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Das 14. Achtung Berlin Filmfestival 2018 – Einige Beiträge aus dem Spielfilmwettbewerb

Freitag, April 20th, 2018

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Berlin als Kulisse und Protagonist von Spielfilmen steht wieder im Fokus des 14. ACHTUNG BERLIN-Filmfestivals, das in diesem Jahr über die Grenzen der Stadt bis ins brandenburgische Beeskow expandiert ist. Aber auch vermehrt international ist das Festival in den letzten Jahren geworden. Filme von in Berlin lebenden RegisseurInnen oder Expats laufen hier ganz selbstverständlich. Ebenfalls erfreulich ist, dass es auch in diesem Jahr wieder einen deutlichen Überhang an Regisseurinnen gab. Im Folgenden stellen wir einige Beiträge aus dem Spielfilmwettbewerb vor.

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To go for a nigth out heißt so viel wie nachts ausgehen oder einen drauf machen. Neun Menschen unterschiedlicher Herkunft verirren sich in einer sommerlichen Samstagnacht bei einem gemeinsamen Abenteuer im Berliner Nachtleben, wie Nigth Out, der neue Spielfilm des in Berlin lebenden griechischen Regisseurs Stratos Tzitzis auch im Untertitel heißt. Man spricht Englisch, die mittlerweile vorherrschende Sprache der Berliner Nacht, wo in wilden Techno-Clubs bis in die frühen Morgenstunden getanzt und gefeiert wird. Alles scheint hier möglich und erlaubt, unabhängig von sexuellen Vorlieben und Ausrichtungen. Ein Fest für hetero- und homosexuellen Singles, Paare und Polyamore, die Spaß, Zerstreuung, Sex oder den totalen Kick suchen.

 

NightoutFoto (c) George Lavantsiotis

 

Ausgehend vom Christopher Street Day, bei dem die jungen Syrer Amir und Farouk (Spyros Markopoulos, Bejean Banner) zunächst Anschluss an Frauen suchen, folgt der sich von seinem Freund trennende Amir den Mädchen Ingrid (Sulaika Lindemann) und Lena (Julia Thomas) durch verschiedene Berliner Konzert-Locations. Amir ist fasziniert von den beiden selbstbewussten jungen Frauen, die sich aber bald mehr für sich als für den liebeshungrigen Syrer interessieren. Im legendären Kit Kat Club stoßen die drei schließlich auf eine weitere Gruppe von Nachtschwärmern. Von der Vernissage einer Ausstellung, die der schwule Gallerist Felix (Thomas Kellner) für den Londoner Künstler Michael (Martin Moeller) ausrichtet, beschließen die beiden mit Michaels Frau Sarah (Alexandra Zoe) und dem Paar Martha und Sebastian (Mara Scherzing, Jens Weber), die fast verzweifelt Sarah für die Finanzierung ihres Projekts einer Wohninsel in der Spree gewinnen wollen, noch durch die Berliner Nacht zu ziehen. In einem dritten Strang sucht die schwangere Layla (Katerina-Martha Clark) nach dem Erzeuger ihres Kindes.

Abgehobener Jetset, Kunstbetrieb und Kreativ-Business treffen im sexuell freizügigen Kit Kat Club auf ungezwungene Lebenslust, deren Reizen sie auf unterschiedlicher Weise ausgeliefert sind und sich dem faszinierenden Treiben nacheinander hingeben. Stratos Tzitzis feiert in seinem Film Berlin als Ort der nächtlichen Freiheit, des Hedonismus und eines schwul-lesbischen Selbstverständnisses, das sich nicht nur in der Vater-Vater-Kind-Familie von Felix und dessen Freund Max (Jörn Linnenbröker) manifestiert, und auch die materiellen Probleme und Lebensnöte der ProtagonistInnen nicht ausblendet. Der treibende Soundtrack und das durchweg spielfreudige Ensemble tun ihr Übriges.

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Nigth Out
Regie und Buch: Stratos Tzitzis
Kamera: Patrick Jasim
Mit: Mara Scherzinger, Jens Weber, Martin Moeller, Thomas Kellner, Alexandra Zoe, Spyros Markopoulos, Sulaika Lindemann, Julia Thomas, Katerina Martha Clark u.a.

