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Die Theaterkapelle im Friedrichshain schließt nach sieben Jahren zum 01.01.2014. Das bittere Ende eines weiteren Kapitels engagierten und freier Theaterarbeit in Berlin.

Samstag, Dezember 28th, 2013

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Die Theaterkapelle in Berlin-Friedrichshain. - Foto: St. B.

Die Theaterkapelle in Berlin-Friedrichshain. – Foto: St. B.

Just zu Weihnachten erreichte uns via Facebook die letzte traurige Nachricht des Jahres. Die Theaterkapelle in Berlin-Friedrichshain muss aufgeben. Nach sieben Jahren unermüdlicher kreativer, künstlerischer und politischer Arbeit wird wieder ein freies, engagiertes und unabhängiges Theaterprojekt in Berlin beerdigt. Erst im letzten Jahr war es das Theater im Schokohof (TISCH) in der Ackerstraße, das den Betrieb mangels Räumlichkeiten einstellen musste. Auch die Theaterkapelle hatte bereits seit geraumer Zeit finanzielle Probleme. Bereits seit Jahren fehlte für die notwendige Sanierung der Spielstätte am Eingang des Georgen-Parochial-Friedhofs in der Boxhagener Straße das Geld und ein großer Teil der 25.000 € Spielstättenförderung des Senats mussten für die Instandhaltung des aus dem Jahr 1876 stammenden Gebäudes aufgewendet werden.

Der Grund für den nun plötzlichen Tod ist, dass sich die Bedingungen für die Spielstättenförderung 2014 vom Senat geändert haben, wie es in der Presseerklärung der Leitung der Theaterkapelle heißt. Christina Emig-Könning, Regisseurin und künstlerische Leiterin der Theaterkapelle, erläutert darin das Problem so: „Die Spielstättenförderung des Senats für das nächste Jahr war an die Forderung geknüpft, dass der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zusätzlich 10.000 € bereitstellt. Der Bezirk war davon aber völlig überrascht und konnte trotz vieler Bemühungen kein Geld auftreiben.“ Das entstandene Defizit ließ sich auch nicht mehr mit Spenden und der Suche nach Sponsoren auszugleichen.

„Der Mund entsteht mit dem Schrei.“

Heiner Müller (09.01.1929 – 30.12.1995)
NACHTSTÜCK, aus: Germania Tod in Berlin

heiner-muller_stadtbibliothek-chemnitz_sw.jpgSo wird die kleine, freie Theaterszene Berlins wieder um ein Stück ärmer. Ein weiterer Beweis dafür, wie der Senat mit seinen viel gerühmten Künstlern tatsächlich umgeht. Aber wie sagte schon Heiner Müller „Der Tod ist ein Irrtum.“ und „alle geglückten Beerdigungen müssen mißlingen“. Der Geist des Hausheiligen der Theaterkapelle spukte hier neben anderen bekannten Autoren wie Georg Büchner, Franz Kafka, Werner Schwab oder auch vielen jungen Nachwuchstalenten durchaus öfter durch Kapelle und Gewölbekeller. Denn, um den Song von Bob Dylan aus Leander Haußmanns Hamlet-Inszenierung im BE aufzunehmen, „Death Is Not The End“.

In diesem Sinne bitten die Macher nun zu einem letzten Tango in Berlin. Am 30.12.13 findet in den Räumen der Theaterkapelle ein Heiner Müller Nacht statt. zum 18. Todestag des Dichters und Dramatikers werden sein Stück „Quartett“ in der Inszenierung von Christina Emig-Könning, der Monolog „Der Mann im Fahrstuhl“ aus dem Stück „Der Auftrag“ aufgeführt und unter dem bitteren Motto WennIchSchonSterbenMuss Texte von Inge Müller gelesen. Es ist allen Machern und Mitstreitern des Projekts „Theaterkapelle 10245“ zu wünschen, dass sie ihre ambitionierte Arbeit unter anderen, günstigeren Bedingungen bald wieder aufnehmen können.

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Programm unter: http://www.theaterkapelle.de/heiner-mueller-nacht.html

Theaterkapelle auf facebook: https://www.facebook.com/events/1424245731142732/

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