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Durchbruch durch die vierte Wand oder diese Welt ist mir zu klein – MEAT, eine 240 Stunden Performance-Installation des Schweden Thomas Bo Nilsson und „Dieses Grab ist mir zu klein“ ein Theaterstück der serbischen Dramatikerin Biljana Srbljanović über das Attentat von Sarajevo beim F.I.N.D. 2014 an der Berliner Schaubühne.

Donnerstag, April 10th, 2014

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(c) Schaubühne

(c) Schaubühne

Meat Life (fleischliches Leben) ist eine Szene-Bezeichnung für das reale Leben von Cyberspace-Protagonisten außerhalb ihrer virtuellen Aktivitäten, das viele von ihnen aber zunehmend auch vorzugsweise ins World Wide Web verlegt haben. Der ehemalige kanadische Pornodarsteller, Stripper und Escort Luka Rocco Magnotta scheint da irgendwann etwas durcheinandergebracht zu haben. Aus seinen zahlreichen Online-Identitäten aufgetaucht, lebte er seine virtuellen Obsessionen plötzlich auch real aus. Man wirft ihm vor, einen chinesischen Studenten ermordet, zerstückelt und sich an der Leiche vergangen zu haben. Das Video zur Tat soll Magnotta ins Internet gestellt und Leichenteile an kanadische Politiker versschickt haben. 2012 wurde er in einem Neuköllner Internetcafé erkannt und verhaftet. Im September diesen Jahres wird ihm in Kanada der Prozess gemacht.

Diese verrückte Story des mutmaßlichen Kannibalen von Montreal hat Thomas Bo Nilsson, den ehemaligen Bühnenbildner der Performancetruppe Signa, inspiriert, die verschobene Lebenswelt Magnottas im Studio der Schaubühne nachzubauen und mit bis zu 60 Performern zu bevölkern. Während des Festivals Internationaler Neuer  Dramatik werden sie bis zum 13. März 240 Stunden rund um die Uhr dort leben. Es ist keine heile Welt, und schon gar nicht deren Abbild. MEAT ist der Entwurf einer ins Reale transformierten Gegenwelt im Spiegel unserer Vorstellungen. „If you don’t like the reflection. Don’t look in the mirror. I don’t care.“ lautet ein in roten Lettern geschriebenes Zitat aus einem Schrank in Magnottas Wohnung in Montreal. Ob man es tatsächlich mag, was man da zu sehen bekommt, oder nicht, muss dann aber schon jeder selbst herausbekommen.

You can be whoever you want to be.” – ein Schlagwort der Netzcommunity wie auch der neoliberalen Gesellschaft. Die Verführung ist groß, das Versprechen auf ein ereignis- und erfolgreiches Leben nicht minder. Wer ließe sich da nicht bereitwillig an die Hand nehmen und in den illustren Kreis der MEAT-Community einführen. Bezeichnender Weise geschieht das dann auch beim Eintritt ins Innere des Schaubühnenstudios. Jeweils sechs Personen werden im Dreiminuten-Takt am Einlass von maskierten Damen und Herren abgeholt und erst einmal irgendwo in der Großrauminstallation abgestellt. Im Kreisrund einer angedeuteten Mall schmiegen sich kleine Läden dicht aneinander. Internetcafé, Asia-Imbiss, Bianca‘s Sexshop, Gogo-Bar, ein Massage- und Kosmetikstudio und der Eingang zur Kneipe Zu den drei Stufen befinden sich hier.

