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Revolutionsgedenken im Kino und Theater – „1917 – Der wahre Oktober“ von Katrin Rothe beim 27. Filmfestival Cottbus und „Lenin“ von Milo Rau in der Berliner Schaubühne

Montag, November 13th, 2017

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1917 – Der wahre Oktober – Regisseurin Katrin Rothe erzählt in ihrer Animations-Doku die russische Oktoberrevolution aus Sicht der Künstler

2017 jährt sich zum 100. Mal die sogenannte Oktoberrevolution, bei der die Bolschewiki gewaltsam die Macht über Russland an sich riss. Zu diesem Thema ist in unzähligen Geschichtsbüchern viel geschrieben worden. Fünf Jahre nach der Oktoberrevolution begann Lenin auch das Medium Film für Propagandazwecke zu nutzen. Bekanntestes Filmzeugnis der damaligen Ereignisse ist der 1927 von Sergei Eisenstein (Regisseur des berühmten Stummfilms Panzerkreuzer Potemkin über die gescheiterte Revolution von 1905) gemeinsam mit seinem Kollegen Grigorij Alexandrow gedrehte Revolutionsfilm Oktober, in dem der legendäre Sturm auf das Winterpalais im Stile eines Dokumentarfilms nacherzählt wird. Das sind nach wie vor die Bilder, die im Gedächtnis der Menschheit mit diesem die Welt erschütternden Ereignis in Verbindung gebracht werden.

Regisseurin Katrin Rothe wollte aber wissen, „wie die Revolution damals von Künstlern erlebt wurde“. Geschichten aus erster Hand sozusagen. Die Grimme-Preisträgerin hat anhand der Aufzeichnungen von 5 Protagonisten aus der St. Petersburger Künstlerszene, die in jener Zeit aktiv an den Umwälzungen beteiligt waren, eine ganz spezielle filmische Dokumentation aus Sicht der kreativen russischen Avantgarde und Intelligenzija auf das Jahr 1917 geschaffen. Rothe projiziert die Ereignisse ausgehend von der Februar-Revolution und der Abdankung des Zaren über die Zeit der Doppelherrschaft der Sowjets und provisorischen Kerenski-Regierung bis zum Sturm auf das Winterpalais durch die Bolschewiki im Oktober auf einem roten Zeitstrahl in ihrem Wohnzimmer.

Für ihren dokumentarischen Animationsfilm 1917- Der wahre Oktober benutzte die Regisseurin die konventionelle Legetricktechnik, bei der Figuren aus Papier, Pappe und Stoff in vielen Einzelaufnahmen vor einem gezeichneten oder auch realen Hintergrund bewegt werden. So entstehen recht kunstvolle und lebendige Bilder, die heraus aus den Salons der Künstler immer wieder die Stimmung auf den Straßen zeigen und reflektieren. So etwa in den Tagebuchaufzeichnungen der skandalumwitterten Dichterin Sinaida Hippius, die einen legendären Künstlersalon in Petersburger unterhielt und eng mit dem Chef der Übergangsregierung Alexander Kerenski befreundet war. Über damaligen Massenproteste gegen den Krieg und Hunger in Russland vor der Duma schrieb sie: „Gut wäre es, wenn man blind und taub wäre, einfach kein Interesse zeigte, Gedichte schriebe von Ewigkeit und Schönheit. Ach wenn ich das nur könnte.“ Aber sie weiß auch um bevorstehenden Zusammenbruch der alten Macht der Obrigkeit und ihrer erfolglosen Politik der immer weiteren Entfernung vom Volk. „Deshalb wird das, was kommen wird, nackt und bloß sein, von unten kommend“, prophezeit die düster aus ihrer Wohnung schauende Dichterin den kommenden Umsturz.

 

1917 – Der wahre Oktober(c) Katrin Rothe Filmproduktion

 

Dagegen ist die Begeisterung des jungen futuristischen Dichters Wladimir Majakowski, der bei den motorisierten Truppen in Petersburg stationiert ist, nahezu grenzenlos. Er schreibt eine Poetokronik der Revolution, beteiligt sich an Demonstrationen und Versammlungen und sieht die Bolschewiki der Kunst heraufziehen. Seine Aufritte mit Schiebermütze und roter Schleife am Reverse sind mit Beatboxing unterlegt. Ähnlich ist es mit dem avantgardistischen Maler und Soldaten Kasimir Malewitsch, der ein revolutionäres Manifest der Kunst nach dem anderen veröffentlicht und in einer farbig bunten, seine suprematistischen Kunst wiederspiegelnden Kleidung dargestellt ist. Allerdings blieb es nicht bei der anfänglichen Euphorie. Malewitsch wurde 1926 als avantgardistischer Künstler und Hochschullehrer von Stalin kaltgestellt. Majakowski nahm sich 1930 enttäuscht das Leben.

Nachdenklicher und reflektierten sind da die später in Paris geschriebenen Memoiren des Maler und Kunstkritikers Alexander Benois. Er engagiert sich zusammen mit dem Schriftsteller Maxim Gorki in einem marxistischen Künstlerkomitee, das zunächst in Gorkis Wohnung tagte, sich später nach der Oktoberrevolution aber wieder auflöste. Auch Gorki als Marxist und langjähriger Weggefährte Lenins ist skeptisch und glaubt nicht an den Sieg der Straße. Er schreibt viel in der Zeitschrift Nowaja Shisn, kritisiert Plünderungen und Kunstvandalismus, ist sogar für eine Weiterführung des Krieges. Mehr oder weniger aber werden diese kritischen intellektuellen Geister, wie auch die gegen die wachsende Agitation der Bolschewiki argumentierende Dichterin Hippius, vom Druck der Straße überrollt.

 

1917 – Der wahre Oktober(c) Katrin Rothe Filmproduktion

 

Was die unzufriedenen Massen eint, sind der Hunger und der Hass auf den Krieg und die nicht handelnde provisorische Regierung. Immer wieder schneidet die Regisseurin schwarze bewaffnete Kämpferreihen aus und lässt sie über blutrote Straßen marschieren. Die alte Macht bricht zusammen. Erste Struktur bekommt der Aufstand durch die Bildung der Arbeiter- und Soldaten-Räte. Das Volk aus Arbeitern, Bauern und desertierten Soldaten, dem die zumeist noch im Exil oder der Verbannung lebenden Führer fehlen, organisiert sich selbst. Dafür, wie diese revolutionäre Situation durch die zahlenmäßig gar nicht so bedeutende Bolschewiki unter Lenin und Trotzki ausgenutzt werden konnte, kann der Film zwar auch endgültige keine Erklärung bieten. Er bildet aber ein der Ästhetik der Zeit gerechtes filmisches Kunstwerk, das gut die schwierige Rolle der Kunst in der Revolution zeigt.

Erfreulich ist, dass der bereits im Mai angelaufene Film nun nochmal in der Reihe „Bruderkuss: Vision und Alltag – Sozialistische Realitäten im osteuropäischen Kino“ beim 27. Filmfestival Cottbus zu sehen war. Der 90minütige Streifen kann noch bis zum 1. Dezember in einer gekürzten Fassung in der Mediathek des koproduzierenden Senders arte gesehen werden.

