Archive for the ‘Sebastian Nübling’ Category

„Nach uns das All“ im Maxim Gorki Theater und „Feminista, Baby!“ im Deutschen Theater Berlin – Zweimal Feminismus als ironische Farce

Montag, Oktober 30th, 2017

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NACH UNS DAS ALL – DAS INNERE TEAM KENNT KEINE PAUSESebastian Nübling inszeniert die schräge Zukunftsfarce von Sibylle Berg am Maxim Gorki Theater

NACH UNS DAS ALL – DAS INNERE TEAM KENNT KEINE PAUSE im Maxim Gorki Theater – Foto (c) Esra Rotthoff

Die Berliner Theater überschlagen sich gerade mit Stoffen zur Kommentierung der aktuell-politischen Lage in Deutschland, Europa und der Welt. Nach der radikalen europäischen Roma-Utopie von Yael Ronen und Ensemble brachte Ende September Sebastian Nübling das neue Stück von Sibylle Berg auf die Bühne des Maxim Gorki Theaters. Nach Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen (Stück des Jahres 2014) und Und dann kam Mirna (Mülheimer Theatertage 2016) ist Nach uns das All – Das innere Team kennt keine Pause die dritte Zusammenarbeit zwischen Regisseur und Autorin am Haus.

Für den Abend der Bundestagswahl, bei der mit der AfD erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder eine offen fremdenfeindliche und deutsche Kriege verherrlichende Partei in Fraktionsstärke in den Bundestag eingezogen ist, hat man ganz bewusst diese Premiere auf den Spielplan gesetzt. Sibylle Berg entwirft in dem Stück eine dystopische Farce, bei der sich in nicht allzu ferner Zukunft nach politischen Spannungen und kriegsähnlichen Unruhen, Nationalismus und Faschismus endgültig durchgesetzt haben. Das klingt zunächst sehr ernst. Durchaus ernst scheint es auch der Autorin mit diesem düsteren Zukunftsszenario zu sein. Allerdings, Sibylle Berg wäre nicht Sibylle Berg, wenn sie dabei nicht einen ironischen bis sarkastischen Ton anschlagen würde, wie wir ihn aus ihren S.P.O.N.-Kolumnen kennen. Es raunt und meint und kotzt im Internet, da motzt die Autorin auch schon gerne mal zurück. Im besten Fall mit einem Theatertext, der hier aber mehr an Politkabarett erinnert.

Und es läuft mit Nora Abdel-Maksoud, Suna Gürler, Svenja Liesau und Abak Safaei-Rad auch wieder ein Vier-Frauen-Dreamteam auf. Die Icherzählerin samt Freudinnen Minna, Gemma und Lina sind wieder da. Diesmal in orangefarbenen Astronautenoveralls und schwarzen Helmen, die sie zu Beginn in einem Hollywood-mäßigem Zeitlupen-Walk heroisch schwenken. Zunächst ziehen die vier über besorgte Bürger, Verschwörungstheoretiker und andere Netz-Idioten her, wegen denen der Versuch Demokratie gescheitert ist. Die Pointen zünden im Minutentakt und treffen meistens auch.

Dass es hier vor allem gegen das durch quatschende Frauen verunsicherte männliche Geschlecht geht, das, wenn es keine Ausländer und Juden mehr gibt, immer noch seinem Frauenhass nachgehen kann und Ansagen von männlichen Führern braucht, die nackt auf Bären reiten, versteht sich von selbst. Dazu gibt es immer wieder ein paar eingestreute Tweets und Facebook-Posts wie etwa: „Der Geburtskanal der Frau ist der einzige Weg der Zuwanderung.“ Die Welt steht kurz vorm Untergang, Europa gibt es schon nicht mehr. Die Mehrheit hat sich vom Joch der Freiheit befreit. Alles wird durchs Internet überwacht und gleichgeschaltet. „Homogen ist das neue Multi-Kulti.“

 

Sibylle Berg und Shermin Langhoff – Foto: St. B.

 

Um sich dem Elend zu entziehen, beschließen die vier eine geplante Marsumsiedlungsshow zu unterwandern, um Welt und Patriarchat Good Bye zu sagen. Allerdings geht die Mission ins All nur mit männlichen Mitreisenden zwecks Fortpflanzung und Gründung einer neuen Kolonie. Der passende Partner muss gecastet werden, und dazu laufen nun vier ebenso gekleidete Männer mit Schnäuzer auf. Knut Berger, Jonas Dassler, Aram Tafreshian und Mehmet M. Yilmaz sind zusammen Torben, Anfang dreißig, Autor ohne Migrationshintergrund aus der Wiege der Wutbewegung. Natürlich können diese zu tiefst verstörten Jammerlappen den Ansprüchen der Frauen nicht genügen. Jeder neue Versuch, den gemeinsamen Nenner zu finden, wird durch einen roten Signalknopf unterbrochen.

Inszenatorisch laufen die durchaus unterhaltsamen 75 Minuten nach dem Muster der beiden früheren Stücke ab. Nach Choreografien von Tabea Martin stampfen erst die Frauen und dann auch die Männer im Takt des chorischen Stakkato-Sounds. Es gibt Paar- und Gruppen-Gymnastik-Tanz. Mal klettern die Frauen auf die Rücken der Männer, mal knallen sie sie gegen die Bühnenrückwand. Sie gehen in den Clinch oder versuchen den Zweiklang der Körper. Dazu wird weiter Bergs Endlos-Text abgespult, bis die Frauen in ihrer Verzweiflung über die zu kurz Gekommenen und Nazis, die Angst vorm Denken haben, mit dem Schuldschämen beginnen. „Wir hätten sie nicht verärgern sollen.“

Dass die vier Damen am Ende aller gescheiterten Beziehungsfragen auch noch ihren Flug verpassen, nehmen sie gelassen hin. Kein großes Ding, Menschen gewöhnen sich an alles. Die Autorin träufelt weiter Ironie satt. „Was habt ihr gemacht, während die Welt unterging?“ heißt es da am Ende. „Wir haben über Beziehungen geredet.“ Schön, wenn das trotz allem weiter möglich wäre. Seit dem Wahlsonntag ist es auch in Deutschland wieder ein Stückweit schwerer geworden.

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NACH UNS DAS ALL – DAS INNERE TEAM KENNT KEINE PAUSE (Maxim Gorki Theater, 24.09.2017)
Von Sibylle Berg
Regie: Sebastian Nübling
Choreografie: Tabea Martin
Dramaturgie: Katja Hagedorn
Bühne: Magda Willi
Kostüme: Ursula Leuenberger
Licht: Jan Langebartels
Mit: Nora Abdel-Maksoud, Knut Berger, Jonas Dassler, Suna Gürler, Svenja Liesau, Abak Safaei-Rad, Aram Tafreshian, Mehmet M. Yilmaz
Die Uraufführung war am 24.09.2017 im Maxim Gorki Theater

Termine: 03., 30.11. / 02.12.2017

Infos: http://www.gorki.de/

Zuerst erschienen am 26.09.2017 auf Kultura-Extra.

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Feminista Baby! – Tom Kühnel und Jürgen Kuttner ironisieren Valerie Solanas‘ SCUM-Manifesto in einer Travestie-Show an den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin

Foto (c) Arno Declair

„Das Leben in dieser Gesellschaft ist ein einziger Stumpfsinn, kein Aspekt der Gesellschaft vermag die Frau zu interessieren, daher bleibt den aufgeklärten, verantwortungsbewussten und sensationsgierigen Frauen nichts anderes übrig, als die Regierung zu stürzen, das Geldsystem abzuschaffen, die umfassende Automation einzuführen und das männliche Geschlecht zu vernichten.“ Soweit Valerie Solanas in ihrem SCUM-Manifesto, erschienen 1968 kurz nachdem die radikal-feministische Schriftstellerin auf den Pop-Art-Künstler Andy Warhol geschossen hatte. Sie fühlte sich von ihm, nachdem sie in einem seiner Filme mitgewirkt hatte, künstlerisch ausgenutzt. SCUM bedeutet so viel wie Abschaum. Solanas bezeichnete damit einen bestimmten Typ von „dominanten, sicheren, selbstbewussten, fiesen, gewalttätigen, eigensüchtigen, unabhängigen, stolzen, abenteuerlustigen, stürmenden und drängenden, arroganten Frauen, die sich imstande fühlen, das Universum zu regieren“. Auf der anderen Seite sah sie die „netten, passiven, entgegenkommenden, ‚kultivierten‘, höflichen, bescheidenen, unterwürfigen, abhängigen, verschreckten, bewusstlosen, unsicheren, Anerkennung suchenden Daddy-Töchterchen“. SUM soll laut Solanas‘ Verleger aber auch für “Society for Cutting Up Men” stehen. Von einer Zerstückelung der Männer ist im Text zwar nicht die Rede, von einer Vernichtung allerdings schon. Ob es sich hier um eine „brillante Satire“ oder um den vollen Ernst der Autorin handelt, daran scheiden sich bis heute die Geister.

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Als feministische Lektüre ist das SCUM-Manifesto immer noch aktuell. Solanas Leben ist verfilmt und auch ihr Text schon für das Theater bearbeitet worden. Videoschnipsler Jürgen Kuttner hielt es aber wohl für dringend, es mal wieder einem breiteren Publikum vorzustellen. Die Aufschrei-Kampagne oder die Weinstein-Affäre mit dem folgenden Aufruf #metoo widerspiegeln das durchaus auch gesellschaftlich. Und nicht zuletzt geht es gerade wieder um eine Quote für Theaterfrauen. Jürgen Kuttner hat aber nun mit seinem Regie-Kompagnon Tom Kühnel den Text doch mit einen rein männlichen Cast für die Kammerspiele des Deutschen Theaters umgesetzt. Feminista, Baby! heißt der Abend ganz kämpferisch und hat als starke Quoten-Frau noch die Ex-Lassie-Singers-Musikerin Christiane Rösinger im Programm. Kuttner ist nämlich der Meinung, dieser Text wäre wie ein radikaler Popsong. Begleitet vom Ja-Panik-Schlagzeuger Andreas Spechtl gibt Rösinger dann auch einige ihrer feministischen Popperlen zum Besten.

Das ist natürlich erst die halbe Miete, wenn auch fast schon der stärkste Teil dieser Produktion, die zum Textaufsagen die drei DT-Schauspieler Bernd Moss, Markwart Müller-Elmau und Jörg Pose vor den Eisernen Vorhang schickt, wo sie sich zunächst mal in aller Seelenruhe von ihren Klamotten befreien, weiße Marylin-Monroe-Kleidchen und entsprechende Blondperücken überstreifen, sich rasieren und schminken. Der schwule Transvestit ist nämlich laut Solanas der einzig akzeptable Mann, allerdings verwirkliche er mit seiner Verwandlung auch nur einen Männertraum. Dieser verdreifachte Männertraum hopst nun in High Heels über die Bühne und repetiert dabei diesen radikalen Text.

 

Foto (c) Arno Declair

 

Das gelingt noch am besten Bernd Moss, der zu Beginn in einem starken Solo den oben schon erwähnten Einstiegspart in Solanas‘ Manifest performt. Da sitzen die Pointen noch messerscharf. Als Trio wird es dann aber auf die Dauer doch eher eine nette Travestie-Show, die den Text fast schon ist Lächerliche treibt. Jürgen Kuttner hat sich in einem Radiointerview gegen Wellness-Feminismus ausgesprochen. Feminismus wäre auch keine Frauengeschichte allein und ginge Männer genauso an. Kuttner, der sonst nicht um weitschweifige Kommentare und Erklärungen verlegen ist, beschränkt sich hier allerdings auf die bloße Persiflage von Szenen des 1980er-Jahre Hollywoodkultfilms Die Hexen von Eastwick und läuft dämonisch als Jack-Nicolson-Double im Morgenmantel über die Bühne, während aus dem Off die Synchronstimmen dazu eingespielt werden. Der schwafelnde Big-Daddy-Teufel wird dann vom Travestie-Trio wie im Film mit einer Voodoo-Einlage von der Bühne gefegt.

Nur einmal wird es ernst, wenn Markwart Müller-Elmau einen Text über russische Sanitäterinnen spricht, die von ihren Erlebnissen aus dem Zweiten Weltkrieg erzählen. Der Krieg hat kein weibliches Gesicht von der russischen Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch handelt von junge Frauen, die im Krieg plötzlich in Hosen ihren Mann an der Front stehen müssen. Das ist gut gedacht, nur ob es in diesem Zusammenhang wirklich passend ist? Nachdenklich stimmt diese Passage dann aber schon.

Ansonsten spiegelt sich auch im Bühnenbild (einer wunderschönen DNA-Doppelhelix mit eingebauter Showtreppe) der Text, der davon spricht, dass das männliche y-Gen ein unvollständiges weibliches x-Gen ist. Der Mann sei eine wandelnde Fehlgeburt und einzige biologische Katastrophe, die für Krieg, Gewalt, das Geldsystem, Phantasielosigkeit, hässliche Architektur und Kunst verantwortlich sei. Dabei möchte der Mann seine Unvollkommenheit abstreifen und Frau werden, wobei er alle negativen Männereigenschaften auf die Frau übertrage. Solana schreibt von der männlichen Dominanz über die Frau in harten, aber durchaus klar formulierten Thesen, die neben der Vernichtung der Männer durchaus auch fortschrittliche Tendenzen der damaligen Zeit aufgreifen. Eine wirkliche Auseinandersetzung damit schafft der Abend von Kuttner und Kühnel nicht. Als weiteren Clou hat er lediglich noch die Live-Synchronisation einer Elefantenrunde nach der Bundestagswahl 2005 mit Solanas Text parat, in der sich die Alphamännchen Gerhard Schröder und Joschka Fischer trotz Niederlage gegenüber Angela Merkel als Sieger gerieren. Das ist für den Moment durchaus witzig, kann aber inhaltlich nicht wirklich überzeugen. Allein mit Ironie ist noch kein Feminismus zu machen.

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Feminista, Baby! (DT-Kammerspiele, 20.10.2017)
nach dem SCUM-Manifesto von Valerie Solanas
Regie: Tom Kühnel, Jürgen Kuttner
Bühne: Jo Schramm
Kostüme: Daniela Selig
Musik Christiane Rösinger, Andreas Spechtl
Licht: Kristina Jedelsky
Dramaturgie: Claus Caesar
Live-Kamera: Bernadette Knoller
Live-Musik: Marlene Blumert, Bernadette Knoller
Mit: Jürgen Kuttner, Bernd Moss, Markwart Müller-Elmau, Jörg Pose, Christiane Rösinger, Andreas Spechtl, Ramin Bijan
Premiere in den Kammerspielen des Deutschen Theaters war am 20. Oktober 2017
Termine: 02., 08., 26.11. / 07., 12., 31.12.2017

Infos: https://www.deutschestheater.de/

Zuerst erschienen am 24.10.2017 auf Kultura-Extra.

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GET DEUTSCH OR DIE TRYIN‘ und PENG – Maxim Gorki Theater und Schaubühne verabschieden sich mäßig aus einer insgesamt eher mauen Spielzeit

Freitag, Juni 16th, 2017

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GET DEUTSCH OR DIE TRYIN‘ – Necati Öziri hält mit seinem von Sebastian Nübling am Maxim Gorki Theater inszenierten Stück einen Wut-Monolog an den Vater

Get deutsch or die tryin am Maxim Gorki Theater
Foto (c) Esra Rotthoff

Die gerade zu Ende gehende war nicht die beste Spielzeit des Maxim Gorki Theaters. Der viel gelobte Gorki-Sound hat sich mittlerweile eingespielt und dabei auch ein wenig abgenutzt. Daran ist aber sicher nicht Necati Öziri schuld, dessen Stück Get deutsch or die tryin‘ vor einer Woche als letztes auf der großen Bühne Premiere feierte. Entstanden ist es in der Literaturwerkstatt des Gorki-Studios, das mit dem Thema „Flucht, die mich bedingt“ noch mal tief in die Migrationskiste greift. Özirir landete mit seinem Erstling, der Satire Vorhaut (2014) einen Publikumserfolg am Ballhaus Naunynstraße. Mit seinem neuen Stück hat er sich nun einem eher ernsthaften Migrationsthema zugewandt. Die Regie besorgte der für seine Körperchoreografien bekannte Sebastian Nübling.