MEAT - Gregor Biermann, Dennis Kwasny Foto: Matt Lambert

MEAT – Gregor Biermann, Dennis Kwasny
Foto: Matt Lambert

Auf einer ersten Entdeckungstour fällt ein japanisches Pärchen im Schulmädchenlook auf, das in den Ecken steht oder ziellos die Flure durchstreift. Die schwarzhaarige Dame im Erotikshop erklärt ihren Kunden ihre Lustspielzeuge, Transvestiten kleiden sich für ihren Auftritt, ansonsten scheint alles noch wie in der Ruhe vor dem ersten Ansturm. Es ist später Nachmittag, es könnte also auch eine Art Endlos-Afterhour-Stimmung sein, die sich breit macht und einen förmlich mit runter zieht. Die vorherrschende Lage der Protagonisten ist dementsprechend noch größtenteils waagerecht, oder sie sitzen in den weichen Kissen der Sessel und Ledercouchgarnituren verkeilt. Es riecht nach angebranntem Essen in den hinteren Räumen. Verlebter und unaufgeräumter kann es in keiner Studenten-WG aussehen. Nilsson hat sich große Mühe gegeben bei der Gestaltung des verwohnten Charmes in Anlehnung an Objektkunst und Eat Art mit Billigmöbeln, herumliegenden Haushaltsartikeln und Essenresten sowie Postern von Pin-ups und Popsternchen an den Wänden. Allenthalben flimmern Flachbildschirme und zeigen Seiten von sozialen Netzwerken und Chats. Man fühlt sich wie ein nächtlicher Einbrecher oder Voyeur, der heimlich nach den Schätzen fremder Leute fahndet.

Schlager-Chanteuse Rita Bauer scheint zunächst die einzig wirklich Aktive hier. Sie wirbt für ihre Show in einer halben Stunde auf der kleinen Bühne der Kneipe. Vorher muss sie noch schnell ins Nagelstudio. Ein Fluchtpunkt, den auch andere Bewohner und Besucher gerne nutzen, sei es zur Massage, Gesichtskosmetik, zum Nägel lackieren, oder einfach nur Relaxen auf der Liege. Viel reden muss man hier nicht. Ansonsten ist das schon Bedingung, um überhaupt etwas zu erleben. Zu apathisch, ja fast schon wie unter Tranquilizer bewegen sich die lässig kostümierten Gestalten durch die Räume, rekeln sich müde in aufgewühlten Betten oder auch mal lasziv an der Gogo-Stange. So etwas wie Leben suchend, wird man da eher in der Kneipe fündig, das pulsierende Herzstück inmitten der Installation. Das Rustikale Holzambiente erinnert an Alt-Berliner Eck-Kneipen der 70er Jahre, und auch der Musikgeschmack des Trackertypen mit Bart, Basecap und Sonnenbrille hinter dem Tresen scheint irgendwo in dieser Zeit stehen geblieben zu sein. Das Speisekartendesign stammt aus einer DDR-HO-Gaststätte. Die Preise entsprechen allerdings schon Kudamm-Niveau.

Von einem Mann mit weißer Michael-Myers-Maske in Unterwäsche und Hauspantoffeln bekomme ich ein Glas Tonic. Er spricht nicht, möchte aber gern etwas in mein Notizbuch krakeln. Als das misslingt, legt er es einfach auf den Tresen und verschwindet. Später erfahre ich seinen Namen. Es ist Medeas Jason, der allein Zurückgebliebene spielt nun mit einer jungen Frau Mensch ärgere dich nicht. Typisch weibliches Helfersyndrom. Ein Zuhältertyp in weißer Jacke und Schlaghosen holt seine Mutter ab, die schon sichtlich vor sich hin dämmert. Danach herrscht er seine opulente schwarzhaarige Begleitung an und befördert einen verdutzten Besucher mit fachgerechten Handgriffen vom Tresen direkt nach draußen. Und das alles während Rita Bauer versucht aus ihrem Leben als Schlagerstar in Regensburg zu erzählen. Ein zwanzig Jahre jüngerer Südländer namens Rado hatte ihr einst das Herz gebrochen. Vor dem Gang in Donau bewahrte Rita nur die Liebe zu Hildegard Knef. Und auch für uns lässt sie noch einmal Rote Rosen regnen.

MEAT - Dennis Kwasny, Dominik Hermanns - Foto: Matt Lambert

MEAT – Dennis Kwasny, Dominik Hermanns
Foto: Matt Lambert

Richtig sentimental wird es, als der Rausschmeißer Herr Fuchs nach getaner Arbeit seiner geliebten Frau Armira, ebenfalls ganz in weiß, einen Song widmet. Es ist die Hymne der stets Daheimgebliebenen. Ihr Wohnzimmer und die große Bühne des Lebens haben sie hier Zu den drei Stufen. Damals saß Udo Jürgens noch neben Frank Elstner auf der Wetten, dass-Couch und Hawaii war nur ein Toast auf der Speisekarte. Die Sehnsüchte nach der weiten Welt auf wenigen Quadratzentimetern Weizenbrot (Gudrun Rothaug: Vom Toast Hawaii zum Döner. Essen in Deutschland). Ich fliehe Bohnerwachsgeruch und Spießigkeit und mische mich wieder unter die Schaulustigen der Shoppingmall. Musternde Blicke, kurzer Smalltalk – außer einem „Haste mal Feuer“ hält sich die Anmache in Grenzen. Wer was erleben will, muss zahlen. Das Motto lautet: Meat and Greed.