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1917 – Der wahre Oktober
Deutschland/Schweiz (2017)
Buch & Regie: Katrin Rothe
Musik: Thomas Mävers
Montage: Silke Botsch
Storyboard: Caroline Hamann
Maximilian Brauer spricht Wladimir Majakowski
Hanns Zischler spricht Benois
Claudia Michelsen spricht Sinaida Hippius
Martin Schneider spricht Maxim Gorki
Arno Fuhrmann spricht Kasimir Malewitsch
Thomas Mävers, Komposition
Silke Botsch, Montage
Caroline Hamann, Storyboard
Jonathan Webber, Character Design
Werner Schweizer, Koproduzent, Dschoint Ventschr
Peter Roloff, Koproduzent für maxim film
Character-Design: Jonathan Webber
Schattenfiguren-Design: Nino Christen, Keti Zautashvili
Hintergrundzeichnung: Alma Weber, Caterina Wölfle
Siebdruck: Susann Pönisch
Farbgestaltung und Lettering: Tonina Matamalas
Figurenbau/Kostüm: Hélène Tragesser, Alma Weber, Lydia Günther, Doris Weinberger, Tamari Bunjes, Maria Steimetz
Animation: Lydia Günther, Lisa Neubauer, Caroline Hamann Gabriel Möhring Matthias Daenschel, Jule Körperich
Weitere Animationen: Karin Demuth, Kirill Abdrakhmanov, Caterina Wölfle, Donata Schmidt-Werthern, Thurit Antonia Kremer, Maria Szeliga
Lineproducing Animation: Katrin Rothe
Compositing: Matthias Daenschel, Rainer Ludwigs, Felix Knöpfle, Thorsten Pengel, Katrin Rothe
Kamera Animation: Björn Ullrich, Markus Wustmann
Assistenzen: Anna Maysuk, Gregor Stephani, Donata Schmidt-Werthern, Lara Czielinski, Lina Walde, Knut Rothe, Jenefer Flach
Kamera: Thomas Schneider, Robert Laatz
Ausstattung: Dennis Hannig
Standfotos: Thomas Funk
Sound Design: Anders Wasserfall
Beatbox-Artist: Das Friedl
Geräuschemacher: André Feldhaus, Urs Krüger
Sprachaufnahmen Deutsch: Klemens Fuhrmann, soundcompany berlin audiopost
Sprachaufnahmen Englisch: Ramon Orza, Tonstudios Z.
Musikaufnahmen: Stefan Ulrich, palais aux etoiles
Tonmischung: Oliver Sroweleit, Studio Nord Bremen

Infos: http://www.1917-derfilm.de/

Zuerst erschienen am 09.11.2017 auf Kultura-Extra.

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A schöne Leich – An der Berliner Schaubühne inszeniert Milo Rau einen Tag im Sterben des großen Revolutionsführers Lenin.

Ursina Lardi als Lenin von Milo Rau & Ensemble an der Schaubühne
Foto (c) Thomas Aurin

Wladimir Iljitsch Uljanow (1870-1924), genannt Lenin, ist eine unsterbliche russische Revolutionsikone, einbalsamiert und zur Schau gestellt in einem Mausoleum auf dem Roten Platz in Moskau. Man kann sein Konterfei auf T-Shirts kaufen, es ziert Fahnen und Bücher. Ähnliche Popularität genießen nur noch Männer wie Mao Zedong, Hồ Chí Minh oder Che Guevara. Alle samt Pop-Ikonen der kommunistischen Weltrevolution. Lenin könnte man aber als deren Vater bezeichnen. Der nach ihm benannte Leninismus ist eine an die Gegebenheiten des zaristischen Russlands angepasste Variante der politisch-ökonomischen Lehren von Karl Marx. Nach Lenins Tod nannte es sein Nachfolger Stalin dann auch ganz pragmatisch Marxismus-Leninismus. Bestimmend für diese Weltanschauung ist die Führung einer sogenannten kommunistischen Partei neuen Typus. Letztendlich kann man diese Parteiideologie auch als einen wissenschaftlich verbrämten Personenkult bezeichnen, womit wir dann wohl auch beim Thema des Theaterabends Lenin, den der Schweizer Recherchetheatermacher Milo Rau für die Schaubühne am Lehniner Platz inszeniert hat, wären.

Pünktlich zum 100. Jahrestag der von Lenin mitinitiierten Großen Sozialistischen Oktoberrevolution in Russland widmet man sich also an der Schaubühne – nach einem Ausflug in die Ursachen des Niedergangs der europäischen Linken mit der Ostermeier-Adaption von Didier Eribons vieldiskutiertem Sachbuch Rückkehr nach Reims – nun den Anfängen des Umsturzes bürgerlich-kapitalistischer Regierungssysteme und der Machtergreifung marxistisch-leninistischer Diktaturen des Proletariats. In Russland musste im Februar 1917 der Zar infolge einer bürgerlichen Revolution abdanken. Es kam zunächst zu einer Doppelherrschaft von Parlament (Duma) und Arbeiter- und Soldatenräten (Sowjets). Für Herbst war die Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung geplant. Im Oktober stürzten dann aber bewaffnete Teile der Sowjets unter der Führung der Bolschewiki die provisorische Kerenski-Regierung und ergriffen die Macht. Über die Fakten im Hintergrund des Streits um den Austritt Russlands aus dem Ersten Weltkrieg kann man viel diskutieren. Der revolutionären Situation in Russland gilt hier aber nicht vorrangig das Interesse Milo Raus.

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Das Stück setzt erst wesentlich später kurz vor Lenins Tod ein. Auf einer Datscha vor Moskau siecht der durch einen Schlaganfall gezeichnete Revolutionsführer vor sich hin. Auf der Bühne ist dazu eine recht detailgetreue Nachbildung des Hauses mit mehreren Zimmern und Veranda gebaut. Zwei Live-Kameramänner verfolgen das Geschehen im Inneren des sich beständig drehenden Bühnenbilds. Das Schaubühne-Ensemble sitzt am Beginn noch außerhalb auf Stühlen vor Schminktischen und lässt sich für den Abend vorbereiten. Eine kleine Einführung gibt der in Österreich geborene Schauspieler Felix Römer. Im breiten Wienerisch erzählt er über seinen Vater, der Trotzkist war und ihm ein Buch Trotzkis zum Lesen gab, was ihn bis heute tief beeindruckt. Römer wird an diesem Abend den Parteigenossen Lenins und Mitbegründer der Roten Armee spielen. Er referiert noch eine wenig über Wiener Kaffeehauskommunisten und dass Trotzki ja in Wien im Exil und viel im Theater war.

