Archive for the ‘Berlinale 2014’ Category

Mit „Die Geliebten Schwestern” zeigt Filmregisseur Dominik Graf eine Dreiecksgeschichte aus den Zeiten des analogen Briefverkehrs jenseits schillernder Geschichtsverklärung.

Donnerstag, August 7th, 2014

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E-Bow the Letter
Look up, what do you see?
 All of you and all of me
 Florescent and starry
 Some of them, they surprise
The bus ride, I went to write this, 4:00 a.m.
 This letter
 Fields of poppies, little pearls
 All the boys and all the girls sweet-toothed
 Each and every one a little scary
 I said your name
I'll take you over, there
 I'll take you over, there...
aus: E-Bow the Letter von R.E.M. mit Patty Smith

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Wer könnte wohl ehrlichen Herzens von sich behaupten, in letzter Zeit mal einen Brief verfasst zu haben, eigenhändig geschrieben und höchst selbst bei der Post aufgegeben? Auch hat das mittlerweile zur Aktiengesellschaft mutierte Unternehmen, das einst noch per Pferdekutsche in den Landen deutscher Kleinstaaterei unterwegs war, längst seine Schwerpunkte auf Logistik und Geldgeschäfte verlegt. Das einstige Monopol der Briefbeförderung ist verloren bzw. stückweise outgesorced. Beschränkt sich doch die heutige Korrespondenz zumeist nur noch auf nüchterne Geschäftspost.

Die Geliebten Schwestern_(c) Senator Film VerleihJust in jenen schnelllebigen Zeiten also von E-Post und virtuellen sozialen Netzwerken bringt der deutsche Fernsehregisseur Dominik Graf einen Film ins Kino, der dem Kratzen der Feder auf weißem Bütten mit einer Intensität und Leidenschaft frönt, wie man sie hierzulande lange nicht mehr auf einer Leinwand erleben durfte. Und er verbindet seinen gesellschaftshistorischen Exkurs mit einer Liebesgeschichte um eine der bedeutendsten Persönlichkeiten, die der Kanon des deutschen Bildungsbürgertums zu bieten hat. Dem Dichter, Dramatiker und Gelehrten Friedrich Schiller, einem der Vertreter des freiheitlichen Kunstgedankens jener Zeit, der bis heute den Glauben an die nachhaltig heilenden Kräfte von Literatur und Theater nährt.

Das letzte sogenannte Biopic über den jungen Dichter des Sturm und Drangs stammt aus dem Jahr 2005. Es zeigt uns in Gestalt des Schauspielers Matthias Schweighöfer einen charismatisch jugendlichen Brausekopf, der sich neben seiner selbstzerstörerischen Arbeit am Werk durch die Betten adliger Damen und Hofschauspielrinnen schnupft. Ein Schillerbild, das auf das jugendliche TV-Publikum abzielt, mit seiner plakativ revoltierenden Attitüde aber sicher um einiges am wirklichen Schiller vorbeischießt. 1785 verliert der 26jährige Schiller seine Stellung als Theaterdichter in Mannheim wieder an August Wilhelm Iffland und ist finanziell so gut wie am Ende.

Hier nun in etwa schließt Dominik Grafs Film Die geliebten Schwestern zeitlich an. Der Regisseur führt uns in die Zeit der beginnenden Weimarer Klassik um 1787. Goethe weilt in Italien und der arme, mit erstem Dichterlorbeer bekränzte Schiller kommt auf der Suche nach neuen betuchten weiblichen Sponsoren aus Sachsen – wo ihn Körner, wie schon Henriette von Wolzogen oder seine verheiratete Geliebte Charlotte von Kalb, wieder finanziell aufgepäppelt hatte – nach Weimar. Er trifft hier im Vorbeigehen am Hause Charlotte von Steins auf die 22jährige Charlotte von Lengefeld. Graf stellt diese erste fiktive Begegnung zu Beginn als einen kleinen koketten Flirt außerhalb der herrschenden Konventionen dar, die Schiller wohl ob der Schlagfertigkeit der jungen Dame in guter Erinnerung bleibt. Charlotte, aus ländlich verarmtem Adel im thüringischen Rudolstadt, hat da schon ein paar fruchtlose Männerbekanntschaften zwecks erwünschter Eheanbahnung hinter sich, und ist ihrerseits vom wortgewandten Fremden fasziniert.