Körperbetont und rhythmisch geht es Regisseur Nübling dann zu Beginn auch an, wenn zum Beat der Live-Schlagzeugerin Almut Lustig die DarstellerInnen in gefühlter Dauerschleife immer wieder auf und abtreten. Der 18jährige Protagonist Arda berichtet auf einer Parkbank sitzend von seiner ziemlich zerrütteten Familie und Jugend. Schuld am Dilemma haben aber nicht nur die typischen Adoleszenz- und Integrationsprobleme, sondern auch der fehlende Vater, dem Arda seinen Dauermonolog widmet. Dimitrij Schaad als Arda sitzt zunächst in einem Sessel auf der von Magda Willi in die Tiefe gebauten Mehrfachportalbühne. Der vorherrschende Farbton ist lila wie Ardas Anzug. Der vorherrschende Ton der Ansprache ist in einem etwas gebremsten Gorki-Wut-Sound gehalten.

Und Arda hat wohl auch allen Grund wütend zu sein. Seine Mutter trinkt, seine ältere Schwester Aylin hat es zu Hause nicht mehr ausgehalten und der Vater sich schon vor Ardas Geburt wieder in die Türkei verabschiedet. Ihm hält der gerade vom deutschen Einbürgerungsamt Gekommene eine fiktive Grabrede. Darin treten, wie schon beschrieben, Mutter (Pınar Erincin), Schwester (Linda Vaher) und Jugendfreunde (Aleksandar Radenković und Aram Tafreshian) wie in einer Art Familienaufstellung auf. Arda lässt sie bestimmte Szenen immer wiederholen. Die Mutter kriecht zum Kühlschrank mit der Wodkaflasche, ihre wechselnden Bekanntschaften stoßen Arda beiseite, die Schwester streitet mit der Mutter. Dazu gesellen sich Berichte über die Kämpfe der verschiedenen Ethnien angehörenden und Drogen verkaufenden Gangs im Viertel.

Das allein gibt noch kein originelles Stück. Arda reflektiert dann neben seiner verkorksten Jugend, die er mit dem Bekenntnis zur deutschen Staatsbürgerschaft zu beenden versucht, aber auch die Herkunft und Beziehung der Eltern. Das ist die von Autor Necati Öziri sogenannte B-Seite des im Titel an das Album Get rich or die tryin‘ des Rappers 50 Cent erinnernden Stücks. Die Kehrseite der Migration und vergeblichen Integrationsversuche, an der die Eltern zerbrechen und für die der Sohn sich auf dem Einwanderungsamt erniedrigen muss. Es ist die Suche nach der Heimat und den Wurzeln, gespickt mit schmerzhaften Fragen an den Vater, der einst als politischer Flüchtling nach dem Putsch 1980 aus der Türkei nach Deutschland kam, sich dort verliebte, aber nicht der ewige Exilant bleiben wollte.

Öziri stellt nun erzählerisch das Kennenlernen und die Hochzeit von Ardas Eltern nach, was Nübling in eine varietäthafte Dauerparty übersetzt. Erster Wodka-Lemmon der Mutter neben den politischen Bekenntnissen des Vaters, der bei einem Überfall auf ein Armeefahrzeug mit 5 Toten dabei war. Sohn Arda ist immer kommentierend zugegen. Taner Şahintürk spielt den Vater „dartend und abwartend“ relativ stumm. Stumm lässt er auch die Vorwürfe des Sohnes, sich nie gemeldet zu haben, über sich ergehen. Er zog den Knast in der Türkei dem schwieriger werdenden Familienalltag und der Schlachthofarbeit im sogenannten „Paradies“ Almanya, dem „Land der Zombies“, vor.

Wo der Bericht an Intensität gewinnt, zerfasert die Inszenierung von Sebastian Nübling doch zusehends in performativer Beliebigkeit mit ironischen Showeffekten. Necati Öziri bricht noch eine Lanze für die „einsamen Müttern, die ohne die Versager, die vom Zigarettenholen und Bombenlegen nicht wiederkamen, alleine die Welt retten müssen“. Das ist durchaus berührend. Der Bericht an den Vater wird zur Abrechnung eines einsamen, alleingelassenen jungen Menschen, der nach seinem Platz in der Welt sucht. „The Revolution Will Not Be Televised“ ist seine Erkenntnis, die ihn letztendlich aus dem Sessel reißt und den Vater sitzen lässt. Trotzdem hat man das Gefühl auf der A-Bühne des Gorki Theaters von der Regie doch nur mit der groovy Studio-B-Seite abgespeist worden zu sein.

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GET DEUTSCH OR DIE TRYIN‘ – UA (Maxim Gorki Theater , 28.05.2017)
von Necati Öziri
Regie: Sebastian Nübling
Bühne: Magda Willi
Kostüme: Pascale Martin
Musik: Lars Wittershagen
Dramaturgie: Ludwig Haugk
Mit: Pınar Erincin, Almut Lustig, Aleksandar Radenković, Taner Şahintürk, Dimitrij Schaad, Aram Tafreshian, Linda Vaher
Die Uraufführung war am 20.05.2017 im Maxim Gorki Theater ​
Termine: 12., 28.10. / 16., 23.11.2017

Infos: http://www.gorki.de/

Zuerst erschienen am 30.05.2017 auf Kultura-Extra.

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Helter Skelter im Kinderzimmer – Mit PENG verschliddert Marius von Mayenburg in der gutbürgerlichen Schaubühne via mediensatirischem Greenscreen eine postnatale Trump-Parodie

 

Peng von Marius von Mayenburg in der Schaubühne – Foto (c) Arno Declair

Marius von Mayenburg scheint ein Faible für Stücktitel mit „P“ zu haben. Nach Parasiten (2002), Perplex (2010) und Stück Plastik (2015) hat er sein neuestes Werk Peng genannt. Wie schon öfters zuvor übernahm der Hausautor der Berliner Schaubühne auch gleich die Inszenierung des Stücks. Und wie immer in seinen Stücken schaut er mal wieder tief in die Abgründe der gutbürgerlichen Familie.

Auch diese Inszenierung setzt wie schon Stück Plastik auf viel Humor und mediensatirischen Klamauk. Aber die Bombe „Peng“, wie sie der Protagonist gleichen Namens zu Beginn ankündigt, will so recht nicht zünden. Dabei hat das Stück mit Sebastian Schwarz als Hauptakteur Ralf Peng durchaus eine veritable Rampensau am Start, der kein Witz zu peinlich und grenzwertig ist, als dass man ihn nicht auf die Menschheit loslassen könnte. Autor Mayenburg hat eine böse Satire auf die aktuell-politische Lage entworfen, die mit ihren momentan vielerorts regierenden Populisten und Nationalisten schlimmer kaum noch sein könnte. Zumindest sieht es das Gros des intellektuellen, liberalen Europas so und kommt doch selbst in dieser ausufernden Farce nicht besonders gut weg.

Erzählt wird die Geschichte des großmannssüchtigen Kleinkinds Ralf Peng, vor der Geburt noch durch den Hauptdarsteller selbst, der gleich noch die Parodien seiner Prenzlauer-Berg-typischen Helikoptereltern (Marie Burchard und Robert Beyer) mit Biomacke, Genderknall und Spleen von der natürlichen Geburt vorstellt. Eindrucksvoll befreit sich Peng dann begleitet von Schwester Mechthild (Damir Avdic) mit Haaren auf den Zähnen und der herbeigeholten Gynäkologin Dr. Bauer (Eva Meckbach) zuerst von seiner Zwillingsschwester und dann aus einer riesigen Gummiblase. Der Schrecken ist auf der Welt und beginnt sofort als hochbegabt eingestuft sein Umfeld zu terrorisieren.

 

Peng von Marius von Mayenburg in der Schaubühne
Foto (c) Arno Declair

 

Lügen, abwiegeln, Fakten verdrehen und Grapschen nach dem Kindermädchen – wer Ralf nicht huldigt, wird entlassen, zieht wie das dicke Nachbarskind schon im Buddelkasten den Kürzeren oder verliert ein Auge wie der Geigenlehrer, der den musikalischen Dilettanten schlicht für unbegabt erklärt. Das Ganze spielt vor einer Wand mit Greenscreen-Halfpipe, auf die die Szenen davor ins schicke Wohnambiente der Familie oder in andere Zusammenhänge eingebettet werden. Live-TV-begleitet und gefilmt vom sensationsgeilen Journalisten Tom (Lukas Turtur).

Damit es nicht zu langweilig wird, mixt Mayenburg noch Waffenhandel, Flucht- und Feminismus-Debatte sowie häusliche Gewalt mit in die Handlung. Im einst von den Großeltern zweckentfremdeten Keller unterhält Mutter Vicky nun ein offenes Frauenhaus, deren Insassinnen der aufwachsende Kleinpopulist mit vollautomatischer Waffengewalt gerne raus hätte. Als vorgeführtes Opfer fungiert Nachbarin Uschi, die von ihrem Mann Herrn Schmiedel (Eva Meckbach und Damir Avdic in noch weiteren Rollen) gern mit den Haushaltsgeräten des Firmenmanager-Vaters Dominik verprügelt wird.

Darstellerisch ist es durchaus bewundernswert, wie sich das gesamte Ensemble ins Zeug legt. Inhaltlich und gagmäßig bewegt man sich dabei aber nah an der intellektuellen Abrutschkante, die dann überschritten ist, als Mayenburg auch noch eine als „Miss Universum“ getarnte Wahl zur Weltherrschaft einfällt, bei der alle Damen noch mal einen Gesangsauftritt bekommen und dann doch vom schlechten Verlierer Ralf Peng der Reihe nach disqualifiziert werden, bis er sich als einzig übriggebliebener Teilnehmer selbst zum Sieger kürt. Dass der kleine große Diktator dann schließlich doch mit großem Knall zu Fall gebracht wird, tut seinem Nimbus des Ich-darf-das keinen Abbruch.

Da drängelt sich einer vor und macht Macho- und Chauvi-Sprüche am laufenden Band. Wer würde da nicht an den Narzissten im Amt, Donald Trump, denken. Das Stück versucht ein Milieu zu karikieren, in dem so etwas groß werden kann. „Ich mach den Laden endlich wieder groß.“ tönt dann auch irgendwann das Riesenbaby, meint damit aber nicht etwa Deutschland, sondern die Schaubühne mit den mittelmäßigen Kollegen, die der Hauptdarsteller Schwarz nun beim richtigen Namen nennt, und deren Rollen er gleich noch mit übernehmen will. Mayenburg schließt die große Weltpolitik einfach mit der bürgerlichen Kleinfamilie und ihrem Theater kurz. Das ist durchaus nicht uninteressant, aber auf dem Weg dahin ist dem Regisseur und Autor auch irgendwie sein eigenes Stück entglitten.

Gegen Peng, das sich eher als ein verpuffender Rohrkrepierer herausstellt, war Stück Plastik noch ein reines Goldstück und erreichte Falk Richter im letzten Jahr mit seinem AfD-Bashing Fear geradezu intellektuelle Höhen. Bis auf den Professor Bernhardi von Schaubühnenchef Thomas Ostermeier geht mit Peng eine eher bescheidene Spielzeit am Lehniner Platz zu Ende.

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Peng (Schaubühne, 12.06.2017)
von Marius von Mayenburg
Regie: Marius von Mayenburg
Bühne und Kostüme: Nina Wetzel
Mitarbeit Bühne: Doreen Back
Musik: Matthias Grübel
Video: Sébastien Dupouey
Dramaturgie: Maja Zade
Mit: Damir Avdic, Robert Beyer, Marie Burchard, Eva Meckbach, Sebastian Schwarz, Lukas Turtur
Die Uraufführung war am 03.06.2017 in der Schaubühne am Lehniner Platz
Dauer: ca. 120 Minuten
Termine: 05.-08.10. / 14. und 15.11.2017

Infos: http://www.schaubuehne.de/

Zuerst erschienen am 14.06.2017 auf Kultura-Extra.

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Wenn alt und jung sich radikalisieren – Katja Brunners „geister sind auch nur menschen“ am Schauspiel Leipzig und Sasha Marianna Salzmanns „Zucken“ am Maxim Gorki Theater Berlin

Dienstag, März 28th, 2017

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SPRECHEN OHNE ZUKUNFT – In Katja Brunners außergewöhnlichem Stück geister sind auch nur menschen verschaffen sich die verstummten Alten Gehör. Claudia Bauer hat die Deutsche Erstaufführung in der Diskothek des Schauspiels Leipzig inszeniert

geister sind auch nur menschen am Schauspiel Leipzig – Foto (c) Rolf Arnold

„Die Alten sind unter den Lebenden wie die Geister überall.“ heißt es zu Beginn des 2015 in Luzern uraufgeführten Stücks der jungen Schweizer Dramatikerin Katja Brunner, das nun am Schauspiel Leipzig in der Regie von Claudia Bauer seine deutsche Erstaufführung erlebte. In geister sind auch nur menschen geht es um die professionell betriebene Ausgrenzung der Alten in einer Gesellschaft, die sich über Leistung definiert, und das sogar noch im Pflegedienst der Heime, in denen die einst selbst in dieser Gesellschaft Tätigen nun auf das Hinübergleiten in den Tod warten. Den Stummen, nicht mehr Gehörten will die Autorin ihre Stimmen zurückgeben. Kein versöhnliches Sprechen, eher eine Art verwundertes, verwundetes Wutgeheul, das die 2013 für von den beinen zu kurz mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnete Brunner trotzdem in einen fast poetischen Sprachfluss bringt.

„Sie sind angealtert, sie sind angekrankt von der Zeit, sie können sich kaum wehren, sie sind in die Gebrechlichkeit und ins Alter hineingefallen wie eine Wespe in einen Honigtopf.“ Sprachgewaltig ist der Text, voll von Metaphern, die das Unsagbare, das unausweichliche Gefühl des Alterns in eine literarische Form zu bringen versuchen. Claudia Bauer, die mit ihrer letzten Inszenierung 89/90 nach dem Roman von Peter Richter zum Berliner Theatertreffen eingeladen ist, findet für diese Sprache die richtige Verpackung. Das sechsköpfige Ensemble betritt die Spielfläche in der Leipziger Diskothek mit Pilzkopffrisuren, in farbigen Jungmädchenkleidern und spricht die ersten Textpassagen über das Altwerden, das Verschwinden aus dem Alltag mit großem staunenden Fragezeichen, bis der erste Fremdkörper in fleischfarbenem Fett-Faltensuite auf dem Boden des sich beständig wie ein Karussell drehenden Bühnenrondells liegt und von den anderen argwöhnisch beäugt wird.

„Ein Körper, der meiner nicht mehr ist. (…) Zu wem gehörst du?“ Die geistige Abspaltung vom nicht mehr funktionierenden Körper, in den man oben hineinschiebt und unten alles wieder herausfällt. Ein letzter Kampf um Autonomie und Eigenverantwortung in einer Umgebung, die mit vollautomatisierter Navigationsstimme die Regeln des Heims diktiert. Nach und nach sondern sich die SpielerInnen aus dem Jungmädchenkreis ab und übernehmen die Rollen der Alten in der monströsen Kostümierung, die mit ihrer Gebrechlichkeit und den überdeutlichen Genitalteilen die Reduzierung der Alten auf ihren Körper verdeutlicht und dabei auch als Verfremdungseffekt dient, um rührseligen Einfühlungskitsch zu vermeiden. Trotz allem wirken die DarstellerInnen, die hier mit langem Haar und teilweise gendermäßig gegen den Strich besetzt sind, auch wie verlorene Engel, ihrer Flügel beraubt.