 

Ursina Lardi als Lenin von Milo Rau & Ensemble an der Schaubühne – Foto (c) Florian Baumgarten

 

Dagegen setzt der in Quedlinburg geborene Schauspieler Kay Bartholomäus Schulze (hier Lenins Leibarzt) die Verwunderung über die Leute im Westen, für die Lenin und Trotzki immer noch Idole sein können. Irgendwie beneidet er sie auch dafür, aber „ich hab’s 23 Jahre lang erlebt, den real existierenden Sozialismus und am Ende diese bleierne Schwere, das reicht mir!“ Damit sind zwei Positionen gesetzt, die nicht unbedingt ein reines Ost-West-Ding sind. Die Zu- und Abneigung gegenüber kommunistischen Thesen dürfte heute relativ gleich verteilt sein. Zwischen den beiden Darstellern sitzt Ursina Lardi. Sie wird Lenin verkörpern, zunächst noch ungeschminkt, später in realistischer Maske mit Spitzbart und Halbglatze. Das wächserne Gesicht der Revolution. Oder wie es Schulze von einem Besuch des Leninmausoleums berichtet, ein Heiligenbild, eine umstrahlte Ikone.

Der Abend beschreibt nun fast minutiös die fortschreitende Isolierung und beginnende Ikonisierung der Person Lenins und die Gleichschaltung eines ganzen Weltanschauungsapparats durch die Perfidie seines plumpen Nachfolgers Stalin (dargestellt von Damir Avdic), der später diesen Personenkult mit der Einbalsamierung Lenins beginnt und systematisch auf sich ausweitet, indem er alle weiteren Figuren aus dem Kreise Lenins kaltstellt, umbringen lässt und so nach und nach zu Randfiguren der Geschichte degradiert. Bemerkenswert hier sein Auftritt bei Lenins Frau (Nina Kunzendorf), der er ins Gesicht und die Augen greift, wie als wolle er plastisch die Einbalsamierung Lenins erklären. Eine brutale Besitzerklärung, ein Ansichreißen des Erbes noch zu Lebzeiten. Lenin bekommt keine Sitzungsprotokolle mehr, das Telefon ist abgeschaltet, und der Revolutionsführer wird rund um die Uhr bewacht. In einem Totenhaus der Revolution, das wie ein düsteres Spukfilmhaus seine Runden dreht.

 

Lenin in der Schaubühne am Lehniner Platz
Foto (c) Thomas Aurin

 

Diese bleierne Schwere und Agonie der Szene überträgt sich natürlich auch unweigerlich auf das Publikum, das damit je nach eigener Konditionierung umgehen muss. Wer sich für das genaue Beobachten und Zuhören entscheidet, wird einiges Interessanten finden können, was in der Geschichte politische Machtapparate aller Couleur auszeichnet, verurteilt zum Siegen oder Scheitern zu müssen, zwischen Opportunismus, Kadavergehorsam, Brutalität und Gewissenlosigkeit. Der drohende körperliche Verfall Lenins geht mit einer Verzweiflung einher, etwas nicht beenden zu können, was man einmal angefangen hat. Ursina Lardi spielt ihren Lenin mal herrisch, abweisend und dann wieder anhänglich gegenüber seiner Frau, im Wissen, sich gegen das Ende nicht mehr wehren zu können. Neben ihm Komparsen, Bürokraten und Schlächter im Namen des „Neuen Menschen“. Die Totengräber einer Idee. Ein Riss trennt immer noch oben und unten, die politischen Eliten vom Volk. „Die Revolution hat und nichts gebracht. Die Menschen sind nur noch dreckiger und gemeiner geworden.“ sagt Lenins Leibwächter (Konrad Singer).

Mit aus verschiedenstem Recherchematerial destillierten Gesprächen und einzelnen Monologen baut Rau einen Tag, an dem der Kopf der Revolution dahindämmert und schlussendlich nach einer letzten Rede an die Umstehenden, in der er noch mal Bourgeoisie und „sogenannte Demokraten“ geißelt, zusammenbrechend über der Kloschüssel landet. Eine Ansprache an die Arbeiter, zu denen die Linke heute mehr denn je den Kontakt verloren hat. Das Ergebnis ist bekannt. Dazu lässt Rau viel Bach spielen, leise grollt Donner im Hintergrund, und das Ende markiert „Who by Fire“ von Leonard Cohen, ein Song über verschiedene Todesarten, inspiriert von einem jüdischen Gebet. Nichts ist hier Zufall, alles funktioniert als Kommentar oder Spiel mit den Mitteln des Films und Theaters.

„Wie würden sie Lenin darstellen?“ fragt Lardis Lenin einmal den Volkskommissar für Bildung Lunatscharski (Ulrich Hoppe). Ob nun als Mensch oder Ikone, die Inszenierung wird Lenin nicht vom Thron der geschichtlichen Verklärung stoßen können. Rau will sich auch nicht generell von den Zielen einer politischen Revolution verabschieden, sondern laut Programmbuch alles in einen größeren Zusammenhang setzen. Dazu gibt es weitere Veranstaltungen wie das von ihm Anfang November in der Schaubühne geplante Weltparlament „General Assembly“ oder ein Reenactment des Sturms auf das Winterpalais auf dem Platz vor dem Deutschen Bundestag. Wie man heute revolutionär denken und handeln könnte, verrät der Abend nicht. Das Sterben oder Weiterleben von Utopien dürfte davon auch weitestgehend unberührt bleiben.

 

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LENIN (Schaubühne, 21.10.2017)
von Milo Rau & Ensemble
Die Uraufführung war am 19.10.2017 in der Schaubühne am Lehniner Platz
Regie: Milo Rau
Bühne und Kostüme: Anton Lukas, Silvie Naunheim
Video: Kevin Graber
Dramaturgie: Stefan Bläske, Florian Borchmeyer, Nils Haarmann
Recherche: Gleb J. Albert
Licht: Erich Schneider
Mit: Damir Avdic, Veronika Bachfischer, Iris Becher, Ulrich Hoppe, Nina Kunzendorf, Ursina Lardi, Felix Römer, Kay Bartholomäus Schulze, Konrad Singer, Lukas Turtur
Termine: 16., 17., 18., 19.11. / 05., 09., 10.12.2017

Infos: https://www.schaubuehne.de/

Zuerst erschienen am 23.10.2017 auf Kultura-Extra.

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„Lucky Loser“ und „Die Hannas“ – Neues deutsches Kino überzeugt mit Witz und Ernsthaftigkeit

Montag, August 21st, 2017

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Sommerzeit ist Open-Air-Kinozeit, und selbst wenn das Wetter derzeit nicht mitspielt, machen zumindest zwei neue deutsche Filme Lust auf Sonne, Ferien und Liebe, auch wenn es zunächst nach Beziehungsstress aussieht. „Camping ist Kacke“, ruft der Lucky Loser in Beziehungspause Mike im gleichnamigen Film von Regisseur Nico Sommer; und Hans aus Die Hannas von Regisseurin Julia C. Kaiser stöhnt auch nur: „Schon wieder ein Beziehungsfilm“. Was also ist das Besondere an diesen beiden Low-Budget-Filmen, dass man sie unbedingt gesehen haben muss?

