Archive for the ‘Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz’ Category

Zwei bemerkenswerte Gastspiele von Meg Stuart & Damaged Goods beim Festival Tanz im August 2016

Dienstag, September 6th, 2016

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Blessed – Meg Stuart/Damaged Goods & EIRA im HAU 2

tiA16_Plakatmotiv22007, zwei Jahre nach dem verheerenden Hurrikan Katrina, hatte die Tanzperformance Blessed von Meg Stuart Premiere am Theater Vooruit in Gent. Sie tourte dann durch Europa und machte auch Station an der Berliner Volksbühne, die bereits einige Stücke von Meg Stuart & Damaged Goods koproduzierte. „Eine Apokalypse in Karton“ steht auf der Website des Festivals Tanz im August, das in seiner letzten Woche der Choreografin aus New Orleans mit zwei Produktionen eine kleine Werkschau ausrichtet und eine Veröffentlichung im Interview-Magazin mono.kultur präsentiert.

Und wie bei der schweren Naturkatastrophe in der US-amerikanischen Stadt am Mississippi regnet es auch auf der kleinen Bühne im HAU 2 fast ohne Unterlass. Noch im Trockenen zeigt die Bühnen-Installation von Doris Dziersk eine Palme, einen Schwan und ein kleines Häuschen aus Pappe. Der portugiesische Tänzer und Choreograf Francisco Camacho in weißem Overall und Badeschlappen schreitet diesen Parcours aus symbolischen Sehnsuchtsbildern mechanisch ab, lehnt sich an die Palme, verbeugt sich vor dem Schwan. Eine Huldigung des Schönen aber auch des gefährdet Vergänglichen.

Der beginnende Regen zerstört den idyllischen Ort. Die Palme knickt ein, der Schwan lässt den Hals hängen. Selbst der sichere Unterschlupf im Papphäuschen, an dessen Wänden Camacho die Bilder mit der Sprühdose zu verewigen versucht, gibt unter der Flut vom Bühnenhimmel nach. Hier geht die Kreatur Mensch samt Zivilisation und Kunsttraum sprichwörtlich baden. Die Katastrophe ist hausgemacht und überrascht doch schicksalhaft. Eben noch bunt gewandet wie ein esoterischer Pop-Voodoo-Priester krabbelt das halbnackte Menschenbündel im Regencape bald orientierungslos wie ein Insekt über die Reste seiner Existenz und versucht sich vergeblich zu schützen und zu artikulieren.

 

Foto (c) Chris Van der Burght

Foto (c) Chris Van der Burght

 

Das Auftauchen einer Varieté-Tänzerin (Kotomi Nishiwaki) mit großem Kopfputz und weißen Mega-Stiefeletten lässt ihn in seinem Elend erstarren. Sie tanzt den Blues und Boogie des Immer-so-Weiter. Die Eventkultur schlachtet die letzten Reste aus. Gesegnet ist die jesusgleiche Schmerzensgestalt im Dauerregen, die vom Kostümbildner immer wieder in andere Pop-Outfits gekleidet wird, nicht gerade. Zu den Elektronik-Sounds von Hahn Rowe betreibt Francisco Camacho choreografiertes Tai-Chi zur Existenzbeglaubigung. Meg Stuart gelingt mit Blessed eine eindrucksvolle Performance des unbehausten, verletzlichen Menschen, der nach seiner Bestimmung sucht. Man muss die Hintergründe nicht unbedingt kennen, um die künstlerische und philosophische Aussage dahinter zu verstehen.

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BLESSED (HAU 2, 30.08.2016)
Meg Stuart / Damaged Goods & EIRA
Choreografie: Meg Stuart
Musik: Hahn Rowe
Dramaturgie: Bart Van den Eynde
Installation: Doris Dziersk
Kostüme: Jean-Paul Lespagnard
Lichtdesign: Jan Maertens
Licht: Jan Maertens
Regen und Bühne: Kay Hupka
Mit: Francisco Camacho, Kotomi Nishiwaki & Abraham Hurtado

Infos: http://www.tanzimaugust.de/programm/festivalplan/meg-stuart-eira-blessed/

Zuerst erschienen am 30.08.2016 auf Kultura-Extra.