Infos: http://www.nightoutmovie.com/

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Filme wie Nigth Out sind natürlich weitab der normalen Wahrnehmung. Selbst im neuen deutschen Film geht es vorwiegend immer noch um die Beziehungsprobleme deutscher Normalbürger. Zwei davon sind in der Beziehungskomödie Zwei im falschen Film von Laura Lackmann zu sehen. Der Film eröffnete am 11. April das Filmfestival im Kino International. Die Regisseurin konnte 2016 mit der Verfilmung des Romans Mängelexemplar von Sarah Kuttner schon einen ersten Erfolg verbuchen. Mit Laura Tonke und Marc Hosemann besetzte Laura Lackmann nun zwei echte Berliner Sympathieträger für die Hauptrollen des Paars Hans und Heinz, wie Hans seine Freundin nennt. Das mutet schon mal etwas komisch an. Merkwürdig auch, dass die beiden in den Büroräumen des Copyshops, den Hans mit einem Partner (David Bredin) betreibt, wohnen und am liebsten vor dem Fernseher sitzend Videogames spielen. Die Luft scheint etwas raus aus der Beziehung. Es stottert wie das altersschwache Auto der beiden. Nicht nur Inspiration und Romantik sind den beiden abhandengekommen, sie haben es sich auch im Mittelmaß bequem gemacht. Bezeichnender Weise hat Heinz ihre Schauspielkarriere für einen Synchronjob als Verkehrsampel aufgeben.

 

Zwei im falschen Film
Foto © Friede Clausz, Studio.TV.Film GmbH

 

Zu Beginn sehen sich die beiden in einem Kinofilm selbst auf der Leinwand als romantisches Paar bei einem Happy End am Meer. Zu unrealistisch, zu kitschig lauten ihre kritischen Reaktionen. Wer braucht das schon? Für Hans besteht das größte Glück aus Ruhe. Um nicht ganz einzuschlafen, beschließen die zwei nach einem tristen Essen zum achtjährigen Beziehungsjubiläum eine Liste mit liebeserweckenden Dingen abzuarbeiten. Das gerät allerdings schon beim nachgestellten Kennenlernen in einer leeren Diskothek zur Farce. Erst der plötzlich auftauchende Exfreund (Hans Longo) von Heinz kann für etwas Durcheinander in der eingerosteten Beziehung sorgen. Lachmanns Plot entwickelt sich dabei zwar recht behäbig aber auch nicht ganz unkomisch. Als mehr oder minder gut funktionierende Gegenpaare sieht man Rolf Becker als Hans‘ Vater und Christine Schorn als demente Mutter, seinen schwulen Bruder (Sebastian Schwarz) und dessen Freund (David Ruland), einen früheren Schulkameraden (Arnd Klawitter) und dessen frustrierte Frau (Josefine Voss) oder Heinz‘ pedantische Schwester (Kathrin Wichmann) und ihren unter der Fuchtel stehenden Mann (Felix Goeser). Da fällt die Einsicht nicht schwer, es vielleicht doch nicht ganz verkehrt zu machen. Ein Singing in the Rain ist der Film nicht gerade, aber mit ganz witzigen Mitteln versucht Laura Lackmann auch eher solche Hollywoodklischees von der großen Liebe auf die Schippe zu nehmen. Die Spielfilmjury verlieh ihr dafür immerhin den Preis für das beste Drehbuch.

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Zwei im falschen Film (D, 2017)
Regie: und Buch: Laura Lackmann
Kamera: Friede Clusz
Mit: Laura Tonke, Marc Hosemann, David Bredin, Katrin Wichmann, Christine Schorn, Hans Longo, Josefine Voss, Sebastian Schwarz, David Ruland, Felix Goeser, Rolf Becker, Marie Meinzenbach, Romina Maria Ostermann, Arnd Klawitter
Verleih: farbfilm verleih
Kinostart 31.05.2018

Infos: http://www.farbfilm-verleih.de/filme/zwei-im-falschen-film/

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39 Jahre, Single und momentan arbeitslos, so beschreibt sich die freie Texterin und Onlineredakteurin Alice (Eva Löbau). Auch sie könnte man im falschen Film vermuten. Sie verfügt über mehrjährige Berufserfahrungen und viele Qualifikationen, aber im Moment will einfach nichts gelingen. Mit kleinen Jobs bei Produkttestaktionen von Marktforschern, bei denen sie allerdings meist nur Gutscheine erhält, versucht sie sich halbwegs über Wasser zu halten und futtert sich hin und wieder bei den Eltern (Veronika Nowag-Jones und Axel Werner) durch, ist aber auch zu stolz, diese um Geld zu bitten. Alice fühlt sich wie beim Spiel Reise nach Jerusalem [so auch der Filmtitel], immer im falschen Moment am falschen Ort. Dazu kommt noch jede Menge Pech. Ein abgebrochener Zahn kurz vor einem Bewerbungsgespräch wird da zum verzweifelten Run nach dem fehlenden Geld für den Zahnarzt. An Einfallsreichtum mangelt es Alice nicht, nur an etwas Glück, dass ihr hier scheinbar nur eine frech verfasste Onlinebewerbung unter Alkoholeinfluss bringt.