Dies ist der Beginn einer intensiven Korrespondenz zwischen beiden, die sich nach Schillers Vorstellung im Hause von Lengefeld in Rudolstadt auf eine weitere Person ausdehnt. Lottes Schwester Caroline verguckt sich ebenfalls in den sympathischen, leicht unbeholfenen Schlacks. Was Schiller durchaus gefällt, da er sich sowohl geistig als auch in Herzensdingen beiden Schwestern zugeneigt fühlt. Und so bildet sich ein verschworenes Dreieck, das sich täglich mit Boten heimliche Briefe hin- und herschickt, für die es eigens, um durch mögliche Indiskretion den jeweils anderen nicht zu kompromittieren, namensverschleiernde Zeichen erfindet. Denn Caroline ist bereits mit dem Freiherrn von Beulwitz verheiratet. Diese arrangierte Ehe sichert dem männerlosen Hausstand der von Lengefelds das finanzielle Überleben. Und so ist es auch für Charlotte vorgedacht. Der junge idealistische Literat Schiller im abgerissenen Rock wirkt da auf die Mutter der Lengefeld-Schwestern eher unpassend und fast schon wie ein Mitgiftjäger.

Die Geliebten Schwestern - Foto (c) Senator Filmverleih

Die Geliebten SchwesternFoto (c) Senator Filmverleih

Den nun folgenden Sommer 1788, den Schiller mit den beiden geliebten Schwestern in Rudolstadt verbringt, rollt Graf fast episch in etlichen Briefzeilen, langen Dialogen aber auch ganz alltäglichen Szenen vor uns aus. Die sonnendurchfluteten Bilder zeigen ein ländlich utopisches Naturidyll an der thüringischen Saale, in dem das Heu noch nach Heu duftet, sich Körper, Seele und Geist ganz langsam zu regen beginnen, dabei die schönsten freien Ideen entwickelnd. Jenes Arkadien, für das Goethe extra nach Italien reiste, schaffen sich die drei für einen Sommer im heimischen Rudolstadt, dessen Umgebung auch heute noch nicht ganz umsonst als Riviera bezeichnet wird. Schiller, der die deutschen Lande nie verlassen wird, entwickelt hier seine ganz eigenen Vorstellungen jenes Idealbilds, scheint ihm doch der Sehnsuchtsort Italien gänzlich unerreichbar. Erste Ernüchterung erlebt Schiller dann am Ende des Sommers nach der Rückkehr Goethes bei einem ersten Treffen mit dem großen Vorbild, das nicht ganz nach seinen Vorstellungen verläuft.

„Ich hätte nicht geglaubt, daß das Glück das eure Liebe, auch schon in fernen Ahndungen mir gewährt, in meiner Seele sich erhöhen könnte. Aber mit jedem Tage wird es reicher und unerschöpflicher – ach die Liebe ist das Einzige in der Natur, wo auch die Einbildungskraft selbst keinen Grund findet und keine Grenze sieht. Nur in euch zu leben, und ihr in mir – o das ist ein Daseyn, das uns über alle Menschen um uns her hinwegrücken wird. Unser himmlisches Leben wird ein Geheimniß für sie bleiben, auch wenn sie Zeugen davon sind.“

Schiller an Lotte v. Lengefeld und Caroline v. Beulwitz, 15. November 1789

Dass diese Idylle trügerisch sein könnte, ist sowohl Regisseur Graf als auch seinem Schiller durchaus bewusst. Zunächst jedoch schwelgt der Film mit der Ménages-à-trois noch in deren Vorstellungen vom Leben und der Liebe zu dritt. Schiller bekommt seine Professur an der Jenaer Universität, hält dort seine bekannte Antrittsrede Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?, bei der sich die Schwestern in Männerkleidung einschmuggeln und die Studenten mit Jakobiner-Kokarden am Revers als Zeichen der französischen Revolution Schiller zujubelnd die Hüte in die Luft werfen. Der junge Schiller ist diesen Ideen und dem allgemeinen Fortschritt durchaus zugetan. Durch die Revolutionierung des Buchdrucks erhofft er die schnelle Verbreitung seiner Werke und glaubt sich an der Schwelle einer ganz neuen Zeit.

