine Referenz, besonders was die Nähe zur bildenden Kunst, um die es Museumsmann Dercon ja auch geht, betrifft. Mit seinen streng zu befolgenden Regieanweisungen hat Beckett geradezu ikonische Inszenierungen geschaffen, die Walter Asmus dann auch fast schon retrospektiv rekonstruiert. Im Nachgespräch mit Intendant Chris Dercon betonte der Regisseur seine Abneigung gegenüber modernen Interpretationen, in denen etwa Glückliche Tage nicht in einem Erdhügel, sondern in einer überfluteten Küche spiele. Damit muss er wohl die Inszenierung von Katie Mitchell am Deutschen Schauspielhaus Hamburg meinen. Die ebenfalls sehr formstark arbeitende britische Regisseurin hatte bereits 2014 für die Werkstatt der Staatsoper Berlin im Schillertheater Footfalls (Tritte) mit einer Opernbearbeitung von Neither nach dem Text Becketts durch den Komponisten Morton Feldman zusammengeführt.

 


Volksbühne Berlin am 28. November 2017: Chris Dercon (li.) im Gespräch mit Walter Asmus – Foto: St. B.

 

Das ist wohl das, was Asmus dann auch mangelnde Demut oder grassierenden Hochmut des Regietheaters nennt. Variationen würden den Stücken die Poesie nehmen. Von Peter Stein und Claus Peymann sind ähnlich lautende Aussagen zum mangelnden Respekt vor Autor und Text bekannt. Dass Chris Dercon von Claus Peymann die Abschaffung des Literaturtheaters vorgeworfen wurde, kontert der nun geschickt, allerdings auch etwas anachronistisch, mit diesen werktreuen Beckett-Rekonstruktionen von Walter Asmus. Auch wenn der, wie er betonte, nicht ewig im Beckett-Schleim waten möchte, schwelgt er an diesem Abend noch etwas in Anekdoten aus Becketts Berliner Zeit und wirft dem „Dödel von der Presse“, der ihm peinlichen Kitsch vorwarf, ein „So what“ hinterher.

Dass Marietta Piekenbrock in der Einführung allerdings dermaßen vehement auf Becketts German Diaries abhebt, macht den Abend fast schon zur Werbeveranstaltung für die gerade angelaufene Ausstellung German Fever. Beckett in Deutschland und die Volksbühne Berlin zur Dependance des ausrichtenden Deutschen Literaturarchivs in Marbach. Der sich 1936/37 auf Bildungsreise in Deutschland befindende Beckett trifft auf den der 1970er Jahre mit seinen legendären Inszenierungen am Berliner Schillertheater. Beckett und Deutschland eine Art stetige Hassliebe. „Ich bin froh, wenn ich hier weg bin“, schreibt Beckett über München. Wer möchte da nicht an Chris Dercon denken.

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Zur Wirkung des Abends muss man leider sagen, dass der durch eine plötzliche Unpässlichkeit Anne Tismers hier nicht wirklich in Gänze beurteilt werden kann. Die Schauspielerin erlitt direkt nach dem ersten Stück Nicht ich einen Kreislaufzusammenbruch, wie Walter Asmus später berichtete. Bei der starken Intensität der Textdarbietung, bei der gemäß Vorgabe Becketts in totaler Dunkelheit nur der angeleuchtete, grellrot geschminkte Mund der Performerin zu sehen ist, verwundert das nicht. Asmus selbst sprach von Übelkeitsanfällen im Publikum bei der Uraufführung 1972 in New York.

Es bedarf hier seitens der Schauspielerin einer bestimmten Atemtechnik, um den in stetigen Schleifen nur durch kurze Pausen und Schreie unterbrochenen, stakkatohaft ausgestoßenen Wortschwall (ein, wie es im Text auch heißt, Sausen im Hirn) zu bewältigen. Sprache und Stimme wirken hier sehr körperlich. Asmus betonte die außergewöhnliche Musikalität des Textes, der wie eine Partitur strukturiert sei. Tismer gelingt die Umsetzung dieser Kopfstimme, die sich in ständig flimmernder Selbstvergewisserung vor dem letztendlichen Auslöschen wehrt, auch auf sehr eindrucksvolle Weise.