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Until Our Hearts Stop – Meg Stuart & Damaged Goods mit ihrem zweiten Gastspiel beim Tanz im August in der Berliner Volksbühne

Während der zukünftige Volksbühnenintendant Chris Dercon auf der Pop-Kultur in Neukölln noch nach künstlerischen Inspirationen suchte, zeigte das Festival TANZ IM AUGUST an dessen neuer Wirkungsstätte eine recht bemerkenswerte Mischung aus Konzert, Tanz und intensiver Körperperformance. Die Choreografin Meg Stuart ist mit ihrer Truppe Damage Goods und dem 2015 an den Münchner Kammerspielen entstandenen Stück Until Our Hearts Stop an das Haus am Rosa-Luxemburg-Platz zurückgekehrt. Wie der Zufall so will, war das auch die letzte Produktion der Kammerspiele unter Johan Simons, der (im Gegensatz zu Frank Castorf an der Volksbühne) seinen Platz für Matthias Lilienthal allerdings vorzeitig und freiwillig räumte.

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Der von München nach Hamburg gewechselte Schauspieler Kristof Van Boven, der schon in mehreren Produktionen von Meg Stuart mitwirkte, wird hier in Berlin in einer improvisierten Pause nicht nur die Schlüssel seiner alten Wohnung, Knetmasse und manch anderes dem Publikum anbieten, er hat als Entertainer und Varieté-Künstler im Frack auch noch ein paar heiße Infos zum neuen Volksbühnenintendanten und belgischen Landsmann Chris Dercon parat.

Da ist der Abend aber schon weit fortgeschritten und in eine nicht enden wollende Improvisations-Zugabe kulminiert. Until Our Hearts Stop zerfällt deutlich in zwei recht disparate Teile, von denen der erste mit einer ziemlich coolen Jam Session der drei Jazzmusiker Samuel Halscheidt (der den kurz nach der Uraufführung verstorbenen Komponisten Paul Lemp ersetzten musste), Marc Lohr und Stefan Rusconi an Klavier, Bass und Schlagzeug/Trompete beginnt. Das Ensemble aus jeweils drei Perfomerinnen und Performern geht dazu in den direkten Körperclinch. Es entstehen dabei gymnastische bis akrobatische Paarkonstellationen, die auch zu Ringkämpfen führen und schließlich gruppendynamisch in Pyramiden und Körperverknäulungen münden.

 

Foto (c) Iris Janke

Foto (c) Iris Janke

 

Meg Stuart ist mit ihrem Stück auf der Suche nach körperlicher Nähe. Direkter Körperkontakt ist dauerhaft unmöglich und durch Konventionen erschwert. Das Ensemble zelebriert ihn daher lust- wie auch qualvoll als Versuch entgrenzten Zusammenseins. Dafür werden athletische oder therapeutische Elemente wie auch Yoga- und Tantra-Figuren in die Performance eingebunden. Man hechelt wie bei therapeutischen Atemübungen oder vollführt nackt eindeutige bis witzige Körperkonstellationen und setzt sich damit dem Zuschauer als Voyeur schutzlos aus.

Ein zweiter aber nicht weiter entwickelter Strang zum Thema Cornelius Gurlitt und seiner obsessiven Sammelleidenschaft bestimmt das Bühnenbild, das einerseits einen Kellerraum mit Treppe und Holzlattenverschlag zeigt, der einen Zauberschrein, gerahmte Gemälde und ein altes Ledersofa enthält. Anderseits ist es aber auch ein der Realität entrückter Übungsraum, in dem die PerformerInnen ihren spielerischen Versuchen und Leidenschaften ungestört und ungehemmt nachgehen können.