 

geister sind auch nur menschen am Schauspiel Leipzig
Foto (c) Rolf Arnold

 

Sie bezeichnen sich selbst als „dem Sozialstaat auf den Möglichkeitstaschen herumfläzende, gerade noch durchblutete Skelette“. Hier wird der Text oft sehr explizit. Los geht ein „SPRECHEN OHNE ZUKUNFT“ – wie es im Stück heißt – „Zukunft, diese kompromittierende Sau – daher freier als manch anderes Sprechen.“ Und sie sprechen von ihren Wünschen, noch einmal „ohne den Geschmack von Funktionalität“ berührt zu werden, dem Traum von Sexualität, von ihrem früheren Leben und ihren jetzigen Gebrechen. Nichts wird ausgelassen, weder Demenz, Krebs noch das unkontrollierte Koten.

Es gibt keine klaren Rollenzuschreibungen, nur Namen wie Frau Heisinger, Herr Metzler oder Frau Simplon. Man beschwert sich über das Heimpersonal, das man um Bier anbetteln muss, oder über den Raucher-Glaskasten im Foyer. Eine verqualmte Vorhölle mit geregelten Öffnungszeiten. Die Alten erfahren die tagtägliche Erniedrigung, die von der Heimleitung als Kooperation bezeichnet wird. Claudia Bauer lässt das an einer Geburtstagstafel mit Tee, Saft und Kuchen spielen. Mal kommt ein Fernsehgerät, mal eine Zinkwanne oder ein Servierwagen dazu. Der Pfleger ist ein Zwitterwesen, das man Pferdeschwanzfachkraft nennt, und dem der Herr mit dem langen Genital gern an den Hintern fasst. Dafür stellt der den Insassen für eine extra gebückte Haltung die Rollatoren tiefer. Die lieben Alten sind in seinen Augen ziemlich aufmüpfig, klingeln ohne Grund und schimpfen auf die gähnende Jugend und ihre Mütter, die lieber Karriere machen, als sich um ihre Kinder zu kümmern.

Zu diesem unvermittelten Kindergeburtstags-Tohuwabohu, das die Alten schließlich anrichten, gesellt sich natürlich auch irgendwann der Tod, der „dazugehört wie das Atmen zum Leben“. Und ob man nun nicht loslassen kann oder den Tod sehnsüchtig als Erlöser erwartet, hier tritt er am Ende als Conférencier im Glitzeranzug auf, der versucht so etwas wie eine Ahnung vom Danach zu vermitteln. Ein Wegziehen wie ein warmer Lufthauch aus einer unerlösten Umarmung. Beruhigen kann das nicht.

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geister sind auch nur menschen (DE) – (Diskothek, 17.03.2017)
von Katja Brunner
Deutsche Erstaufführung
Regie: Claudia Bauer
Bühne & Kostüme: Andreas Auerbach
Musik: Smoking Joe
Dramaturgie: Katja Herlemann
Licht: Veit-Rüdiger Griess
Mit: Andreas Dyszewski, Timo Fakhravar, Sophie Hottinger, Julia Preuß, Katharina Schmidt, Florian Steffens
Premiere war am 17. März 2017 in der Diskothek des Schauspiels Leipzig
Termine: 13., 19., 28.04.2017

Infos: http://www.schauspiel-leipzig.de/

Zuerst erschienen am 18.03.2017 auf Kultura-Extra.

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Zucken – Sebastian Nübling übersetzt am Maxim Gorki Theater Sasha Marianna Salzmanns Stück über die Radikalisierung Jugendlicher in ein körperbetontes Spiel

Zucken am Maxim Gorki Theater
Foto © Esra Rotthoff

Die wachsende Radikalisierung unter Jugendlichen ist das große Thema dieser Theatersaison. Meist ideologisch beeinflusst unter dem Deckmantel des Glaubens an einen Gott oder an ein bestimmtes politisches Ideal ziehen viele europäische Jugendliche in die verschiedensten Kriegsgebiete oder laufen bereits in ihrer Heimat Amok. Worauf bereits Stücke wie Inside IS von Yüksel Yolcu am Grips Theater oder Kuffar. Die Gottesleugner von Nuran David Calis am DT versuchten, eine Antwort zu finden; das hat nun auch Sasha Marianna Salzmann zu ihrem neuen Theaterstück Zucken angeregt.

Eigentlich heißt Salzmanns Stück vollständig Verstehen Sie den Dschihadismus in acht Schritten! (Zucken). Für die Koproduktion des Maxim Gorki Theater mit dem jungen theater basel unter der Leitung von Sebastian Nübling wurde aber eine verkürzte Spielfassung erarbeitet, die nun mit sieben jugendlichen LaiendarstellerInnen [Namen s.u.] zuerst in Berlin zur Uraufführung kam. Die Erwartung, die Jugendliche von der Welt haben, ist für die Autorin wie ein Nerv, der zuckt. So heißt es jedenfalls in einem der chorisch vorgetragenen Textpassagen. Dieses impulsive Zucken übersetzt Regisseur Nübling, wie schon des Öfteren, in choreografierte Bewegung und Tanz. Bestandteil der Inszenierung ist auch von Beginn an Musik, die die Jugendlichen zumeist direkt von ihren Smartphones einspielen oder diese gar selbst als Sound- und Geräuschmaschinen benutzen.

In mehreren Kapiteln mit Zwischenüberschriften wie „Wann, Was, Wohin“ oder „Wüste, Wir, Wind“ werden drei Beispiele für den Radikalisierungsweg von Jugendlichen vorgespielt. Dazwischen gibt es Rap- und Tanzeinlagen, gepaart mit schon besagten Passagen, die die Stimmen der Radikalisierten zu einem Wut-Chor, der die vom gesellschaftlichen Mainstream der pazifistischen Wegducker, die Lösungen nur durch Reden erreichen wollen, Enttäuschten sammelt. Der Ausbruch aus der Normalität wird zum neuen Wir-Gefühl einer für die westlichen Werte verlorenen Generation.

Die Reibung mit der Welt, in der sich die Jugendlichen nicht verstanden fühlen, beginnt bekanntlich im unmittelbaren Freundeskreis, der Schule oder dem Elternhaus. So auch bei einem Mädchen, das im breitesten Schwyzerdütsch mit einem unbekannten Dschihadisten chattet, der (statt wie in sozialen Netzwerken üblich) nicht in Emojis kommunizieren will, sondern Worte für Gefühle einsetzt und mit „Ja“ oder „Nein“ und nie mit „Ich weiß nicht“ antwortet. Diese klare Ansprache gefällt dem Mädchen, und es will zu dem Jungen, der plötzlich abtaucht, nach Syrien. Dennoch bleibt es relativ rätselhaft, warum sich die Enttäuschte danach mit Messern im Rucksack zum Bahnhof aufmacht.

Die zweite Geschichte beschreibt das Schwanken eines ukrainischen Jungen zwischen seinen unklaren Gefühlen für einen Schulfreund und dem vom Vater geschürten Nationalismus gegen alles Russische. Gruppendruck und die Angst nicht dazuzugehören, lassen ihn schließlich in den Krieg in die Ostukraine ziehen.  Schon gefestigter scheint dagegen das mit den Handykameras gefilmte Statement einer Tochter in einem Abschiedsvideo an ihren Vater. Sie übermittelt ihm ihre Gründe, warum sie gemeinsam mit jungen Menschen aus ganz Europa in Kurdistan eine neue Welt aufbauen will, für die sie auch bereit ist zu sterben. Das Warum versuchen Text und Spiel mehr dynamisch zu umkreisen.

Doch nach der ersten Geschichte scheinen die Macher des Abends ihren aufgeworfen Thesen selbst nicht so recht getraut zu haben. Zu unterkomplex, heißt es da. Sie gehen auf Anfang und lassen doch die Maschinerie aus Text, Sound und Bewegung umso stärker wieder einsetzen. Dem straffen Durchboxen, auch wenn man sich immer wieder auf vier große, schwarze Ledersofas zurückwirft, fehlt dann doch so etwas wie eine kleine Ruhephase der Reflexion. Am Ende stöpseln sich die Jugendlichen einfach aus. „Wir brauchen euch nicht.“ rufen sie trotzig. Und das ist die eigentliche Gefahr. Das Stück spricht da nicht nur junge Menschen an. Ob‘s ankommt, wird die Zukunft zeigen.

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Zucken (UA) – (Maxim Gorki Theater, 19.03.2017)
Von Sasha Marianna Salzmann
Regie: Sebastian Nübling
Ausstattung: Ursula Leuenberger
Sound: Lukas Stäuble
Dramaturgie: Ludwig Haugk, Uwe Heinrich
Mit: Martha Benedict, Yusuf Çelik, Doğan Çoban, Elif Karci, Timo Muttenzer, Helena Simon, Cara Stauffenegger
Eine Produktion des jungen theater basel und des Maxim Gorki Theater Berlin
Premiere war am 17. März 2017 im Maxim Gorki Theater
Dauer: ca. 70 Minuten
Termine: 03. und 04.06. / 03. und 04.07.2017

Infos: http://gorki.de/  bzw.  http://www.jungestheaterbasel.ch

Zuerst erschienen am 22.03.2017 auf Kultura-Extra.

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In unserem Namen – Sebastian Nüblings Textcollage unter Verwendung von Aischylos „Die Schutzflehenden“, Elfriede Jelineks „Die Schutzbefohlenen“ und aktuellem Recherchematerial im Maxim Gorki Theater Berlin

Mittwoch, November 18th, 2015

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Wir leben. Hauptsache, wir leben“ so beginnt das Stück Die Schutzbefohlenen der österreichischen Dramatikerin Elfriede Jelinek, in dem sie unter Verwendung der antiken Tragödie Die Schutzflehenden des griechischen Dichters Aischylos einen Chor von Flüchtlingen über seine Stimmlosigkeit klagen lässt. „Wir sind gar nicht da“, lautet hier das resignierende Fazit der an Europas Grenzen scheiternden oder sich mit den hiesigen Asylgesetzen plagenden Menschen auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung. Nachdem der Intendant des Leipziger Schauspiels Enrico Lübbe Anfang Oktober zum ersten Mal die Texte von Aischylos und Elfriede Jelinek zu einem Theaterabend zusammengefügt hatte, versucht es nun der Regisseur Sebastian Nübling am Maxim Gorki Theater Berlin mit einer recht freien Textcollage. Für sein Projekt In unserem Namen verwendet Nübling neben den bereits genannten Quellen auch noch aktuelles Recherchematerial wie Stimmen aus der Bevölkerung und aus einer Sitzung des Innenausschusses des Bundestags sowie Originalbeiträge von Mitwirkenden aus dem Ensemble.

 

Maxim Gorki Theater_2. Berliner Herbstsalon 2015

2. Berliner Herbstsalon 2015 im Maxim Gorki Theater – Foto: St. B.

 

Und auch im ausgeräumten Saal des Gorki-Theaters beginnt es mit dem eingangs erwähnten Satz, der von den sich lose unter das auf dem Boden oder einer kleinen Treppe sitzende Publikum mischenden DarstellerInnen in verschiedenen Sprachen immer wieder gesprochen wird. Dabei wechseln sie ihre Plätze, drängen sich durch die ZuschauerInnen, bilden Reihen oder verknäulen sich ineinander. Das erzeugt zunächst eine gewisse Verwirrung nicht nur in der Sprache, sondern auch darüber, wer da spricht und worüber. Das Publikum soll hier zumindest ansatzweise eine Vorstellung der Situation Flüchtender bekommen. Solidarität oder Ablehnung, Gemeinsamkeit oder Verdrängung, das sind die Szenarien, die sich hier ganz physisch über die recht körperlich durchchoreografierte Performance vermitteln. Man wird mal gebeten, in der Mitte zusammenzukommen oder wieder an den Rand des Saals zurückgedrängt, um Platz zu machen.

Ganze Passagen aus dem Jelinek-Text und einige Aischylos-Fragmente lösen sich dabei ab, ohne dass eine wirkliche Spielhandlung oder Zugehörigkeit der Texte ersichtlich wird. Man schnappt nur Stichworte auf, die hängen bleiben, wie etwa: „Wo ist er, der gastfreundliche Wirt?“ oder „Wenn wir nicht bleiben, so bleiben wir euch doch als Aufgab.“. Unter den SchauspielerInnen ganz verschiedener Herkunft wirken hier auch die Palästinenser Karim Daoud und Maryam Abu Khaled sowie der Syrer Ayham Majid Agha mit, die schon in Yael Ronens Stück The Situation über ihre ganz persönlichen Fluchterfahrungen berichtet haben. Auch hier gibt es wieder eigene Texte, die etwa von den Schwierigkeiten eines Flüchtlings berichten, in Deutschland ein Bankkonto zu eröffnen, ohne als Terrorist verdächtigt zu werden, während sich um die Herkunft des Geldes auf den Auslandskonten der arabischen Diktatoren niemand kümmert.

 

Foto © Oliver Feldhaus
Foto © Oliver Feldhaus

 

Das geht so eine ganze Weile, bis die irgendwie festgefahrene Situation plötzlich durch das Eindringen von vier weiteren SchauspielerInnen aus dem Gorki-Ensemble einen neuen Drive bekommt. Cynthia Micas, Tim Porath, Dimitrij Schaad und Thomas Wodianka beginnen mit Mikrofonen eine Art Podium zu bilden und geben nun bekannt, was in Deutschland tatsächlich so in unserem Namen geschieht. Es sind Stimmen einer Expertenanhörung dieses Jahres im Innenausschuss des Bundestags, der daraufhin im Juli die Verschärfung des Aufenthaltsgesetzes beschlossen hat. Hierbei kommen Bürokratie, Überforderung und Rechtsunsicherheit für Flüchtlinge und Behörden gleichermaßen zum Ausdruck. Mantraartig wird immer wieder der Paragraphen 62 b beschworen, der den Ausreisegewahrsam vor der Abschiebung regelt.

Die aus Israel stammende Orit Nahmias hatte bereits zu Beginn in recht ironischer Weise vor den depressiven Auswirkungen dieses Abends gewarnt. Man könne sich diesen aber mit einigen geübten Abwehrmechanismen entziehen. Wie diese im Einzelnen aussehen, gibt dann noch Thomas Wodianka zum Besten, der zu einer zynischen Hasstirade, gesampelt aus „Volkes Stimme“, ansetzt und nebenbei einen Abriss europäischer Einwanderungsgeschichte von den Türken über die Hugenotten bis hin zu Römern und Mesopotamiern gibt, der schließlich bei der Landnahme der urzeitlichen Fische endet. Ein neues „Fundament der Werte“ (Jelinek), das Einwanderung als eine Bereicherung in Wissen und Kultur versteht, ist das Fazit von Nüblings Inszenierung, die nach gut 100 Minuten in offenen Einzelrunden endet, in denen die Ensemblemitglieder noch mal ganz eigene Geschichten erzählen und Utopien für die Zukunft entwerfen.

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Tohubassbuuh von bankleer - Foto: St. B.

Tohubassbuuh von bankleer – Foto: St. B.

Das Performanceprojekt In unserem Namen gehört zu einer Reihe von Veranstaltungen wie zum Beispiel Stadtführungen oder Diskussionsrunden zum Thema Flucht und Asyl, die im Rahmen des 2. Berliner Herbstsalons noch bis zum 29. November im und um das Maxim Gorki Theater stattfinden. So sind auch im benachbarten Palais am Kupfergraben etliche Arbeiten wie Installationen und Videos von verschiedenen Künstlern zu sehen, die sich u.a. mit der Geschichte und aktuellen Praxis europäischer und deutscher Flüchtlingspolitik auseinandersetzen.

