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Bedrohter Mittelstand, Wutbürger und kulturpolitisches Faustrecht in der deutschen Theaterprovinz – „Ich habe Bryan Adams geschreddert“ am Staatstheater Cottbus und „Götz von Berlichingen“ am Anhaltischen Theater Dessau

Freitag, April 17th, 2015

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Ich habe Bryan Adams geschreddert – Am Staatstheater Cottbus inszeniert Schauspieldirektor Mario Holetzeck die zynische Mittelstandskomödie von Oliver Bukowski.

„Deutschland – Wunder und Wunden“ heißt das aktuelle Spielzeitmotto am Staatstheater Cottbus. Passend dazu hat Schauspieldirektor Mario Holetzeck das 2014 in Göttingen uraufgeführte Stück Ich habe Bryan Adams geschreddert des in Cottbus geborenen Dramatikers Oliver Bukowski inszeniert. Der stellvertretende Chef der Belegschaft eines mittelständigen Sanitär-Keramik-Unternehmens veranstaltet eine Motto-Party, bei der er teambildendes Krisenmanagement betreiben will. Auslöser ist die Entlassung des Mitarbeiters Christopher, dessen angekündigte Teilnahme an der Festivität alle in helle Panik zu versetzen scheint. Im Laufe des Abends beginnt dann unter dem Einfluss der Wahrheitsdroge Alkohol die Fassade der heilen Reihenhauswelt zu bröckeln, und die Sommersonnenwendfeier im Kleingartenidyll wird zum allgemeinen Wendepunkt für die innerlich angstzerfressene Partygesellschaft. Das Wunder eines beschworenen Teamgeists erweist sich als hartes und opferreiches Überlebenstraining, das so manche seelische und körperliche Wunde schlägt. Eine Art Tanz auf glühenden Grillkohlen beginnt.

ICH HABE BRYAN ADAMS GESCHREDDERT  © Marlies Kross

ICH HABE BRYAN ADAMS GESCHREDDERT
Foto © Marlies Kross

Dazu hat Gundula Martin eine spießige Partyhölle auf Kunstrasen mit Liegestühlen, Elektrogrill, Mini-Pool und einer Gartenschmalspurbahn gebaut. An der machen sich Schmalspurchef Frank (Amadeus Gollner) und Management-Kollege Patrick (Kai Börner) als fachsimpelnde große Jungs zu schaffen, während ihre Frauen Bowle, Schnapsflaschen, Grillgut und Frühlingssalate heranschleppen. Gastgeberin Tanja (Susann Thiede) und Simone (Kristin Muthwill) scheinen sich mit ihrem Schicksal in der zweiten Reihe abgefunden zu haben. Simones tägliche Motivation ist der Griff zur Flasche, was ihr bereits deutlich anzumerken ist und einige Spitzen seitens Ehemann Patrick einträgt. Der aalglatte Schleimer hegt selbst versteckte Ambitionen auf einen Chefposten. Simone bezeichnet ihn dann irgendwann auch als karrieregeile Ratte. Das Ziel der Lästereien wechselt kurzzeitig als Sachbearbeiterin Paula (Johanna-Julia Spitzer) mit ihrem neuen Freund Sascha (Thomas Harms) eintrifft. Der Mann aus der Luftfahrt im blauen Zweireiher mit Sonnenbrille entpuppt sich schnell als zum Bodenpersonal gehöriger Fluglotse, dem die einfache Buchhalterin selbst etwas von einer Deputy Key Account Managerin vorgegaukelt hat.

