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Das 21. Festival des osteuropäischen Films in Cottbus gibt sich im goldenen Herbst 2011 sehr „“novembrig“

Freitag, November 11th, 2011

Teil 2: Die Filme des Wettbewerbs

Novembrigkeit verbreiteten nicht nur die Beiträge der Nebenreihen beim 21. Filmfestival in Cottbus, vor allem die Mehrzahl der zehn im offiziellen Wettbewerb befindlichen Filme hatte sich inhaltlich und formell der Kunst der Melancholie verschrieben. Sigmund Freud beschrieb sie einst sehr treffend als „…tief schmerzliche Verstimmung, eine Aufhebung des Interesses für die Außenwelt, durch den Verlust der Liebesfähigkeit, durch die Hemmung jeder Leistung und die Herabsetzung des Selbstgefühls…“. Also ein Gefühl, dass beileibe nicht allein mit der Sehnsucht der gequälten Seele im Sinne der Romantik zu erklären ist, sondern seine ganz realen Ursachen in bestimmten Lebensumständen hat und sich konkret in den Reflexionen der Menschen darauf widerspiegelt. Wobei mit Mythen und Symbolik überladene Filme nicht unbedingt eine Seltenheit darstellen.

cottbus-2011-10.JPG Foto: St. B.
Die Cottbuser Stadthalle, Ort der Wettbewerbspremieren.

So auch beim aktuellen Wettbewerb, der durchaus, wie schon erwähnt, eine konsequente Fortsetzung der vergangenen Jahre darstellt. Dabei lässt sich die Auswahl der Wettbewerbsfilme, bei näherer Betrachtung der letzten Jahrgänge, auf ungefähr diese einfache Formel bringen: Man nehme ein paar orientierungs- oder auch völlig antriebslose Figuren, erschüttere sie zusätzlich in ihren Grundfesten und lasse sie dann ungebremst mit der Realität kollidieren. Vor allem der Mensch in der Identitätskrise, die Schwierigkeiten bei der Bewältigung verschiedenster Alltagsprobleme und die Ohnmacht gegenüber Bürokratie und neuen Machtstrukturen beschäftigen die Filmemacher Osteuropas. Weiterhin sind die Aufarbeitung der sozialistischen Vergangenheit und immer wieder der Krieg auf dem Balkan beliebte Themen. Vermehrt stehen auch Verfilmungen von Stoffen nach wahren Begebenheiten auf dem Programm. All das gab es nun in verschiedenster Machart und künstlerischer Qualität zu sehen. Allein, der echte Knaller fehlte auch diesmal, ein Aha-Erlebnis wollte sich partout nicht einstellen. Aber dazu nun im Einzelnen.

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Melancholie, du kriegst mich nie… – Das 21. Festival des osteuropäischen Films in Cottbus gibt sich im goldenen Herbst 2011 sehr „novembrig“

Dienstag, November 8th, 2011

Um seiner Hassliebe zum ständigen Begleiter Melancholie Ausdruck zu verleihen, hat der deutsche Liedermacher Gisbert zu Knyphausen, zur warmen Wohlfühlmelodie seines gleichnamigen Songs, einen entsprechend deutlichen Text verfasst. Ob die Melancholie tatsächlich eine schlechter Berater ist, wie es Knyphausen konstatiert, spielte für die Filmemacher auf dem 21. Cottbuser Festival des osteuropäischen Films kaum eine Rolle, sie schienen fast durchweg von einer Art schmerzvollen Wehmut befallen zu sein. In einem Beitrag zum diesjährigen Wettbewerbsprogramm betitelte Zeit-online das dann auch als „eine tiefe Novembrigkeit“.

Nun kommt diese Melancholie ja nicht von ungefähr, befinden sich doch auch die osteuropäischen Länder und Regionen in der allgemeinen Krise. Was in den Filmen der Preisträger von 2010 wie WHITE WHITE WORLD, EIN ANDERER HIMMEL und ADRIENN PÁL seinen Niederschlag fand, setzte sich nun in den Beiträgen des diesjährigen Festivaljahrgangs fort. Bei schönstem Sonnenschein und goldenem Herbstwetter prägten fast ausnahmslos Düsternis sowie Ziel- und Antriebslosigkeit das Geschehen in den Cottbuser Festivalkinos.

cottbus-2011-6.JPG Foto: St. B.
Der wiedereröffnete Weltspiegel in Cottbus.

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