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In unserem Namen
Textfassung von Sebastian Nübling, Ludwig Haugk, Julia Pustet
Unter Verwendung von Aischylos‘ Die Schutzflehenden, Elfriede Jelineks Die Schutzbefohlenen, der 42. Sitzung des Innenausschusses des Deutschen Bundestages sowie Originalbeiträgen der Schauspieler*innen
Regie: Sebastian Nübling, Ko-Regie, Choreinstudierung, Musik: Lars Wittershagen, Bühne: Magda Willi, Video: Jesse Jonas Kracht, Kostüme: Ursula Leuenberger, Dramaturgie: Ludwig Haugk, Mitarbeit Dramaturgie, Recherche: Julia Pustet
Mit: Maryam Abu Khaled / Ayham Majid Agha / Tamer Arslan / Elmira Bahrami / Vernesa Berbo / Karim Daoud / Anastasia Gubareva / Mateja Meded / Cynthia Micas / Orit Nahmias / Tim Porath / Dimitrij Schaad / Hasan Taşgın / Thomas Wodianka / Mehmet Yılmaz

Premiere am Maxim Gorki Theater war am 13.11.2015

Termine für In unserem Namen: 16.-20.11. und 22.-24.11.2015

Infos: http://www.gorki.de/spielplan/festivals/zweiter-berliner-herbstsalon/

Zuerst erschienen am 16.11.2015 auf Kultura-Extra.

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Und dann kam Mirna – In der Regie von Sebastian Nübling setzt Sibylle Berg ihre bitter ironischen Genderfrustbetrachtungen am Maxim Gorki Theater fort.

Montag, September 28th, 2015

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„We don’t give a shit“ heißt es im Theaterstück Es sagt mir nichts, das sogenannte draußen, das Sibylle Berg vor zwei Jahren für das neue Maxim Gorki geschriebenen hat. Da tanzten vier junge Frauen im Schlabberlook und mit viel Wut im Bauch dem Existential-Blues auf der Nase herum. Die Gewissheit, nur ein kleines, durchschnittliches Leben vor sich zu haben, schwebte aber als vage Ahnung über den bitter ironischen Phrasen vom „Rumgeleide“ aus Liebeskummer, Partystress und Identifikationsdruck. Nun hat das Ganze seine erwartete Fortsetzung gefunden, und die leise Vermutung, dass das wohl nie aufhören würde, weicht der Gewissheit, dass es auch noch viel schlimmer kommen kann.

Und dann kam Mirna im MGT - Foto © Ersa Rotthoff

Foto © Ersa Rotthoff

Die jungen Frauen von damals sind nun Anfang, Mitte Dreißig, haben angefangen sich innerhalb ihrer Möglichkeiten zu verwirklichen, den einen oder anderen unbedeutenden Sexualpartner ausprobiert und wieder abgelegt. Und dann kam Mirna heißt es im neuen Streich von Sibylle Berg, den wiederum Regisseur Sebastian Nübling und Choreografin Tabea Martin als körperbetonten Theaterabend für „für ca. zwei DarstellerInnen oder eine hochgradig gespaltene Persönlichkeit“ eingerichtet haben. Zu Suna Gürler, Rahel Jankowski und Cynthia Micas gesellt sich neu die aus München zum Ensemble des Berliner Maxim Gorki Theaters gestoßene Çiğdem Teke. Auch haben die vier Schauspielrinnen wieder ihre Schlabberpullis an und die Nerdbrille auf. Darunter befindet sich jetzt aber bei allen ein weites, geblümtes Umstandskleid.

Zum Umstand immer noch den Sinn des Lebens und seine Bedeutung zu suchen, gesellt sich nun das Problem, obwohl man doch die eigenen Mutter hasst, nun selbst eine Mutter zu sein. Ein Mitglied der sogenannten „Kaste der Unberührbaren“. Die Schwangerschaft als Entsorgungsmaßnahme für Frauen. Denn wer will schon die Meinung einer Frau hören, die stillt. Der Nachwuchs Mirna (entstanden während einer „sexuellen Handlung, die einer mit Stiefmütterchen bepflanzten Verkehrsinsel glich“) steht als ebenso vervierfachter, halbwüchsiger und zudem wesensfremder Mensch im pinkfarbenen Sportdress (die Mädchen sind wirklich toll) an der Rampe und entsorgt schon mal ordnungsliebend überflüssige Erinnerungen. Denn es geht ans Umziehen aus der durchgentrifizierten Betonwüste der Stadt, die man sich nicht mehr leisten kann, in die langweilige, engstirnige Uckermark voller Fremdenhass und Selbstmorden homosexueller Jugendlicher, wie Tochter Mirna mault. Im Himmel aus Liebe verblödet und den ungewollten Erzeuger (hier heißt er Thorben) gerade losgeworden, bleibt also nur noch die Auswanderung in die ehemaligen Ostgebiete.

Mit drei Freundinnen will sich unsere Protagonistin in einer als Zukunftsprojekt bezeichneten Frauenkommune, einem „süßen, kleinen Holzhaus auf dem Land“, zurückziehen. Dieser Grundplot bietet natürlich wieder jede Menge Stoff für die ironische Geißelung von eingeübten Rollenzuschreibungen, heteronormativen Geschlechtsvorgaben und das genüssliche Auswalzen sonstiger Genderklischees. „Aus diesem Zusammenhang wirst du nie entfliehen können“, weissagt die altkluge Tochter Mirna. Dazu entspinnt sich auf der Bühne eine Art panisches Gehopse und verkrampfte Umarmungsversuche, was den Zweifel der Mutter verdeutlichen soll, die ihre Schwierigkeit damit hat, in diese schlimme Welt auch noch Nachwuchs zu setzen, der dann alles erreichen soll, was man selbst nicht geschafft hat. Feminismusdebatte, Quote, Sozial Freezing und andere aktuelle Gesellschaftsthemen lösen sich im Laufe des als relativ zuschreibungsfreie Textfläche funktionierenden Stückes ab.

Man tanzt zum Beat der Schlagworte oder setzt auch mal zum Mütterrap „Annie, are you ok, are you ok, Annie“ aus Michael Jacksons Smooth Criminal an. Und auch das liebe, gute Internet mit seinem Kommentarwahnsinn und den sozialen Netzwerken wie Facebook bekommt sein Fett weg. Weitere Kommunikation läuft neben dem sporadischen Mutter-Tochter-Dialog meist nur per E-Post, was sich immer wieder als vierstimmiges Handyvibrationsgeräusch bemerkbar macht. Die Freundinnen, selbst im Selbstverwirklichungsstress und festen Glauben an den wiederholten Neuanfang, springen dabei eine nach der anderen ab. „Lass uns umziehen, Quatsch nicht!“ ist letztendlich die Devise der Tochter, die ihrer Mutter ohne Plan vorhält, ihr doch endlich ein Vorbild zu sein. Die konservative Nachwuchsgeneration besteht auf Normalität. Für Mirna ist beim Erwachsenwerden ein Familienumfeld mit zwei Elternteilen wichtig, während die Mutter mal wieder nur an sich denkt.

Ein wiedermal recht sarkastischer Kommentar von S.P.O.N.-Kolumnistin Frau Sibylle zur aktuellen Feminismusdebatte, gepaart mit dem immerwährenden Mutter-Tochter-Generationenkonflikt im Schnelldurchlauf. Doch der angedeutete Leidensdruck, den es ja durchaus auch genauso gibt, erschöpft sich hier in einem Jammern auf sehr hohem Niveau. Eine echte Anregung zum fortgesetzten Diskurs bietet das nur bedingt. Dazu kommt noch, dass Regisseur Sebastian Nübling nichts weiter eingefallen ist, als das Erfolgsrezept seiner Inszenierung des als Theaterstück des Jahres preisgekrönten Sibylle-Berg-Vorgängers zu wiederholen. Trotzdem, auch wegen des tollen Ensembles, eine alles in allem über die gesamten 75 Minuten recht kurzweilig unterhaltsame Angelegenheit, die ihre erheiternde Wirkung im Publikum nicht verfehlt. Ob es auch eine erhellende ist, muss sich noch beweisen.

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UND DANN KAM MIRNA
Regie: Sebastian Nübling
Choreographie: Tabea Martin
Bühne: Magda Willi, Moïra Gilliéron,
Kostüme: Ursula Leuenberger
Dramaturgie: Katja Hagedorn
Mit: Sarah Böcker / Aydanur Gürkan / Suna Gürler / Rahel Jankowski / Nilu Kellner / Cynthia Micas / Fée Mühlemann / Amba Peduto / Zoé Rügen / Marie Carlota Schmidt / Çiğdem Teke / Annika Weitzendorf
Uraufführung war am 24. September 2015 im Maxim Gorki Theater
Weitere Termine: 1., 23., 27. 10. 2015

Weitere Infos siehe auch: http://www.gorki.de

Zuerst erschienen am 25.09.2015 auf Kultura-Extra.

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Endstation Sackgasse – Sebastian Nübling inszeniert das kaum gespielte Theaterstück „Camino Real“ von Tennessee Williams an den Münchner Kammerspielen.

Dienstag, April 7th, 2015

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„Sie dürfen nicht den Fehler machen, mit Gewalt etwas zu verstehen.“ gab Autor Tennessee Williams den Zuschauern seines 1953 geschriebenen und bis heute kaum gespielten Stücks Camino Real als „Gebrauchsanweisung“ mit. Camino Real, eine eher surreale Straße im amerikanisch-mexikanischen Grenzland, entpuppt sich für dessen Besucher nicht etwa als der Königsweg, sondern führt für die hier Gestrandeten geradewegs in eine Sackgasse. Die „Hauptstraße des Lebens“ endet also unausweichlich im Tod. Für Williams stellte das Stück „nicht mehr und nicht weniger als meine Vorstellung von der Zeit und der Welt, in der ich lebe“ dar. In 16 Stationen treten ein abgehalfterter Boxer, ein Pedant zur Kameliendame, die Zigeunerin Esmeralda, deren Jungfräulichkeit im Mondlicht immer wieder neu ersteht, Lord Byron, Casanova, Don Quichote und andere literarische Gestalten auf.

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Foto: St. B.

Soweit, so gut und schön verworren. Der Idee, dem Stück etwas heutigen Realismus einzuhauchen, ist allerdings auch Regisseur Sebastian Nübling in seiner Inszenierung an den Münchner Kammerspielen nicht erlegen. Auf der Plaza, Hauptspielort des Stückes, stehen kein Hotel, Pfandhaus oder gar Bordell, sondern nur zwei riesige, herzige Kuscheltiere mit großen Augen. Es blinkt eine Leuchtreklame, die „forever“ verheißt, und es winkt uns ein Mann im Hasenkostüm dauerlächelnd zu, bis ein Schuss fällt und das Häschen in sich zusammensinkt. Wer sich in diesen Nichtort Camino Real verirrt, landet in einer Art Fegefeuer oder Transitraum, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint, außer den Tod.

In diesem von Wüste (Terra Inkognita) umgebenem Nirgendwo tummeln sich jede Menge einsame, verlorene Seelen, die auf ihre Auferstehung warten. Ein abgehalfterter Casanova (Oliver Mason) ohne Geld, dem von seiner letzten Angebeteten, der auch nicht mehr ganz jungen Marguerite (Wiebke Puls), Hörner aufgesetzt werden, das ältere Paar Lady und Lord Mulligan (Alice Gartenschläger und Stefan Merki) sowie die Huren Esmeralda (Sandra Hüller) und Rosita (Çiğdem Teke). Den Eintritt bezahlen sie mit ihrer „Verzweiflung! Bar auf den Tisch des Hauses“ . Während sie sich aus Angst vor der Einsamkeit aneinanderklammern. Alle sind müde, wirken überspannt oder warten vergeblich auf Geldsendungen oder ihre Papiere, um weiter zu kommen. Nur den begehrten Platz im Flugzeug „Fugitivo“ (Flüchtling) kann oder will niemand erreichen.

Wie verwirrte, fremdgesteuerte „Schattengestalten“ bewegen sich alle in genau vorgegebenen Bewegungsabläufen. Regisseur Nübling übersetzt das zusammen mit Alice Gartenschläger in eine immer wiederkehrende Choreografie mit XXL-Karo-Kunststoffreisetaschen. Den Takt zu diesem Tanz nach eintöniger Technomusik gibt der ominöse Hotelbesitzer Gutman (Jochen Noch) vor, der mit dem an ihm hängenden Mikro die einzelnen Stationen ansagt. Der Austausch wahrer Gedanken ist hier nicht gern gesehen. Wer ausschärt, kein Geld mehr hat, oder es nicht schafft, aus freien Stücken zu gehen, wird irgendwann eliminiert. Die Reste kehrt ein brutal aussehender Müllmann (Tim Erny) zum Recycling von der Straße. Dazu philosophiert Michael Tregor mal als Don Quichotte, mal als düster romantischer Dichter Lord Byron von Gott und dem Herzen in den Eingeweiden seines Geliebten.

Camino Real an den Münchner Kammerspielen - Foto: St. B.

Camino Real an den Münchner Kammerspielen
Foto: St. B.

Zu den ganzen Ex-Gestalten gesellt sich irgendwann auch der Boxer und Ex-Champ Kilroy, der ein zu großes Herz besitzt. Risto Kübar, bereits in Nüblings letzter Williams-Inszenierung Orpheus steigt herab als Nachtclub-Sänger Val ein merkwürdig somnambuler Outsider, stellt auch diesmal wieder eine von außen in das Gefüge eindringende Figur dar. Er wirkt dürr und mit nackten Oberkörper, die Arme mit den Boxhandschuhen immer wieder ausbreitend, fast wie eine leidende Jesusfigur. Seine Gegenwehr als Mann mit freiem Willen muss aber auch er bald aufgeben. Der Geldbörse beraubt, bleibt ihm nur, sich bei Gutman als „Dummer August“ zu verdingen und selbst in das Hasenkostüm zu steigen.

Tod und Auferstehung wird Kilroy schließlich durch Esmeralde (die zwischen Puffmutter, Heiliger Hure und herzzerreißender Pop-Sängerin hin- und herswitcht) zuteil. Sie erwählt den Ex-Champ zum Helden ihrer allabendlich wundersam wiederkehrenden Jungfräulichkeit mit anschließender Deflorierung. Bezahlen muss er mit seinem großen Herzen. In den Szenen der behutsamen Annährung beider zwischen naivem Smalltalk und politischen Fragestellungen erreicht die Inszenierung eine Intensität, die sie sonst in ihrer hastigen Abhandlung der einzelnen Stationen des Plots nicht erreichen kann. „Nothing seams real“, sagt einmal der Boxer Kilroy. Tennessee Williams sehr symbolisch angelegte Parabel über die Einsamkeit und Ausweglosigkeit des Alterns versteht Sebastian Nübling als rastlose Unbehaustheit heutiger Menschen, immer unterwegs auf der Suche nach Glück und Liebe. Ein ewiger Kreislauf auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten – morgens, mittags, abends, wie es Sandra Hüller singt. Ein Ausweg aus dem nicht enden wollenden Albtraum der Sackgasse Camino Real führt hier nur über den Umweg Hoffnung.

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Camino Real_banner_1918

Münchner Kammerspiele: 05.04.2015
Deutsch von Jörn van Dyck
Regie: Sebastian Nübling, Bühne und Kostüme: Eva-Maria Bauer, Musik: Lars Wittershagen, Licht: Stephan Mariani, Choreografische Arbeit: Dramaturgie: Julia Lochte
Mit: Tim Erny, Alice Gartenschläger, Sandra Hüller, Risto Kübar, Oliver Mallison, Stefan Merki, Jochen Noch, Wiebke Puls, Çiğdem Teke, Michael Tregor

Dauer: 1 Stunde 50 Minuten, keine Pause

Infos: www.muenchner-kammerspiele.de

Zuerst erschienen am 07.04.2015 auf Kultura-Extra.

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Die Nibelungen, der Deutschen liebster Mythos, als Beauty Of Revenge nach Hebbel am Berliner Maxim Gorki Theater und als musiklose Stabreimvariante nach Wagner am Thalia Theater Hamburg

Montag, November 3rd, 2014

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Der Untergang der Nibelungen – The Beauty Of Revenge. Sebastian Nübling inszeniert am Maxim Gorki Theater Hebbels bürgerliches Trauerspiel als Crashversion mit Benz.

