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Komödie ist wenn`s singt und kracht – Zum Abschluss der Autorentheatertage am DT

Mittwoch, Juni 29th, 2011

Nun ist man weit davon entfernt am Deutschen Theater, nicht nur dem in Berlin, den Dyonisuskult wieder einzuführen, aber mit etwas mehr Humor könnte man eigentlich nicht all zu viel falsch machen, denkt man sich so, wenn man das Motto der Autorentheatertage 2011 vor Augen hat. Einer näheren Betrachtung unterzogen, kommen einem dann aber schon einige Zweifel, ob das die richtige Medizin für den problembeladenen Bildungsbürger und ach so gestreßten Großstädter ist. Zuviel absurd Groteskes verwirrt nur und beim kollektiven Schenkelklopfen steigt der Denkapparat dann meist endgültig aus. Gute Komödie scheint in der Tat das Einfache, das schwer zu machen ist.

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Das Deutsche Theater Berlin, ein Hort des Humors während der Autorentheatertage 2011 (Foto: St.B.)

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Der Mensch fängt beim Nein an, (…) Aber dieses Nein muß auf ein großes Ja zielen. Wir lachen nein und meinen ja.“ aus: Otto Julius Bierbaum „Yankeedoodle-Fahrt“ (1909)

Man könnte auch sagen: Der Mann hat gut lachen, aber dieses Zitat aus dem Bericht des Schriftstellers und Herausgebers der Literaturzeitschriften „Pan“ und „Die Insel“ von einer Schiffsreise in den Orient gibt ziemlich deutlich die Kriterien für eine echte Tragikkomödie vor. Es kann immer noch schlimmer kommen, aber wenn man den Weg nicht weiter geht, wird man nicht erfahren, ob es am Ende nicht vielleicht doch gut ausgeht. Und so hält den Menschen in erster Linie der Humor und die Selbstironie am Leben, diese Gewissheit, dass am Ende des Tunnels immer ein Licht ist. Nur das in der heutigen Zeit dem gestressten und gebeutelten Städtebewohner meist die Sicht nach vorn verstellt scheint und das Lachen abhanden gekommen ist, weswegen er es eben darum nicht macht. Lachen entsteht heute in erster Linie aus der Situation heraus und je verfahrener diese erscheint, um so befreiender kann das Lachen über diese Erkenntnis sein, was wiederum Otto Julius Bierbaums These wieder bestätigt.

„supernova (wie gold ensteht)“ und „Gespräche mit Kosmonauten“ – Zwei sozialkritische Komödien vom Nationaltheater Mannheim bei den ATT