Der ausgebootete Christopher schwebt metaphorisch, wie sich Simone ausdrückt, über dem Abend, was Personalchef und Gastgeber Frank zur Rechtfertigung für das Gesundschrumpfen der Firma – er nennt es auch Ballast abwerfen – nötigt. Es herrscht eine spürbare Verspanntheit, die Frank mit ein paar Gesellschaftsspielen aufzulockern versucht, was hier immer wieder für Peinlichkeiten sorgt und jede Menge Anlass zu Slapstick-Nummern bietet. Als weiteren Katalysator für aufgestaute Aggressionen fungiert Franks 18jähriger Sohn Jannik (erstaunlich vielseitig Johannes Kienast), der das zwanghaft fröhliche Feierkollektiv mit dem Handy filmt, die verzweifelten Gebaren der Partygäste mit zynischer Verachtung und coolen Sprüchen kommentiert und schließlich mittels selbsterdachter schräger Performance und später noch in Mutters kleinem Schwarzen provoziert.

Nach dem Austausch vieler hinreichend bekannter Klischees und mehrere Drinks später beginnen alle schließlich mit einer quälender Selbstreflektion, die weder vor der eigenen noch der Demütigung anderer Halt macht. Autor Bukowski lässt die Kollegen immer wieder neue Allianzen bilden, Fronten aufmachen und Gräben ziehen. Die das Jetset kopierenden Helden des Mittelstands gerieren sich als Highperformer in eigener Sache. Körperliches und verbales Muskelspiel als Ausdruck einer typischen Form der Selbstoptimierung für das Bestehen im täglichen Konkurrenzkampf. Frank schwört dabei auf Morgengymnastik zu Bryan Adams „Summer of 69“. Yoga für das bessere Verbiegen im Job, wie es Tanja nennt. Sie ist es dann auch, die die Bryan-Adams-CD ihres Mannes im Gartenhecksler genüsslich zerschreddert. Den anderen Männern ergeht es nicht viel besser, bis der „Chor der Klageweiber“ sich auch gegenseitig zerfleischt. „Ich bin wenigstens noch Mutter, wenn alles den Bach runtergeht. Was seit ihr?“ hält Tanja den anderen beiden Frauen vor, die ihren Kinderwunsch der Karriere geopfert haben. Tanjas eigene Leibesfrucht macht es ihr allerdings nicht gerade einfach, den kurzzeitigen Triumpf zu genießen.

ICH HABE BRYAN ADAMS GESCHREDDERT -  © Marlies Kross

ICH HABE BRYAN ADAMS GESCHREDDERT – Foto © Marlies Kross

Jannik gibt einen Kurzeinblick in seinen bevorstehenden Werdegang von der Wohlstandsverwahrlosung über die persönliche Bedeutungslosigkeit bis ins soziale Prekariat. Den Alten prophezeit Jannik noch das große Sauriersterben. „Erst das Industrieproletariat, jetzt ihr, der Mittelbau.“ Die alkoholschwangeren Protest- und Rocker-Attitüden der bedrohten Mittelständler à la „Wehrt euch!“ entlarven sich allerdings recht schnell selbst. „Es gibt keine reelle Gegenwehr, solange einer immer besser sein will als die anderen.“ An diesem Abend frönt aber alles noch mal dem Partywahn und lässt den jugendlichen Störenfried einfach abtreten. „Du kannst nach Hause gehen.“ skandiert der drittklassige Cottbuser Fußballchor, bevor schließlich alle Hüllen und Hemmungen fallen. Die so heiß entflammte Selbstüberschätzung wird schließlich kalt mit dem Gartenschlauch abgespritzt. Der Ernüchterung folgen trockene Handtücher, Brandsalbe und schon wieder neue Pläne für die Zeit nach dem Ausstieg aus dem Job. „What a wonderful world this would be.“

Bukowski lässt in seiner schwarzen Komödie die Betroffenen selbst über ihre Ängste und den „blinden Fleck“ ihres Berufslebens sprechen. Ein Hamsterrad aus Leiharbeit, Sonderschichten, drohenden Versetzungen und letztlich dem Rauswurf, wenn man nicht mehr funktioniert. Vom großen Durchstarter zur finalen Bruchlandung. Der Mittelstand befindet sich in einem ständigen sozialen Jetlag. Mario Holetzeck macht daraus in Cottbus eine rundum spaßige Volldröhnung mit viel Rock und Pop aus der Konserve. Das Beste der 70er, 80er und 90er. Die gezeigte Wut und Depression des um seine Errungenschaften fürchtenden Bürgertums, das man ja auch unter den Zuschauern vermuten könnte, lässt einen aber kaum mal wirklich das Lachen im Hals gefrieren. Das Potential dieser durchaus bissigen Satire verpufft so ein wenig zu gut gelaunt.