Foto (c) Esra Rotthoff

Foto (c) Esra Rotthoff

Sei es die Opern-Tetralogie Richard Wagners oder das blutrünstige Trauerspiel Friedrich Hebbels, die Nibelungen – nach Heiner Müller der deutscheste aller deutschen Stoffe – lässt neben den Musiktheatern auch die deutsche Sprechtheaterlandschaft nicht zur Ruhe kommen. Stiegen noch im Januar Hebbels Nibelungen am Bonner Theater aus einem dicken BMW – das Auto ist ja bekanntlich der Deutschen liebstes Kind – wagt sich nun im Maxim Gorki Theater Sebastian Nübling als Lenker ans Steuer des blutdampfenden Nibelungenvehikels von Friedrich Hebbel.

Wie man in der Ankündigung zur Inszenierung lesen konnte, wolle der Regisseur mit Der Untergang der Nibelungen – The Beauty Of Revenge „die dunkle menschliche Lust“ untersuchen, „unaufhaltsam in die Katastrophe zu rasen“. Dazu benötigt man allerdings auch das passende Gefährt. In Berlin ist es ein ramponierter Mercedes Benz, der auf der Fahrt von Island oder – das Kennzeichen B RD 8914 lässt es erahnen – irgendwann nach der Wende von der Autobahn der deutsch-deutschen Geschichte abgekommen und in die Leitplanke geknallt ist. Jedenfalls schepperte es entsprechend ordentlich aus den Boxen, die danach zum Auftritt einer partygeilen Burgunder-Bande noch ein paar fette Technobeats beisteuern.

Nübling bürstet seine Nibelungen kräftig gegen den Strich. Man könnte auch Stricher, Strizzis oder auf gut Deutsch Zuhälter sagen. Zumindest das Milieu treffen sie in ihrem Auftreten und den prollig goldgestreiften Outfits so im Ungefähren. Im Ungefähren verliert sich die Inszenierung dann aber auch ganz schnell. Nübling nivelliert das große Treue-, Blut- und Rachedrama der Deutschen zu Beginn auf das Niveau einer Kreuzköllner Streetgang herunter. Eine Bande von chauvinistischen Maulhelden (Tim Porath, Aram Tafreshian und Mehmet Ateşçi als Gunther, Gerenot und Giselher), die ihre Schwester an den Fremden (Taner Şahintürk als Siegfried) mit den dicken Dollarhosen verramschen, was Party-Girl Kriemhild (Sesede Terziyan) auch nicht sonderlich stört.

Als Besetzungsclou kommt Till Wonka als bärtige Transe Brunhild daher. Weichei Gunther, der sich ihren Kuss nicht rauben kann, fliegt immer wieder vom Dach des Mercedes, bis ihm Siegfried bei der ersten Nacht im Fond des Wagens behilflich ist. Den Ekel muss er sich mit einer Flasche Wasser abwaschen. Der verhängnisvolle Zickenkrieg zwischen Brunhild und Kriemhild vor dem Dom findet ebenfalls auf dem Autodach statt. Wenn nicht gerade Hebbel-Text gesprochen werden muss, ist auch mal „die Kacke am Dampfen“, oder man(n) faselt vom „Vorsprung durch Technik“. Der Mord Hagens (Dmitrij Schaad als fieser Finsterling) an Siegfried findet bei einer Sado-Maso-Orgie der Männer statt. Danach schwört Hagen die Bande auf sich ein, bevor Kriemhild nochmal ganz als Hebbel’sche Furie Gerechtigkeit und Gericht über Hagen einfordern darf.

„Mein Freund, wir sind auf einem Totenschiff“, sagt der verschlagen dreinblickende Hagen nach der Pause und sitzt dabei wie festgewachsen auf seinem Regie-Klappstuhl. Hebbels tragische Geschichtsauffassung, dass erst etwas komplett untergehen muss, bevor etwas Neues entstehen kann, der Mythos von der unausweichlichen Reise in die Katastrophe, wird hier zum Trip in eine stilisierte Welt aus lauter weißgewandeten Racheengeln. Die Heunen am Hofe Etzels (Nora Abdel-Maksoud) sind das zivilisierte Heute, aufgeklärt, gebildet und sprechen französisch. Wohl das, was König Gunther vorher ironisch mit Weltoffenheit und Neugier bezeichnet hatte. Die besagte Schönheit der Rache ergeht sich in Chorgesang und choreografiertem Säbeltanz. Auch hier Geschwafel von Humboldts Kosmos-Vorlesungen oder Edmund Birke, dem irischen Vordenker des Konservatismus. Eine merkwürdige Art von Ironie. Nübling entsorgt das ganze Deutsche Trauerspiel samt seiner alten Rezeption auf den Schrottplatz der Geschichte und baut ein paar schöne neue Ersatzteile ein.

Der Untergang der Nibelungen im Maxim Gorki Theater - Foto: St. B.

Der Untergang der Nibelungen im Maxim Gorki Theater – Foto: St. B.

Für den Dramatiker Heiner Müller war der Deutschen deutschestes Drama auch immer noch deutsche Wirklichkeit. Er hat ihn in einer grotesken Toten-Nummer in sein deutsch-deutsches Geschichtsdrama Germania 3 aufgenommen. Hermann Göring bezeichnete einst die Schlacht um Stalingrad als Nibelungenkampf. Müller sah im sich drehenden Mercedesstern auf dem West-Berliner Europacenter das Zahngold von Auschwitz und anderen Filialen der Deutschen Bank. Das will man heute nicht mehr hören geschweige denn wahr haben. Zumindest im Programmzettel des Gorki-Theaters klingt das am Beispiel der deutschen Autoindustrie nach dem Zweiten Weltkrieg noch an. Heute ist der Kampfplatz ein Absatzmarkt für deutsche Produkte – und seien es Waffen. Made in Germany, da irrt nämlich die Inszenierung, ist nach wie vor gefragt. Und das ist kein blöder Witz.

Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist also in Gefahr. Zumindest will uns das die einzige zurzeit punktende Alternative für Deutschland weiß machen. Dieses Thema verkleinert Nübling hier auf Gartenzwerggröße. Und der komischste und gleichzeitig tragischste unter ihnen ist ausgerechnet der schwarzblütige Hagen selbst. Dmitrij Schaad fehlt nur noch die schwarze Zipfelmütze zum finsteren Outfit, wenn er mit albernen Durchhalteparolen quer durch die deutsche Geschichte von Goethes „Amboß oder Hammer sein“ über Goebbels Sportpalastrede bis zum Politikerspruch Helmut Schmidts „In der Krise beweist sich der Charakter“ seine schlaffen, sich in den Mercedes zurückziehenden Burgunder wieder auf Linie bringen will.

Ist es bei Müller noch eine schaurig groteske Totenaustreibung, kommt Hagen von Tronje bei Nübling nur noch als lebendes Ausstellungsstück ins Deutsche Historische Museum. Der unvermeidliche Selfi mit Touristen darf nicht fehlen. Das Blut fließt bekanntlich woanders. Nach den Blutorgien von Marius von Mayenburg an der Schaubühne und Michael Thalheimer am Deutschen Theater vor vier Jahren hat Berlin auch weiterhin kein glückliches Händchen mit seinen Nibelungen. Man ist im Theater aber selten so plump und banal von der Seite angemacht worden wie in dieser Inszenierung. Der intellektuelle Zugriff auf den pathetischen Nibelungenstoff Hebbels ist dabei so desaströs platt wie die Reifen einer alten Schrottkarre. Der erste große Flop des Jahres im Theater des Jahres. Einfach nur ärgerlich.

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Der Untergang der Nibelungen – The Beauty Of Revenge
nach Friedrich Hebbel
Premiere am Maxim Gorki Theater: 23.10.2014
Regie: Sebastian Nübling
Bühne und Kostüme: Eva-Maria Bauer
Musik: Lars Wittershagen
Licht: Jan Langebartels
Dramaturgie: Jens Hillje.
Mit:
Giselher: Mehmet Ateşçi, Etzel: Nora Abdel-Maksoud, Werbel: Cynthia Micas, Gunther: Tim Porath, Siegfried: Taner Şahintürk, Hagen von Tronje: Dimitrij Schaad, Rüdeger: Falilou Seck, Gerenot: Aram Tafreshian, Kriemhild: Sesede Terziyan, Brunhild: Till Wonka, Das Kind: Sarah Böckner / Benita Haacke / Fée Mühlemann / Annika Weitzendorf

Dauer: ca. 3 Stunden, eine Pause

Weitere Termine: 19. + 28. 11. 2014

Infos: www.gorki.de

Zuerst erschienen am 25.10.2014 auf Kultura-Extra.

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Wagalaweia! Auweia! – Antú Romero Nunes inszeniert am Hamburger Thalia Theater den Ring von Wagner ohne Wagners Musik. / 1. Abend: Rheingold / Walküre

Nach Sebastian Nüblings ziemlich plattgefahrenen Hebbel-Nibelungen am Berliner Maxim Gorki Theater gräbt just eine Woche später das Thalia Theater Hamburg den gesamten Ring des Nibelungen wieder aus. Der talentierte Regie-Tausendsassa Antú Romero Nunes stellt ihn als Sprechvariante nach Richard Wagners Libretto und altväterlichen Sagentexten frech auftrumpfend auf die Bühne an der Alster.

Wagners Ring am Thalia Theater Hamburg - Foto: St. B.

Wagners Ring am Thalia Theater Hamburg – Foto: St. B.

Und tief im Mythendreck vergraben erscheint auch der von Nunes frei auf die Drehbühne hinassozierte Beginn der Inszenierung. Da buddelt sich erst unter Klagelauten Cathérine Seifert in einen aus Blumenerde aufgeschütteten Haufen, um dann den anderen, aus dem Dunkel erscheinenden Zottelwesen ein aus besagtem Dreck gegrabenes Goldbündel zu präsentieren. Dabei geht das Licht immer wieder an und aus, Tag und Nacht als Ablauf der Zeit, in der sich diese Urmenschen langsam aber sicher wegen der goldglänzenden Habe in die Haare bekommen und an die Wäsche gehen. Stanley Kubrick lässt grüßen. In machohaften Machtspielchen und Unterwerfungsszenen mit Gegrunz, Feuerschein und Hammerschlag wird eine Art archaische Welt- und Menschheitsentstehungsphantasie als Vorgeschichte des eigentlichen Dramas um die Gier nach Wollust, Gold und Macht erzählt.

Vor die Macht aber hat Wagner in seinem Ring-Text den Verzicht auf Liebeslust und Minne gesetzt. Und nur dem, der dies beherzigt, kann der aus rotem Gold geschmiedete Reif im Tausch mit der Liebe zu maßloser Macht verhelfen. Um eine neue Welt erschaffen zu können, muss aber der Bann des Besitzes gebrochen und die alte Welt vernichtet werden. Hier paaren sich Sagenstoff und romantische Revolutionsvorstellung verklärend zum mythischen Gesamtkunstwerk Richard Wagner. Die Rückkehr zum angestrebten „Naturzustand“ war für ihn nur durch eine radikale Zerstörung des Staates und seiner Gesetze zu erreichen. Soweit hatte Wagner seinen Bakunin gelesen und in seine Schrift Die Kunst und die Revolution einfließen lassen. Was daraus wurde und was Wagner noch vom freien und „starken, schönen Menschen“ zu berichten wusste, ist in anderen Schriften zu lesen, denen das Thalia Theater weiter keine größere Beachtung schenkt.

Wo Wagner mit seiner radikalen Sehnsucht nach Liebe und Sinnlichkeit eine Überwältigungs-Oper komponiert, macht sich Nunes daran, dieses Pathos mit etwas pantomimischer Parodie aufzubrechen. Und so erzählen sich nun die der Sprache noch nicht Mächtigen auf der Bühne mit Händen und Füßen ihre ersten Heldentaten. Der Urtrieb nach Macht als Mythos bestehend aus Mord und Totschlag. Wobei die anderen gebannt starren, und was nach einer guten halben Stunde bei einer besonders eingängigen Performance von Peter Jordan den ersten Szenenbeifall gibt.

Doch wer ist hier nun eigentlich wer? Genau das ist am Anfang auch das Problem, bis sich nach und nach aus dem wortkarg grunzenden Haufen die ersten Charaktere herausschälen und zu wagalaweiern beginnen und aus dem ersten Wort dann Werk, Weisheit und Wissen entstehen, dass alles was ist, auch endet. Eine der signifikantesten und viel wiederholten Aussagen dieses Abends.

Foto des Thalia-Schaukastens St. B.

Foto des Thalia-Schaukastens St. B.

Wo es bis auf kleine angedeutete Klangzitate an der Musik mangelt, tritt nun von Anbeginn die stabgereimte Wagner’sche Alliteration in den Vordergrund, die bestimmt manch Opernfreund in ihrer Gänze noch nie so blank und bloß vernommen hat. Und obwohl die eigentliche Komödie der Tetralogie mit dem Siegfried ja noch kommt, nutzt Nunes, um seine Ringversion szenisch aufzupeppen, das vielleicht auch ungelenk und unfreiwillig Komische des Textes für eine recht ironische Sicht auf die Story, bei der es ordentlich kiest und kirrt, ohne aber gänzlich in die Klamotte abzurutschen. Das große Gefühlige in Wagners Text und Musik ersetzt der Regisseur mit mal düster dräuenden oder auch elektrisch wummernden Sounds, für die Johannes Hofmann verantwortlich zeichnet.

Die Götter-Personage des Rings hat Nunes etwas eingedampft und arbeitet auch mit Doppelbesetzungen. So heißt Göttin Erda hier Kriemhild (Cathérine Seifert) – bei Wagner zeugt sie mit Alberich den Hagen – und Bärbel Schwarz als Wotans Frau Fricka übernimmt auch die Rolle der vertraglich an den Riesen Fafner verschacherten Freia, was für einige lustige Eheszenen mit dem arg geplagten Wotan (Alexander Simon) sorgt. Das Programmheft gibt hier einen kleinen Abriss der Figuren. Das Who is Who im sagenumwobenen Mythenmatsch. „Wotan Who?“ Genau dazu kann man sich dann noch im Logenrang Die Nibelungen verstehen in drei Fragen – Ein Versuch ansehen.

Obergott Wotan, der sich seine Verträge macht und sie bricht wie es ihm gefällt, ist bei Alexander Simon ein eher windiger Schacherer und Macho, der den tumben Riesen Fafner (Thomas Niehaus) übers Ohr hauen will, aber dazu auf die Hilfe eines Schlaueren angewiesen ist. Als große Kraft- und Körpernummer mit knalliger Musik und mit dem Mund erzeugten Geräuschen baut Niehaus‘ Fafner die Burg Walhall faktisch im Alleingang. Der nächste Szenenapplaus ist ihm damit sicher. Hier glänzt Nunes Einfallsreichtum und sein talentierter Blick für außergewöhnliche Theaterbilder, was er bereits in so manch anderer unkonventionellen Inszenierung auch am Maxim Gorki Theater unter Armin Petras bewiesen hat.

André Szymanski gibt den lüstern lechzenden Alberich als schief gehendes halbglatziges Wesen, das nicht von ungefähr an den Gollum der Tolkin’schen Ring-Saga erinnert, wie sich sicher auch Matthias Koch in Maske und Kostümen von Peter Jacksons Verfilmung der Herr der Ringe-Trilogie oder den endzeitlichen Mad Max-Filmen inspirieren ließ. Alberich verliert hier in einem listigen Frage-Antwort-Spiel um die Mythen der Urwelt seinen Schatz an Wotan und Loge den Listigen, der unter Peter Jordans außerordentlicher Präsenz zur vielleicht interessantesten Gestalt dieser Inszenierung wird.