Das gelingt dann auch über 90 Minuten ganz hervorragend, bis (wie schon erwähnt) die symbolische vierte Wand für ein erweitertes Spielchen mit dem Publikum bricht, und nachdem diese wieder aufgerichtet ist, der Abend in zirzensischem Klamauk mit Entertainer, Zaubershow, glitzernden Tanzmäusen und esoterischen Séancen zerfällt. Es wird auch noch nach einem Klempner für ein kaputtes Rohr oder die Liebe gesucht. Man weiß, dass das gewollt ist, die Grenzen des guten Geschmacks weit auslotend, wünscht sich aber doch die starke Intensität des Anfangs zurück.

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Until Our Hearts Stop (Volksbühne, 03.09.2016)
Meg Stuart / Damaged Goods & Münchner Kammerspiele
Uraufführung war am 18.06.2016
Choreografie: Meg Stuart
Entwickelt und performed von Neil Callaghan, Jared Gradinger, Leyla Postalcioglu, Maria F. Scaroni, Claire Vivianne Sobottke, Kristof Van Boven
Dramaturgie: Jeroen Versteele
Livemusik: Samuel Halscheidt, Marc Lohr, Stefan Rusconi
Originalmusik: kreiert von Paul Lemp, Marc Lohr, Stefan Rusconi
Bühnenbild: Doris Dziersk
Kostüm: Nadine Grellinger
Lichtdesign: Jurgen Kolb, Gilles Roosen
Technische Leitung: Oliver Houttekiet
Bühnenleitung: Jitske Vandenbussche
Soundtechnik: Richard König
Licht: Gilles Roosen
Bühnentechnik: Bart Van Bellegem
Garderobe: Patty Eggerickx / Emma Zune
Dauer: 120 Minuten, keine Pause

Infos: http://www.tanzimaugust.de/programm/festivalplan/meg-stuart-until-our-hearts-stop/2657/

Zuerst erschienen am 04.09.2016 auf Kultura-Extra.

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Die Apokalypse und andere Stücke an der Volksbühne, ein Berliner Kulturkampf und das Arbeitsbuch Castorf

Montag, August 29th, 2016

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Ein Kommentar zur wieder aufgeflammten Debatte Castorf versus Dercon

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Volksbühne am Rosa-Luxemburgplatz (c) LSD

An der Volksbühne prangt in großen Frakturversalien das Wort Apokalypse. So heißt die neue Inszenierung von Bühnen-Tausendsassa Herbert Fritsch. Die Offenbarung des Johannes, der neutestamentarische Bibeltext in der Übersetzung von Martin Luther vom Schauspieler Wolfram Koch in einem fulminanten Solo vorgetragen, richtete sich gegen die Feinde des Christentums, insbesondere die Römische Vorherrschaft. Eine bitterböse Polemik auf die Institution Rom in der Gestalt der „Hure Babylon“, ihre kurze Herrschaft und ihr blutiges Ende samt satanischer Gefolgschaft. Johannes predigt Buße, prophezeit das Jüngste Gericht Gottes und die Errichtung des neuen Jerusalem. Wolfram Koch performt das, zunächst als hibbeliger Entertainer, immer auch so, als hätte der Eiferer Johannes bei seiner Vision in der Sandgrube, ein wenig zu lange in der Sonne gesessen. Ein schmieriger Clown, der mittels Wortakrobatik von Gottes Gnaden und Größe träumt.

Ein Schelm auch, wer da an den mittlerweile von der Belegschaft der Volksbühne als „unfreundliche Übernahme“ bezeichneten Intendantenwechsel von Frank Castorf zu Chris Dercon denken würde. Und trotzdem ist nicht von der Hand zu weisen, dass es sich hier mittlerweile um einen fast schon ideologisch geführten Systemkampf von Gut (Castorf) gegen Böse (Dercon) handelt. Zum Offenen Brief der Volksbühnenmitarbeiter hat sich nun die Solidaritätspetition im Internet gesellt. Auch die Presse scheint es, hat sich auf den smarten Belgier und bisherigen, international erfolgreichen Museumskurator Dercon eingeschossen. Er hat sich wohl bei einer Betriebsversammlung im April vor der Belegschaft blamiert, ein paar Namen verwechselt und altgediente Regie-Recken wie Fritsch und Pollesch düpiert.