Die Spuren des Canadian Psycho Luka Rocco Magnotta verlieren sich im Nichts. Eine Tür im Obergeschoss zeigt ein grünes Exit-Zeichen. Fluchtpunkt reale Welt oder gar letzter Ausgang aus einem künstlichen Albtraum? Hinter der Tapetenwand am Absatz einer Fluchttreppe sitzen zwei Feuerwehrmänner. Der Einbruch der Realität ins Spiel. Aktiv teilnehmen oder passiv beobachten? Es ist dann doch auch ganz wie im wahren Leben. Aber selbst zwei junge Mädchen, die mit Engelsstimmen Donuts im Sonderangebot anpreisen, können mich nicht mehr davon abhalten, den so Zeit wie geschichtsvergessenen Ort endgültig zu verlassen.

MEAT
240  Stunden Performance-Installation (Schweden)
von Thomas Bo Nilsson, Studio der Schaubühne (Premiere war am 03.04.14)
Künstlerische Leitung Thomas  Bo Nilsson, mit Borghildur Indriðadóttir, Julian Wolf Eicke und Olga Sonja Thorarenssen
Konzept, Regie, Text Thomas  Bo Nilsson
Produktion Borghildur Indriðadóttir
Regieassistenz Olga Sonja Thorarenssen, Jens Lassak, Hannah Fissenebert
Bühne Thomas  Bo Nilsson, Julian Wolf Eicke
Bühnenbildassistenz Adela Bravo Sauras, Danielle Fagen, Magdalena Emmerig
Kostüme Thomas  Bo Nilsson, Julian Wolf Eicke, Larissa Bechtold
Kostümassistenz Benedetta Baiocchi, Emily Tappenden, Maryam Afschar
Video und Web Dominik Wagner
Sound Design Dennis Beckmann
Tonassistenz Jan Tackmann
Trailer Matt Lambert
Choreographie Matteo Marziano Graziano
Fundraising und Sponsoring Anne Odoj, Magdalena Frankiewicz
Produktionsteam Alexandra Tivig, Angela Roudaut, Carolina Duarte, Cecilia Helsing, Christian Kleemann, Dóra Hrund Gísladóttir, Egor Kirpichev, Emanuele Capissi, Ermina Apostolaki, Florian Schneider, Francisca Villela, Halla Mía Ólafsdóttir, Hauke Vogt, Hélène Vergnes, Ivan Ivanov, Julia Berndt, Kate Jones, Kathrin Mergel, Laurent Pellissier, Lena Stihl, Madeleine Edis, Magdalena Emmerig, Maria Trinka Lat, Matthias Karch, Miren Oller, Ole Schmidt, Órla Fiona Wittke, Rimma Starodubzewa, Sabine Sellig, Tristen Bakker, Vivian Kvitka

Mit Adela Bravo Sauras, Anton Perez, Ardian Hartono, Benjamin Mangelsdorf, Borghildur Indriðadóttir, Carolin Mylord, Cesare Benedetti, Charles Lemming, Christian Wagner, Claudia Kandefer, Danilo A. Sepulveda Cofre, Daniel Merten, Dennis Kwasny, Dolly, Dominik Hermanns, Dorothee Krüger, Elisabeth Kudela, Emanuele Capissi, Emiria Snyman, Eva Maria Jost, Eva Marie Bargfeld, Gianni v. Weitershausen, Glenn Crossley, Gregor Biermann, Jens Lassak, Jiwoon Ha, Joanna Nutall, Johannes Frick, Juan Corres Benito, Judith Seither, Julia Effertz, Julia Stina Schmidt, Julian Wolf Eicke, Karsten Zinser, Kay Minoura, Kirsten Burger, Lara Mándoki, Larissa Bechtold, Larissa Offner, Lina Axelsson, Lodi Doumit, Luca Angioi, Marcus Wagner, Maria Polydoropoulou, Marie Polo, Matteo Marziano Graziano, Maximilian Rösler, Mayla Arslan, Mia May, Ming Poon, Nils Malten, Nina Weniger, Olga Sonja Thorarensen, Peter Groom, Peter Sura, Rachel Foreman, Regula Steiner-Tomic, Ria Schindler, Safira Robens, Sophie Reichert, Stuart Meyers, Susana Abdulmajid, Taneshia Abt, Thomas Bo Nilsson, Tim-Fabian Hoffmann, Tomomi Tamagawa, Ute Reintjes, Ya-Hui Kuan, Yoni Downs

