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Kann man heute noch Schillers „Don Carlos“ politisch inszenieren? Zwei Versuche in Hamburg und Dresden

Donnerstag, Mai 19th, 2011

dsc03070.JPG Friedrich Schiller (1759-1805)
Büste im Garten von Schillers Gartenhaus in Jena
(Foto: St.B.)

„Das einzige, was ein Kunstwerk kann, ist Sehnsucht  wecken nach einem anderen Zustand der Welt. Und diese Sehnsucht ist revolutionär.“

Dieser Ausspruch von Heiner Müller aus seinen Gesammelten Irrtümern ist Motto für Jette Steckels Inszenierung von Schillers „Don Carlos“ am Thalia Theater in Hamburg und steht damit zurecht im Programmheft, wie auch ein sehr interessanter Beitrag des Präsidenten der FU Berlin und Schiller-Experten Peter-Andrè Alt: „Ein Spiel von Macht und Freiheit“. Er verteidigt hier Schillers Ideale von der persönlicher Freiheit gegen die vorherrschende Meinung nur eine „moralische Wirkung“ erzielen zu wollen. Schiller spielte in seinen Dramen mit der Möglichkeit der Freiheit und zeigte aber auch deren Grenzen auf. Nur im Spiel, in der „ästhetischen Erfahrung“ kann der Mensch „im Raum der Phantasie“ ganz frei sein. Schiller versuchte, schreibt Alt, „den Zuschauer auf die Möglichkeit einer absoluten, von äußeren Verhältnissen unabhängigen Freiheit einzustimmen.“- „… den Leuten den Kopf wieder warm machen.“ (Schiller an Wollzogen zum Willhelm Tell) Schillers Dramen zeigen also „Varianten individuellen Handels in Grenz- und Extremsituationen, die durch die Spiele der Fiktion und die Illusionsinszenierungen des Theaters gespiegelt werden.“ Der „Don Carlos“ (1787/88) ist dafür ein charakteristisches Beispiel durch die Ambivalenz in seinen Figuren und ihrer politischen Ideale. Aufgeklärter Idealismus und Opportunismus stehen sich in einem absolutistischen Staat gegenüber und erzeugen so eine „theaterwirksame Fundamentalspannung“.
Eher spannungslos beginnt es am Thalia Theater, Mirco Kreibichs Don Carlos hockt an der Rampe vor dem geschlossenen Eisernen Vorhang und hält ein Schild mit seinen bekannten Anfangsworten hoch: „Die „schönen“ Tage in Aranjuez sind nun zu Ende !!!!!“ Der Prinz verweigert in sich versunken jede Rede, Pater Domingo in der Gestalt von Victoria Trauttmansdorff muss wohl oder übel seine Verse mit aufsagen. Erst das Auftauchen des alten Freundes Roderich (Jens Harzer als Marquis Posa) vermag ihn aus seiner Lethargie zu befreien. Schnell ist der Grund der düsteren Gedanken erklärt, Don Carlos liebt unglücklich die ihm einst versprochene Elisabeth von Valois, die nun die Frau seines Vaters und damit seine Stiefmutter geworden ist. Posa verspricht