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(K)ein weites Feld – Jorinde Dröse reduziert Fontanes „Effi Briest“ am Maxim Gorki Theater nur auf das Wesentliche

Montag, Januar 16th, 2012

Die großen Frauenfiguren der Weltliteratur haben es den Regisseuren des Maxim Gorki Theaters angetan. Nach Anna Karenina und Madame Bovary nun die Effi Briest. Jorinde Dröse setzt nach Ibsens Nora mit der Bearbeitung des Fontaneromans ihre Betrachtungen der bürgerlichen Familie fort. Wo bei Ibsen die Transformation aus dem 19. Jahrhundert in die Gegenwart noch relativ gut funktionierte, hapert es nun bei diesem preußischen Sittengemälde der Jahrhundertwende von Theodor Fontane an schlüssigen Bezügen zur heutigen Zeit. Obwohl das Programmheft anderes suggerieren will, wir haben es hier doch mit einem hartnäckigen Fall des Scheiterns einer jungen Frau an den herrschenden bürgerlichen Konvention zu tun. Ein in Liebesdingen unerfahrenes junges Mädchen heiratet voller romantischer Vorstellungen auf den Wunsch der Eltern einen zwanzig Jahre älteren Karrieremenschen, leidet an dessen Gefühlsarmut und stürzt sich in eine unbedeutende Affäre, an deren Folgen sie schließlich zerbricht. Dass es heute immer noch so ist, liegt nicht sofort auf der Hand. Für die Regisseurin des Abends sind es aber genau diese verklärten Vorstellungen vom romantischen Lebensglück, die frau von so einer vermeintlich guten Partie hat.

MGT Berlin, Foto: St. B. gorki-2.JPG

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