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Open-Air-Sommer 2014 (Teil 4): Mit dem Programm „Lusofonia“ begibt sich die WASSERMUSIK 2014 in die portugiesischsprachige Welt.

Freitag, August 15th, 2014

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(c) Haus der Kulturen der Welt

(c) Haus der Kulturen der Welt

Nach dem die WASSERMUSIK 2013 im Pazifischen Klangraum surfte, wird auf der Dachterrasse des Hauses der Kulturen der Welt in diesem Jahr mit dem Motto „Lusofonia“ der portugiesischsprachige Teil der Musikwelt bereist. Einst große Seefahrernation haben die Portugiesen ihre Sprache und Kultur in weite Teile des Erdballs gebracht. Nachdem die Weltmacht Portugal weitestgehend verblasst ist und infolge der Nelkenrevolution vor nunmehr 40 Jahren die ehemaligen Kolonien Angola, Mosambik, Guinea-Bissau, die Kapverdischen Inseln sowie São Tomé und Principe ihre Unabhängigkeit erlangten, bleibt als ein Erbe der Kolonisation noch eine kulturell weithin rege Sprachgemeinschaft mit einer musikalischen Vielfalt, die es immer wieder neu zu entdecken gilt.

Neben dem postkolonialen Erbe Portugals mit all seinen bekannten Schwierigkeiten nicht nur auf dem Afrikanischen Kontinent ist es aber vor allem Brasilien, das dem Ursprungsland der lusophonen Welt neben dem Fußball auch in der Musik (wie gerade erst bei der COPA DA CULTURA 2.0 ) Konkurrenz macht, und sich global gesehen großer Beliebtheit erfreut. So ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, dass zur Eröffnung der WASSERMUSIK 2014 gleich an eine brasilianische Musik-Legende erinnert wurde. Der Saxofonist Daniel Nogueira spielte mit seinem 13-köpfigen Ensemble Projeto Coisa Fina neben Traditionals der brasilianischen Latin-Jazz-Szene vor allem Stücke aus dem vielschichtigen Werk des Komponisten und Multiinstrumentalisten Moacir Santos. Stimmlich unterstützt wurde das Ensemble dabei durch den Sänger Flavio Tris.

Daniel Nogueira & Projeto Coisa Fina convida Flavio Tris - Foto: St. B.

Daniel Nogueira & Projeto Coisa Fina convida Flavio Tris – Foto: St. B.

Eine Sängerin von besonderem Format gab es dann im Anschluss noch mit Mayra Andrade von den kapverdischen Inseln zu bewundern. Die Inselgruppe vor der Westküste Afrikas ist musikalisch vor allem durch die Ausnahmekünstlerin Cesária Évora geprägt worden. Mit der erst 29-jährigen Mayra Andrade besitzen die Kapverden aber auch in Zukunft eine stimmlich durchaus ebenbürtige Nachfolgerin. Neben Traditionellem überzeugte sie dabei vor allem mit ihren eigenen Songs, die Musikstile wie Reggae, Son, Chanson, Bossa Nova und Flamenco mit dem musikalischen Erbe der Inseln verbinden. Die recht zahlreich und ganz waterproof in der Ausstellungshalle des HKW erschienene heimatliche Gemeinde zollte der faszinierenden Sängerin viel Applaus.

Mayra Andrade - Foto: St. B.

Mayra Andrade – Foto: St. B.

War die Eröffnung der WASSERMUSIK fast schon traditionell mit etwas Nass von oben bedacht, brachten die folgenden Wochenenden auch viel Sonnenschein auf der Dachterrasse des HKW. Besonders ins Schwitzen kamen die Weltmusik-Aficionados, für die die WASSERMUSIK bereits seit langem einen festen Platz im nicht gerade prallen Berliner Sommer-Oper-Air-Terminplan eingenommen hat, aber beim rein afrikanischen Abend am 8. August. Diesmal kam die angolanische Community voll auf ihre Kosten. Schon zu Beginn heizte DJ Nigga Fox aus Lissabon mit Urban Beats und Afro-House den bereits Anwesenden phonstark ein. Ein erster echter Kontrastpunkt im Programm der WASSERMUSIK 2014.

Fotos: St. B.

Einen Mix zwischen traditionellen angolanischen Drumsounds, Breakbeats und Raps gaben danach die Homeboyz mit ihrem „African Central Soul“. Sehnsüchtig erwartetet wurde aber der Star des Abends, MC Cabo Snoop. Der Shootingstar aus Luanda, Gewinner des MTV Africa Music Awards 2010, präsentierte denKuduro („harter Hintern“), eine noch junge aber bereits weltweit bekannte Tanzmusik aus Angola. Hierbei rappten sich Cabo Snoop und seine Mitstreiter an den Micros und Turntables mit Hip-Hop, Techno und Punk im wahrsten Sinne des Wortes den Hintern ab. Das ließ niemanden mehr kalt und so erklommen immer wieder Mutige aus dem Publikum die Bühne und maßen sich mit dem begnadeten Tänzer und Entertainer.

Maria de Medeiros Foto © Pedro Ferreira

Maria de Medeiros
Foto © Pedro Ferreira

Komplettiert wird das Live-Programm der WASSERMUSIK 2014 an diesem Wochenende mit zwei weiteren interessanten weiblichen Stimmen. Am Freitagabend steht die portugiesische Chanteuse, Jazzsängerin und Schauspielerin Maria de Medeiros auf der Bühne der Dachterrasse des HKW. Bekannt wurde sie vor allem durch ihren Auftritt als Blaubeerkuchen liebende Fabienne in Quentin Tarantinos Kultfilm Pulp Fiction. Die brasilianische Künstlerin Ava Rocha wird dann am Samstag mit ihrer dunklen, ausdrucksstarken Stimme komplexe aber doch übersichtliche Sound-Räume erschaffen. Beendet wird das umfangreiche Konzertprogramm dann nochmals ganz afrikanisch. Mit Conjunto Angola 70 groovt die Altherrenriege der ersten Blütezeit der Popmusik Angolas in den 70er-Jahren über die Bühne der hoffentlich sonnigen Dachterrasse.

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WASSERMUSIK: Lusofonia
Ein Sommer-Open-Air-Festival
auf der Dachterrasse des Haues der Kulturen der Welt
(25. Juli 2014 – 16. August 2014)

Infos:

Wie immer finden die Veranstaltungen bei trockenem Wetter auf der Dachterrasse, bei Regen in der Ausstellungshalle statt.

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