 

Reise nach JerusalemFoto (c) Ralf Noack

 

Regisseurin Lucia Chiarla erzählt von den kleinen, andauernden Demütigungen des Alltags, denen Menschen ohne Job und Perspektive in unserer Gesellschaft ausgesetzt sind. Das geht von der Bevormundung des Jobcenters, das einem immer neue Bewerbungsschulungen und andere Maßnahmen aufdrückt, über kleine Lügen bei Freunden, die die Beschäftigungslosigkeit und den Geldmangel kaschieren sollen, bis zu existenziellen Problemen, wenn die Miete oder das Essen nicht mehr bezahlt werden können. Mit einem lachenden und weinenden Auge zeigt Reise nach Jerusalem auch ganz gut die Nöte des Berliner Kreativprekariats. Eva Löbau brilliert in der Rolle der nie aufgebenden Alice, die in ihrem gewitzten Nachbarn (Beniamino Brogi), einem Musiker und Gelegenheitsstripper, nicht nur einen dringend benötigten Freund, sondern auch einen kreativen Antreiber findet.

Der Film Lucia Chiarla gehört zu den Abräumern des achtung berlin new berlin film awards. Neben dem Preis für den besten Film, einer lobenden Erwähnung für das Drehbuch, das Lucia Chiarla selbst verfasst hat, und dem Preis des englischsprachigen Stadtmagazins The Exberliner konnte Eva Löbau auch den Preis für die beste Schauspielerin einheimsen.

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Reise nach Jerusalem (D, 2018)
Regie, Buch: Lucia Chiarla
Kamera: Ralf Noack
Mit: Eva Löbau, Beniamino Brogi, Veronika Nowag-Jones, Axel Werner, Julia Sophie Mink, Constanze Priester, Christian Schmidt, Nils Schulz, und als Gäste Jan Henrik Stahlberg, Antonio Wannek

Infos: https://filmreisenachjerusalem.com/

 

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Im kreativen Künstlermilieu spielt auch der erste Film von Schauspieler und Theaterregisseur Cornelius Schwalm. Er führte Regie, schrieb mit am Drehbuch und spielt auch selbst die Hauptrolle, einen deutschen Theaterregisseur, der mitten in den Proben zum Stück Die Ermittlung von Peter Weiss mit Teilen seines Teams nach Polen fährt, um sich vor Ort in Auschwitz inspirieren zu lassen. Wenn man Schwalm kennt, dann weiß man, dass das kein langweilig korrekter Film zur deutschen Vergangenheitsbewältigung werden konnte. Schwalm drehte eine schwarzhumorige Satire als Kommentar zur auch unter Intellektuellen verbreiteten recht verlogenen Gedenkkultur und den immer noch vorherrschenden Ressentiments vieler Deutscher, Relativierung des Holocausts inbegriffen.

 

Hotel AusschwitzFoto (c) CollaboratorsFilms/MariaKron

 

Was der sich auf dem Karrieresprung nach Hamburg befindende, recht erfolgreiche Theaterregisseur Martin für ein Typ ist, zeigen schon die Proben zu Beginn des Films. Hier soll ganz große Kunst entstehen. Man hat als Ort dafür das Haus der Berliner Festspiele nutzen können. Martin ist einerseits cholerischer Künstler und macht sich zudem noch an seine Hauptdarstellerin Sabine (Franziska Petri) ran. Die hat allerdings ein Verhältnis mit dem Hauptdarsteller Holger (Patrick von Blume), was zu einigen Komplikationen in der kleinen Reisegruppe führt. Zu der gehören weiterhin Martins Assistent Matti (Jörg Kleemann), der eigene künstlerische Ambitionen hegt, und der recht unsensible Fahrer Bronski (Oliver Bigalke). Weitere Reibungen sind da vorprogrammiert und treten auch nachdem eine polnische Darstellerin (Katharina Bellena) mit jüdischer Großmutter zum Team stößt auf.