Schiller, der nun vor allem auch bedacht ist, seine Liebesverhältnisse zu ordnen, entscheidet sich schließlich auf Drängen und nach Fürsprache Carolines bei der Mutter für die unverheiratete Charlotte, ist aber noch im guten Glauben, die Beziehung zu beiden Schwestern wie bisher fortsetzen zu können. Die verschworene Gemeinschaft bekommt erste Risse, als Schiller sich ohne Wissen der Verlobten auf eine Nacht mit Caroline einlässt. Der Film vollzieht hier eine Wendung hin zum bürgerlichen Alltag der Familie Schiller, dem Kinderkriegen und den ständigen finanziellen Nöten. Caroline, die nun ihr Leben mit eigenen Liebschaften lebt, ist da außen vor. Schiller verbindet aber weiterhin ein herzliches und kreatives Verhältnis mit Caroline. So arbeiten sie gemeinsam an ihrer literarischen Karriere. Schiller hilft ihr über den Freund Wilhelm von Wolzogen aus der ungeliebten Ehe mit Beulwitz. Und ein außereheliches Kind will sogar wesentlich mehr suggerieren.

Die Geliebten Schwestern - Foto (c) Senator Filmverleih

Die Geliebten SchwesternFoto (c) Senator Filmverleih

Jedoch selbst noch in Zorn und Eifersucht sind sich die Schwestern hier sehr nah. Da passt eigentlich kaum ein Blatt Briefpapier dazwischen, geschweige denn ein Mann. Vor den Augen des sterbenden Schillers verwischen sich dabei allerdings auch die Konturen der beiden Geliebten. Dominik Graf hat mit diesem Film kongenial Biografisches und gesellschaftliches Leben mit ganz persönlichen Wünschen und Empfindungen der Figuren verbunden. Mit unaufdringlicher Stimme kommentiert der Regisseur immer wieder aus dem Off das Geschehen, wobei es dieser Krücke eigentlich nicht zwingend bedarf. Das Vergangene verweist hier immer auch in die Gegenwart. Denn seit dem Scheitern der Ideale der französischen Revolution, was hier kurz mal das historische Pflaster rot färbt, bleibt die Frage der Menschheit nach dem, wie wir leben wollen, weiterhin aktuell. Parallelen lassen sich da durchaus zu den 68ern in der Bundesrepublik ziehen, oder auch zum real existierenden Sozialismus einer DDR.

Aus seinem 170minütigen Berlinale-Wettbewerbsbeitrag hat Graf fürs Kino eine um etwa 30 Minuten kürzere neue Schnittfassung erstellt. (Fürs Fernsehen wird es noch eine dreistündige Fassung in zwei Teilen geben.) Es wurde soweit möglich an Originalschauplätzen wie der Heidecksburg in und um Rudolstadt oder Weimar gedreht. Graf schöpft aus erhalten Briefen und bleibt nahe an den bekannten Fakten, lässt aber im geschriebenen Wort auch Platz für Fantasie und Spekulation. Diesem Film werden aber vor allem durch seine überzeugenden Hauptdarsteller (Henriette Confurius als Charlotte, Hannah Herzsprung als Caroline und Florian Stetter als Schiller) das erforderliche Leben und jene Leidenschaft eingehaucht, die Graf mit seinem, um einiges an Fiktion angereichertem Drehbuch behauptet. Und er ist dabei DEFA-Literaturverfilmungen wie Lotte in Weimar (1975), Die Leiden des jungen Werthers (1976)oder auch dem Hölderlin-Film Hälfte des Lebens (1984) näher als einer TV-Biofiction wie Goethe! aus dem Jahr 2010.

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DIE GELIEBTEN SCHWESTERN
Regie: Dominik Graf
Drehbuch: Dominik Graf
Kamera: Michael Wiesweg
Kostüm: Barbara Grupp
Musik: Sven Rossenbach, Florian van Volxem
Schnitt: Claudia Wolscht
Produzent: Uschi Reich, Grigoriy Dobrygin

Darsteller:
Charlotte von Lengefeld: Henriette Confurius
Friedrich Schiller: Florian Stetter
Caroline von Beulwitz: Hannah Herzsprung
Frau von Stein: Maja Maranow
Madame von Lengefeld: Claudia Messner
Wilhelm von Wolzogen: Ronald Zehrfeld
Charlotte von Kalb: Anne Schäfer
Friedrich von Beulwitz: Andreas Pietschmann
Knebel: Michael Wittenborn
Körner: Peter Schneider
u.a.

Länge: 139 min.
Kinostart: 31.07.2014
Verleih: Senator Film Verleih GmbH

Weitere Infos: http://www.senator.de/movie/die-geliebten-schwestern

Schiller und die Lengefeld-Schwestern in Rudolstadt - Foto: St. B.

Schiller und die Lengefeld-Schwestern in Rudolstadt – Foto: St. B.