Abhilfe, wenn sich Carlos nun wieder alten Tugenden und der Befreiung Flanderns widmen will. Das Unheil nimmt seinen Lauf, die Spannung steigt. Nachdem der erwachte Tatendrang von Carlos seinen ersten Dämpfer bei König Philipp, Hans Kremer gibt ihn meist ruhig aber bestimmt, dann aber immer mehr an seinen Vertrauten Alba (Matthias Leja) und Domingo zweifelnd, kommt es zur Begegnung mit Posa und der König findet überraschend jemanden der ihm zuhört und sagt was er denkt. Harzer spielt einen Posa, der nicht wirklich will, was er da beginnt und so schlaksig und bedacht wie er mit seiner Einkaufstüte über die Bühne schlurft, ist er beileibe nicht der blühende Idealist wie er Schiller wohl vorschwebte. Posa ist hier nicht der von der Macht Verführte, sondern der klar denkende Idealist, der sich mit der Macht einlässt, um sie gezielt zu beeinflussen und zu kontrollieren. Das verweist in Richtung Wikileaks und Assange, soll aber auch zeigen, dass die Kontrolle der Mächtigen nur von unabhängigen, nicht unmittelbar in die Politik verwickelten Personen, auszuführen ist.
Jette Steckel geht nicht mit grellen Effekten beim Publikum hausieren, mal von einigen theatralen Mitteln der Bebilderung abgesehen und einigen Videoeinspielungen am Bühnenhintergrund. Sehr eindrucksvoll sind aber die Szenen wenn Elisabeth (Lisa Hagmeister) und Carlos feurig Flamenco tanzen oder Philipp und Alba ferngesteuerte Spielzeugpanzer bedienen und Alba es sich auf dem Sessel des Königs bequem macht, bis dieser ihn des Platzes verweist. Das Gespann Alba und Domingo ist hier äußerst berechnend intrigant und zu allem bereit, ihre schwindenden Einfluss wieder zu erlangen. Ihre Waffe ist die Prinzessin Eboli, die sich enttäuscht von Carlos abwendet und bereitwillig für die Intrige einspannen lässt. Sehr dünnhäutig und zickig spielt Alicia Aumüller diese Prinzessin auf der Erbse, in ihrem Schlafzimmer stehen übereinander gestapelte Matratzen. Carlos und Posa bewegen sich auf unsicherem Boden, eine sich ständig gegenläufig drehende Bühne mit den hohen dunklen Wänden zeigt das überdeutlich. Klaustrophobische Räume wechseln mit sich auflösenden Wänden, alles bleibt unbestimmt. Dazwischen ein verzweifelt vermittelnder Graf von Lerma (Christoph Bantzer), der aber allem machtlos zusehen muss. Letztendlich scheitern die Revoluzzer an einer Macht, die sie nicht durchdringen können, von der sie nicht einmal wissen. Nicht der König selbst macht sich die Finger schmutzig, sondern die geheime Instanz in Person des Inquisitors, Andrè Szymanski krempelt die Ärmel für einen Kurzauftritt hoch und schreitet zur Vollstreckung.