Hotel Auschwitz karikiert den künstlerischen Gestaltungswillen des Regisseurs, der die geschichtlichen Dimensionen mit zweifelhaften Mitteln erreichen will. In vor Ort zu drehenden Videotrailern werden SS-Uniformen, KZ-Kleidung und Walter Benjamins Engel der Geschichte zu einem kulturhistorischen Klischeebrei verrührt. Die unkonventionelle Herangehensweise des polnischen Filmteams, das einen Nazitrash-Actionfilm dreht, imponiert dem Regisseur, der merklich in einer kreativen Schaffenskrise steckt und nur noch Augen für Sabine hat. Nach einer durchzechten Nacht prallen dann schließlich die aufgestaute Wut des gedemütigten Assistenten und jede Menge Egos ungebremst aufeinander. Schwalm nimmt auf ironische Weise das deutsche Theatersystem auf die Schippe und liefert ein ganz treffendes Bild für hierarchische Abhängigkeiten. Auffällig sind auch die recht bemerkenswerte Kameraführung von Birgit Möller und Florian Lampersberger sowie die eigens für den Film komponierte Musik von David Scheler.

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Hotel Auschwitz (D, 2018)
Regie: Cornelius Schwalm
Buch: Cornelius Schwalm, Christiane Lilge
Kamera: Birgit Möller, Florian Lampersberger
Mit: Cornelius Schwalm, Franziska Petri, Patrick von Blume, Jörg Kleemann, Katharina Bellena, Oliver Bigalke, Harald Siebler, Verena Unbehaun

Infos: http://www.collaboratorsfilms.com/

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Sehr wenig mit Berlin hat der Wettbewerbsbeitrag Sarah joue un loup garou (Sarah spielt einen Werwolf) der Schweizer Regisseurin Katharina Wyss zu tun. Sie studierte in Berlin an der UdK Filmregie. Die Hochschule hat ihr die Finanzierung ihres lange geplanten Erstlings mit ermöglicht. Angesiedelt ist er im schweizerischen Freiburg, der Heimatstadt der Regisseurin, wo gleichsam schweizerdeutsch und französisch gesprochen wird. So auch im Film, der die Geschichte der 17jährigen Schülerin Sarah (Loane Balthasar) erzählt. Sahra ist eher introvertiert und romantisch veranlagt und versucht ihre diffusen Gefühle in einer Jugendtheatergruppe auszuleben. Die Liebe zur Kunst und Musik hat sie von den Eltern. Der Vater liebt Wagneropern, die Mutter ist Musiklehrerin.

 

Sarah joue un loup garouFoto (c) Interemezzo Films

 

Allerdings ist das Elternhaus auch mit Sarahs größtes Problem. Der Vater scheint eine für den Zuschauer recht undurchsichtige, durchaus auch sexuell übergriffige Machtrolle zu spielen, der sich Sarahs älterer Bruder wohl auch durch ein Studium in Heidelberg entzogen hat. Allein gelassen hängt Sarah in Romeo-und-Julia-Rollenspielen ihren morbiden Tagträumen nach. Zudem erfindet sie einen imaginären Freund, der gestorben sein soll. Sarah fühlt sich von ihren Mitschülern unverstanden und isoliert sich immer mehr. Auch die Freundschaft zum Mädchen Alice aus der Theatergruppe, die Georges Batailles Das obszöne Werk liest, hält nicht lange an. Manifestiert Sarah ihre sexuellen Verstörungen in einem von der christlichen Märtyrerin Barbara inspirierten Folterspiel für die Theatergruppe, flieht Alice zu einer echten Beziehung mit einem Jungen.

Katharina Wyss‘ Film ist keine leichte Kost, taucht er doch tief in die Psyche eines heranwachsenden Mädchens ein, das sich zunehmend mit Selbstmordgedanken trägt. In teilweise fast surreal wirkenden Bildern wird der Plot fast ausschließlich aus der Sichte des Mädchens erzählt. Sarah blendet die Realität immer mehr aus, was recht verstörend wirkt, wenn sie an für die anderen nicht mehr nachvollziehbaren hysterischen Wahnvorstellungen leidet. Auch hier trägt eine exzellente Kameraführung zur ästhetischen Versinnbildlichung der inneren Probleme der Hauptdarstellerin bei. Der eindrucksvolle Film empfahl sich durchaus für einige der ausgelobten Preiskategorien, Der eindrucksvolle Film empfahl sich durchaus für einige der ausgelobten Preiskategorien. Katharina Wyss erhielt neben dem Preis für die beste Spielfilmregie auch noch eine lobende Erwähnung des Verbands der deutschen Filmkritik (VdFK).

