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Odysseus, Verbrecher. Schauspiel einer Heimkehr von Christoph Ransmayr

Mittwoch, Mai 12th, 2010

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Ein Gastspiel des Theaters Dortmund am Berliner Ensemble im Rahmen des Uraufführungs-Marathons „Odyssee Europa“ bei der Ruhr.2010 – Regie: Michael Gruner

In den letzten Jahren hat Claus Peymann am Berliner Ensemble immer mit ein paar ausgewählten Stücken einen kleinen Kontrapunkt zum Theatertreffen in Berlin setzen wollen. Dieses Jahr reicht es nur für einen „Odysseus, Verbrecher“ aus Dortmund. Wahrscheinlich weil Claus Peymann wohl lieber selbst zum Theatertreffen geht, wie berichtet wird.

Aber was ist das? Diesen Odysseus sollte die Strandpolizei lieber sofort von der Bühne weg verhaften. Plakatives Guckkastentheater mit einem der schlechtesten Texte, die ich je von Christoph Ransmayr gehört oder gelesen habe. Diesen Text, wie auch die Inszenierung, kann man sich nur mit sehr viel Ouzo schön saufen. Griechische Tragödien zur Geißelung der Kriege unserer Zeit her zu nehmen, ist nicht neu aber durchaus machbar. Dann aber bitte auch mit dem originalen Text und nicht mit dieser Holzhammerdidaktik. Die Toten sind die Menschen, die im Chor ständig Lieder aus der „Winterreise“ hauchen müssen und die Lebenden sind blutrünstige Zombies oder berechnende „Reformer“ unter Papiermasken. Papieren wirkt das Ganze auch, aufgesetzt und unglaubwürdig. Ist das nun eine besondere Form der Verfremdung oder eher Entfremdung? Es ist einem nach Gott sei dank nur 1:30 h auch so ziemlich egal. Ich hoffe, der Regisseur gibt nach jeder Aufführung eine Runde Halsbonbons für die heiseren Schauspieler aus, die die ganze Zeit mit verstellter Reibeisenstimme sprechen müssen. Da gehe ich dann doch lieber weiter zum Theatertreffen, und mit Sicherheit sehe ich da auch Claus Peymann wieder.

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Infos: http://www.theaterdo.de/spielplan/schauspiel/

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Odysseus, Verbecher. – Projekt Odyssee Europa – Schauspiel Theater Dortmund