Leider musste die anschließende Aufführung des zweiten Stücks Tritte, einem Kopfdialog einer Tochter mit ihrer Mutter, den Tismer ansonsten im Gegensatz zum Original ganz allein bewältigt, ausfallen. Als Tochter hat sie beständig eine ganz bestimmte Schrittanzahl zu absolvieren, während sie parallel auch die Mutter spricht. Eine ganz genau bemessene zeitliche Abfolge von Stimme, Licht und Bewegung im Raum, die einen sehr starken fast schon maschinellen Installationscharakter besitzt.

 

Morten Grunwald in Großaufnahme bei Becketts He, Joe an der Volksbühne Berlin – Foto (c) David Baltzer

 

Stimmen im Kopf auch bei dem 1965 für die BBC entstandene Film Eh Joe (He, Joe). Beckett hat ihn zeitlich parallel mit dem Aufkommen der Videokunst als Experiment ohne jeglichen Schnitt entworfen. Das „Stück für Stimme und Gesicht“ hat Beckett dann 1966 nochmal für den Süddeutschen Rundfunk aufgenommen. Morten Grunwald sitzt nun in der deutschen Erstaufführung einer Bühnenfassung, die allerdings schon in Kopenhagen gespielt wurde, hinter einem Gazevorhang, während sein Gesicht in Großaufnahme auf den Vorhang projiziert wird. Die Kamera fährt dabei mit der Zeit immer näher an die sich lediglich mimisch bewegende Gesichtslandschaft von Grunwald. Vom Band kommt flüsternd die Stimme Anna Tismers. Es ist die Stimme des Gewissens, die dem Mann den Selbstmord einer früheren Geliebten vorwirft und ihm seine Schuld und Einsamkeit vor Augen führt, ihn dabei geradezu verhöhnt.

Dieses sehr minimalistische Spiel mit Bild und Sprache bei Beckett ist es, was Chris Dercon so fasziniert, das er es mit zeitgemäßen Darstellungsformen vor allem in der Performancekunst wie etwa den Silikonmasken tragenden menschlichen Avataren in den Inszenierungen von Susanne Kennedy, bei der die Stimmen der ProtagonistInnen ebenfalls vom Band eingespielt werden, vergleichen will. Woman in Trouble, Kennedys erste Inszenierung für die Volksbühne, hatte auch just am 30. November im Großen Haus Premiere. Es wird sich zeigen, inwieweit die Übertragung dieses retrospektiven Avantgardegedankens aus den 1970er Jahren auf die zeitgenössische Theaterkunst nicht auf einem großen Missverständnis beruht. Ansonsten dürfte diese Art des Theaterspielens nämlich kaum noch wirklich zeitgemäß sein und auf Dauer auch nicht den großen Saal der Volksbühne füllen.

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Nicht Ich / Tritte / He, Joe (Volksbühne, 28.11.2017)
Von Samuel Beckett
Regie: Walter Asmus
Bühne & Kostüme: Alex Eales
Dramaturgie: Marietta Piekenbrock
Mit: Anne Tismer, Morten Grunwald
Die Premiere war am 10.11.2017 in der Volksbühne Berlin
Dauer: ca. 75 min.
Termine: 21., 28.12.2017

Info: https://www.volksbuehne.berlin/de

Zuerst erschienen am 01.12.2017 auf Kultura-Extra.

 

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Women in Trouble, eine 3D-Computerwelt mit Live-Avataren von Susanne Kennedy beschließt den Reigen der Eröffnungspremieren an der neuen Volksbühne Berlin

Susanne Kennedy ist seit ihren Münchner Inszenierungen von Marie-Luise Fleißers Fegefeuer in Ingolstadt und Rainer-Werner Fassbinders Warum läuft Herr K. Amok bekannt für ihre übertrieben künstliche Ästhetik, bei der die DarstellerInnen Latex-Masken tragen und die Stimmen vom Band kommen. Die Regisseurin hat dieses Prinzip immer weiter verfeinert, und in ihrer dritten Münchner Inszenierung The Vergin Sucides wandeln ihre Figuren wie Computer-Avatare durch eine künstliche Bühneninstallation. Letztere Arbeit entstand in Koproduktion mit der neuen Volksbühne unter Chris Dercon und wird dort auch im März 2018 in den Spielplan übernommen. Seitdem bekannt ist, dass Suzanne Kennedy zum künstlerischen Stab der neuen Volksbühne gehört, war man vor allem gespannt auf ihre erste Arbeit, die nun den Abschluss der Eröffnungspremieren im Haupthaus bilden sollte.