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Staatsschauspiel Dresden am Theaterplatz (Foto: St.B.)

Wie unterschiedlich man Schiller auslegen kann, zeigt Roger Vontobels „Don Carlos“-Inszenierung am Staatsschauspiel Dresden. Er wurde damit zum Theatertreffen 2011 nach Berlin eingeladen und ist am letzten Sonntag wieder nach Hause zurückgekehrt. Vontobel geht in seiner Version noch mehr von einem Überwachungsstaat aus, wie er eigentlich in Diktaturen vorherrscht. Die Dienerschaft steht im Hintergrund ist ständig präsent und holt den Block zum Mitschreiben raus. Ein Palast mit ebenfalls hohen undurchdringlichen Wänden fährt aus dem Bühnenboden, große Türen lassen Licht hinein oder verdunkeln den Räume. Der Bezug zur Gegenwart ist nicht ganz klar. Eine international agierende Konzernzentrale vielleicht oder was hat heute noch diese weltumspannende Macht? Das macht es irgendwie zu einer erschreckenden Zukunftsvision totalitären Herrschens. Das ist natürlich möglich, wenn man die politische Macht unkontrolliert delegiert. Dann entpolitisiert Vontobel aber das Geschehen und bricht es auf persönliche, familiäre Eifersüchteleien herunter. Die schönen Tage in Aranjuez sind hier dekadente Cocktailpartys, Christian Friedels Don Carlos mit Sonnenbrille, iPod und Cocktailglas spricht immer wieder mal larmoyant, mal aufbrausend mit sich selbst. Er ist emotional schwankend, die Ambivalenz wird hier ganz groß geschrieben. Burghart Klaußner als Philipp ist der Herrscher im grauen Anzug, anfangs noch der Herr im Haus, dann aber immer mehr in sich gekehrt und von Zweifeln zerfressen. Regelrecht verblüfft ist er von der Offenheit des Marquis Posa und dessen überzeugter Rede. Matthias Reichwald als Posa wirkt hier wie ein unbedarfter politischer Quereinsteiger, der nur die richtigen Mittel der Intrige noch nicht beherrscht. Sein Idealismus scheitert am Unvermögen nicht an den herrschenden Zuständen. Er hat etwas von einem Egmont, die Gefahr negierend, stürzt er sich in sein Unglück.
Was in beiden Inszenierungen gut dargestellt wird, ist die Unmöglichkeit der Änderung der Machtstrukturen von oben. Carlos ist nicht der Veränderer, der seinen Vater an der Macht ablösen könnte. Er ist eitel und denkt nur an die Verwirklichung seiner eigenen Ziele. Er handelt impulsiv und aus verletztem Stolz heraus. Erst mit dem Tod Posas bricht er mit der Macht, zu spät, da läuft die Maschinerie bereits. Die eigentlichen Intriganten Alba und Domingo (Thomas Eisen und Christian Erdmann) sind in Dresden zu schwach und eindimensional gezeichnet. Dafür nimmt sich Vontobel viel Zeit, die Zerrissenheit von Philipp zu zeigen. Das macht ja Jette Steckel auch, nur nicht mit dieser Überdeutlichkeit. Ein an sich zweifelnder Politiker oder Konzernchef, der an äußerer Beeinflussung zerbricht und sich der über ihm schwebenden eigentlichen Macht ergibt. Das ist heute schwer nachzuvollziehen. Zur Legeimitierung seiner Macht greift er selbst zum Revolver und übergibt erst danach an den alten Großinquisitor (Lore Stefanek). Sonja Beißwenger wirkt als Elisabeth zwar entschlossen, aber auch kühl und zart und hat wenig von dem Feuer der Lisa Hagmeisters in Hamburg. Alle Figuren, gerade auch die gefühlsmäßig völlig dahin fließende Eboli (Christine Hoppe), sind nur ambivalent und haben sich irgendwie die Finger an der bösen Politik schmutzig gemacht.
Jette Steckel stellt besser die eigentliche Funktionsweise von Politik dar. Gedankenfreiheit ist hier nicht nur ein hingehauchtes Wort sondern eine klare Forderung, die aber nicht ins Publikum geschleudert werden muss, sondern die von uns täglich neu zu erringen ist. Vontobel zaubert schöne einfühlsame Bilder und Gesten mit denen er aufs private Unglück des Einzelnen in die Politik Verstrickten zielt. Jette Steckel hat den Mut im Politischen zu bleiben, auch wenn man sich dabei die Finger, im übertragenen Sinne, schmutzig machen muss. Das macht diese Inszenierung wirklich heutig und bleibt doch auch sehr nah an den Schillerschen Idealen von Freiheit. Steckels Don Carlos ist zwar nicht optimistisch, ihre Protagonisten scheitern genauso, aber sie sagt warum und was eine Möglichkeit wäre, die Kontrolle über die Mächtigen nicht zu verlieren. Der Idealismus von Vontobels Posa grenzt an Pose, ein naiver Poser, der sich zum Schluss auch noch wie in einem Goya-Gemälde dem Erschießungskommando entgegen stellt. Bei Jette Steckel zweifelt Jens Harzer in der Rolle des Posa bis zum Schluss an dem was er tut. Er tut es, weil es einer tun muss. Er wird erst zum Idealist, je mehr er in die eigentlichen Intrigen am Hofe einsteigt, sie durchschaut und versucht dagegen anzugehen. Das ist das eigentlich Tragische an dieser Figur, alles zu wissen und doch das Falsche zu tun.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Jury nicht den falschen Don Carlos zum Theatertreffen eingeladen hat, aber das ist auch eher ein ganz persönlicher Eindruck von dieser Aufführung aus Dresden. Das Dresdner Publikum jedenfalls liebt diese Inszenierung und da gibt es auch gar nichts gegen einzuwenden. Ich fand nur Jette Steckels Hamburger Don Carlos mutiger. Vontobel riskiert nichts, es ist gut gemachtes Einfühlungstheater und daher tatsächlich irgendwie konservativ.