Termine:
Einlass jeden Tag um 1.00, 5.00, 9.00, 13.00, 17.00, 21.00 letzter Einlass am 13.4. um 13 Uhr.

Weitere Infos und Tickets: http://www.schaubuehne.de/de/produktionen/meat.html

Zuerst erschienen am 09.04.2014 auf Kultura-Extra.

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Der künstlichen Lebenswelt des Mörders Magnotta in MEAT entkommen, wartet noch ein weiterer Mord auf mich, einer der die Geschichte Europas und der Welt auf dramatische Weise beeinflussen und für die Begründung der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts herhalten sollte. Die Rede ist vom Attentat am österreichischen Kronprinzen Franz Ferdinand und seiner Gattin, just vor 100 Jahren in Sarajevo von jungen serbischen Nationalisten verübt. Ein Ereignis, das Österreich und Deutschland veranlassen sollte, den Ersten Weltkrieg vom Zaun zu brechen. In ihrem 2013 am Wiener Schauspielhaus uraufgeführten Stück Dieses Grab ist mir zu klein beschreibt die serbische Dramatikerin Biljana Srbljanović die ganz persönliche Geschichte der jugendlichen Attentäter. Im kleinen Saal der Schaubühne wird es nun einer Werkstattinszenierung der jungen, schon recht erfolgreichen Regisseurin Mina Salehpour gezeigt.

Das F.I.N.D. 2014 in der Schaubühne - Fot: St. B.

Das F.I.N.D. 2014 in der Schaubühne – Foto: St. B.

Hier ist die unsichtbare vierte Wand wieder aufgebaut, man kann sogar Schauspieler daran stellen. Die anderen Kollegen lungern auf der Holzschräge herum, die nach hinten durch einen an einer Stelle löchrigen Lattenzaun begrenzt ist, geben launige Kommentare ab, oder warten still die Szene beobachtend auf ihren Auftritt. Es herrscht eine zunächst aufgeräumte aber im Laufe der Zeit immer angespanntere Stimmung. Vier junge Menschen serbischer Abstammung verstricken sich im Frühjahr 1914 in Sarajevo in nationalistische Strömungen rund um die studentischen Unruhen gegen die österreichische Besatzung Bosnien-Herzegowinas. Man ist für eine unabhängige jugoslawische Demokratie oder ein großjugoslawisches Königreich, aber in erster Linie ist man stolzer Serbe. Was interessieren da die Forderungen der kroatischen Studenten in Zagreb.

Biljana Srbljanović hat das recht unübersichtliche historische Gemenge aus Hintermännern und Akteuren des Attentats auf fünf Protagonisten zusammengeschrumpft. Der 19jährige Gymnasiast und Mitglied einer proserbischen bosnischen Jugendorganisation Gavrilo Princip (Bernardo Arias Porras) und sein Freund, der ebenfalls 19jährige Druckergeselle Nedeljko Čabrinović (Konstantin Shklyar), bekommen über serbische Geheimdienstler die Nachricht vom Besuch des österreichischen Thronfolgers in Sarajevo zugespielt und beschließen spontan ein Attentat auf ihn. Die Waffen bekommen sie über Danilo Ilić (Tilman Strauß), den Bruder der 15jährigen Ljubica (Luise Wofram), in die beide verliebt sind. Sie mieten ein Zimmer für ihre Treffen im Haus von Ilić, der Verbindungen zum Anführer des serbischen Geheimdienstes Dragutin Dimitrijević Apis (Ulrich Hoppe) unterhält.