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Nico Sommer hat mit Filmen wie Silvi (2013) und Familienfieber (2014) schon ganz gut unter Beweis gestellt, dass er sein Handwerk als Regisseur für improvisierte Filme mit hintersinnigem Humor versteht. Nun hat er mit Filmförderung durch das ZDF zum ersten Mal ein richtiges Drehbuch geschrieben. Für das Gelingen am Set sorgte bisher immer ein ausgesuchtes Ensemble von DarstellerInnen, zu denen vor allem sein jetziger Hauptdarsteller und Impro-Könner Peter Trabner gehört. In Lucky Loser gibt Trabner Mike, einen alleinstehenden Mitvierziger, der nach 8 Jahren Beziehungspause immer noch an seiner Ex-Freundin Claudia (gespielt vom TV-Liebling Annette Frier) hängt. Die ist allerdings längst mit dem etwas spießigen Thomas (Kai Wiesinger) liiert. Aber Mike gibt nicht auf. Am Rückspiegel seiner Schrottkarre hängt das Bild seiner Angebeteten – bis sie ihn erhört oder bis zu seinem bitteren Ende, wie er der gemeinsamen 15jährigen Tochter Hannah (Emma Bading) versichert. Hanna ist die einzige, die noch zu Mike hält, und beschließt daher spontan nach einem Streit mit der Mutter und deren Freund, bei ihrem Vater einzuziehen.

Da Mike aber gerade von seinem Vermieter (Gustav Peter Wöhler) wegen Mietrückständen auf die Straße gesetzt wurde, fängt die Sache an etwas kompliziert zu werden. Vom seinem Chef (Tatort-Kommissar Kopper alias Andreas Hoppe auf Kinoabwegen) aus der Autowaschanlage, in der er arbeitet, bekommt Mike einen alten Wohnwagen und beschließt notgedrungen, seine Tochter auf eine Campingtour ins Brandenburgische zu lotsen. Damit wird die Sache aber nicht einfacher, und es beginnt ein „Sommer in der Bredouille“, wie die Beziehungskomödie kalauernd im Untertitel heißt.

 

Lucky Loser(c) Farbfilm Verleih

 

Denn nicht nur Mike hat Tochter und Ex nicht ganz die Wahrheit gesagt, auch Hannah hat ihrem Vater verschwiegen, dass sie ihren Freund Otto (Elvis Clausen) zwecks geplanter Entjungferung zum 16. Geburtstag auf den Campingplatz, auf dem schon Mutter Claudia die verregnetsten Sommer ihres Lebens verbringen musste, eingeladen hat. Nun ist Otto zum Erstaunen Mikes trotz entsprechendem Namen kein sogenannter „Biodeutscher“, sondern ein in Deutschland geborener, großgewachsener Spross ghanaischer Eltern, was nicht nur P.C.-Debatten über das „N“-Wort auslöst, sondern auch Anlass zu Auseinandersetzungen mit rassistischen brandenburgischen Jugendlichen gibt.

Mike macht sich aber zunächst eher Gedanken über Drogenkonsum sowie die Jungfräulichkeit seiner Tochter und wie sie alle gemeinsam die Verwicklungen vor der nun auch noch auf dem Campingplatz angekommenen Mutter verbergen sollen. Der Film schrammt hier natürlich hart an allerhand Klischees vorbei, kann diese aber auch zu jeder Menge Wortwitz nutzen. Mitreißend aber ist, wie Peter Trabner in der Rolle des Mike, ohne dessen Bemühungen um Tochter und Ex ins Lächerliche zu ziehen, den Jungen spielt, der nicht erwachsen werden will und dem als Lucky Loser alle Sympathien gehören.

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Als Komödie beginnt der neue Film von Julia C. Kaiser, der – wie schon ihr Erstling Das Floß! (2015) – wieder beim Achtung Berlin Filmfestival im April lief und dort gleich die Preise für den besten Film, das beste Drehbuch, die beste Darstellerin und den besten Darsteller abräumte. Anna (Anna König) und Hans (Till Butterbach), zusammen Die Hannas, leben seit 15 Jahren zusammen und sind nach der etwas unschmeichelhaften Feststellung von Annas Freundin (Anne Ratte-Polle) das Paar, das im Kompromiss glücklich sein kann. Wir sehen zwei, die ihren Alltag leben ohne durchzudrehen. Scheinbar. Denn eigentlich gehen die beiden jedem Konflikt – sei es die Urlaubsplanung oder nur das gemeinsame Essen – aus dem Weg. Und damit beginnen dann aber auch schon die Probleme.

Nicht nur die Physiotherapeutin Anna verliebt sich für sie ganz überraschend in ihre umtriebige und nicht ganz einfache Patientin Nico (Ines Marie Westernströer), die in einer veganen WG mit Café-Betrieb lebt und einen recht taffen 15jährigen Sohn (Tim Blochwitz) im Heim hat. Auch der etwas gemütliche und korpulente Hans gerät unverhofft auf Abwege, als er beim über seinen Freund Florian (Christian Natter) vermittelten Hardcore-Fitnesstraining die Bondage und anderen Spielen nicht abgeneigte Kim (Julia Becker) kennenlernt. Dass Nico und Kim Schwestern mit zunächst unklaren Vergangenheit sind, erfährt man erst nach und nach, was für weitere Verwirrung sorgt, die Spannung und scheinbare Absurdität der Story aber noch beständig steigert.

 

Die Hannas – (c) W-film

 

Allerdings beginnt hier auch der Wandlungsprozess des Paars, was die durch ihren Psychotherapeuten (Falilou Seck) ermunterte Anna weiter beflügelt ihren Gefühlen nachzugehen und auch Hans immer mehr aus seiner Lethargie reißt. Das bedeutet aber auch, dass die beiden den geschützten Kokon ihrer gewohnten Zweisamkeit verlassen müssen und ihre Beziehung auf eine harte Probe gestellt wird. Wie unwirklich sich das für sie manchmal anfühlt, zeigt der Film in einigen surreal wirkenden Szenen. Einerseits genießen Die Hannas den Reiz der neuen Freiheit und die anderen Erfahrung in Sachen Liebe, andererseits wollen sie sich nicht verlieren, was wiederum die Schwestern in eine Krise stürzt.

Julia C. Kaiser hat einen aufregenden Film gedreht, der abseits normierter Sehgewohnheiten für einen freieren Umgang mit Liebes- und Beziehungsdingen wirbt, Alternativen zur Diskussion stellt, es den Beteiligten aber auch nicht unbedingt einfach macht sich zu entscheiden. Ob Die Hannas, um ihr Leben zu ändern, über den geraden gelben Strich, den ein Straßenarbeiter beständig zieht, springen können, sei hier noch nicht verraten. Es lohnt aber in jedem Fall ihnen beim Versuch zu zusehen.