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Ich habe Bryan Adams geschreddert
Schauspiel von Oliver Bukowski
Regie: Mario Holetzeck
Bühne und Kostüme: Gundula Martin
Dramaturgie: Sophia Lungwitz
Regieassistenz: Matthias Grätz
Besetzung:
Frank Peukert, Chef einer mittelständischen Sanitärkeramikfirma: Amadeus Gollner
Tanja Peukert, seine Frau: Susann Thiede
Jannik, ihr Sohn Johannes Kienast
Simone Lange, angestellt bei Peukerts: Kristin Muthwill
Patrick Lange, ihr Mann, ebenfalls angestellt: Kai Börner
Paula Röder, Sachbearbeiterin bei Peukerts: Johanna-Julia Spitzer
Sascha, Paulas Freund, Fluglotse: Thomas Harms

Dauer: 1 Stunde 40 Minuten, keine Pause

Premiere am Staatstheater Cottbus: 11.04.2015
Termine: 15.04., 30.04. und 07.06.2015

Infos: http://www.staatstheater-cottbus.de/programm/schauspiel/artikel_ich-habe-bryan-adams-geschreddert.html

Zuerst erschienen am 13.04.2015 auf Kultura-Extra.

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Götz von Berlichingen – Ein deutsches Lied von der Freiheit – Intendant André Bücker verabschiedet sich vom Anhaltischen Theater Dessau mit einer fulminanten Inszenierung des Sturm-und-Drang-Klassikers von Johann Wolfgang von Goethe

Götz_Anhaltisches Theater Dessau_April 2015

Das Anhaltische Theater Dessau – Foto: St. B.

Freiheit gibt es nur im Jenseits, die Welt aber ist ein Gefängnis. Das ist die resignierte Einsicht des Götz von Berlichingen am Ende des gleichnamigen Sturm-und-Drang-Dramas von Johann Wolfgang von Goethe. Titelheld Götz, den man eigentlich mit einem wesentlich kämpferischen Spruch in Verbindung bringt, liegt hier aber bereits zerstört am Boden. Der Mann des Faustrechts „mit der eisernen Hand“ muss sich der staatlichen Gewalt des Kaisers und seiner Gerichte nach langem Kampf beugen. Und gekämpft wird viel in André Bückers fast vier Stunden dauernder Inszenierung, mit der sich der Intendant nach sechs Jahren vom Anhaltinischen Theater Dessau verabschiedet. Auch Bücker hat es die Landespolitik nicht leicht gemacht. Er hat den zuständigen  Machthabern getrotzt und gegen beschlossene Etatkürzungen und drohende Spartenschließungen protestiert. Schließlich hat die Stadt in  vorauseilendem Gehorsam  gegenüber Stephan Dorgerloh (seines Zeichens Kulturminister  des Landes Sachsen-Anhalt) dem unbotmäßigen Intendanten den Vertrag nicht verlängert. Wenn man an die momentanen Vorgänge um die Entlassung von Sewan Latchinian in Rostock  oder die Querelen um Claus Peymann und Frank Castorf in Berlin denkt – ein weiterer Beweis, wie verbissen  mittlerweile der Kampf um die  Kulturhoheit in deutschen Landen geführt wird.

Götz_Dessau_Vor dem Theater_André Bücker

Intendant André Bücker auf dem Theatervorplatz in Dessau
Foto: St. B.