 

Women in Trouble an der Volksbühne Berlin
Foto (c) Julian Röder

 

Im Vorfeld hatte Programmdirektoren Mariette Piekenbrock die Nähe von Kennedys Maschinenwesen aus ihrer neuen Produktion für die Volksbühne zu den Figuren in den ästhetisch stark reduzierten Einaktern von Samuel Beckett aus den 1960er und 70er Jahren betont. Beckett wurde als „Motor aus dem Maschinenraum des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet und als Beglaubigung der Begründung einer neuen Theatertradition im selbst an Traditionen nicht armen Haus am Rosa-Luxemburg-Platz über die erste Spielzeit gestellt. Das scheint starker Tobak, sollte sich aber nur wenige Wochen später tatsächlich bewahrheiten. Jetzt bekam das Theaterpublikum zur Premiere von Women in Trouble diese neuen Welten auch live auf der Bühne präsentiert. „Lifespring“ heißt diese Wellness-Oase, die sich Regisseurin Kennedy von ihrer Bühnenbildnerin Lena Newton mit mehreren Räumen auf der Drehbühne im Großen Haus am Rosa Luxemburgplatz hat bauen lassen.

Eine Computerspielwelt in 3D, in der mehrere wie Avatare auftretende PerformerInnen [Namen s.u.] in den besagten ausdruckslosen Silikonmasken zu einer vom Band laufenden Tonspur in englischer Sprache mit ebenso emotionslosen Stimmen die Münder bewegen. Den Text hat sich Suzanne Kennedy aus Blogs, Fernsehserien und Kinofilmen wie etwa John Cassavetes Opening Night sowie Schriften von Gilles Deleuze und Antonin Artaud zusammengesucht. Den Plot bildet dann auch eine fiktive Web-Serie, in der eine Schauspielerin namens Angelina Dreem die Hauptrolle spielt. Angelina hat Lungenkrebs und geht zur Behandlung in besagte Krebsklinik eines Dr. Chue. Aber sie spielt diesen Part gleichzeitig auch in der Serie, die ihr Sterben sozusagen als Reality-Show ausschlachtet. Sich wiederholende Szeneanordnungen, die von einer männlichen Stimme aus dem Off diktiert werden, zeigen Angelina im Gespräch mit ihrem Lover, der Mutter, dem Arzt oder bei TV-Interviews. In Drehs für die Serie, bei der sie von ihrem männlichen Partner geschlagen werden soll, thematisiert Kennedys Inszenierung auch genderspezifische Probleme.

Dabei laufen die Szenen vom einen Raum des Bühnenkarussells zum nächsten, verdoppeln und verdreifachen sich diese Angelinas oder spiegeln sich vor einer durchsichtigen Wand ineinander. Und wenn dieser weibliche Avatar ohne jegliche innere Regung betont „I am on my way to happiness and free future“, dann ist das natürlich auch eine zutiefst traurige Botschaft, sind doch diese Heilsversprechen der Selbstoptimierungsindustrie bekanntlich auch extrem fragwürdig. Die teilnahmslose Trostlosigkeit dieser Bilder überträgt sich dabei automatisch auch auf das Publikum, das sicher spätestens nach einer halben Stunde begriffen haben wird, wohin das alles zielt, allerdings nicht durch die glatte Oberfläche dieser Welt tiefer einzutauchen vermag. Durch die Röhre eines laut brummenden Computertomografen erfolgt schließlich der Übertritt in eine neue Stufe des Bewusstsein, ob nun mit oder ohne Körper. Die philosophischen und spirituellen Textsplitter vom Band lassen das Ganze wie eine pseudowissenschaftliche Esoterik-Show wirken.

 

Women in Trouble an der Volksbühne Berlin
Foto (c) Julian Röder

 