Dagegen fallen gerade das geschwisterliche Liebespaar Sieglinde (Lisa Hagmeister) und Siegmund (Daniel Lommatzsch) etwas ab, die den noch kommenden Helden Siegfried im Erdbett zeugen. Der finstere Hunding (Thomas Niehaus) bekommt einen Bauch umgeschnallt, wälzt sich sein Gebiet markierend wie ein Köter im Dreck und weist Siegmund, dem verhassten Wölfing, den Platz am Rand der Bühne. Der Kampf ist dann auch wie ein Geheul unter Hunden und Wölfen. Wotans Macht erweist sich hier als eine sehr willkürliche und durch die Eifersucht Frickas geprägte. Die Walküre Brünnhilde zeugt der Gott bei einer Vergewaltigung Kriemhilds (eigentlich Erda). Die Hass-Liebe-Beziehung zu Brünnhilde (Marina Galić) ist ein gezwungen patriarchaler Akt, der immer wieder auch ins Komische abdriftet. Diesen Wotan kann man samt seiner veralberten Schwert- und Walkürenritt-Einlagen nicht wirklich ernst nehmen.

Der Ring am Thalia Theater Hamburg  Foto (c) Armin Smailovic

Der Ring am Thalia Theater Hamburg
Foto (c) Armin Smailovic

Wo mit den Jahren in der Oper immer wieder neu versucht wurde, Wagners Opus Magnum aktuell zu deuten – wie letztens erst Frank Castorf & Aleksandar Denic im neuen Bayreuther Ring mit dessen sich ums schwarze Gold Erdöl drehenden Welterklärung ganz aus kapitalistischer Sicht – geht es Nunes hier eigentlich nur ums mythologisch Märchenhafte der Entstehung von Gier und Macht. Das lenkt dann schon eher von aktuell-politischen Zusammenhängen ab und den Blick des Publikums rein auf das dramatische Schauspiel. Leider hängt Nunes Ring da trotz großartiger Darsteller doch gerade in der zweiten Hälfte etwas schlaff in den Seilen. Und so beschleicht einen hie und da das garstig‘ Gefühl, da fehle noch was (außer der Musik).

Im Januar vollendet sich dann mit dem Siegfried und der Götterdämmerung der Ring des Antú Romero Nunes, der an diesem ersten Abend das Potential der Geschichte wohl noch nicht ganz ausgeschöpft hat. Nach oben wähn‘ ich weidlich Lüfte in neblig‘ Lichten Nibelheims. Was in etwa heißen soll: Da ist noch reichlich Luft nach oben.

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Der Ring: Rheingold/Walküre
nach Richard Wagner und Altvätern
Regie: Antú Romero Nunes
Ausstattung: Matthias Koch
Musik: Johannes Hofmann
Musikalische Mitarbeit: Anna Bauer
Dramaturgie: Sandra Küpper
Mit: Marina Galic, Lisa Hagmeister, Peter Jordan, Daniel Lommatzsch, Thomas Niehaus, Bärbel Schwarz, Cathérine Seifert, Alexander Simon, André Szymanski

Dauer: 3 Stunden, eine Pause

Gesehene Vorstellung: 31.10.14
Premiere im Thalia Theater war am 25.10.14

Weitere Termine: 15. + 16. 11. / 4., 13., 25. 12. 2014 / 14. 1. 2015

Infos: www.thalia-theater.de

Zuerst erschienen am 03.11.2014 auf Kultura-Extra.

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Spielzeitstart am Maxim Gorki Theater mit dynamischem Antiaggressionstraining, Sextalk und viel Improvisiertem (Teil 1)

Dienstag, September 16th, 2014

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Der Spielzeitauftakt am Maxim Gorki Theater, frisch gekürt zum Theater des Jahres, wurde am letzten Wochenende mit gleich drei Premieren gefeiert. Den Anfang machte am Freitag Sebastian Nübling mit FALLEN, einem Tanztheaterprojekt, das er zusammen mit dem belgischen Choreographen Ives Thuwis entwickelt hat. Auf einer Bühne aus 70 Tonnen Sand vor dem Maxim Gorki Theater befragen 10 junge Darsteller Formen von Gewalt im öffentlichen Raum. Am Samstag lotete Hausregisseurin Yael Ronen in Erotic Crisis mit ihrem Ensemble Grenzen von Liebe, Beziehungen und verschiedensten Formen der Sexualität in der Großstadt Berlin aus. Als Zugabe konnte man am Sonntag im Studio Я mit Theater ist endlich ist Theater noch einen Abend Kurzgeschriebenes sehen, das erst einen Tag vorher gemeinsam erarbeitet wurde.

Spielzeitauftakt mit Tanz und Sextalk vor und im Maxim Gorki Theater - Foto: St. B.

Spielzeitauftakt mit Tanz und Sextalk vor und im Maxim Gorki TheaterFoto: St. B.

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FALLEN – Die Tanztheaterproduktion von Sebastian Nübling und Ives Thuwis beschäftigt sich mit der Gewalt im öffentlichen Raum

Für die erste Premiere der Spielzeit wurde auf dem Platz vor dem Gorki extra eine kleine Arena errichtet – die Simulation eines öffentlichen Raums, wie es ihn bereits zu den Sportwettkämpfen im antiken Griechenland oder aber auch für populäre Vergnügungen in Form von blutigen Kampfspielen im alten Rom gab. Der Hintergrund für diese bauliche Idee (Bühne von Muriel Gerstner) ist ein nicht minder fürchterlicher: Körperliche Gewalt – meist ausgehend von Gruppen junger Männer, die sich ihre Opfer immer wieder scheinbar willkürlich aussuchen. Auch wenn Statistiken belegen, dass Berlin nicht die Hauptstadt der Jugendkriminalität ist, erschrecken doch die Meldungen von der Brutalität, mit der solche Taten begangen werden.

FALLEN vor dem Maxim Gorki Theater - Foto: Esra Rotthoff

im Sand vor dem Maxim Gorki Theater – Foto: Esra Rotthoff

Bekannte Beispiele dafür sind ein 2011 auf einem Berliner U-Bahnhof von Jugendlichen zusammengetretener 29jähriger Mann und der 2012 auf dem Alexanderplatz erstochene 21jährige Jonny K. Die Gründe dafür mögen verschiedenster Natur sein. Soziale Ungleichheit, Ausländerhass, Mangel an entsprechenden Freizeitangeboten, der bloße Kick etc. etc. Alles läuft aber immer auf eine Spaltung der Gesellschaft hinaus, in Arm und Reich oder Stark und Schwach. Alkohol, gewaltverherrlichende Videospiele oder Filme dienen meist nur noch als Verstärker der eh schon latent vorhandenen Gewaltbereitschaft. Da übertönt der Ruf nach mehr Sicherheit in der Gesellschaft schnell den nach ausgleichender Gerechtigkeit.

Der Abend beginnt mit der szenischen Darstellung einer solchen Tat, indem einer der jungen Spieler von drei anderen zu Boden gerissen und getreten wird. Dazu hört man undeutlich die Stimmen aus einer U-Bahnstation. Danach ist Stille. Die zehn ganz in Schwarz gekleideten jungen Männer beginnen nun in aller Seelenruhen, als wenn nichts geschehen wäre, ein ausgedehntes Lauftraining. Aber der Lauf wird langsam immer schneller, bis alle bei dröhnenden Geräuschen zu gehetzten Sprints ansetzen und sich dann im vollen Lauf immer wieder gegenseitig rempeln, umstoßen, grätschen und mit größtem Körpereinsatz ineinander rennen. Das ganze Spiel wird sich zum Ende hin wiederholen. Wohl ein Ausdruck dafür, dass sich solche Taten jederzeit wieder ereignen können. Ein schier auswegloser, ermüdender Automatismus aus nicht enden wollender Gewalt.

Das ist im Grunde genommen kein herkömmliches Tanztheater. Es wirkt zuweilen wie ein äußerst dynamisches Anti-Aggressionstraining, wenn sich die Spieler gegenseitig schleppen, auch mal umarmen, auffangen oder wieder wegstoßen. Entwickelt sich daraus auch keine echte dramatische Spannung, bleibt alles immer in Bewegung. Die Spannung erzeugen hier im wahrsten Sinne des Wortes die Körper der jungen Männer selbst. Es geht natürlich auch um die Ästhetik und Erotik der Gewalt. Dem Kick beim Fight Mann gegen Mann. Mit Muskelspielen, Breakdance-Solos und beim gemeinsamen Posen (was bei den Zuschauern doch eher für Erheiterung sorgt) provozieren die Männer, demonstrieren ihre Macht, Reizbarkeit und Gewaltbereitschaft. Ausdruck eines gruppendynamischen Prozesses. Echte Tanzeinlagen sind da selten und sorgen für kurze Entspannung.

Premierenbeifall für FALLEN vor dem Maxim Gorki Theater - Foto: St. B.

Premierenbeifall für FALLEN in der Arena vor dem Maxim Gorki Theater – Foto: St. B.

Der Kampf erzeugt immer auch einen Unterlegenen, das Opfer der Gewalt, das man billigend in Kauf nimmt. Auch das wird hier gezeigt. Demütigung, Umherzerren des Opfers, flehende Schreie, verzweifeltes Eingraben und Boxen in den Sand. Das sind die starken, eindrucksvollen Szenen der Performance. Das titelgebende FALLEN ist hier auch mehrdeutig zu verstehen – als bloßes Umfallen, ohnmächtiges Fallen oder auch Sich-selbst-wieder-Fallenlassenkönnen, als herbeigesehnter Ausweg aus der Gewaltspirale. Ein hilfesuchender Blick der Männer geht hier in Richtung Abendhimmel. Trotz der großen körperlichen Verausgabung aller Spieler glückt es der Inszenierung nur bedingt Gewaltentstehung zu erklären. Sie bleibt ein darstellerischer Versuch, der immerhin ansehenswert ist.

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Eine weitere Inszenierung von Sebastian Nübling wird es bereits im Oktober geben. Der Regisseur wagt sich dann an Hebbels Nibelungenstoff. Mit Der Untergang der Nibelungen – The Beauty Of Revenge erforscht der Regisseur „die dunkle menschliche Lust, unaufhaltsam in die Katastrophe zu rasen“, wie man in der Ankündigung lesen kann. Mit Gewalt und Rache scheint Nübling sein Thema für die Spielzeit gefunden zu haben. Da ist es gut, dass andere Produktionen für den nötigen emotionalen Ausgleich sorgen werden.

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FALLEN
Inszenierung: Sebastian Nübling / Ives Thuwis,
Bühne: Muriel Gerstner
Kostüme: Ursula Leuenberger
Musik: Tobias Koch
Dramaturgie: Katja Hagedorn
Besetzungsliste: Hassan Akkouch / Tamer Arslan / Mehmet Ateşçi / Jan Bluthardt / Jerry Hoffmann / Taner Şahintürk / Dimitrij Schaad / Aram Tafreshian / Hasan Taşgin / Paul Wollin

Premiere in der Arena vor dem MGT: 12.09.2014

Dauer: ca. 60 Minuten, keine Pause

Infos: http://www.gorki.de/spielplan/fallen/

Termine:
Di 16.09., Mi 17.09., Fr 19.09., Sa 20.09., So 21.09., Mi 24.09., Do 25.09., So 28.09., Mo 29.09.2014

Zuerst erschien am 13.09.2014 auf Kultura-Extra.

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Let’s talk about Sex – Yael Ronen und ihr Ensemble loten die „Erotic Crisis“ geplagter Großstädtern aus.

Die israelische Theaterregisseurin Yael Ronen war bisher vor allem dafür bekannt, die Probleme von Jugendlichen aus Krisenregionen dieser Welt (Die dritte Generation, Common Ground) oder sogar einen Abend über Gott und die Welt (The Day before the last Day) auf die Bühne zu bringen. Ihre neue Produktion am Maxim Gorki Theater verortet sie dagegen in der privaten Kampfzone der zwischenmenschlichen Paarbeziehungen. Die Darsteller gehen diesmal auf der Bühne frontal die Schwierigkeiten eines gemeinsamen erfüllten Sexlebens und des Schamgefühls an, offen darüber zu reden. Über Sex spricht man nicht. Sex hat man, oder eben nicht.

EROTIC CRISIS am Maxim Gorki Theater - Foto: Esra Rotthoff

Sextalks am Maxim Gorki Theater – Foto: Esra Rotthoff

Am Beginn steht dann auch ein Bild, was wohl symptomatisch für die Schlafzimmer geplagten Großstädter sein soll. Ein sich unruhig im Bett wälzendes Paar, das wie in einem Alptraum den Koitus-Geräuschen aus der Nachbarwohnung lauschen muss. Beim ersten Paar, Maya und Jan (Orit Nahmias und Thomas Wodianka), läuft im Bett schon lange nichts mehr. Man steckt tief in der Sex-Krise. Das andere, Kumari und Rafael (Anastasia Gubareva und Aleksandar Radenković), mit einem, wie zu hören, wohl ganz erfüllten Sexleben, wird sich erst noch in die Krise hineinmanövrieren. Es geht um die oftmals sehr weit auseinandergehenden Auffassungen, was denn nun wirklich guten Sex ausmacht und wie man, im durchaus doppelten Wortsinn, gemeinsam dahin kommt. Die eine Beziehung wird daran zerbrechen, die andere über Umwege vielleicht zu einer neuen Art Sexualität finden.

Der gesellschaftliche wie persönliche Druck diesbezüglich scheint enorm. Das will uns jedenfalls dieser Abend vermitteln. Das Fernsehen lebt es vor. Serien wie Sex and the City, Masters of Sex, Wahre Liebe oder Sex-Talks und Reportagen aus dem Rotlichtmilieu sind der Renner auf allen Kanälen. Guten Sex haben, gehört zum A und O einer Liebesbeziehung. Und die Sex-Branche weiß mit entsprechenden Hilfsmittelchen und visuellem Anschauungsmaterial dem Abflauen der sexuellen Begierde entgegenzusteuern. Stress im Alltag und Job oder zu große Erwartungen an das Projekt Partnerschaft und Familie, all das kann einer andauernden Libido mitunter abträglich sein. Missverständnisse und eine steigende Sex-Müdigkeit führen zu Problemen und münden oft in Streit. Und so wird man auch am Anfang nicht müde, einige dieser Klischees über den Sex in der Paarbeziehung von der Rampe aus ins Publikum zu werfen.

Zwischen allen Stühlen bzw. Betten sitzt da Singlefrau Susan (Mareike Baykirch), die sich nach außen über den Job definiert und als sexuelles Neutrum behauptet: „Ich bin mein größtes Projekt.“ oder „Wer braucht schon eine Beziehung?“ Die Computerspezialistin hackt sich lieber heimlich in das Lebend der Anderen ein, und holt sich so die Befriedigung ihrer uneingestandenen Bedürfnisse. Ihre Figur wirkt schon sehr spleenig gezeichnet, und später auch etwas freakig, wenn Susan sich dann mit Rafael, der aus seiner zu kompliziert gewordenen Liebesbeziehung ausbrechen will und bei ihr den reinen Sex sucht, über die verschiedenen Levels beim Spielen von Porno-Games austauchen.

Vorurteile gegenüber Singles spielen dann ebenso eine Rolle wie das gegenseitige Erzählen von sexuellen Fantasien und die Probleme, diese zu artikulieren, ohne gleich für pervers gehalten zu werden. In fantasievollen Leder- und Latex-klamotten posen die Vier zu Jimi Hendrix‘ Foxy Lady wie bei einer Fetischparty oder schrägen Paartherapie und drucksen mehr oder weniger verschämt herum. Das mündet in einige Szenen von großer Situationskomik, wenn etwa Orit Nahmias‘ Maya ihre Fantasie in Hebräisch zum Besten gibt, und man als der Sprache nicht Mächtiger nur Hamas, CIA und Hotel in Abu Dhabi versteht.

Spielzeitauftakt am Maxim Gorki Theater - Foto: St. B.

Spielzeitauftakt am Maxim Gorki Theater – Foto: St. B.