Blauer Dunst auf grünem Rasen – Alle Meine Söhne von Arthur Miller

Freitag, Dezember 17th, 2010

Eine Inszenierung von Roger Vontobel in den Kammerspielen des DT

Roger Vontobel ist das vielbeschäftigtste Regiewunderkind der deutschen Theaterlandschaft. Die Labdakiden in Bochum, eine Peer Gynt in Essen, eine Penthesilea in Hamburg und ein Don Carlos in Dresden für den er den Regie-Faust bekam. Nun also seine zweite Inszenierung in Berlin nach einem eher zwiespältigen Pappmachéverkopften Clavigo am Gorki Theater vor zwei Jahren. Das Deutsche Theater baute nun Vontobel die Kammerspiele zur Arena um und scheute weder Kosten noch Mühen um Rollrasen im Winter ran zu karren. Arthur Millers amerikanisches Nachkriegsdrama über einen Rüstungsbauer, der im 2.Weltkrieg defekte Teile für Flugzeuge an die Air Force liefert und den Tod von 21 Fliegern zu verantworten hat, musste es sein. Wenn die Kammerspiele umgebaut werden zum Werkraum oder der Arena, dann ist meist etwas Neues angesagt, etwas was nicht in den normalen Rahmen passt. Anfang der 2000er Jahre wollte man damit die Baracke wieder beleben und ist mit dem Konzept gescheitert. An diesem Abend scheitert Vontobel aber leider auch. Am Anfang ist die Welt noch in Ordnung, Kinder toben auf dem Geviert der Arena und bieten Mini-Hotdogs an. Dann wird der Rasen ausgerollt, die Kinder sind erwachsen und holen die Zigaretten raus.
Arthur Miller ist der beharrliche Beobachter des amerikanischen Mittelstandes schlechthin, sein Tod eines Handlungsreisenden ist so ziemlich das bekannteste Stück der US-Nachkriegsdramatik. Man hat ihm mit unter vorgeworfen, genau so mittelmäßig zu schreiben, wie die Charaktere seiner Figuren sind. In Alle meine Söhne kommt das mit am deutlichsten zum Ausdruck. Das Stück ist in erster Linie patriotisch, was man ihm nach dem 2. Weltkrieg nicht weiter vorwerfen kann, eine Kapitalismuskritik ist nur im Ansatz vorhanden, in der Anklage des Kriegsgewinnlers Joe Keller, der für den schnellen Profit seinen Partner ins Gefängnis gehen lässt und über Jahre heile Welt spielt. Er ist nach außen ein Kumpeltyp, selbst sein zweiter Sohn Chris, der erste ist als Flieger im Krieg vermisst, hat keinen Grund gegen ihn zu rebellieren. Jörg Pose gibt ihn als jovialen Mann, der seinen Sohn sogar vorgibt zu verstehen, als der die Verlobte des verschollenen Sohnes Larry heiraten will. Wenn da nicht das Problem mit der Mutter Kate wäre, die immer noch an die Rückkehr des verloren Sohnes glaubt und davon nicht abzubringen ist. Ulrike Krumbiegel, mal wieder in einer Rolle am DT, ist darin auch sehr glaubwürdig. Daniel Hoevels ist der brave Sohn Chris, der Traumatisches im Krieg erlebt hat und etwas sinnvolles aus seinem gewonnenen Leben machen will. Seine Angebetete Ann, Tochter des im Gefängnis sitzenden Partners von Joe, ist bei Meike Droste, nach längerer Babypause endlich wieder zu sehen, sehr selbstbewusst aber etwas zu taff, obwohl sie genau weiß was sie will und mit Chris auch eine gute Party vor Augen hat. Jeder ist irgendwie mit sich selbst beschäftigt seine Ideale zu leben und doch schwingt die Angst des Versagens ständig mit. Der Griff zur Zigarette ist das einzige was diese Menschen wirklich miteinander verbindet. Umso öfter wird dann auch zu ihr gegriffen. Chris ist ein großer Zweifler, er will nicht unbedingt in die Fußstapfen seines Vaters treten kann sich aber auch nicht konsequent für ein Leben mit Ann in New York entscheiden. Von Joe wird bemüht auf Party gemacht, um von den im Raum schwebenden Zweifeln abzulenken.