Dieses Grab ist mir zu klein Foto (c) Gianmarco Bresadola

Dieses Grab ist mir zu klein
Foto (c) Gianmarco Bresadola

Die Rollen sind an die realen Personen angelehnt, die Geschichte, die Biljana Srbljanović erzählt, aber eher fiktiv. Es geht ihr auch nicht vordergründig um die Fakten, sondern um die Menschen hinter der Tat. Die Autorin zeigt in ihrem Stück junge Leute, die aufbegehren, etwas verändern wollen, dabei aber auch naiv und leicht verführbar für nationalistische Ideologien sind. Regisseurin Mina Salehpour befreit die Geschichte vom heroischen Pathos und zeigt junge Menschen, die diskutieren, sich streiten, aber auch träumen und herumalbern. Der ferne Thronfolger ist ihnen nur aus Legenden und Anekdoten bekannt. Blutrünstig wird ein Jagdgelage ausgemalt. Man sitzt gemeinsam erstaunt mit offenem Mund im Kino, neckt sich und fast dennoch ohne zu Zögern eine folgenschwere Entscheidung. Ein Selbstmordkommando mit Bombe, Pistole und Zyankalikapsel. Ein irrer Duft nach Mandeln.

Mina Salehpour Inszenierung wartet mit farbigen Kostümen, Charleston-Musik, Stummfilm-Slapstick und schnoddrigem Jugendslang auf. Ihre Protagonisten scheinen damals wie heute seltsam aus der Zeit gefallen und bewegen sich dennoch nahe am Abgrund der Realität. Dieses Theater gibt nicht vor, das wahre Leben zu sein. Es zeigt exemplarische Figuren, wie sie in jeder Generation, in jedem Land auftreten können und theatralisiert deren Gefühle, Handlungen und ihr Schicksal. Das Attentat gelingt dann mehr aus Zufall. Die erste Bombe verfehlt noch ihr Ziel, tötet aber die unbeteiligte Ljubica. Die Schüsse Gavrilo Princips sitzen. Da die Zyankalikapseln versagen, werden alle nacheinander gefasst.

Im zweiten Teil des Stücks berichten die Figuren in längeren Monologen von ihrer Haft in der Festung Theresienstadt, Verhören, der Sehnsucht nach Freiheit und den Freunden, sowie vom Tod, der sie auf unterschiedliche Weise, aber immer einsam und leidvoll durch Hinrichtung oder Krankheit ereilt. Hier schlägt das Stück auch wieder eine Brücke in die Geschichte. Der jugendliche Attentäter Princip wird nach seinem Tod zum Märtyrer und serbischen Nationalhelden stilisiert, sein Grab mehrfach umgebettet. Ein Streitobjekt bis in die Balkankriege nach dem Zusammenbruch von Titos Variante eines geeinten jugoslawischen Staats. Theresienstadt, heute Tschechische Republik, der Ort von Princips Martyrium, wird im Zweiten Weltkrieg als KZ der Nazis wieder Todesort für Menschen anderer Nationalitäten sein. Die Bezüge in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf dem Balkan und ganz Europa sind offensichtlich. Wie sich da die Idee eines großen, europäischen Hauses jenseits von nationalistischem Hass durchsetzen soll, scheint heute mehr denn je schleierhaft.

 

Dieses Grab ist mir zu klein
von Biljana Srbljanović
Werkstattinszenierung (Serbien/Deutschland) Premiere: 06.03.14
Deutsch von Vukan Mihailović de Deo und Aleksandra Pejović
bearbeitet von Renata Britvec
Regie: Mina Salehpour
Bühne Céline Demars
Kostüme Valerie Gasse
Musik Markus Hübner
Dramaturgie Maja Zade
Licht Eduardo Abdala
Mit:
Bernardo Arias Porras: Gavrilo Princip
Konstantin Shklyar: Nedeljko Čabrinović
Tilman Strauß: Danilo Ilić
Luise Wolfram: Ljubica Ilić
Ulrich Hoppe: Dragutin Dimitrijević Apis

Termine: 13.04. und 16.04.2014 jeweils 20:00 Uhr

Weitere Infos: http://www.schaubuehne.de/de/produktionen/dieses-grab-ist-mir-zu-klein.html/ID_Vorstellung=577

Zuerst erschienen am 09.04.2014 auf Kultura-Extra.

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