Am besten haben die Maxime Bierbaums die Dramatiker Felicia Zeller und Philipp Löhle verstanden, die in ihren Stücken für das Nationaltheater Mannheim den alltäglichen Wahnsinn und daraus entstehende komische Situationen oder den Menschen als geschichtsresistenten Anachronismus bestens darstellen. Einen solchen Fall nimmt sich Philipp Löhle, der in Berlin schon mit seinem Eastern „Die Überflüssigen“ im Gorki-Studio  zu überzeugen wußte, in seinem Stück „supernova (wie gold entsteht)“ vor. Gemäß der Entgegnung von Karl Marx auf das Postulat Hegels, nach dem „… alle weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sich sozusagen zweimal ereignen“ nur eben „… das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.“ entwickelt Löhle eine Story, die erst als Sozialkritik startet und dann in eben jene unglaubliche Wiederholung von Geschichte mündet.
Friedrich, der ewige Praktikant der Geologie, pinkelt in einem Anflug von Leck-mich-Widerstandsgefühl seinem Arsch von Chef nach der Kündigung auf den Tisch. Nach dem sein Ego daheim von seiner beruflich erfolgreichen Lebensgefährtin wieder auf Normalmaß zurechtgestutzt ist, kommt ihm die glorreiche Idee, den Zufallsfund eines Goldklumpens im Schwarzwald als großen Coup rauszubringen. Er fälscht die Satellitenbilder und holt sich den ehemaligen Chef als Compagnon ins Boot. Die Claims sind schnell abgesteckt, Latzhosen tragende Baumschützer und Anwohner mehr oder minder gut abgefunden. Das imaginäre Gold wird im Termingeschäft verkauft, noch bevor der vermeintliche Schatz überhaupt gehoben ist. Friedrich hat außerdem die Rechnung ohne die geprellten Mitwisser und einheimischen Bauern Wolf, Michl und Henning gemacht, die sich den Anteil am Kuchen etwas größer vorgestellt hatten und dem Möchtegernkapitalisten auf die Bude rücken. Noch bevor das Gewissen ihn umbringt, hat das das verschworene Rächertrio mit Cowboyhüten, Wagnermusik und ordentlich Wut im Bauch schon erledigt. Nur allein, der Goldklumpen bleibt unauffindbar.
Parallel dazu wird der Selbstverwirklichungsversuch der Mutter erzählt, die ebenfalls am Goldfund beteiligt ist. Das eigenen Ende vor Augen, beginnt sie ihr Leben neu zu organisieren mit Freund Wolf und neuer Garderobe. Sie kündigt ihren Job und fängt an Lokalgeschichte zu studieren. Im Revolutionsjahr 1848 wird sie fündig, die Geschichte des linksliberalen Politikers und gescheiterten Märzrevolutionärs Friedrich Karl Franz Hecker und der große Mythos um ihn herum haben es ihr angetan. Eine Leerstelle in dessen Leben gilt es zu füllen und wie der Zufall so will, gibt es da einen mysteriösen Überfall auf eine Metallgießerei mit Goldraub.
Regisseurin Cilli Drexel inszeniert diese kleine schwarze Komödie als schnelles schmissiges Rollenspiel mit grell überzeichneten Figuren in einer Pappmascheekulisse, nur der Mutter sind hier echte menschliche Gefühle erlaubt. Sie erkennt irgendwann die Parallelen, nur dass sie von ihrem Wissensvorsprung leider wegen plötzlichem Ablebens nicht mehr provitieren und ihn auch nicht an die ahnungslosen Hinterbliebenen weitergeben kann. Ironie des Schicksals. Ihr Sohn landet, als Leiche, unter den Schwarzwaldbäumen, die er selbst nach Mecklenburg verpflanzen ließ. Wie in einer Supernova verpufft der große Traum vom Reichtum. Das Ganze holpert sich etwas verwirrend durch die einzelnen Erzählstränge, die aber zum Schluss recht einfach zu lösen sind. Fazit: Der Mensch ist in seiner Gier unermesslich und zu blöd aus der Geschichte zu lernen und muss daher zwangsläufig als Idiot enden. Damit wir gemeinsam über ihn lachen können, bedarf es dieser Farce, nur dass die Banken dabei den längeren Atem haben.

