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Festivalsommer 2013 (Teil 1) – Müritz-Saga Episode 8: „Gottesfurcht im Niemandsland“ auf der Freilichtbühne Waren (Müritz)

Donnerstag, Juli 4th, 2013

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Die Müritz-Saga. Seit 8 Jahren in Waren an der Müritz. - Foto: St. B.

Die Müritz-Saga. Seit 8 Jahren in Waren an der Müritz – Foto: St. B.

Eine halbe Stunde vor Premierenbeginn tröpfelte es noch vom grauen Himmel. Kaum aber das Intendant und Regisseur Nils Düwell seine Eröffnungs- und Dankesworte an alle Sponsoren, freiwilligen Helfer und sonstigen Partner gesprochen hatte, verzogen sich die Wolken und es konnte mit Gottes Willen und „Gottesfurcht im Niemandsland“ losgehen. Hier hatte also wirklich jeder seine Rostbratwurst, Bulette oder Schmalzstulle aufgegessen. Und vor allem hat die halbe Stadt an der Bühne mitgebaut. Das musste ja klappen. Waren an der Müritz ist nicht einfach irgendein Niemand im platten Land Mecklenburg-Vorpommerns, sondern seit acht Jahren der Austragungsort der Müritz-Saga, die sich alljährlich von Ende Juni bis Ende August ihre begeisterte Fangemeinde erspielt.

Die Müritz-Saga 2013 auf der Freilichtbühne am Mühlberg, Waren (Müritz) - Foto: St. B.

Die Müritz-Saga 2013 auf der Freilichtbühne am Mühlberg, Waren (Müritz) – Foto: St. B.

Autor Roland Oehme hat auch diesmal ein Stück rund um die Geschichte des norddeutschen Landstrichs zwischen Ostsee und Müritz geschrieben, das für jeden Geschmack im Publikum etwas bereithält. Und das vor allem mit Herz, viel Witz und durchaus einigem künstlerischem Anspruch. Verbindet doch Oehme und Regisseur Düwel seit Jahren die gleiche Leidenschaft für anspruchsvolles Open-Air-Theater mit regionalem Bezug. Wolf von Warentin (Ulrich Blöcher), Held der Müritz-Saga, hat auch in der neuen Episode „Gottesfurcht im Niemandsland“ einige Abenteuer zu bestehen, bis er seine Frau Clara (Elke Zeh) wieder in den Armen halten kann. Wie im Traum von fern erscheint sie ihm auf seinem Weg durch die Wirren des dreißigjährigen Kriegs, um dem geliebten Mann den nötigen Mut zuzusprechen.

Müritz-Saga 2013. Wolf (Ulrich Blöcher) und Clara (Elke Zeh) bedroht. Foto:

Müritz-Saga 2013. Wolf (Ulrich Blöcher) und Clara (Elke Zeh) bedroht. Foto: Gerlind Klemens

Nachdem Wolf von Warentin den Landesfürsten Granzow in einem Duell getötet hat, tritt er auf seiner Flucht in den Dienst der kaiserlichen Armee unter General von Wallenstein. Trotzdem er wie alle im Norden bereits reformierten Landsleute protestantischen Glaubens ist, bindet ihn nun ein Eid an den Kaiser, der die Abtrünnigen wieder unter die päpstliche Macht zwingen will. Hier begegnet Warentin auch dem auf Rache sinnenden Bruder Granzows, einem Fähnrich (Grian Duesberg) unter Oberst von Arnim (Stefan Bergel), und bekommt sofort Händel mit ihm. Der kaiserliche Heerführer von Arnim, einst Freund Wolf von Warentins, soll für Wallenstein die freie Hansestadt Stralsund einnehmen und zur Garnisonsstadt machen. Er gibt den beiden Streithähnen den Befehl mit einem Fähnlein eine Insel vor Stralsund zu besetzen, um von dort die Belagerung zu forcieren.

Müritz-Saga 2013: Hardy Halama als Bürgermeister Ludowig Sturkow und Ulrich Blöcher als Wolf von Warentin. Foto: St. B.

Müritz-Saga 2013: Hardy Halama als Bürgermeister von Stralsund Ludowig Sturkow und Ulrich Blöcher als Wolf von Warentin. Foto: St. B.

Hier haben sie aber nicht mit dem Widerstand der stolzen Hanseaten gerechnet, die unter ihrem leicht verhuschten Bürgermeister Ludowig Sturkow (Hardy Halama als sympathischer nordischer Sturkopf) und seiner resoluten Frau Reglinde (Ex-DDR-Film- und Fernsehstar Ute Lubosch) auf ihre Unabhängigkeit pochen und die Insel kurzerhand von den Eindringlingen wieder zurückerobern. Wolf von Warentin, dessen Herz eigentlich mehr für die wehrhaften Bürger der Stadt Stralsund schlägt, als für seinen prinzipientreuen Oberst, gerät immer mehr zwischen die Fronten eines Krieges, dessen Ziele er nicht mehr versteht, und der sich nur noch gegen die wehrlose Bevölkerung richtet. Der junge Offizier muss sich schließlich zwischen der Loyalität zu seinen Untergebenen, seinem Eid an den Kaiser und seinem eigenen Gewissen entscheiden. Und der Krieg verlangt weiter unerbittlich seine Opfer.