Nun, so könnte man meinen, schlägt der geschasste Intendant Bücker noch mal zurück und streckt den selbstherrlichen Landesvätern die gereckte Faust entgegen. Doch geht es dem Trotz zum Trotze in seiner Inszenierung des Götz noch um so einiges mehr. Und nicht etwa einfach nur mal eben um ein Glas Sekt oder Selters. Hier geht’s tatsächlich um nichts weniger als knallharte Überzeugungen. Dazu trinkt der ehrliche, streitlustige Mann sein Bier, was hier schon zu Anfang in rauen Mengen aus Blechdosen strömt, während die saturierten Würdenträger am Bamberger Bischoffs-Hof Sekt aus der Flasche schlürfen. Bückers Sicht auf die Freiheit des kleinen Mannes und die feige Staatsmacht, die, um das aufmüpfige Rittergeschlecht zur Raison zu bringen, intrigiert und nach Gutdünken Gesetze erlässt, ist dann aber gottlob doch nicht ganz so vereinfachend. Der Regisseur setzt Goethes Skepsis gegen Recht und Staatsgewalt sowie seine Sympathie für den unbeugsamen Ritter Götz eine ganze Reihe bekannter Stimmen aus der deutschen Zeitgeschichte entgegen. Goethes Stück-Fassung von 1773 hat Bücker u.a. Texte von Friedrich Hölderlin, Georg Büchner, Rosa Luxemburg, Bertolt Brecht, Gudrun Ensslin oder der russischen Punk-Band Pussy Riot untergemischt.

Foto: St. B.

Gerald Fiedler auf dem Dach – Foto: St. B.

Diese Fremdtexte, die hier meist direkt aus den Szenen heraus den handelnden Personen in den Mund gelegt werden, sollen den Zuschauer natürlich auch verwirren und im besten Falle zum Nachdenken anregen. Bereits vor dem Beginn der Aufführung findet auf dem Theatervorplatz ein kleines Vorspiel mit historischen Figuren statt, die quer aus verschiedenstem Freiheits- und Unterdrückungsvokabular vortragen. So spricht etwa Gerald Fiedler hoch vom Dach des trutzigen Dessauer Theaterbaus als Politiker im breitesten anhaltinischen Dialekt Worte des Königs Kreon aus SophoklesAntigone. Rosa Luxemburgs berühmte und gern zitierte Feststellung von der Freiheit der Andersdenkenden aus den Breslauer Gefängnismanuskripten und „Die zwölf Artikel“ des deutschen Bauernkrieges sind zu hören, wie auch der Reformator Martin Luther, der gegen die aufständischen Bauern in Thüringen unter Thomas Müntzer wettert. Eine regionale Parallele zu den Kämpfen im Fränkischen, bei denen die umherziehenden Bauernhaufen Götz für kurze Zeit als Hauptmann gewinnen konnten. Was natürlich auch Goethes Drama und Bückers Inszenierung auf der Dessauer Bühne thematisieren.

Götz (Felix Defèr) ist der scheinbar Gesetzlose mit Rockermanieren und einem ausgeprägtem Sinn für Gerechtigkeit. Außen raue Schale, im Inneren ein guter Kern. Die ehrenhaften Fehderitter waren aber damals schon eine aussterbende Spezies. Bücker inszeniert seinen Ritter dann auch als anachronistisches Urvehikel, aber nicht von der traurigen Art, sondern als Westerner im langen Ledermantel. Quentin Tarantinos Django Unchained lässt grüßen. Der Kaiser (Stephan Korves), den Götz neben Gott als einzige Instanz gelten lässt, ist hier selbst ein abgetakelter, fränkisch parlierender Ritter, der einen Sarg hinter sich her zieht. Maximilian I. hatte tatsächlich auf Reisen sein letztes Möbel immer dabei.