In keinem Fall langatmig sind die Texte von Felicia Zeller, mit ihrer Jugendamtskomödie „Kaspar Häuser Meer“ hat sie 2008 die Zuschauer bei den Mülheimer Theatertagen begeistert. Das Stück war in Berlin bis vor kurzem noch am Maxim Gorki Theater und im Theater unterm Dach zu sehen. Mit ihrem neuen Stück „Gespräche mit Astronauten“ wurde sie in diesem Jahr wieder nach Mülheim eingeladen. Vier Schauspielerinnen und ein Schauspieler switchen zwischen nervenden Öko-Müttern, aufgeregten Businessfrauen, ihren verzogenen Blagen und den dazugehörenden jungen Au-pairs hin- und her. Diese kommen aus Stolen, Rostland, der Mogelei oder auch Schlamperei und haben eigentlich eine ganz andere Vorstellung von ihren Gastfamilien und dem Aufenthalt in Knautschland. Und so spult sich ein Feuerwerk der kulturellen Gegensätze, Vorurteile und Missverständnisse ab. Das frech freudig agierende junge Ensemble vom Schauspiel Mannheim spielt sich die Bälle und Zellerschen Wortkanonaden zu.
In einem Plüsch- und Popgewitter hat das der Mannheimer Hausregisseur Burkhard C. Kosminski als knallbunte Farce mit Dschingis-Khan-Tanz und jeder Menge mimischer Raffinesse inszeniert. Über allem schwebt ein ferner Kosmonaut, einer der Väter, der lieber zum Mond fliegt, als sich mit den irdischen Banalitäten der Kindererziehung zu befassen. Der alltägliche Wahnsinn in den Familien der Besserverdienenden prallt gegen die Probleme der jungen Mädchen, die von einer Karriere im Gastland träumen und sich dafür mehr oder weniger bereitwillig ausbeuten lassen. Sie sind längst unersetzlich für die sich zwischen häuslicher Rolle und Selbstverwirklichung aufreibenden Mütter. Für die eigenen Pläne und privaten Interessen bleibt da so gut wie keine Gelegenheit mehr außer dem obligatorischen „Knautschkurs“. Das gipfelt schließlich darin, dass eine der Mütter ihr Au-pair heiraten will, um es dauerhaft an die Familie zu binden. Hier entseht zwar jede Menge Komik aus den Gegensätzen, der Sprachverwirrung und dem bewussten Überspitzen von bekannten Klischees, die Tragik, die auch in diesen Zuständen steckt, sucht man allerdings vergebens.

Mit Klischees spielt Felicia Zeller auch in ihrem Prosatext „Einsam lehnen am Bekannten“, das just zum Ende der Autorentheatertagen im Heimathafen Neukölln Premiere hatte. Felicia Zeller hat dem Neuköllner aufs Maul geschaut und die Ohren gespitzt. Die Vorlage liegt förmlich auf der Straße, in kurzen Glossen beschreibt die Autorin hier ihre täglichen Wahrnehmungen der Wahlheimat Berlin-Neukölln. Diesen „performativen Großstadt Tingel Tangel“ inszeniert Regisseurin Regina Gyr wie eine Zirkusaufführung in einer Manege, um die das Publikum platziert ist, mit viel Witz, reichlich Slapstick- und einigen Performancenummern. Rotzebatzen fliegen vom Balkon, Macker mit überdimensionalen Muskelpolstern werfen sich wie brünstige Hirsche in die Brust. „Willste was?“ „Gras, Gras?“ Grasgeflüster überall, geile Rotznasen und nervig berlinernde Bademeister. Das sind die Stereotypen, die man hier eh vermutet hat. Aber auch andere Durchgeknallte und Möchtegernstars, die sich in der „Hasenschänke“ oder dem „Blauen Affen“ am Hermannplatz heimisch fühlen, bevölkern die Szene. Ein fast endloser Reigen des Wollens und nicht Könnens, oder umgekehrt, gipfelt in einer herrlichen Stuhlchoreografie des Stillstands. Ein Hund auf Rädern wird den Zuschauern zum Aufpassen zugeführt und pups nebenbei Seifenblasen. Wortblasen gibt es auch jede Menge, vorzugsweise ins Mikro gehaucht. „Willste poppen?“ – „Nee, geh joggen!“ Es entspinnt sich ein herrlicher Run im Kreis und irgendwann, weiß keiner mehr warum und wer angefangen hat. Wir erfahren, das Trinken hier „Brettern“ heißt und dass es Koordination erfordert, das mit dem Lebenspartner zeitlich in Einklang zu bringen, da nur gemeinsames Brettern vor schlaflosen Nächten schützt. Warum lebt man in Neukölln, was ist an diesen Originalen so liebenswert? Darauf kann dieser Abend mit den Textsplittern von Felica Zeller leider keine Antwort geben und irgendwann überfällt einen mit der Autorin die Sehnsucht nach dem schönen Freiburg oder zumindest nach einem Weizenbier.

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Der Heimathafen im ehemaligen Saalbau Neukölln an der Karl-Marx-Straße. (Foto: St. B.)