Lass die Zeilen schwingen!
Seht auf, was erblickt ihr?
Von euch alles und von mir
Strahlend helle Sterne 
Manche davon wunderbar

Auf der Busfahrt ich nicht schlief, vier Uhr morgens
schrieb den Brief
Mohnfelder wie Perlenfädchen
Alle Jungs und alle Mädchen naschhaft
Wie ein jedermann bange aus der Ferne
sprach ich dich an

Ich bring dich rüber, dorthin
Werd‘ ich dich bringen, dorthin

Zuerst erschienen am 05.08.2014 auf Kultura-Extra.

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FEUERWERK AM HELLLICHTEN TAGE – Der diesjährige BERLINALE-Sieger des chinesischen Regisseurs Diao Yinan ist ein spannender Genrestreifen im Stile des Film noir.

Samstag, Juli 26th, 2014

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FeuerwerkAmHelllichtenTage_Plakat

Foto (c) Weltkino Verleih

Black Coal, Thin Ice (dt.: „Schwarze Kohle, dünnes Eis“) hieß der Film des chinesischen Regisseurs Diao Yinan noch im kalten Februar, als er überraschend den Goldenen Bären der BERLINALE erhielt. Nun ist er im heißen Sommer unter dem deutschen Titel Feuerwerk am helllichten Tage in die Kinos gekommen. So hell sind die chinesischen Tage aber gar nicht, und auch das Feuerwerk, mit dem sich der deutsche Verleih weitestgehend dem chinesischen Originaltitel angenähert hat, lässt lange auf sich warten.

Es ist 1999, im tief verschneiten Norden Chinas werden in der gesamten Provinz auf riesigen Kohlehalden und langen schwarzen Förderbändern immer wieder Leichenteile gefunden, als würden sie vom dunstig grauen Himmel regnen. Die Polizei ist auf eine schnelle Lösung des Falls aus. Erste Spuren sind überdeutlich, findet sich doch bei einer abgetrennten Hand auch der Ausweis der Leiche. Es ist ein Arbeiter aus dem Kohlewerk. Aber schlampige Ermittlungen durch gewalttätige, gleichgültige Polizisten führen schließlich in die Irre und ins lokale Kleinganovenmilieu, was zwei von ihnen mit dem Leben bezahlen.

Zu den erfolglosen Ermittlern gehört Zhang Zili (Liao Fan), ein desillusionierter, zynischer Mann, der nicht von seiner geschiedenen Frau lassen kann. Er ist nicht ganz der typische Bad Cop, aber mit jeder Menge persönlicher Probleme beladen. Zhang wird bei der missglückten Verhaftung verwundet und rutscht nach der Entlassung aus dem Krankenhaus vollends in den Suff ab. Er muss sich, aus dem Polizeidienst entlassen, nun als Sicherheitsangestellter im Kohlewerk verdingen.

Feuerwerk am hellichten Tage Foto (c) Weltkino Verleih

Feuerwerk am helllichten Tage
Foto (c) Weltkino Verleih

Es geht nicht wirklich voran in diesem mysteriösen Fall, den die Polizei nach fünf Jahren Unterbrechung wieder aufrollt, da plötzlich neue Leichenteile auftauchen. Die Ermittler unter Zhangs damaligem Freund und Kollegen Captain Wang (Yu Ailei) konzentrieren sich nun wieder auf die Beschattung der Frau des ersten Toten. Die schöne aber zurückhaltende Wu Zhizhen (Gwei Lun Mei) arbeitet in einem kleinen Waschsalon, dessen Besitzer einen etwas bizarren Hang zu Frauen und Kleidungsstücken hat. Aber weiterhin Fehlanzeige.

Auch Zhang lässt der alte Fall nicht los, er sucht die Nähe der geheimnisvollen Frau Wu, die ihn wie eine Männer verschlingende Femme fatale der chinesischen Vorstädte magisch anzieht. Die Kamera folgt den Beiden bei ihren knirschenden Gängen durch die verschneiten Straßen des nächtlichen Viertels, einer Wohnwüste mit einsamen Oasen blinkender Lichter von Supermärkten, Garküchen und Vergnügungsbars. Tags überwiegen das Grau der Häuser und der normale Alltag der großen Stadt, die mehr schlecht als recht verwaltet wird. Nur in überfüllten Bussen, dem Halbdunkel der Kinos und Tanzschuppen und beim abendlichen Eislaufen kommen sich die Menschen näher. Ansonsten lebt man flüchtig nebeneinander her. Ein interessanter Mix aus Genre-Film und düsterem Gesellschaftsportrait, der damit vielleicht eine Alternative zum kommerziell erfolgreichen chinesischen Martial-Arts-Kino darstellt.

