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Michael Coolhaze sieht rot im DT und Herrmann battled im HAU – Studio Braun und Rimini Protokoll zeigen uns Kleist einmal anders

Samstag, November 19th, 2011

Studio Braun zeigen ihr Actionmusical „Fahr zur Hölle, Ingo Sachs“ am Deutschen Theater Berlin

Nicht nur der Truppe um Armin Petras im Maxim Gorki Theater ist aufgefallen, dass wir im Kleistjahr sind, auch andere Theatergruppen nehmen das Jubiläum zum Anlass, um sich mit dem streitbaren Autor auseinander zu setzen. Rocko Schamoni, Heinz Strunk und Jacques Palminger vom Hamburger Trio „Studio Brau“ sind alle drei künstlerisch vielseitig begabt, machen Musik, schreiben Bücher sowie Theatertexte und sind berüchtigt für ihre Telefonstreiche auf verschiedenen Radiosendern. Bisher hatten sie ihre Heimstadt am Hamburger Schauspielhaus, für das sie sich in der Intendanten-Krise auch tatkräftig eingesetzt haben, Ex-Kultursenator Reinhard Stuth, kann ein Lied davon singen.

Im letzten Jahr haben Studio Braun am traditionsreichen Hamburger Theater schon einmal eine Revue aufgeführt und nannten das eine moderne Fantasie. Es ging um die Figur des Kremlfliegers Matthias Rust. In „Rust – Ein deutscher Messias“ war der grandiose Schauspieler Fabian Hinrichs als naiv sensibler Flugschüler mit Sendungsbewusstsein zu sehen, der ,mangels Aufmerksamkeit, erst auf dem Roten Platz in Moskau landet, dann den Weltfrieden verkünden will und schließlich wieder in der medialen Versenkung verschwindet, aus der er sich nur mittels einiger aufsehenerregender Straftaten wieder zu befreien hoffte. Irgendwann gänzlich der Vergessenheit anheim gefallen, diente er nun Studio Braun zur lustigen Mythenbildung und wurde schließlich zum Sektenguru und Gründer des utopischen Friedensreichs „Lagonia“ gekürt. Die drei Meister des abseitigen Humors peppten dieses moderne Märchen mit schrägem Witz, skurrilen Szenen und natürlich jeder Menge Musik auf.

Musik ist nun auch die treibende Kraft in ihrem neuen Streich „Fahr zur Hölle, Ingo Sachs“. Ein ganzes Orchester hat sich im Graben vor der Bühne verschanzt, wie zu Beginn der Veranstaltung Heinz Strunk verkündet. Auch wird genau erklärt worum es sich bei dieser Vorstellung handelt. Wir sehen zunächst ein Filmteam auf einer drehbaren Bühnenkulisse, das sich anscheinend an irgendeiner Hollywoodschmonzette versucht. Anita Vulesica ist die Schauspieldiva Bonnie und Felix Göser ist niemand anderes als der große Actionstar Charles Bronson. Wir befinden uns im Jahr 1982 am Set der Fortsetzung der amerikanischen Kultsaga „Ein Mann sieht rot“, indem ein unbescholtener Architekt, nachdem seine Frau ermordet und seine Tochter vergewaltigt wurde, mit einer Pistole bewaffnet den Moloch New York aufräumt und, zur Freude von Polizei und Justiz, die Zahl der frei herumlaufenden Kleinganovenschar stark dezimiert.

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