Müritz-Saga 2013: Stefan Bergel als Oberst von Arnim, Ute Lubosch als Reglinde Sturkow und Hardy Halama als Bürgermeister Ludowig Sturkow - Foto: St. B.

Müritz-Saga 2013: Stefan Bergel als Oberst von Arnim, Ute Lubosch als Reglinde Sturkow und Hardy Halama als Bürgermeister Ludowig Sturkow
Foto: St. B.

In kleinen Episoden wird immer wieder das harte Leben im Krieg für die Soldaten, ihre Familien und die gebeutelte Zivilbevölkerung sehr eindrücklich beschrieben. Selbst einer wie Oberst von Arnim fragt sich da in einer nachdenklichen Minute: Was macht der Krieg aus unseren Kindern? Warentin, nun auf der Flucht vor den Häschern der Kaiserlichen, trifft in einer abgelegenen Kirche mitten im Niemandsland endlich wieder auf seine Frau, die er über eine polnische Magd (Bozena Baranowska) aus dem heimatlichen Röbel dorthin bestellt hat. Ein höchstmusikalische Pastor und seine Frau gewähren den Verfolgten dort Unterschlupf. Fernab aller Kämpfe versucht der Kirchenmann den Sinn für die Kunst, die Menschlichkeit und seinen Glauben an Gott selbst noch nach dem scheinbar unvermeidlichen Eindringen des Krieges in seine kleine Enklave des Friedens zu bewahren. Weitere Glanz-Rollen für Ute Lubosch und Publikumsliebling Hardy Halama.

Müritz-Saga 2013: Amazone Sibylla kämpft. Foto:

Müritz-Saga 2013: Amazone Sibylla kämpft.
Foto: Gerlind Klemens

Und so verwebt die Inszenierung immer wieder Nachdenkliches mit typischen Passagen aus der Kiste des Mantel-und-Degen-Genres. Eine regelrechte Attraktion ist dabei Alexandra Krüger als kampfstarke Amazone Sibylla hoch zu Ross, oder auch Grian Duesberg als bauernschlauer Spion Thies und forscher Fähnrich Granzow mit Hang zum Slapstick und wilden Kampf- und Fechteinlagen. Lob gilt natürlich auch den vielen spielfreudigen Kleindarstellern und Laien. Liebe, Leid und Schmerz, Spaß, Klamotte und Kampfszenen halten sich den ganzen Abend hindurch die Waage. Der mit Elke Zeh und Ulrich Blöcher ein sympathisches Paar hat, mit dem man mitfiebern kann, und das zum Ende noch einmal alle im Publikum mit einem gefühlvollen Liebeslied zur rühren weiß. Sie tragen damit nicht nur kämpferisch, sondern auch gesanglich zur überzeugenden Leistung des gesamten Ensembles bei.

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Ein großes Feuerwerk setzt den leuchtenden Schlusspunkt unter eine gelungene Premiere. Viel Beifall für die Akteure und Freude bei den zahlreich erschienen Einheimischen und Urlaubern gleichermaßen.

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Das Ensemble beim Premierenapplaus. Fotos: St. B.

 

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„Gottesfurcht im Niemandsland“, die achte Folge der Müritz-Saga

Ensemble 2013:

  • Ulrich Blöcher: Wolf von Warentin
  • Elke Zeh: Clara von Warentin
  • Hardy Halama: Bürgermeister Ludowig Sturkow & Pastor
  • Ute Lubosch: Reglinde Sturkow & Frau des Pastors
  • Stefan Bergel: Oberst von Arnim
  • Bozena Baranowska: Jagna
  • Grian Duesberg: Fähnrich von Granzow & Thiess
  • Dan Merkert: Stadtbüttel & Soldat
  • Alexandra Krüger: Sibylla
  • Blanca Hahn & Paula Hub: Ewa
  • Eric Mahlau: Söldner & Kurdirektor von Waren
  • Johann Hub: Söldner & Stadtbüttel
  • sowie weitere Kleindarsteller
  • Roland Oehme: Autor
  • Nils Düwell: Regie
  • Christian Mathis: Musik
  • Katharina Lorenz: Bühnenbild und Kostüm
  • Joe Alexander: Kampf-Choreografie
  • Michael Huhsch: Veranstaltungstechnik

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Dauer ca. 3 Stunden, eine Pause

 

  • Weitere Vorstellungen vom 29. Juni bis zum 31. August 2013 jeweils Mittwoch bis Samstag 19.30 Uhr und Sonntag 17.00 Uhr auf der Freilichtbühne Waren (Müritz).
  • Informationen und Karten unter: www.mueritz-saga.de

Fotos: Gerlind Klemens © Müritz-Saga 2012

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