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Lucky Loser – Ein Sommer in der Bredouille (Deutschland 2017)
Dauer: 94 Minuten
Regie und Buch: Nico Sommer
Kamera: Thomas Förster
Montage: Nico Sommer, Carlotta Kittel BFS
Ton: Tim Stephan
Sounddesign: Manuel Laval
Redakteur: Christian Cloos
Producerin: Katharina Possert
Produzenten: Boris Schönfelder
Mit: Peter Trabner, Annette Frier, Emma Bading, Kai Wiesinger, Elvis Clausen, Ursula Werner, Andreas Hoppe, Harald Polzin, Christin Nichols, Antonio Wannek, Michael Kind, Gustav Peter Wöhler, Karim Cherif, Alexandra Grimaldi, Deborah Kaufmann, Katharina Schlothauer

Weitere Infos: http://www.luckyloser-film.de/

Die Hannas (Deutschland, 2016)
Dauer: 102 Minuten
Regie, Buch: Julia C. Kaiser
Kamera: Dominik Berg
Schnitt: Linda Bosch
Musik: Sorry Gilberto, Dominik Berg, Coleslaw Clubbing
Ton: Tobias Rüther
Kostüm: Ulé Barcelos
Szenenbild: Melanie Peter
Produzenten: Oliver Schütte, Stefan Jäger, Katrin Renz, Milena Klemke
Produktion: tellfilm Deutschland
Mit: Anna König, Till Butterbach, Ines Marie Westernströer, Julia Becker, Anne Ratte-Polle, Christian Natter, Tim Blochwitz, Çetin Ipekkaya, Mandana Mansouri, Cynthia Micas, Robert Nickisch, Jakob Renger, Falilou Seck, Oliver Steffen

Infos: http://diehannas.wfilm.de

Zuerst erschienen am 16.08.2017 auf Kultura-Extra.

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Der 13. ACHTUNG BERLIN new berlin film award – ausgewählte Filme aus dem Programm

Sonntag, April 30th, 2017

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Neben dem Bezugspunkt Berlin gaben die Beiträge des 13. ACHTUNG BERLIN new berlin film award auch wieder einen guten Überblick über alternative Produktionsweisen und Finanzierungsmöglichkeiten jenseits der öffentlichen Film-Fördertöpfe. „Berlin Independent“ heißt dann auch eine der Nebensektionen, in der laut Festivalkatalog Spielfilme präsentiert werden, „die sich vom Mainstream deutlich abheben und formal durch eine eigene Handschrift auszeichnen, Mut beweisen und damit neue Perspektiven auf den deutschen Film eröffnen.“ Eine relativ repräsentative Werksschau des neuen deutschen Kinos aus Berlin als Ergänzung zum Spielfilmwettbewerb.  Hard & Ugly oder Millennials heißen diese typischen Berlinfilme, in denen die Stadt als erweiterte Kulisse immer mit präsent ist.

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Im Wettbewerbsbeitrag Millennials von der jungen Regisseurin Jana Bürgelin spielt Berlin als Kulisse aber eher eine untergeordnete Rolle. Der Generationenstreifen über die heute mittezwanzig- bis mittedreißigjährigen Großstädter könnte auch in jeder anderen europäischen Metropole so oder so ähnlich laufen. Die Regisseurin lässt ihren Film dann auch konsequent in der Nacht spielen. Sie hat sich dazu zwei Menschen aus der breit gestreuten Kreativszene Berlins als Hauptprotagonisten gewählt.

 

MillennialsFoto © Florian Mag

 

Für die Regisseurin Anne, gespielt von Anne Zohra Berrached (selbst erfolgreiche Regisseurin von Filmen wie 24 Wochen), läuft es karrieremäßig eigentlich ganz gut. Nur ein unerfüllter Kinderwunsch lässt der Mitdreißigerin keine Ruhe. Aber der geeignete Partner ist nicht in Sicht. So lässt sie ihre Fruchtbarkeit untersuchen, geht zur Lippenkosmetik oder spielt die Babysitterin für eine Bekannte. Der Wunsch schwanger zu werden, beherrscht sogar ihre filmische Arbeit. Die Kamera begleitet Anne fast dokumentarisch zu Probendrehs, auf Partys mit Freunden, ins Kosmetikstudio oder zu einer Filmpremiere. Letztendlich entscheidet sie sich dazu, ihre Eizellen einfrieren zu lassen.

Ein guter Freund Annas, der Fotograf Leo (Leonel Dietsche), steckt ebenfalls in einer Sinnkrise. Er ist erst vor kurzem wegen seiner Partnerin nach Berlin gezogen. Aber die plötzliche Nähe bekommt der Beziehung auf Dauer nicht gut. Nebenbei versucht Leo noch relativ erfolglos seine Fotografien bei Galerien und Zeitschriften unterzubringen. Die Ergebnisse einer gemeinsamen, recht betrunkenen Fotosession mit einem Freund vom Theater stellt dieser schließlich selbst in einer Galerie aus, ohne dass Leo davon profitieren kann. Die Frustration treibt den ziellosen jungen Mann bei endlosen Fahrten durch die Berliner Nacht in Tabeldancebars und zu Straßenprostituierten.

Die dunkel-melancholische Grundstimmung des Films wird noch durch den emotional aufgeladenen Soundtrack aus Klaviermusik von Chopin und minimalistischer Technomusik verstärkt. Die Darstellung der Ruhelosigkeit einer Generation zwischen beruflicher Selbstverwirklichung und der Suche nach dem ganz persönlichen Glück kann durchaus überzeugen. Nebenbei vermittelt Jana Bürgelins Film auch noch recht gut die geschlechtsspezifisch unterschiedlichen Sichtweisen auf Lebenssinn und Glücksanspruch.

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Millennials
D 2017, 70 Min
Regie, Buch: Jana Bürgelin
Kamera: Florian Mag

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Dagegen ist Hard & Ugly (Berlin Independent) schon eher eine launige Liebeskomödie. Fitnesstrainer Et (Volksbühnenschauspieler Patrick Güldenberg) wird von seinem sonst recht anhänglichen süddeutschen Chefpärchen (Maximilian Gehrlinger und Nadine Karbacher) nahegelegt eine Pause einzulegen. Er passe nicht so recht ins Geschäftskonzept und wird deswegen kurzerhand gefeuert. Nicht viel besser ergeht es Carla (Kristin Becker), die von ihrem Verlobten kurz vor der Hochzeit vor die Tür gesetzt wird. Carla rettet Et vor dem Sprung von der Brücke und streift eine kurze Zeit mit ihm durch die Cafés und Clubs der Stadt, bis sich die beiden wieder aus den Augen verlieren.

 

Hard & UglyFoto © deja vu filmverleih

 

Vom kluge Ratschläge gebenden Chefpärchen und einer Kollegin (Alina Adam) verfolgt, begibt sich Et auf die Suche nach Carla, die sich mit einem Arnold-Schwarzenegger-Verschnitt (Martin Bergmann) eingelassen hat. Auch hier lernen wir junge Leute kennen, die beruflich gerade nicht immer das machen, was ihnen eigentlich so vorschwebt. Verhinderte Theater- und LebenskünstlerInnen immer auf dem Sprung zur nächsten Performance oder vor die nächste U-Bahn. Berlin ist Hard & Ugly, wie schon ein Theaterstück des Regisseurs Malte Wirtz im Berliner HAU hieß, das er nun mit Hang zum trockenen Wortwitz und spontanen Slapstick verfilmt hat.