Düsteres und Nachdenkliches in Stücken von Rebekka Kricheldorf und Anne Habermehl bei den ATT

Aus jener Stadt mit den zufriedensten Einwohnern Deutschlands stammt die andere Jungdramatikerin mit Hang zum überbordenden Humor Rebekka Kricheldorf, die mit zwei Stücken beim ATT vertreten war. Da das weitaus interessantere „Robert Redfords Hände Selig“ zeitgleich zu Elfriede Jelineks „Winterreise“ lief, war als Ausgleich nur noch der Nick-Cave-Liederabend „Murder Ballads“ im Angebot. Kein schlechter Ersatz, da das durchweg gut aufgestellte Ensemble des Berner Stadttheaters die schwarze Komödie um eine heruntergekommene Bar im tiefen Westen Amerikas bestens absolvierte. Es ist nicht leicht an die eigentlichen Meister des schwarzen Musik-Genres die unnachahmlichen „Tiger Lillies“ heranzukommen, aber das versucht die Regie von Erich Seidler auch gar nicht erst. Der Text von Rebekka Kricheldorf soll die melancholisch düsteren Songs von Nick Cave thematisch rahmen und sie lässt dann auch eine skurrile Personage von heimatlos Gestrandeten, Barflys und Geistesgestörten über Gut und Böse sinnieren und schließlich auf einander losgehen. Verbunden sind sie durch den Gesang und die Ausweglosigkeit ihrer Situation. Aus dem Fernseher klingen Nachrichten von Mord und Totschlag in der Welt, in der Bar spiegelt sich dieses Wahnsinnsspiel im kleinen Mikrokosmos wider. Die Bühne zeigt einen besseren Stall mit schiefem Tresen, zwielichtigen Gestalten, die es auf eine arme Tramperin abgesehen haben und einen geschwätzigen Handlungsreisenden auch mal die Seele abluchsen. Ein Gehängter stimmt in die düsteren Songs mit ein und der Barmann verschafft sich mit der Knarre Gehör. Ein Panoptikum der gescheiterten Existenzen. Die manchmal etwas banalen Texte von Rebekka Kricheldorf sind nicht das ganz große Ding, aber die Band „Los Hemiolos“ entschädigt mit ihren hervorragenden Nick-Cave-Interpretationen. Man kann Rebekka Kricheldorf mit ihrem neuen Stück „Alltag & Ekstase. Ein Panoptikum des Scheiterns“, wie passend, im Januar 2012 am DT wiedersehen.