Nun erwartet man zu den vorher schon bestandenen Befürchtungen nichts anderes als das Ende des Sprechtheaters, des Schauspielensembles und den Ausverkauf der angestammten Bühnengewerke. Ob zur recht oder nicht, wird man erst in einem knappen Jahr wissen, wenn Chris Dercon und seine neue Programmdirektorin Marietta Piekenbrock im Frühjahr 2017 mit den fertigen Plänen für ihre erste Spielzeit an der Volksbühne rausrücken. Diese zu verhindern, ist die Volksbühnenbelegschaft an die Öffentlichkeit getreten. Braucht Berlin mehr internationalen Tanz, Performance, Film und Theater im Internet ist die große Frage, oder nicht besser eine Konzentration auf neues deutsches Autorentheater, wie es etwa Oliver Reese für seine bevorstehende Intendanz am Berliner Ensemble vorschwebt?

 

Apokalypse_Volksbühne

Die Apokalypse an der Volksbühne? – Foto: St. B.

 

Das Geschrei um die Ablösung von Claus Peymann hält sich zumindest in Grenzen. Dafür engagiert sich der Senior des deutschen Regietheaters lieber für seinen Kollegen Frank Castorf und rät dem Regierenden Bürgermeister und Kultursenator Michael Müller, der bisher eher untätig hinter seinem agierenden Staatssekretär Tim Renner stand, Dercon einfach auszuzahlen. Die brenzlige Personalie derart loszuwerden, wird allerdings wohl kaum ein Politiker verantworten wollen. Es stehen schließlich Wahlen vor der Tür. Bleiben Beschwichtigungen und gute Miene zum bösen Spiel.

Um die echten Sorgen der Volksbühnenbelegschaft geht es in diesem Kulturkampf nur am Rande. Hier muss man auch der Berliner Kulturpolitik vorwerfen, bei der Neubesetzung der Intendanz nicht wirklich nachgedacht zu haben. Eine über Jahre gewachsene Theaterstruktur mit großer Tradition zerstört man nicht im Vorbeigehen um eines großen Coups willen. Mit „Volk“ wird die in den 1920er Jahren durch das Wirken von Erwin Piscator zum politischen Theater geformten Bühne bald nichts mehr zu tu haben. Wenn man sich heute nach hundert Jahren vor allem in der Tradition von Erwin Piscator, Benno Besson und Heiner Müller sieht, ist das vor allem auch ein Verdienst von Frank Castorf, der die Volksbühne 1992 übernahm und mittlerweile fast 25 Jahre den Stil eines politisch freien, unbändigen Theaters prägt. Natürlich mit allen Höhen und Tiefen.

In der politischen Erdbebenzone Europa lag für Heiner Müller Berlin auf dem geografischen Grenzriss zwischen West- und Ostrom. Eine oszillierende Grenze, die nicht erst durch die Tektonik des Kalten Krieges geschaffen wurde. Die Volksbühne von Frank Castorf hat es sich auf dieser schockberuhigten Erdbebenspalte mitten in Berlin recht gemütlich gemacht, spielt aber immer noch munter getreu dem Motto Heiner Müllers: „Ich glaube an Konflikt.“ gegen das Vergessen und Ausblenden von Gegensätzen und des Dissenses in der Gesellschaft an. Castorf erklärt das im März-Heft von „Theater der Zeit“ auch als: „sich dem allgemeinen Konsens widersetzen.“

Was anderswo schon als gegeben und allgemein verfestigt gilt, wird in Castorfs Theater immer wieder aufgerissen und neu verhandelt. Das kann schmerzhaft und hin und wieder auch auf die Länge des Abends gesehen etwas unergiebig sein, es ist aber immer noch notwendig und wird in der durch kulturpolitische Volten eines Tim Renner veränderten Berliner Theaterlandschaft auf Dauer fehlen. Das ist es leider auch, was dem neuen Fritsch-Abend abgeht, und schon Friedrich Engels an der Offenbarung des Johannes interessierte: Die Entwicklung einer revolutionären Massenbewegung aus sektiererischen, widersprüchlichen Meinungen gegenüber einem herrschenden System.