Ärger trifft es da den Rafael von Aleksandar Radenković, der durch die Konditionierung mittels der Pornovideos seines Vaters als Jugendlicher ein etwas verqueres Frauenbild vermittelt bekam, und nun ziemlich hardcore von seinem ersten Mal im Auto erzählt. Diese Erfahrung hat ihn damals etwas verunsichert zurückgelassen und sich prägend auf sein weiteres Sexualleben übertragen. Der angelernte Automatismus ist sein Problem, den Freundin Kumari auch mal so beschreibt: „Du bearbeitest mich, als wäre ich eine kaputte Waschmaschine.“

Natürlich geht es nicht nur allein um die Erotik oder Mechanik beim Sex, auch wenn man damit hie und da ein wenig übers Ziel des Abends hinaus schießt. Dass das alles nicht zu einer Aneinanderreihung von ironischen Kabarettnummern wird, verdankt die Inszenierung den hervorragenden Darstellern, die bereits in Produktionen von Yael Ronen und Falk Richter aus der letzten Spielzeit zu sehen waren. Und vor allem der Tatsache, dass die Textfassung, die Yael Ronen zusammen mit ihrem Ensemble erarbeitet hat, irgendwann auch dahin geht, wo es sehr persönlich wird und anfängt wirklich weh zu tun.

In mehreren Monolog- und Dialogszenen sprechen die Protagonisten offen über ihre Zweifel, Ängste und Wünsche. Man stellt fest, den Partner nicht wirklich zu kennen, oder dringt erst gar nicht zu ihm durch. Immer wieder mündet der Dialog in das Schweigen eines der Partner, bis es nicht mehr geht. Der verzweifelte Jan kann und will nicht über seine Unlust am Sex reden. Was Maya schließlich veranlasst zu gehen. „It’s finished. There ist no us.“ Und Kumari singt ihrem untreuen Rafael mit Where did you sleep, last night ein paar Zeilen Curt Cobain nach. Trotz allem wirkt die gezeigte Emotionalität nie übertrieben gespielt oder gar peinlich. Kein Wohlfühlabend also, aber einer der Mut machen soll.

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Erotic Crisis (UA)
von Yael Ronen & Ensemble
Regie: Yael Ronen
Bühne: Magda Willi
Kostüme: Amit Epstein
Musik: Nils Ostendorf
Licht: Jens Krüger
Dramaturgie: Irina Szodruch.
Mit: Mareike Baykirch, Anastasia Gubareva, Orit Nahmias, Aleksandar Radenković, Thomas Wodianka.

Premiere im MGT: 13.09.2014

Dauer: ca. 1 Stunde 50 Minuten, keine Pause

Infos: www.gorki.de

Termine:
19.09., 20.09., 28.09. und 08.10., 10.10., 14.10.2014

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Zum Start der neuen Spielzeit in Berlin. Eine Rückschau und ein Ausblick auf Vergangenes und Künftiges an den fünf Stadttheatern der Hauptstadt. Teil 4 und Schluss: Das Maxim Gorki Theater

Mittwoch, September 10th, 2014

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Zum Schluss der kleinen Spielzeitrückschau inklusive Ausblick auf Neues an den fünf Stadttheatern Berlins gibt es dann noch etwas Positives zu berichten. Groß dürfte die Freude schon seit Tagen am Maxim Gorki Theater sein, dem kleinen immer unterschätzten Haus am Festungsgraben in Berlins schönster Mitte. Das unter der neuen Intendanz von Shermin Langhoff mit dem Anspruch eines interkulturellen Theaters mit multiethnischem Ensemble in die Spielzeit 2013/14 gestartete kleinste Stadttheater Berlins ist nun nicht nur beim Fachblatt Deutsche Bühne, sondern auch bei der höher bewerteten Kritikerwahl in der Zeitschrift Theater heute zum Theater des Jahres gekürt worden.

Maxim Gorki Theater Berlin - Foto: St. B.

Maxim Gorki Theater BerlinFoto: St. B.

Hinzu kommt die Wahl von Sibylle Bergs Es sagt mir nichts das sogenannte Draußen zum Stück des Jahres. Eine in ironischem Grundton verfasste Beschreibung einer verstörten, orientierungslosen Jugend, die sich wütend am Bild der vorherrschenden Konsumgesellschaft, des Körperkults und der Popkultur abarbeitet. Durchaus auch zu verstehen als ein „Wüten der Affekte“ (wie es Hans-Thies Lehmann in seiner Theorie der Tragödie nennt), an den Auswirkungen der neoliberalen Gesellschaft. Das sagt so Einiges und Einigen doch weiterhin nicht viel. Wenn man so will, im Titel auch eine symptomatische Beschreibung für die momentane Verfasstheit der deutschen Stadttheaterlandschaft insgesamt.

Was zum Beginn der letzten Spielzeit noch kaum jemand wirklich für möglich hielt, ist nun Dank eines in weiten Teilen überzeugend umgesetzten Konzepts anerkannte Realität geworden und hoffentlich auch bald allgemeine Normalität. Das ureigenste Interesse einer gewachsenen, sich im stetigen Wandel befindlichen Gesellschaft an einem Theater, das die Lebenswirklichkeit aller Bereiche der Gesellschaft auch bis in den kleinsten Winkel des Theaters hinein abbildet. Dieses noch vorherrschende Alleinstellungsmerkmal, mit dem sich das neue Maxim Gorki Theater nun erfolgreich etabliert hat, gilt es aber nicht einfach nur zur neuen Marke zu stilisieren oder gar auf Dauer zu konservieren, sondern stetig weiterzuentwickeln, als echte Reibungsfläche zur bürgerlich normierten Gesellschaft, deren Werte in Frage stellend, gleichzeitig verstörend und aufklärend wirksam.

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Nach durchwachsenem Start mit dem Kirschgarten in der Regie von Nurkan Erpulat, der Tschechows tragikomischen Figuren ein zu starres Korsett interkultureller Differenz überstülpte, haben sich letztendlich Mut und Durchhaltevermögen ausgezahlt. Man hat viele neue Baustellen aufgemacht und einige aktuelle Themenfelder beackert. Falk Richter zeigte in seinem Projekt Small Town Boy die Lebenswirklichkeit von Schwulen und Lesben in Deutschland und Yael Ronen führte in Common Ground die Kinder ehemaliger Feinde des Jugoslawienkriegs zusammen, um nur zwei der starken Uraufführungen und Stückentwicklungen am Maxim Gorki Theater zu nennen. Da verschmerzt man schon mal Ausfälle wie Lucas Langhoffs ärgerliche Inszenierung der Übergangsgesellschaft von Volker Braun oder das völlig überambitionierte Woyzeck III-Projekt von Mirko Borscht.

Studio Я - Foto: St. B.

Studio ЯFoto: St. B.

Auch das Gorki Studio, jetzt kurz Studio Я genannt, hat unter der Leitung von Marianna Salzmann Akzente gesetzt und ein eigenes Profil entwickelt. Hoch in der Gunst des Publikums standen z.B. Hakan Savaş Micans Inszenierung von Marianna Salzmanns Schwimmen lernen. Ein Lovesong oder die Stagediving-Abende wie RAUŞ – NEUE DEUTSCHE STÜCKE. Eines dieser jungen Stückentwicklungen mitten aus dem Herzen der diversen Gesellschaft kommt nun auch vollends zur Aufführung. Zöpfe (Arbeitstitel) von Marianna Salzmann hat am 13. Dezember Premiere. Man hofft da auf weitere Uraufführung im Laufe der Spielzeit.

Das Erreichte ist nicht nur Ausdruck der guten Strategie der Leitung des Hauses, von Regie und Dramaturgie, sondern vor allem auch Verdienst eines großartig motivierten, spielfreudigen Ensembles, das sich hier gefunden hat. Dazu passt auch wunderbar, dass einer der neuen Publikumslieblinge am Maxim Gorki Theater, der unglaublich vielseitige Dimitrij Schad, in der Jahresumfrage von Theater heute zum Nachwuchsschauspieler des Jahres gewählt wurde. Man darf hier auf Neues gespannt sein.

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Der Start der neuen Spielzeit wird an einem ganzen Wochenende mit drei Premieren begangen. Den Anfang macht am 12. September Sebastian Nübling mit FALLEN, einem Tanztheaterprojekt zusammen mit dem belgischen Choreographen Ives Thuwis. Auf einer Bühne aus 70 Tonnen Sand vor dem Maxim Gorki Theater befragen 10 junge Darsteller Formen von Gewalt im öffentlichen Raum. Wieder eine Koproduktion mit dem Jungen Theater Basel. Einen Tag später wird Hausregisseurin Yael Ronen in Erotic Crisis mit ihrem Ensemble Grenzen von Liebe, Beziehungen und verschiedensten Formen der Sexualität in der Großstadt Berlin ausloten. Als Zugabe gibt es dann am Sonntag im Studio Я mit Theater ist endlich ist Theater noch einen Abend Kurzgeschriebenes, das erst einen Tag vorher gemeinsam erarbeitet wurde.

Auch Nurkan Erpulat wird im November wieder eine neue Inszenierung vorlegen. Er hat sich die bitterböse Farce Seid nett zu Mr. Sloane des britischen Dramatikers Joe Orton ausgesucht. Ob sich diese etwas außergewöhnliche Ménage-à-trois mit einer Art umgekehrtem Tartuffe unter interkulturellen Vorzeichen nacherzählen lässt, wird sich zeigen. Es geht jedenfalls um Doppelleben und Scheinmoral der ach so normalen Kleinbürger, ein ewiges Thema auch außerhalb des sogenannten postmigrantischen Theaters. Da tritt dann also schon so etwas wie Normalität ein, wenn sich Erpulat nun um die allgemeine Moralkritik kümmert, auch wenn die Stückauswahl dazu etwas schräg erscheint. Fakt ist, Orton ist kein Unbekannter in der hiesigen Theaterszene. René Pollesch hat ihn übersetzt, Komödienspezialist Herbert Fritsch dessen Stück Beute 2009 in Oberhausen aufgeführt. Die Kritiker von Ortons Erstling Seid nett zu Mr. Sloane aus dem Jahr 1964 bescheinigtem dem Stück jedenfalls eine „Komik des Perversen“, was auch immer damit gemeint ist.

Maxim Gorki Theater Berlin - Foto: St. B.

Maxim Gorki Theater Berlin – Foto: St. B.

Mit Sicherheit nicht komisch gemeint ist Heiner Müllers Bearbeitung des russischen Revolutionsromans Zement von Fjodor Gladkow. Fleißigen Theatergängern dürfte noch Dimiter Gotscheffs Inszenierung vom Residenztheater München in Erinnerung sein, die im Mai das Theatertreffen in Berlin eröffnete. Regisseur Sebastian Baumgarten, seit Langem mal wieder zu Gast am Maxim Gorki Theater, wird sich jedenfalls im Januar 2015mit seiner Arbeit an der des großen, jüngst verstorbenen Kollegen messen lassen müssen. Eine weitere Inszenierung von Sebastian Nübling wird es bereits im Oktober geben. Nübling wagt sich dann an Hebbels Nibelungenstoff. Mit Der Untergang der Nibelungen – The Beauty Of Revenge erforscht der Regisseur „die dunkle menschliche Lust, unaufhaltsam in die Katastrophe zu rasen“, wie man in der Ankündigung lesen kann.

Was das nächste Jahr sonst noch bringen wird, steht sicher nicht mehr nur in den Sternen, sondern harrt hoffentlich schon seiner Realisation. Auf jeden Fall bleibt es spannend. Liebe, Lust und Sexualität einerseits sowie Gewalt, Rache, Ideologie und Doppelmoral andererseits. Alles in allem eine Menge an wichtigen aber auch unbequemen Stoffen, denen sich das Maxim Gorki Theater in der neuen Spielzeit widmen wird. Und auch über neue Regiearbeiten von Hakan Savaş Mican würde man sich freuen. Mit seiner Inszenierung des Fassbinder-Klassikers Angst essen Seele auf gab er der letzten Spielzeit einen hoffnungsvoll versöhnlichen Abschluss. Trotz all der im Stück so treffend dargestellten und karikierten Ausländerfeindlichkeit, die vieler Orten noch gängige Praxis ist, kann es nur gemeinsam weiter gehen, auch im Theater. Ob nun mit Drama, Romanadaption, Komödie oder Tragödie, spielt dabei kaum eine Rolle.

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„Heimat, das ist nicht nur dort, woher wir kommen, sondern auch, wohin wir gehen.“ Helmut Schödel, Dramaturg, Regisseur und Theaterkritiker. Quelle: DIE ZEIT, 31.8.1990, Nr. 36

Infos zur neuen Spielzeit im MGT: http://www.gorki.de/spielplan/premiere-2014-2015/ 

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Russen, Tussen, Türken, Birken – Kunst, Culture Clash und Klischees. Hoch her ging‘s beim GOЯKI-Neustart in Berlin.

Freitag, Dezember 20th, 2013

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Es schlug wie eine Bombe ein, als kurz vor Ende des Berliner Theatertreffens im Mai 2012 bekannt wurde, dass Shermin Langhoff, langjährige Leiterin des Ballhaus Naunynstraße in Kreuzberg, die Nachfolge des nach Stuttgart wechselnden Armin Petras am Maxim Gorki Theater antreten würde. Der regierende Bürgermeister, Kultur- und Partysenator Klaus Wowereit hatte die deutsche Theatermacherin mit türkischen Wurzeln kurz vor den Toren Wiens abgefangen. Jetzt könnte man sich in dem Witz ergehen, dass die Türken bereits 1529 und 1683 vor Wien gescheitert sind. Was allerdings die Tatsache negieren hieße, dass sie mittlerweile längst in der Mitte Europas leben, und mit ihnen so manch andere Nationalität. Shermin Langhoffs Entscheidung für Berlin und das Maxim Gorki Theater war letztendlich eine ganz persönliche und bescherte der deutschen Hauptstadt dazu nun endlich auch das erste interkulturelle Schauspielensemble im deutschsprachigen Raum. Die Wiener Festwochen müssen sich mit der Belgierin Frie Leysen begnügen, die bereits das Festival Theater der Welt und 2012 das Berliner Theaterfestival Foreign Affaires kuratierte. Einer weiteren Internationalisierung der Festwochen werden also auch die Wiener nicht entgehen können.

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Der Kirschgarten von Anton Tschechow in einer Inszenierung von Nurkan Erpulat

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Berliner Herbstsalon des GOЯKIFoto: St. B.

Zurück nach Berlin. Mit einem Herbstsalon der Kunst eröffnete Shermin Langhoff Anfang November ihre Intendanz am Maxim Gorki Theater. Für zwei Wochen wurde das angrenzende Palais am Kupfergraben mit Objekten, Installationen und Performances in Berlin lebender Künstler von internationaler Couleur bespielt. Ein gelungener Einstieg und Vorgeschmack auf den eigentlichen Start, der vom 17. bis 19. November mit drei Premieren gefeiert wurde. Mit Anton Tschechows Kirschgarten und zwei Inszenierungen von Gegenwartsstoffen der jungen Schriftstellerin Olga Grjasnowas und der jungen Dramatikerin Marianna Salzmann fiel das erste Wochenende im neuen GOЯKI recht russischlastig aus. Was natürlich nur auf den ersten Blick über die eigentliche Intension dieses vielbeachteten Neustarts hinwegtäuschte. Zum Auftakt präsentierte sich nämlich der nicht nur in Berlin bereits recht bekannte deutsch-türkische Theaterregisseur Nurkan Erpulat, der mit Verrücktes Blut gemeinsam mit dem neuen Gorki Chefdramaturgen Jens Hillje bereits einen Achtungserfolg für das postmigrantische Theater auf dem Berliner Theatertreffen 2011 feiern konnte. Die Inszenierung des Ballhaus Naunynstraße wurde übrigens auch ins Programm des Maxim Gorki Theaters übernommen.