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Sarah joue un loup garou (D, 2017)
Regie: Katharina Wyss
Buch: Katharina Wyss, Josa Sesink
Kamera: Armin Dierolf
Mit: Loane Balthasar, Manuela Biedermann, Simon Bonvi, Monica Budde, Sabine Timoteo, Michel Voïta, Annina Walt

Infos: http://sarahjoueunloupgarou.ch/

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Der undotierte Preis des Verbands der deutschen Filmkritik (VdFK) in der Kategorie Bester Spielfilm ging dann an Wer hat eigentlich die Liebe erfunden? von Regisseurin Kerstin Polte. Die Tragikomödie beschäftigt sich mit der Liebe, dem Leben und dem Tod, also alles, was man gerne so aufschiebt oder auch verdrängt. Und so fragt sich die 60jährige Charlotte (Corinna Harfouch) nach 38 Ehejahren an der Seite ihres Mannes Paul (Karl Kranzkowski) und einer Alzheimerdiagnose: „Warum muss ich eigentlich verschwinden, wenn ich noch gar nicht richtig da war.“ Diese Frage ist eigentlich an eine höhere Instanz gerichtet, die hier in der Gestalt des melancholischen Gottes Horster (Bruno Cathomas) auf einer kleinen Insel residiert und sich ebenfalls ein paar Fragen zur eigenen Existenz und seinem schöpferischen Wirken stellt, die Frage nach dem Grund für die Liebe aber ebenso wenig schlüssig beantworten kann, wie die nach dem Tod. Letztendlich sind es die Schmetterlinge im Bauch, die auch mit den Jahren nicht wieder heraus kommen wollen, und die die ProtagonistInnen dieses kleinen poetischen Meisterwerks in ihrem Handeln bestimmen.

 

Wer hat eigentlich die Liebe erfunden? – Foto (c) AlamodeFilm

 

Nichts mehr auf die lange Banken schieben möchte Charlotte und lässt Mann Paul kurzentschlossen auf einer Autobahnraststätte stehen. Statt wie immer in die Berge will sie nun endlich mal ans Meer. Begleitet von ihrer Enkelin Jo (Annalee Ranft) trifft sie dort besagten Gott Horster, der, wie er gesteht, in einer depressiven Phase, einiges falsch gepolt hat. Mit viel Witz und Situationskomik schlägt sich das Filmpersonal durch die norddeutsche Landschaft bis an die Küste, wo das Verfolgertrio bestehend aus dem verzweifelten Paul, der chaotischer Tochter und gefeuerter Fahrlehrerin Alex (Meret Becker) sowie der feinfühligen Fernfahrerin Marion (Sabine Timoteo) schließlich mit ein paar Erkenntnissen mehr auf Charlotte und ihr Traumeiland treffen. Ob es hier unbedingt der eingeschobenen Metaebene eines menschgewordenen Gottes bedurft hätte, sei einmal dahingestellt. Begleitet wird das Ganze jedenfalls von einem tollen, zum Teil live eingespielten Soundtrack von Johannes Gwisdek (Sohn von Corinna Harfouch und Käptn-Peng-Musiker) und Meret Becker. Bereits vor sieben Jahren hatte Kerstin Polte erste Ideen zum Film und dann viel Überzeugungsarbeit zu dessen Finanzierung zu leisten, es dann aber auf Anraten ihrer Hauptdarstellerin einfach ohne versucht. Eine Mühe, die sich letztendlich gelohnt hat.

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Wer hat eigentlich die Liebe erfunden? (D, 2017)
Regie und Drehbuch: Kerstin Polte
Kamera: Anina Gmuer
Mit: Corinna Harfouch, Karl Kranzkowski, Meret Becker, Sabine Timoteo, Annalee Ranft, Bruno Cathomas, Nagmeh Alaei, Jonas Müller-Liljeström, David Hugo Schmitz
Kinostart: 03.05.2018

Infos: http://www.alamodefilm.de/kino/detail/wer-hat-eigentlich-die-liebe-erfunden.html

Achtung Berlin new berlin film award
11.04. – 18.04.2018

Infos: https://achtungberlin.de/

Zuerst erschienen am 16.04.2018 auf Kultura-Extra.

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