Auch die Film- und Theaterbranche selbst kommt hier nicht allzu gut bei weg. Als chaotische Lebensratgeberin lässt Carlas Mutter (Ria Schindler) die Macher eines kleinen Lokalsenders verzweifeln. Leider verfügt Et auf seiner Suche nach Carla nicht über einen geeigneten Schutzengel an seiner Seite, was die in Schwarz-Weiß und auch leicht überdrehte Beziehungskomödie, die zudem noch durch animierte Zwischenbilder von Pauline Flory auffällt, recht abrupt und offen enden lässt.

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HARD & UGLY
D 2017, 71 Min
Buch und Regie: Malte Wirtz
Kamera: Antje Heidemann, Vincent Viebig

Zuerst erschienen am 27.04.2017 auf Kultura-Extra.

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Wie immer bot der ACHTUNG BERLIN new berlin film award auch in diesem Jahr eine bunte Wundertüte an Kinofilmen mit Berlin/Brandenburg-Bezug, was aber gerade in Zeiten internationaler Koproduktionen auch nicht mehr ganz so streng gesehen wird. Die Palette reicht demnach genremäßig von der Liebeskomödie über das Sozial- und Flüchtlingsdrama bis zum spannenden Psychothriller.

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Am Rande der rumänischen Hauptstadt Bukarest spielt der Wettbewerbsbeitrag Vânătoare (dt.: „Auf der Jagd“) von Alexandra Balteanu, Absolventin der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Die rumänische Regisseurin hat im kalten November unter einer Autobahnbrücke den Alltag dreier Frauen, die sich dort für ein paar hundert Lei am Tag prostituieren, verfilmt. Sie konnte dafür vor Ort drei ausgezeichnete rumänische Theaterschauspielerinnen gewinnen. Lange fast dokumentarische Kameraeinstellungen, die an Cristian Mungiu oder auch die Brüder Dardenne erinnern, aber auch improvisierte Szenen in einer Fernfahrerraststätte kennzeichnen diesen eindrucksvollen Film. Die gesamte Handlung spielt fast ausschließlich im Freien.

 

VânătoareFoto (c) dffb

 

Es beginnt zunächst in einem Vorort von Bukarest, in dem die Hauptprotagonistin Lidia (Corina Moise) mit ihrem Ehemann und zwei Kindern lebt. Sie züchtet Tauben und muss das Geld für die Familie zusammen kratzen. Ihr Sohn hat Probleme in der Schule, ihr Mann tritt kaum in Erscheinung. Freundin Denisa (Iulia Lumânare) hält ihren Freund aus, für den sie neue Turnschuhe kaufen möchte, und die junge Vanessa (Iulia Ciochina) träumt von einem Mann mit grünen Augen und einer Dienstwohnung, den sie per Annonce sucht.

So hat jede der Frauen ihren ganz speziellen Beweggrund für die Prostitution. Der Film verfolgt sie bei der Busfahrt zur Brücke, dem Umziehen vor Ort und dem Warten auf Kundschaft an der dicht befahren Straße. Ihre Gespräche drehen sich ums Geld, die Männer und auch um kleine Revierstreitigkeiten zwischen Lidia und Vanessa, die nicht auf den Mund gefallen ist. Probleme gibt es immer wieder mit Polizeistreifen, die den Frauen als Strafe für die illegale Tätigkeit das verdiente Geld abnehmen. Die korrupten Beamten betrügen die Frauen und schikanieren sie, wenn sie sich beschweren wollen. Halb nackt setzen sie die drei mitten in der Nacht auf einem Feld aus.

Recht anschaulich verdeutlicht der Film die Ohnmacht und Ausweglosigkeit der Frauen, gibt ihnen bei aller Härte aber auch die Würde, für sich einzustehen. In einem langen stummen Abspann keimt sogar etwas wie Hoffnung und ein Rest von Menschlichkeit. Dafür gab es auf dem Festival den Preis des Verbands der deutschen Filmkritik.

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VANATOARE
D 2014-2016, 75 Min
Regie: Alexandra Balteanu
Buch: Xandra Popescu, Alexandra Balteanu
Kamera: Matan Radin

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Mit dem Genrefilmen hatte das Festival nicht so großes Glück, obwohl die Spielfilmjury großzügig den Regiepreis an Tini Tüllmann für den Psychothriller Freddy Eddy vergab. Ihren an das bekannte Dr. Jekyll & Mr. Hyde-Thema angelehnten Langspielerstling hat die Regisseurin sogar selbst finanziert, da Genrefilmideen wohl immer noch ein Förderungshindernis zu sein scheinen. Allerdings schleppt sich die Story des Malers Eddy (Felix Schäfer), der seinen Fantasiedoppelgänger aus frühen Kindheitstagen plötzlich wiedersieht, zunächst recht zäh dahin. Eddy hat seine Frau und ihren Liebhaber in flagranti erwischt und wird nun beschuldigt, beide brutal zusammengeschlagen zu haben. Er schiebt aber alles diesem ominösen Doppelgänger in die Schuhe. Vor Gericht geht Eddy dann aber einen Deal ein, um das Besuchsrecht für seinen 8jährigen Sohn nicht zu verlieren. Nachdem er sich an den heimischen Tegernsee zurückgezogen hat, nistet sich Freddy bei ihm ein und beginnt mit seiner forschen Art dessen Leben und die frische Beziehung zur neuen Nachbarin Paula (Jessica Schwarz) und ihrer 14jährigen Tochter Mizi (Greta Bohacek) zu sabotieren.

 

Freddy EddyFoto (c) Filmlawine

 

Lange bleibt unklar, ob es diesen Freddy tatsächlich gibt, oder ob Eddy doch an einer erblichen Schizophrenie leidet, wie es sein Psychotherapeut Dr. Weiss (Burghart Klaußner) vermutet. Von einem gewalttätigen Vater und möglichem Missbrauch (Eddy hat immer wieder Albträume), über einen toten Zwillingsbruder, der möglicherweise doch noch leben könnte, bis zu einer Genstudie des Arztes packt Tini Tüllmann nun alles ins Skript, was verwirrende Spuren auf den möglichen Doppelgänger Freddy legen könnte oder sich irgendwie mit einer Psychomacke Eddys erklären ließe. Auch ein Halbbruder Eddys (Alexander Finkenwirth) und ihre gemeinsame an Demenz erkrankte Mutter (Renate Serwotke) spielen noch eine Rolle.