Felix Defèr als Goetz von Berlichingen - Foto © Claudia Heysel

Felix Defèr als Goetz von BerlichingenFoto © Claudia Heysel

Nach der Pause, in der man aufgefordert war, neben dem Essen einer Wurst auch mal über seine Freiheit nachzudenken, steht Götz-Darsteller Defèr mit seinem Schwert an der Rampe und redet sich frei von der Leber weg regelrecht in Rage. Über die Ruhelosigkeit unserer Gesellschaft, Doktortiteln von Politikern und platzenden Spekulationsblasen kommt er schließlich zum Zorn als Gestaltungsmittel der Gesellschaft (Thomas von Aquin) und den Ausführungen des Historikers und Juristen Justus Möser, der 1770 das alte Faustrecht gegenüber der absolutistischen Fürstenherrschaft glorifizierte. Auch eine Inspiration Goethes für seinen Götz. Der Wutbürger in Aktion gegen eine nach Gutdünken regierende Obrigkeit. Hier funktioniert die Interaktion mit dem Publikum ganz unmittelbar. Dass man mit solchen Parolen heute schnell auch am Pegida-Stammtisch landen kann, dürfte fast jedem im Saal klar sein. Defèrs Monolog stellt eine Art Knackpunkt in Bückers Inszenierung dar, genau wie die Entscheidung Götz‘ Frau Elisabeth (Ines Schiller) als Gudrun Ensslin auftreten zu lassen. „Entweder Schwein oder Mensch … Entweder Problem oder Lösung. Dazwischen gibt es nichts.“ Die Proklamation der RAF für den „Kampf bis zum Tod“.

Goetz von Berlichingen - Foto © Claudia Heysel

Goetz von Berlichingen
Foto © Claudia Heysel

Gespielt wird dann auch mit vollem Einsatz. Intendant Bücker bietet noch mal sein ganzes Ensemble auf. Neben den zuvor genannten sind das vor allem Mario Klischies (Georg), Gerald Fiedler (Lerse), Dirk Greis (von Selbitz) und Patrick Wudtke (von Sickingen) als Götz‘ Getreue sowie in vielen weiteren Rollen. Die Gegenseite ist u.a. durch Illi Oehlmann als verführerische Adelheid von Walldorf vertreten, der erst Goetz‘ Freund Weislingen (Sebastian Müller-Stahl) erliegt, bevor sie noch dessen Burschen Franz (Patrick Rupar) betört. Beim großen Sterben ist dann viel von Engeln die Rede. Adelheid stirbt zu Rilkes Ein jeder Engel ist schrecklich, und dem vergifteten Weislingen erscheint seine einstige Liebe und Götz‘ Schwester Maria (Katja Siedler) als Heiner Müllers Engel der Verzweiflung. Dazu darf es mit Rammsteins „Engel“ auch noch mal ordentlich pathetisch werden.

André Bücker hat seinen Abend nicht von ungefähr im Untertitel auch „Ein deutsches Lied von der Freiheit“ genannt. Der Dessauer Opernchor intoniert meist vom Rang herunter entsprechendes deutsches Liedgut wie Schenkendorfs „Freiheit die ich meine“ aus den Napoleonischen Befreiungskriegen, Freiligraths „Trotz alledem!“ aus dem Vormärz oder „Steh auf, wenn du am Boden bist“ von den Toten Hosen. Es erschallt der kleine Trompeter, und die Haufen formieren sich auf der Bühne unter den verschiedensten Fahnen. Der Hinweis auf die Freiheit als Ideologie liegt nahe. Die Geschichte des Reichsritters Götz von Berlichingen, der seine persönliche Freiheit durch die Fürsten und seinen Widersacher den Bischoff von Bamberg eingeschränkt sieht, ist hier eingebettet in eine übergreifende, zwingende Frage nach der allgemeinen Freiheit des Menschen. Politischer und fordernder war Theater schon lange nicht mehr.