Feuerwerk am hellichten Tage Foto (c) Weltkino Verleih

Feuerwerk am helllichten Tage
Foto (c) Weltkino Verleih

Der tatsächliche Grund für die Morde wird Zhang vom Waschsalonbesitzer dann fast wie nebenbei präsentiert. Ein fast vergessener ruinierter Ledermantel spielt dabei eine tragende Rolle, nur dass sich lange niemand wirklich dafür interessiert. Es ist das leidige Geld, nach dem alle streben, Barbesitzerin wie Waschsalonbetreiber oder Mitarbeiter eines Wettbüros. Es lässt keinen Platz für Nähe und echte Gefühle. Kein „guter Mensch“, nirgends. Die nötige Wärme fehlt auch der armen Wäscherin. Wie die Zudringlichkeiten ihres Chefs wehrt sie aber zunächst die an Stalking grenzenden Annährungsversuche Zhangs kühl ab.

Der ebenfalls Ausgestoßene gewinnt mit seiner stoischen Beharrlichkeit nicht nur Stück für Stück die Zuneigung der traurigen, zurückgezogenen Frau. Er kommt auch irgendwann auf die Spur des unbekannten Schlittschuhmörders und Leichenzerstückelers, der schon vor langer Zeit Stück für Stück seiner wahren Identität entsorgt hat. Der Ex-Bulle wird den Fall lösen, und damit seine Liebe zerstören. Träume von persönlichem Glück und der Wunsch nach Gerechtigkeit gehen in dieser eisigen, grauen Welt nicht zusammen. Dagegen aufzubegehren, erscheint dem Helden wie ein nutzloser Knalleffekt, der zum Schluss wie das titelgebende Feuerwerk am helllichten Tage verpufft. Was Zhang bleibt, ist ein ausgelassenes Tänzchen auf dem Parkett der einsamen Herzen.

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FEUERWERK AM HELLLICHTEN TAGE
(BAI RI YAN HUO – BLACK COAL, THIN ICE)
Volksrepublik China / Hongkong, China, 2014, 106 Min

Regie, Buch: Diao Yinan
Kamera: Dong Jingsong
Schnitt: Yang Hongyu
Musik: Wen Zi
Sound Design: Zhang Yang
Production Design: Liu Qiang
Produzenten: Qu Vivian, Wan Juan
Co-Produzenten: Shen Yang, Zhang Dajun

Mit:
Liao Fan (Zhang Zili)
Gwei Lun Mei (Wu Zhizhen)
Wang Xuebing (Liang Zhijun)
Wang Jingchun (Rong Rong)
Yu Ailei (Captain Wang)
Ni Jingyang (Su Lijuan)

Kinostart: 24.07.2014

Verleiher: Weltkino Filmverleih GmbH

Infos: http://www.weltkino.de/file/Home.html

Zuerst erschienen am 25.07.2014 auf Kutura-Extra.

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Love Steaks – eiskalt und kurzgebraten. Der Max-Ophüls-Preisträgerfilm von Jakob Lass zu Gast auf der Berlinale 2014.

Donnerstag, Februar 20th, 2014

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Berlinale 2014

Berlinale 2014

Ein Experiment für Freiheit möchte die Liebeskomödie Love Steaks sein. Nach Frontalwatte (2011) legt Jakob Lass seinen zweiten Lang-Spielfilm in Koproduktion mit der HFF Potsdam vor. Der bereits im München und Saarbrücken ausgezeichnete Film lief in schöner Tradition als Max-Ophüls-Preisträger am Abschlusstag der diesjährigen BERLINALE in der Reihe „Perspektive Deutsches Kino“.

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Rennt der leicht tollpatschige mit einem Sprachfehler behaftete Franz (Franz Rogowski) auf der Suche nach Liebe in Frontalwatte noch weich abgefedert gegen die Wand, muss sich der schüchterne, männliche Protagonist Clemens (wieder Franz Rogowski) in Love Steaks im rauen See-Klima eines Wellness-Hotels an der deutschen Ostseeküste behaupten. Auch wird der noch ganz idealistische Neuankömmling im eher sanft-esoterischen Spa-Bereich des Hotels nicht gerade nur in Watte gepackt. In der Besenkammer einquartiert, sieht sich der Nachwuchs-Masseur und Vegetarier bald mancherlei Verunsicherungen und fleischlichen Gelüsten ganz anderer Art ausgesetzt.