Die ganzen aufgeworfenen Themen wie unverarbeitete Familienvergangenheit, neuer Missbrauchsverdacht und die ominöse medizinische Studie dienen allerdings nur der Verwirrung des Zuschauers und werden an einen möglichst satten Thrill verkauft. Irgendwann ist die Katze aber aus dem Sack, und alles läuft beharrlich auf den erwarteten Showdown hin. Selbst das illustre und gut gecastete Ensemble, in dem auch noch Robert Stadlober als neuer Krishna-Macker von Eddys Ex-Frau und Katharina Schüttler als Eddys laszive Galeristin auftauchen, kann nicht über die Drehbuchschwächen des recht banal gestrickten TV-Plots hinwegtäuschen. Da wirkt vieles, selbst das als Überraschungsmoment gesetzte Ende, doch ziemlich bekannt. Freddy ist „die dunkle Seite, die aus dir kriecht“ – heißt es am Anfang. „Ich tue das, was du dich nicht traust.“ Das haben wir dann u.a. in Die dunkle Seite des Mondes oder Stereo schon besser gesehen.

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FREDDY EDDY
D 2016, 95 Min
Regie, Buch, Produzentin: Tini Tüllmann
Kamera: Markus Selikovsky

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Nicht wirklich überzeugen konnte auch Hey Bunny, der erste Langspielfilm des Schauspielerpaars Barnaby Metschurat und Lavinia Wilson, der in der Sektion Berlin Independent lief. Der Ex-KDD-Serienkommissar Metschurat hat einen mit Ideen ziemlich vollgepackten Plot um den leicht soziophoben Computerhacker Adam geschrieben, den er auch gleich noch selbst darstellt. Adam, der sich gerade von seiner in Afrika Brunnen bohrenden Freundin getrennt hat, soll sich im Auftrag einer Computerfirma um die Sicherheit eines Institutsservers kümmern, der aber schon vorher gehackt wird. Zusätzlich zu den Daten verschwinden auch die Versuchskaninchen einer Forschungsreihe, die sich mit der Entdeckung eines Glückshormons für Menschen beschäftigt. Adams seit kurzem an Alzheimer erkrankter Vater hatte diese Studie geleitet. Nun untersteht sie einer auf Effizienz pochenden Professorin (Marie Gruber) und ihrer idealistischen Tochter (Lavinia Wilson).

 

Hey BunnyFoto (c) Christian Schulz

 

Natürlich kennt man sich von früher und Adam gerät sofort in Verdacht hinter der Computerattacke zu stecken. Allerdings könnte es auch eine militante Aktionsgruppe, die gegen Tierversuche demonstriert, gewesen sein. Adam flieht zum Vater (Edin Hasanovic) ins elterliche Heim, wo er nicht nur die Kaninchen, sondern auch wieder zu seinen immer noch dort wohnenden Brüdern findet. Der eine (Harald Schrott) ist ein notorischer Frauenheld, der keine Gelegenheit und Party auslässt, der andre (Sabin Tambrea) vergräbt sich autistisch in Kapuzenpullis und macht Technomusik im Keller.

Regie und Buch können sich nicht so recht zwischen Lovestory, Familiendrama oder Ökothriller im Genforschungs- und Computer-Milieu entscheiden. Weltrettung, neue emotionale Intelligenz oder die Suche nach dem kleinen Glück ist hier die Frage, die der Film über viele Umwege und durchaus witzig inszenierte Szenen natürlich auch nicht beantwortet bekommt. Sehr schön eine alkoholgeschwängerte Technoparty im Haus mit arabischen Stewardessen, die große Fans des in ihrem Land berühmten Technobruders sind, oder der Dreh eines fingierten Bekennervideos im Femen-Stil. Die Hackergeschichte klärt sich zum Schluss natürlich auf, und andere Kräfte übernehmen nun Macht an der Uni. Aber das alles scheint Adam, der weiterhin auf der Suche nach sich selbst bleibt, nicht wirklich zu interessieren. Der Film ist bereits am 27. April in den deutschen Kinos gestartet.

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HEY BUNNY
D 2016, 90 Min
Buch und Regie: Barnaby Metschurat
Kamera: Raphael Beinder, Florian Foest

Infos: https://achtungberlin.de/

Zuerst erschienen am 28.04.2017 auf Kultura-Extra.

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German Mumblecore und eine schräge Sozialfarce beim Spielfilmwettbewerb des 13. ACHTUNG BERLIN new berlin film awards

Mittwoch, April 26th, 2017

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BEAT BEAT HEART – German Mumblecore von Luise Brinkmann eröffnet den 13. ACHTUNG BERLIN new berlin film award

„German Mumblecore“ ist der etwas ungelenke Branchen-Fachbegriff für neue deutsche Filme, deren zumeist noch recht junge MacherInnen sich ihre eigenen Regeln geben und das Improvisieren lieben. Bekannt geworden ist diese neue Produktionsweise durch die Regie-Brüder Tom und Jakob Lass. Ein 20seitiges Skript, wie es die junge Regisseurin Luise Brinkmann für ihren Abschlussfilm an der Internationalen Filmschule Köln geschrieben hat, ist da schon eher eine Seltenheit. Ihre sommerlich leicht daherkommende Beziehungskomödie Beat Beat Heart lief schon erfolgreich auf dem Münchner Filmfest und eröffnete am 19.04.2017 den 13. ACHTUNG BERLIN new berlin film award im Kino International.

Die Protagonistin Kerstin (Lana Cooper aus dem Jakob-Lass-Film Love Steaks) hängt tagträuemend ihrer großen Liebe Thomas (Gorki-Schauspieler Till Wonka) nach. Der hat sie auf dem Land in einem alten Haus mit Tanzsaal sitzen lassen, da er sich von ihre wie ein Trabant umkreist sah. Nun sitzt Kerstin allein da und legt sich manchmal sehnsüchtig auf die Bahngleise. Doch der Zug schmeißt nicht den Verflossen ab, sondern irgendwann steht Mutter Charlotte (Saskia Vester) vor der Tür. Sie hat sich gerade von ihrem Partner Roman getrennt. Die flippige Mitbewohnerin Maya (Christin Nichols) pflückt sich die Männer über eine Dating-App wie es ihr gefällt vom Baum und führt auch Charlotte in den Tindr-Wald (im wahrsten Sinne des Wortes) der einsamen Herzen. Auch beim Nachbarpärchen Paul und Franzi (Wonka-Kollege Aleksandar Radenković und Caroline Erikson) kriselt es in der Beziehung. Als Franzi abhaut, tröstet sich Paul beim Arbeiten und dann auch in Sachen Liebe bei der einsamen Kerstin. Das klingt ein wenig vorhersehbar, sorgt aber neben dem üblichen Liebeskummer auch für einige romantische Verwicklungen und das Reflektieren von Lebensentwürfen.