Tschechows Kirschgarten interpretierte Erpulat nicht als Widerspruch Alt gegen Neu, Oben gegen Unten, sondern, ganz im Sinne des Leitmotivs des neuen Gorki, als Kampf der mittlerweile in der dritten Generation im Lande lebenden Migranten gegen die Alteingesessenen. Da wird der alte Sehnsuchtsort Kirschgarten, der ja schon bei Tschechow in jeder Enzyklopädie stand, zu einer Art überkommenen Leitkultur, die der junge Migrant Lopachin (Taner Sahintürk), dessen Vater noch als Leibeigener für die Familie der Ranjewskaja (Ruth Reinicke als letzte Verbliebene – im doppelten Sinne – des alten Gorki-Ensembles) ackern musste, am liebsten abholzen möchte. Er will Parzellen mit Ferienhäusern statt schöne Phrasen der deutschen Aufklärung, für die sich heute eh keiner mehr etwas kaufen kann. Taner Sahintürk liest aus Immanuel Kants Was ist Aufklärung? und lässt das Buch wie einst Tschechows Lopachin verständnislos sinken.

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Das neue GOЯKI. – Foto: St. B.

Die Unterschiede zur verrottenden und schwafelnden Intelligenzija der Ranjewskaja, ihres Bruders Gajew (Falilou Seck, noch bekannt aus Lukas Langhoffs Volksfeind-Inszenierung beim Theatertreffen 2012) oder dem Studenten Trofimow (Aram Tafreshian) werden hier an rein kulturellen Differenzen festgemacht. Da geht doch einiges verloren. Anja (Marleen Lohse), Warja (Sesede Terziyan), oder gar die Ranjewskaja selbst bleiben hier bei allem darstellerischen Können relativ vage. Den Nebenfiguren bzw. Bediensteten bei Tschechow wird in Erpulats Kirschgarten dagegen klar ihre Entsprechung in der heutigen deutschen Einwanderungsgesellschaft zugewiesen. Neben Lopachin trifft das vor allem auf Charlotta, Dunjascha, Firs und Jascha zu. Allen scheint irgendetwas zu fehlen. Sei es die Identität, Liebe, Zugehörigkeit oder gar so etwas wie Heimat.

Während Lopachin zumindest ein Ziel verfolgt, wirken die anderen doch recht orientierungslos. Çetin İpekkaya als Firs verfällt immer wieder in die türkische Sprache und wird von den anderen nicht ernst genommen. Der ersten Generation fehlt der Zugang zur neuen Gesellschaft, in der auch die anderen kaum ihren Platz finden oder nur mit Mühe behaupten können. Tamer Arslan als Jascha spielt den coolen Macho im Trainingsanzug. Pitschick (Mehmet Yilmaz) und Dunjascha (Mareike Beykirch) sind Karikaturen der Anpassung im deutschen Trachtenlook. Die Travestiekünstlerin Fatma Souad bringt als Charlotta mit ihrer ganz speziellen Geschichte (schwul, lesbisch, türkisch, berlinerisch) etwas Kreuzberger Lokalkolorit nach Mitte. Die schon bei Tschechow alters- und heimatlose Gouvernante als transidentisch darzustellen, ist natürlich schlüssig, aber auch nicht ganz neu.

Tschechows differenzierte Figurenzeichnung tritt hier hinter die klare Absicht des Regisseurs zurück. Die Widersprüche im Kirschgarten sollen so einen aktuellen Anstrich erhalten. Nur das dieser bisweilen etwas zu plakativ ausgemalt erscheint. Immer wieder werden deutsche Volkslieder gesungen und eine Musikerin (Sinem Altan) im schwarzen Hidschab spielt Klavier. Spätestens wenn Lopachin sich seine neue Heimat gekauft hat und beginnt die alten Tapeten abzureißen, schlägt auch bei ihm die unaufgearbeitete Vergangenheit durch. Tradition und Moderne geben sich auf der Bühne die Hand. Man tanzt zu türkischer Musik und spricht vom Aufbruch in eine neue Zeit. Zumindest tut man so. Und da ist man wieder ganz bei der Sehnsucht der Tschechow‘schen Figuren.

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Berliner Herbstsalon des GOЯKIFoto: St. B.

Ob der gute Vorsatz nur ein Lippenbekenntnis bleibt, sei dahingestellt, genau wie die These, dass die deutsche Gesellschaft wie das Gut der Ranjewskaja am Ende ist, wenn sie sich nicht den Problemen der Migration, wie auch den Vorzügen der kulturellen Diversität öffnet. Dass Hochkulturen zur Dekadenz und Fäulnis neigen, wenn sie sich allzu lang um sich selbst gedreht haben, dafür gibt es genügend Beispiele in der Geschichte. Ein neuer Pfropf wirkt da mitunter Wunder. In der Beziehung funktioniert die Metapher des alten Kirschgartens, mit dessen Früchten niemand mehr etwas anfangen kann, doch sehr gut. Am neuen Gorki wird man jedenfalls weiter darauf hinweisen, dass die Menschen mit dem sogenannten Migrationshintergrund hierhergekommen sind, um einen Anspruch auf Mitgestaltung einzufordern. Und bereits im Januar bringt dann Nurkan Erpulat seine vielbeachtete Wiener Inszenierung von Maxim Gorkis Kinder der Sonne neu auf die Bühne des Gorki Theaters. Man darf weiterhin gespannt sein.

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Olga Grjasnowas Roman Der Russe ist einer, der Birken liebt, inszeniert von Yael Ronen und Schwimmen lernen von Marianna Salzmann – Ein Lovesong am neuen Studio Я, inszeniert von Hakan Savaş Mican

In den anderen beiden Inszenierungen ist man dann doch etwas näher dran, an der Lebenswirklichkeit junger Migranten in Deutschland. Die junge Jüdin Mascha (Anastasia Gubareva) aus Olga Grjasnowas Roman Der Russe ist einer, der Birken liebt ist Kontingentflüchtling aus der ehemaligen Sowjetrepublik Aserbaidschan. Sie ist kriegstraumatisiert und daher nicht gerade auskunftsfreudig, was ihre Vergangenheit angeht, die sich ihr deutscher Freund Elias (Knut Berger), mit Hang zum Zuschreibungswahn, entsprechend zusammenreimt. Da gibt es dann genug Platz für altbekannte Klischees und Missverständnisse. Zwischen die beiden schiebt sich der in Deutschland gestrandete und auf ein Visum für die USA wartende Palästinenser Sami (Thomas Wodianka). Er ist einer, der keine Milch von Kühen im Kaffee mag und auch ansonsten nicht viel auf Traditionen gibt. Cem (Dimitrij Schad) ist Türke, schwul, spielt Gitarre und mimt den Conférencier.

Armes Deutschland, kann da Elias Vater Horst (Tim Porath) nur noch von sich geben. Der Deutsche ist hier entweder provinziell verknöchert und stink konservativ oder hyperaktiv um Verständnis heuchelnd. Zumindest muss alles seine Ordnung haben und sich entsprechend einsortieren lassen. Elias kommt mit seinen Fragen allerdings nicht mehr weit. Er erliegt nach der Hälfte des Stücks den Folgen eines blöden Sportunfalls, und mit ihm auch die Lebenslust Maschas. Nach einem traumatischen Besuch in der ostdeutschen Provinz bei Elias Vater, der den Sinn des Lebens darin sieht, die vielen Kuckucksuhren seines Vaters aufzuziehen, über den er sonst auch nicht viel mehr weiß, als über seinen Sohn Elias, verkriecht sich Mascha erstmal für Wochen mit dessen Spotshirt ins Bett. Dass sie da nicht ranzig wird, hat sie Cems Hartnäckigkeit und seinem Sinn für aufbauende Geschichten zu verdanken.

Über schlüpfrige Umwege kommt die sprach- und anderweitig begabte Mascha an ein Auslandsstipendium und damit schließlich nach Israel. Neues Land, neue Liebe, neues Leben. Erinnerungen an früher und allzu feste Wurzeln sind da nur noch hinderlich. Grjasnowas Roman ist ein schöne Beschreibung der bindungsarmen, zwischen den Welten switchenden Jugendlichen, die sich eigentlich nicht viel Gedanken über ihre eigentliche Identität und Heimat machen, diese aber trotzdem immer im Hintergrund mit sich herumschleppen und auch von der Gesellschaft hinterfragt bekommen. Die Inszenierung von Yael Ronen ist frisch, witzig, mit viel Situationskomik und macht definitiv Lust auf mehr.

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Gorki-Studio

Gorki-Studio Я

Ganz ähnlich geht es der jungen Protagonistin im Stück Schwimmen lernen der Dramatikerin Marianna Salzmann. Die Russin Lil (Marina Frenk) fühlt sich einsam in Deutschland. Sie träumt vom Meer in ihrer Heimat. Feli (Anastasia Gubareva) und Pep (Dimitrij Schad) dagegen sind ein Paar und halten sich für die beste Idee. Diese will aber auf Dauer nicht so recht zünden. Feli lernt Lil kennen und lieben. Angesteckt von Lils Idee vom Meer gehen beide schließlich nach Russland. Aber das Leben dort birgt andere Schwierigkeiten. Lil ist schnell genervt von den Kuchennachmittagen und Fragen der Verwandten und Feli fügt sich schwer in ihren neuen Job ein. Der Alltag ist Gift für die junge Liebe und das Meer nur eine ferne Projektion.

Wieder ein schönes Stück über Sehnsüchte Jugendlicher nach Freiheit und Geborgenheit gleichermaßen. Vereinbar scheinen beide auf Dauer nicht zu sein. Irgendwann ist Feli wieder weg und Lil im fremden Land auf sich allein gestellt. Hakan Savaş Mican inszeniert diesen zwischen Aufruhr der Gefühle und Melancholie schwankenden Lovesong auch als solchen. Die Darsteller singen immer wieder von Heimweh, Liebe und Liebesleid. Sie spielen dazu begnadet auf der Gitarre, dem Klavier, oder trommeln sich die Seele aus dem Leib. Heiß her geht es, bis zum Schluss die Fenster geöffnet werden und die jungen Leute auf die Straße ausbrechen. Ganz großes Theater im kleinen neuen Studio Я, das in Zukunft auch unter der Leitung von Marianna Salzmann stehen wird.

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Es sagt mir nichts, das sogenannte draußen – Sebastian Nübling inszeniert Sibylle Berg

Sibylle Berg im Oktober 2013, Foto: Katharina Lütscher (www.sibylleberg.ch) wikimedia commons

Sibylle Berg im Okt. 2013
Foto: Katharina Lütscher (www.sibylleberg.ch) wikimedia

Ganz ohne Migrationshintergrund kommt dagegen das extra fürs neue Gorki geschriebene Stück der Schriftstellerin, Dramatikerin und Spiegel-Online-Kolumnistin Sibylle Berg aus. Jugendlich sind die Protagonistinnen des lockeren Fünfundsiebzig-Minüters Es sagt mir nichts, das sogenannte draußen aber schon. Regisseur Sebastian Nübling, den Shermin Langhoff überraschender Weise fürs Gorki verpflichten konnte, besetzt das Stück für eine Person und mehrere Stimmen dann auch mit den vier jungen Schauspielerinnen Nora Abdel-Maksoud, Suna Gürler, Rahel Jankowski und Cynthia Micas. Deren vierstimmigen Wutschwall, von Berg als ununterbrochener Fließtext geschrieben, inszeniert Nübling als stampfendes, dampfendes Körperballett auf ansonsten leerer Bühne. In Schlabberlook und Nerdbrille zieht das Quartett dabei chorisch und unkorrekt über den heutigen Zeitgeist mit seinem Jugend-, Mode- und Körperwahn her.

Aus der Sicht der namenlosen Hauptprotagonistin hört dieses Rumgeleide aus Liebeskummer, Partystress und Identifikationdruck wahrscheinlich nie auf. Aber ob da einfach nur Älterwerden die Lösung bringt, darf bezweifelt werden. Vorerst bedient frau noch weiter bestens alle möglichen Ziel- und Randgruppen-Klischees. Dass es hier vor allem immer wieder die heteronormative Männlichkeit trifft ist durchaus beabsichtigt. „Schräger Pony, verdeckt beginnende Geheimratsecken, enge Hose, korrekter BMI, Nerd-Brille … und tschüss!“ Aber auch trendige Fitness-Beautys bekommen ihr Fett weg. „Wie werde ich überflüssige Pfunde am schnellsten los?“ Zuviel Hormone oder überhaupt Gefühle sind da einfach nur zum Kotzen. Zwischendurch rufen immer mal wieder die Schwestern Minna und Gemma oder die angehimmelte Freundin Lina an, während Stiefpapa Paul, das Opfer, im imaginierten Kellerverließ sitzt.

So trampeln sich die vier Darstellerinnen den Frust vom Leib und übertragen mit viel Coolness ihren We don’t give a shit-Storm aufs mehrheitlich jugendliche Publikum. Nur, wer die Radikalität der Bücher von Sibylle Berg kennt und weiß mit welcher oft auch moralischen Keule sie die Leser ihrer S.P.O.N.-Kolumnen traktieren kann, wird hier an manchen Stellen auch schon mal verstohlen gähnen. Ihre sonst recht böse Ironie kommt zuweilen doch recht nett daher. Und während Frau sich noch so ihren Teil denkt, schläft Mann vielleicht schon fest.

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Gorkilogo

Der Kirschgarten
eine Komödie von Anton Tschechow

Mit:
Jascha: Tamer Arslan
Dunjascha: Mareike Beykirch
Firs: Çetin İpekkaya
Anja: Marleen Lohse
Ranewskaya: Ruth Reinecke
Lopachin: Taner Şahintürk
Gajew: Falilou Seck
Trofimov: Aram Tafreshian
Warja: Sesede Terziyan
Simeonow-Pischtschik: Mehmet Yılmaz
Charlotta: Fatma Souad
Musiker: Özgür Ersoy
Musikerin: Sinem Altan

Regie: Nurkan Erpulat
Bühne: Magda Willi
Kostüme: Ulrike Gutbrod
Musik: Sinem Altan / Tobias Schwencke
Licht: Norman Plathe
Dramaturgie: Daniel Richter

Weitere Informationen: http://www.gorki.de/spielplan/der-kirschgarten/

Der Russe ist einer, der Birken liebt (UA)
von Olga Grjasnowa in einer Bühnenfassung von Yael Ronen

Mit: Mehmet Ateşçí, Knut Berger, Anastasia Gubareva, Orit Nahmias, Tim Porath, Dimitrij Schaad, Thomas Wodianka

Regie: Yael Ronen
Bühne: Magda Willi
Kostüme: Esther Krapiwnikow
Video: Benjamin Krieg
Musik: Yaniv Fridel / Dimitrij Schaad
Dramaturgie: Irina Szodruch.

Weitere Infos: http://www.gorki.de/spielplan/der-russe-ist-einer-der-birken-liebt/

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Schwimmen lernen. Ein Lovesong
von Marianna Salzmann

Mit: Marina Frenk, Anastasia Gubareva, Dimitrij Schaad.

Regie: Hakan Savaş Mican
Bühne und Kostüme: Sylvia Rieger
Musik: Enik
Video: Benjamin Krieger
Licht: Daniel Krawietz
Dramaturgie: Irina Szodruch.

Weitere Infos: http://www.gorki.de/spielplan/schwimmen-lernen/

Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen (UA)
von Sibylle Berg

Mit: Nora Abdel-Maksoud, Suna Gürler, Rahel Jankowski, Cynthia Micas.

Regie: Sebastian Nübling
Choreographie: Tabea Martin
Raum: Magda Willi
Kostüme: Ursula Leuenberger
Mitarbeit Raum/Kostüme: Moïra Gilliéron
Licht: Jan Langebartels
Dramaturgie: Katja Hagedorn.

Weitere Infos: http://www.gorki.de/spielplan/es-sagt-mir-nichts-das-sogenannte-draussen/

siehe auch Kultura-Extra vom 12.12.2013

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