Der Fahrstuhl führt Clemens zudem in die niederen Bereiche der heilen Wellness-Welt. Hier trifft er auf Lara (Lana Cooper), die eine Lehre in der Küche des Hotels absolviert. Und auch dort sorgt man für das leibliche Wohl der gutsituierten, nach vielerlei hungernden Klientel. Am Herd herrscht ein herzlich-rauer Ton, dem sich Lara in ihrer schonungslos offenen Art gut angepasst hat. Den Ausbruch aus der strengen Hierarchie des männlich dominierten Küchenpersonals probt die junge Frau mit Hilfe von taffen Sprüchen und ständig verfügbarem Alkohol. Harter Rock und ein Hang zur Exzentrik lassen sie immer wieder mal unsanft anecken. Aus einer anfänglichen Irritation erwächst schließlich eine gewisse Sympathie zum zunächst noch unsicheren Clemens, der sich aber schnell als der gesuchte Ruhepol und Rettungsanker für die quirlige Lara erweist.

Franz Rogowski und Lana Cooper in Love Steaks © Hochschule für Film und Fernsehen HFF Konrad Wolf

Franz Rogowski und Lana Cooper in Love Steaks
© HFF Konrad Wolf

Diese zwei so gegensätzlichen Charaktere ziehen sich von Anbeginn förmlich magisch an, auch wenn sie sich dann im wahrsten Sinne des Wortes regelrecht zusammenraufen müssen. Es entwickelt sich ein interessantes Spiel aus wechselseitiger Dominanz und Sich-fallen-lassen-Können. Von Blut- und Fleischpimmel-Philosophien über Nackttests im Kühlraum bis zur peinlichen Anmache zwecks Angstüberwindung wird dem armen Clemens dabei einiges abverlangt. Bei ihren ungewöhnlichen Annäherungsversuchen geraten die beiden schnell in ständige Beobachtung durch das ranghöhere Hotelpersonal („Der Fuchs schläft nicht, er schlummert nur.“) und werden so zum allgemeinen Betriebsgespräch. Während Clemens schließlich seine eigene Stimme findet, verfällt Lara wieder in alte Verhaltensmuster. Trotz der von Clemens praktizierten Therapieversuche manueller und spiritueller Natur lässt sich Laras Aggressionspotential nicht in die von ihm erwünschte positive Lebensenergie wandeln.

Zusätzliche sorgen die gut gemeinten Bemühungen von Clemens, Laras Alkoholprobleme auf seine Weise zu lösen, für Missverständnisse. Den beiden fällt es schwer, sich dem anderen bedingungslos zu öffnen. Wie sich die vom Leben Verunsicherten dann im offenen Clinch doch noch freilaufen, ist dann vor allem schmerzhaft aber dennoch humorvoll erzählt und unbedingt sehenswert. Letztendlich spielt dabei das gegenseitige Vertrauen eine nicht unerhebliche Rolle. Genau da dockt dann auch das Prinzip des Filmteams um Regisseur Jakob Lass mit seinen selbst gesetzten FOGMA -Regeln an. Das Brechen mit den festen Traditionen des Filmemachens, das Vertrauen in eine gute Geschichte sowie die Kraft und die Frische der Improvisation. Diese Offenheit und Freude am Risiko machen dieses an Originalschauplätzen mit vielen Laiendarstellern gedrehte filmische Experiment erst so sympathisch. Und so kann es dann auch ruhig mit FOGMA#2 weitergehen.

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© Daredo/HFF

© Daredo/HFF

Love Steaks (D, 2013)

Regie: Jakob Lass
Drehbuch: Nico Woche, Jakob Lass,
Ines Schiller, Timon Schäppi
Kamera: Timon Schäppi
Schnitt: Gesa Jäger
Musik: Golo Schultz
Kostüme: Anna Hostert

Mit: Lana Cooper, Franz Rogowski, Kerstin Abendroth, Daniela Adenauer, Georg Ludwig-Grosse, Simone Düring, Eric Popp, Björn Küssner, Marcel Herbrich, Marcel Gronzka, Ev-Katrin Weiß u.a.

Kinostart: 27.03.2014

Weitere Informationen: http://www.lovesteaks.de/LOVE_STEAKS.html

Zuerst erschienen am 19.02.2014 auf Kultura-Extra.

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