 

BEAT BEAT HEARTFoto © daredo media GmbH

 

Als Mann für alles und Geber trockener Lebensweisheiten („Warten hat keinen Sinn.“) fungiert Ruhepol Manni (Jörg Bundschuh), der nur am Morgen mal Mutter Charlotte unsanft aus dem Himmelbett auf der Tanzsaalbühne kreissägt. Ansonsten hat hier jeder seine eigenen Theorien von der Liebe und vom Glücklichsein. Nur mit der Praxis hapert es mehr oder weniger bei allen. In recht ruhigen Kamerabildern und langen Nahaufnahmen in der Natur verfolgt der Film seine ländlichen Sommergäste und Liebessehnsüchtigen, die sich in mal mehr, mal weniger witzigen Dialogen das Leben schwer machen, ihren Tagträumen oder der Vergangenheit nachhängen. Auch durchs Probieren werden sie dabei nicht unbedingt viel schlauer. „Sehnsucht macht dich unfrei.“ ist Mayas Maxime, der sich die Romantikerin Kerstin nicht anschließen kann und will. „Ich hab mal wieder Lust auf ’n Liebesfilm.“ ist da ein schönes Schlussword für diesen noch recht verspielten und etwas zu detailverliebten Debütfilm, aber auch ein guter Auftaktslogan für das aktuelle Festival. Also viel Glück weiterhin. Der deutsche Kinostart ist am 27. April.

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BEAT BEAT HEART
Regie: Luise Brinkmann
D 2016, 86 Min, D (E)
Buch: Luise Brinkmann
Kamera: Mathis Hanspach
Schnitt: Maren Unterburger
Ton: Roman Höffgen, Simon Hüging
Szenenbild: Martin Scherm
Kostüm: Flavia Rahobison
Musik: Nadja Rüdebusch, Eike Swoboda
Casting: Anna F. Kohlschütter, Luise Brinkmann
Producerinnen: Luise Brinkmann, Olivia Charamsa
Mit: Lana Cooper, Saskia Vester, Till Wonka, Aleksandar Radenković, Christin Nichols, Jörg Bundschuh, Caroline Erikson, Hans-Heinrich Hardt
Produktion ifs internationale filmschule köln
Verleih: daredo media, www.darlingberlin.de

Kinostart: 27.04.2017

Weitere Infos: https://achtungberlin.de/wettbewerb/spielfilme/beat-beat-heart/

Zuerst erschienen am 20.04.2017 auf Kultura-Extra.

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MANDY – DAS SOZIALDRAMA – Eine schräge Sozialfarce von Aron Craemer im Spielfilmwettbewerb

Der Spielfilmwettbewerb auf dem ACHTUNG BERLIN new berlin film award ist in diesem Jahr wieder reich an Low- bzw. No-Budget-Filmen, in die idealistische FilmemacherInnen ihr ganzes Geld und Herzblut hineingesteckt haben. Etwa 5.000 Euro investierten Regisseur Aron Craemer und die ehemalige Volksbühnenschauspielerin Mandy Rudski (u.a. in Kean, Nord und Die (s)panische Fliege zu sehen) für ihren Film Mandy – Das Sozialdrama. Große Honorare für die Mitwirkenden kann es demzufolge nicht gegeben haben. Ebenso unklar ist auch noch der Verwertungsweg. Erstmal wollen die MacherInnen mit dem Film auf Festivaltour gehen. Dann wird man weitersehen.

 

 

Lose angelehnt an ein echtes ZDF-Sozialdrama von 2012 mit dem Titel Mandy will ans Meer versucht Regisseur Craemer eine Persiflage auf den Stil, wie links-intellektuelle Filmemacher die Realität abbilden und sie mit ihren Filmen verändern wollen. Woran er selbst nicht so recht glauben mag. Und so ist Mandy – Das Sozialdrama auch eher eine Sozialfarce, die sich neben dem Unterschichten-Milieu gleich noch selbstironisch das prekäre Milieu der unterfinanzierten, unabhängigen Filmebranche vornimmt. Dafür haben Aron Craemer, Mandy Rudski und der Kameramann Olivier Kolb eine schräge Film-im-Film-Story entwickelt.

Die Schauspielerin Mandy (Mandy Rudski) will endlich das ganz große Geld mit einem Langspielfilm verdienen. Was heutzutage zieht, ist ihrer Meinung nach ein möglichst authentisches Sozialdrama. Für diesen Film schart sie eine Crew um sich, die sich vom Schauspielensemble bis zur leidensgewohnten Regieassistentin ohne Bezahlung ausbeuten lässt. Schon das Casting ist eine wenig subtile Elendsschau der unterprivilegierten und willigen Opfer, die sich nicht ganz im Klaren sind, worauf sie sich da eingelassen haben. Nebenbei auch eine schöne Studie über die Repräsentation und Besetzungs-Praxis mit möglichst milieuechten DarstellerInnen. Der Deutsch-Russe wird als Russe besetzt und der Araber als Türke. Selbst Namensänderungen schützen da nicht vor der Ethnoschublade.

 

Mandy – Das SozialdramaFoto (c) Birgit Naomi Glatzel

 

Aron Creamer hat für diesen Film ein illustres Ensemble aus Berliner Film-, Theater- und GelegenheitsschauspielerInnen um sich geschart. Dazu gehören u.a. Eva Bay als Mandys Burka tragende türkische Freundin, Nadine Dubois als willige Assistentin, Melanie Schmidli als Mandys behinderte Schwester, Anne Haug als pistolenziehende Kommissarin, Roman Kanonik als russischer Mafiaboss und Rike Schmid als verarmte Filmdiva Madame S., die ständig das Catering einsackt.

In den improvisierten und mit Handykamera gedrehten Making-off-Szenen bleibt kein unangenehmes Thema unangeschnitten und vor allem kein Auge trocken. Gemeinsam erleben alle die Höhen und Tiefen einer unterfinanzierten Filmproduktion, die in ihrem Plot von vernachlässigten Kindern, über Rappen und Frauenboxen (mit Katharina Wackernagel in einem Cameoaufritt als wüste Faustkämpferin) bis zu russischen Hütchenspielern saftig in den üblichen Ghetto-Klischees schwelgt.

Als kritisches Fazit bleibt nur zu erwähnen, dass man Klischeefallen eben nicht dadurch umschifft, dass man die ausgestellten Stereotypen konsequent veralbert. Trotzdem bleibt dieser Versuch in seiner frischen und unverschämten Art des gerade noch Darstellbaren durchaus sehenswert.

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Mandy – Das Sozialdrama (D 2017)
Regie: Aron Craemer
Buch: Aron Craemer und Mandy Rudski
Kamera: Olivier Kolb
Schnitt: Pauline Völker und Olivier Kolb
Ton: Nic Nagel und Emad Soliman
Szenenbild: Eike Böttcher und Jelka Plate
Kostüm: Silke Bartzik und Anke Hammer
Musik: Beat Soler, Raschid Daniel Sidgi, Daniel Baumann und Aron Craemer
ProduzentInnen: Aron Craemer, Mandy Rudski und Olivier Kolb
Mit: Mandy Rudski, Nadine Dubois, Eva Bay, Volkram Zschiesche, Melanie Schmidli, Rike Schmid, Karim Cherif, Andreas Frakowiak, Anne Haug und Roman Kanonik

Weitere Infos: https://achtungberlin.de/wettbewerb/spielfilme/mandy-das-sozialdrama/

Zuerst erschienen am 25.04.2017 auf Kultura-Extra.

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