Irgendwie fällt auf, dass alle hier beschriebenen AutorInnen aus dem Süden unseres schönen Landes kommen. Baden-Württemberg scheint tatsächlich nicht nur die Hochburg der Wutbürger, sondern auch noch der Hort des deutschen Theater-Humors zu sein. Auch die aus Heidelberg stammende Anne Habermehl reiht sich in diesen Kreis ein, nur dass sie keine Farce oder schwarze Komödie geschrieben hat, sondern mit ihrem Stück „Narbengelände“, eine Auftragsarbeit für die Bühnen Gera und Altenburg, eher tiefer in die Befindlichkeit einer Familie in Thüringen kurz vor und nach der Wende schaut. In eigener Regie und ohne große Effekte inszeniert sie das Stück über eine junge Frau im Widerspruch zwischen ihren Träumen als 16jährige in der DDR und dem Alltag nach der Wende.
„Eigentlich müsste sich ein extremes Gefühl von Freiheit einstellen“ ist der erste Satz des Stückes und eigentlich dreht es sich auch genau um dieses Gefühl, dass sich eben nicht von allein einstellen will. Marie trifft Marc, einen nachdenklicher Außenseiter, nicht nur wegen seines einen Arms. Er will immer nur wegrennen und eckt überall an. Sie ist eine Sternenguckerin und träumt von der großen Freiheit. Sie wagen gemeinsam die Flucht, bei der Marc umkommt. Auch einige Jahre nach der Wende hat Marie das noch nicht überwunden. Sie lebt allein in einem Bahnhofsgebäude in Bremen mit wechselnden Freunden und Hunden. In der Erinnerung gefangen, vergisst sie ihr Leben zu leben. Beim Besuch der Mutter Ingrid aus Thüringen kommen diese Erinnerungen wieder hoch. Ingrid wirft ihr Tütenweise die Briefe des Vaters vor: „Das muss aufhören!“ In Rückblenden wird immer wieder die Geschichte von ihr und Marc und die der Eltern erzählt. Anne Habermehl inszeniert das nicht ohne Witz und leise Ironie besonders in den Szenen, wenn sich die jungen Menschen näher kommen oder das alte Ehepaar ohne viel Worte ihre Zusammengehörigkeit in eingefahren Gleisen beschreibt. „Unsere Körper sind wie Landschaften mit Straßen, auf denen keiner mehr fährt.“
Es ist natürlich in erster Linie ein Stück über den Osten aber auch ein Generationendrama. Der Ostbezug stört eigentlich überhaupt nicht, man könnte ihn sich durchaus wegdenken. Das Stück würde auch so noch funktioniert. Es geht allgemein um Freiheit im Denken und Handeln, im Anderssein, sich ausprobieren können und um Toleranz. Unverständnis der Elterngeneration, Leistungs- und Anpassungsdruck verhindern die Entwicklung junger Menschen. Bei den Eltern ist es der Verlust von Identität, Orientierungslosigkeit, das Altern und unerledigte Trauerarbeit, zwischenmenschliche Beziehungen im Großen und Ganzen, dabei aber immer auch an realen Vorgängen in der Gesellschaft orientiert. Eine einfache Lösung hat Anne Habermehl nicht anzubieten, dafür aber echte Figuren die trotz schmerzvollen Verlusten noch nicht aufgegeben haben. Alles in Allem ein tolles Schauspielensemble und ein überraschendes Wiedersehen mit Ursula Staack als Ingrid am DT.

Bliebe zu guter Letzt noch der Österreicher  Ewald Palmetshofer mit seinem chorisch gestalteten Stück vom Rand der Gesellschaft „tier. man wird doch bitte unterschicht“. Das DT hat hier nicht die Dresdner Uraufführung sondern Felicitas Bruckers Inszenierung vom Schauspielhaus Wien eingeladen. Brucker hat bereits einige von Palmetshofers Sprachwundern auf die Bühne in Wien gebracht. Das Tier lacht bekanntlich nicht und die Sprachfrische Paltmetshofers erster Stücke hatte sich hier dann auch etwas im Empörungsmodus verhakt. Dennoch ist der Versuch, die Sprachlosigkeit weiter Teile der am sogenannten Rand der Gesellschaft befindlichen Menschen zu thematisieren, in seiner strengen Kunstform bemerkenswert. Die Hauptfigur Erika streift letztendlich aus der ständigen Demütigung heraus ihr Sprachlosigkeit ab und schlägt zurück. Dieser spontane Aufstand trifft die vermeindlich Verantwortlichen wie auch Unschuldige. Erika ist noch nicht in der Lage eine gemeinsame Sprache mit anderen zu finden, um ihre Wut zu kanalisieren. Allerdings fällt Palmetshofer auch nichts weiter dazu und zu der Problematik der vom Expertenchor verwendeten Floskeln und „Falschwörter“ ein. Der gerade 80 Jahre alt gewordene Theaterwissenschaftler Ivan Nagel hatte bereits 2008 in seinem bekannten „Falschwörterbuch“ geschrieben: „Der einheimische Streit in der Gesellschaft ist den Wortfabrikanten (und uns, ihren Konsumenten) wichtiger, als wenn, laut Goethe, „hinten, weit in der Türkei, die Völker aufeinanderschlagen““ und „Sprachkritik wird notwendig zur Sachkritik: Nur wenn die Sache ein Falschargument zum Kern hat, produziert sie ein Falschwort als Hülle.“ Ewald Palmetshofer, dem wohl zur Zeit meist gespielten Autor auf deutschsprachigen Bühnen, in Berlin laufen allein drei seiner Stücke im bat-Studiotheater, im Theater unterm Dach und am DT selbst, wird hier demnächst ein separater Beitrag gewidmet.

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