Unvermittelt personifiziert sich die Angst aller dann mit dem plötzlichen Eintreffen von Anns Bruder George, nölig von Ole Lagerpusch dargestellt, der Chris sofort mit der Wahrheit über ihre Väter konfrontiert. Hier gerät Vontobles bisher gefällige Regie erstmals aus den Fugen. Erst sehr weit auf Distanz gehen sich die beiden dann unversehens an die Wäsche. Kate kann hier noch einmal schlichten und Joe gibt wieder den Generösen, in dem er George eine Job besorgen will und auch seinen Vater wieder in die Firma holen möchte. Die einzige noch verbliebene Nebenfigur, die Nachbarin Sue (Angela Meyer), war einmal Georges Freundin, ist aber nun mit dem Arzt Jim Bayliss verheiratet und hat drei Kinder. Ihr plötzliches Auftauchen wird mit lautem Hundegebell gleichendem Geschrei von allen registriert. Es entwickelt sich ein kleiner Zickenkrieg zwischen ihr und Ann, indem sie ihr andeutet, das nie jemand der Nachbarn an die Unschuld Joes geglaubt hat. Endgültig aus dem Rahmen fällt dann die Inszenierung von Vontobel als Chris seinem Vater endlich die Wahrheit Stück für Stück abringt. Die Fassade ist eingerissen, die Wut und Verzweifelung Chris` entlädt sich in Schreien und wiederholten Vorwürfen gegen seinen Vater. Hier setzt Vontobel auf Drastik. Daniel Hoevels durchmisst die Arena schleudert sein Jackett von sich und schlägt Jörg Pose wiederholt ins Gesicht. Das Ganze wird von der Seite gefilmt, die Gesichter sind in Großaufnahme auf Leinwänden zu sehen, eine Methode die auch nicht mehr ganz neu ist. Joe kann sich nur mit fadenscheinigen Entschuldigungen verteidigen, eine Einsicht der Schuld gibt es für ihn nicht wirklich. Alle waren so im Krieg, alle haben versucht Geld zu verdienen. Dieses Finale kann aber nicht über die müde Inszenierung hinwegtäuschen. Die Schwäche des Stücks wird auch zur Schwäche der Inszenierung, es fehlt an tatsächlicher Fallhöhe. Was Miller in seinen späteren Stücken verstand, den kleinen Mann zum tragischen antiken Helden aufzubauen, der durch Schicksal und Leben gebeutelt sich mit Schuld beladen hat und daran zu Grunde geht, kann mit Joe nicht wirklich gelingen, zu eindeutig ist seine Schuld. Eine Konsequenz daraus erfolgt nicht. Nachdem dann noch der Brief von Larry an Ann vorgelesen wird, in dem er sich aus Scham vor der Tat beider Väter zu einem Selbstmord bei seinem nächsten Flug entschlossen hat, ist auch Kates Hoffnung zerstört. Joe geht ab, ob er sich seiner Schuld stellt bleibt offen.
Diese Inkonsequenz als Verweis auf den momentanen Zeitgeist reißt die Inszenierung nicht mehr raus, zu unverbindlich ist sie in ihrer zeitlichen Einordnung oder als Beispiel für heutige Kriege und die Moral der daran Verdienenden. Das Ganze verkommt zu Rasenschach mit kleineren Rochaden. Vontobel reicht als Beweis seiner These vom Zerspringen der Kernfamilie der Selbstmord des Sohnes des Investmentbetrügers Bernard L. Madoff. Die Suche nach der Bedeutung eines Stückes sei die eigentliche Aufgabe von Theater, sagt er in einem Beitrag über junge Theatermacher auf der Seite von jetzt.de. Das müsse auch in einer Aufführung sichtbar werden, nicht nur in der Vorarbeit, „die dann dazu führt, dass das Stück auf einem Baum spielt und die Zuschauer nicht mehr verstehen warum.“ Der Baum wurde vom Sturm entwurzelt. Ein Zeichen? Wofür weiß hier kein Mensch.