Die Verheißung der Wiedergeburt führt dann aber lediglich in eine weitere Welt des ewig Gleichen, nur dass sich die Bühne nun in die andere Richtung dreht. Ein immer währender Limbus. Die Vorhölle dessen, was nun in Zukunft an der Volksbühne stattfinden wird. Und da gleicht diese Maschinerie der Susanne Kennedy tatsächlich fatal der von Samuel Beckett, der von Marietta Piekenbrock gern als Motor aus dem Maschinenraum des 20. Jahrhunderts bezeichnet wird. Man hat ihn ja ganz bewusst als Beglaubigung des Folgenden an den Anfang der Spielzeit gestellt, die zunehmend eine Austreibung des Menschen-Theaters mit den Mitteln der zeitgenössischen bildenden Kunst betreibt. Objekte, Installationen und Videoarbeiten die all überall schon die Kunsthallen der Gegenwart füllen. Die 9. Berlin Biennale im vergangenen Jahr nannte das „The Present In Drag“. Die Gegenwart hat sich verkleidet, ist weder erkennbar noch zu verstehen. Konventionelle Formen der künstlerischen Gesellschaftskritik greifen daher nicht mehr. Die netzaffine Kunst ist dabei ganz in die Ästhetik der alltäglichen Werbewelt gewandet. Wobei die virtuelle Welt zunehmend als Realität wahrgenommen wird, Nationen als Marken, Menschen als Daten und die Kultur als Kapital. Ähnliches haben wir schon vom neuen Volksbühnenintendanten Chris Dercon gehört.

Und so belässt es Susanne Kennedy auch dabei, lediglich auf unseren Alltag beherrschende Widersprüche zu verweisen. Woman in Trouble ähnelt da sehr der Videoinstallation What the Heart Wants von Cécile B. Evans. Auch da geht es ja u.a. um den Menschen in der der Netz-Gegenwart, um sein Sterben und das Weiterleben als virtueller Avatar im eigenen Social-Media-Account. Sicher geht es in Kennedys Arbeit noch um einiges mehr. Aber das Erstarren des Theaters in einer bloßen Installation, die Menschen als Avatare benutzt und den Text nur als begleitende Tonschleife mitlaufen lässt, ist 2,5 Stunden lang leider ziemlich langweilig. Die fehlenden Emotionen spiegeln sich auch in einem recht eintönigen Technosoundtrack, der sich zunehmend verstärkt und schließlich am Ende in den fast schon kitschigen Choral Lacrimosa II des polnischen Filmkomponisten Zbigniew Preisner, u.a. bekannt durch hochemotionale Orchesterstücke zu Terence Maliks Tree of Life oder Krzysztof Kieślowskis Die zwei Leben der Veronika. Damit setzt Kennedy einen pathetischen Kontrapunkt.

„Ich like America and America likes Me“, heißt es einmal beiläufige im Text. So lautet auch der Titel einer kapitalismus- und kolonialismuskritischen Kunstaktion von Joseph Beyus in einer New-Yorker Galerie, bei der sich der Künstler 1976 vier Tage lang zusammen mit einem Kojoten in einen Käfig einsperren ließ. Der Kojote stand hier vor allem als Symbol für den Schöpfungsmythos der nordamerikanischen Ureinwohner. Mehr muss man zum großen Irrtum dieser bemüht an Vorbildern klebendenden Volksbühneneröffnung nicht sagen. Und wenn die letzten Worte der Inszenierung „Zeige deine Wunde“ lauten, so ist das nicht nur ein Verweis auf den großen Meister der sozialen Plastik, der in diesem Werk seine biografischen Verwundungen thematisiert hat, sondern auch auf seine Nachfolger wie etwa Christoph Schlingensief, der hier wohl auch eine der Inspirationsquellen Kennedys zu sein scheint. Nur hat Schlingensief in seinen letzten Arbeiten dezidiert sich selbst mit seiner Krankheit in den Mittelpunkt ge- und extrem persönliche Empfindungen dazu ausgestellt. Susanne Kennedy zeigt nur ein ausdrucksloses und dazu noch sehr fremdelndes Abbild dessen.

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Women in Trouble (Volksbühne, 30.11.2017)
Von Susanne Kennedy
Stationendrama
Regie & Text: Susanne Kennedy
Bühne: Lena Newton
Kostüme: Lotte Goos
Licht: Rainer Casper
Video: Rodrik Biersteker
Sound Design: Richard Janssen
Mit: Suzan Boogaerdt, Marie Groothof, Niels Kuiters, Julie Solberg, Anna Maria Sturm, Bianca van der Schoot, Thomas Wodianka
Die Uraufführung war am 30.11.2017 in der Volksbühne Berlin
Dauer: 150 Min.
Englisch mit deutschen Übertiteln
Koproduktion: Theater Rotterdam
Termine: 03., 10., 23., 27.12.2017

Infos: https://www.volksbuehne.berlin/

Zuerst erschienen am 03.12.2017 auf Kultura-Extra.

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