Vorspiel auf dem Theatervorplatz in Dessau
Deutsche Theaterhelden auf dem Weg zum Arbeitsplatz.
Fotos: St. Bock

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Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand
von Johann Wolfgang von Goethe
als Ein deutsches Lied von der Freiheit am Anhaltischen Theater Dessau (12.04.2015)

Premiere war am 20.03.2015

Regie: André Bücker, Kampfchoreografie: Klaus Figge, Kostüme: Jessica Rohm, Musikalische Leitung: Helmut Sonne, Chorarrangements: Andres Reukauf, Dramaturgie: Andreas Hillger.
Mit: Felix Defèr, Mario Klischies, Ines Schiller, Katja Sieder, Gerald Fiedler, Illi Oehlmann, Stephan Korves, Dirk Greis, Sebastian Müller-Stahl, Patrick Rupar, Patrick Wudtke, Jan-Pieter Fuhr, David Ortmann, Boris Malré, Silvio Wiesner, Christel Ortmann, Constantin Ruhland / Neele Wagner, Mitglieder der Anhaltischen Philharmonie, Opernchor des Anhaltischen Theaters.

Dauer: 3 Stunden 45 Minuten, eine Pause

Termine: 03.05., 29.05. und 20.06.2015

Infos: www.anhaltisches-theater.de

Zuerst erschienen am 15.04.2015 auf Kultura-Extra.

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Blut ist dicker als Wasser – „FamilienBande!“ Ein Spielzeit-Spektakel am Staatstheater Cottbus.

Dienstag, Januar 31st, 2012

Blut ist zwar immer noch dicker als Wasser, aber die sogenannten Blutsbande, oder wie man den Leim, der die bürgerliche Familie zusammenhalten soll, nennen will, sind seit Bertolt Brechts „Kleinbürgerhochzeit“ nicht unbedingt verlässlicher geworden. Was uns die Familie in den heutigen schnellen und durch Wertewandel sowie Globalisierung geprägten Zeiten immer noch bedeutet und welchen Widrigkeiten und Verwerfungen sie ausgesetzt ist, das untersucht das Staatstheater Cottbus in dieser Spielzeit. Zum Themenschwerpunkt Familie veranstaltete es nun sogar ein großes Theaterspektakel mit insgesamt 5 Inszenierungen an einem Abend. Zwei Inszenierungen waren für alle im großen Haus zu sehen. Drei weitere standen im Mittelteil des Abends zur Wahl. Neben Brecht konnte man sich für die Autoren Theresia Walser, Neil LaBute, oder Oliver Bukowski entscheiden, die ebenfalls Stücke über die „FamilienBande!“ geschrieben haben.

„Die Kleinbürgerhochzeit“ von Bertolt Brecht in der Regie von Mario Holetzeck

Vor etwa 12 Jahren, zu Beginn der Peymann-Ära, inszenierte Philip Tiedemann Brechts Einakter „Die Kleinbürgerhochzeit“ am Berliner Ensemble. Es war der Beginn einer falsch verstandenen musealen Brechtverehrung und der Anfang vom Ende des Traditionshauses am Schiffbauerdamm. Durchaus bezeichnend, dass das derbe Volksstück über eine missglückte Spießbürgerhochzeit dort immer noch auf dem Spielplan steht und damit einem anderen Brechtstück in einer legendären Heiner-Müller-Inszenierung, nämlich dem „Arturo Ui“ mit Martin Wuttke in der Hauptrolle, Konkurrenz macht. Tiedemann mottete den alten Brechtvorhang mit der Picasso-Fiedenstaube wieder aus und mit dem Hans-Albers-Hit „La Paloma ade!“ sofort wieder ein. Mehr Brechtironie war dann leider nicht und die grell geschminkten BE-Darsteller wurschtelten sich brav durch den Brechttext und spielten Schenkelklopf-Klamotte. Auf die Idee, dass damit heute noch jemand gemeint sein könnte, kam man dabei aber nicht.

staatstheatercottbus_familienbande-2.JPG Foto: St. B.
FamilienBande! Das Staatstheater Cottbus feiert wieder ein Spektakulum.

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