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Die Brüder Karamasow an der Volksbühne
Bühnenbild: Bert Neumann – Foto: St. B.

 

In Castorfs Inszenierungen der Brüdern Karamasow und der Judith kommt das zum Ausdruck. Es ist dies ein Mix aus weltanschaulichen, philosophischen und religiösen Stimmungen aus den historischen und modernen Gesellschaftssystemen von Ost bis West, gepaart mit Ideologie-, Gesellschafts- und Totalitarismuskritik, der auch die typischen Elemente aus der Popkultur wie entsprechende Songs und verballhornende Werbecollagen von Coca Cola in kyrillischen Buchstaben an den Wänden, der von Bert Neumann umgestalteten Volksbühne.

Die Raumgestaltung ist hier nicht ganz unbedeutend, löst sie doch die typische Bühne-Zuschauerraum-Konstellation auf und schafft eine Unmittelbarkeit, die besonders in der Inszenierung der Brüder Karamasow zum Tragen kommt. In der Judith wird sie wie schon in Castorfs Bearbeitung von Dostojewskis Roman Der Idiot einfach umgedreht, indem das Publikum auf der Bühne sitzt und die Bühnenhandlung den Zuschauerraum samt aufgetürmtem Sitzkissenberg einnimmt. Ansonsten ist die Ausstattung eher sparsam und beschränkt sich oft auf für Castorf typische, klaustrophobische Innenräume aus Bretterbuden oder Zelten, aus den per Livekamera übertragen wird. Ein Wasserbecken sorgt in beiden Fällen für zusätzliche Dynamik und Intensität.

Castorf fordert sein Ensemble wieder aufs Äußerste. Fünf bis sechs Stunden sind jeweils mit nur einer Pause auszufüllen, was vor allem in den Karamasows fast durchweg gelingt. Ein stetiger Kampf des aufgeklärten Liberalismus gegen gewalttätige, patriarchale Machtstrukturen oder eine Philosophie aus orthodoxen Glaubensgrundsätze gegen eine des nihilistischen, glaubensfremden „Alles ist erlaubt“. In der Inszenierung von Hebbels Judith geht Castorf noch einen Schritt weiter. Sind bei Dostojewski meist Geld und Liebe der Motor der Handlungen, die bedingt durch ein Geflecht aus Ideologien und Glaubensgrundsätzen in Gewalt und Zerstörung münden, so kommen bei Hebbel zum Glauben noch unterschiedliche Machtstrukturen, sexuelle Triebe und der Hass hinzu. Entsprechende Fremdtexteinlagen wie Die Stadt und der Hass von Jean Baudrillard, Antonin Artauds Essay Heliogabal oder Der Anarchist auf dem Thron, oder in den Karamasows den Roman Exodus des russische Underground-Schriftsteller Pjotr Silaew (genannt DJ Stalingrad) bilden die Links aus der Geschichte ins Heute.

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Foto: St. B.

Castorf habe seine Ankündigung, „ein Zeittheater zu machen, das Verwerfungen der Gegenwart auf der Bühne thematisiert“ eingelöst, schreibt Antje Dietz in ihrer Publikation „Ambivalenzen des Übergangs: Die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin in den neunziger Jahren.“ „Dabei ging es nicht um Gegenwartsdiagnosen im aufklärerischen Sinne – vielmehr wurden aktuelle gesellschaftliche Konflikte durch die Überblendung mit historischen Bezügen und polemische Zuspitzung verstärkt, verfremdet und verzerrt.“ Ein Theater das neben politisch-historischen Anspielungen auch mit Castorf-typischen Konkretisierungen, Kalauern und Anleihen aus der Populärkultur arbeitet. Ein langer Weg zwischen Bürgerschreck und Schrecken des Feuilletons.

Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.“ heißt es in der Offenbarung. Frank Castorf hat sich nie angebiedert. Lau ist seine Betriebstemperatur nicht. Aber auch nicht cool, so wie das neue Berlin. Also Zeit zu gehen? In seiner jüngsten Inszenierung Die Kabale der Scheinheiligen, einem Theaterstück über das Leben Molières von Michail Bulgakow, feiert Castorf noch einmal das Theater zwischen Eigensinn und Anpassung an die Mächtigen. Der für seine Kunst brennende Theaterkünstler, ein Sonnenkönig und natürlich Väterchen Stalin haben darin ihren Auftritt. Und auch der Film Warnung vor der heiligen Nutte, ein Werk von Rainer Werner Fassbinder über das Scheitern und den Verlust von Illusionen, ist in diesen Fünfstünder eingeflossen.

Mittlerweile auch für seine Sperrigkeit geliebt, wird Castorf einer ausrechenbaren Ästhetik des Austauschbaren weichen müssen. Berlin ergibt sich einem internationalen Trend. Das sonst als beispielhaft gerühmte deutsche Theatersystem schafft sich mit Hilfe eines Kurators, der die Rettung der bildenden Kunst im Theater sieht, selbst ab. Auch Dercon beklagte schon in Interviews aus seiner Zeit als Museumschef in München die Kommerzialisierung der Kunst. Nun sucht er ein neues Betätigungsfeld, weil ihn das seine schon länger zu langweilen scheint. Ob da die Volksbühne als Experimentierfeld das Richtige ist, muss sich aber noch erweisen. Dercon hätte gleich nach München seine Pläne umsetzen sollen. Aber wer gibt ein großes Theater schon dafür her? Renner hat’s getan und schiebt noch einen vergifteten Geburtstagsgruß an den scheidenden Intendanten hinterher. Ein feiger Königsmord hinter den Kulissen? Castorf wird es überleben. Die Volksbühne zahlt den Preis.

Stefan Bock, 30.06.2016, Update: 01.08.2016

Zu den einzelnen Inszenierungen siehe auch: http://www.volksbuehne-berlin.de/?start=true

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Eine Welt aus Kunst und Attacke – Im Arbeitsbuch Castorf blickt Theater der Zeit auf Werk und internationale Bedeutung des Regisseurs, Künstlers und Volksbühnenintendanten

Am 17. Juli ist Frank Castorf 65 geworden. Eigentlich noch kein Alter für den Volksbühnenchef, um sich zur Ruhe zu setzen. Trotzdem wird die nächste Spielzeit im Haus am Rosa-Luxemburg-Platz für den Theaterregisseur und langjährigen Intendanten die letzte sein. Mal wieder Zeit um Bilanz zu ziehen. Gefühle der Wehmut oder gar Wut lässt sich Castorf in einem Interview, das er bereits im April der Süddeutschen Zeitung gab, aber nicht entlocken. Während sich offene Briefe von Volksbühnenmitarbeitern, anonymen Sympathisanten und den Verteidigern seines Nachfolgers Chris Dercon kreuzen, hält sich der Noch-Intendant, was den Berliner Kulturkampf betrifft, vornehm zurück. „Zu Chris Dercon möchte ich nichts sagen, vielleicht hat der ja einen Riesenerfolg, wer weiß. (…) Wenn’s dann nicht funktioniert, kann man aus dem Haus noch immer eine Badeanstalt machen.“

 

Frank Castorf beim Theatertreffen 2015 - Foto: St. B.

Frank Castorf beim Theatertreffen 2015 – Foto: St. B.

 

Was Castorf wirklich zu sagen hat, steht im gerade erschienenen Arbeitsbuch vom Verlag Theater der Zeit, das den kurzen und prägnanten Titel Castorf trägt. Bereits 2002 hatten Verlagsleiter Harald Müller und Theaterkritiker Thomas Irmer die ersten zehn sehr erfolgreichen Jahre der Volksbühne unter Frank Castorf bilanziert. Dass es fünfundzwanzig würden, hätte man nach einer leichten Durststrecke Ende der Nullerjahre sicher nicht vermutet. Nachdem die Ära unter Castorf nun doch zu Ende geht, haben sich Müller und Irmer gemeinsam mit der Redakteurin Dorte Lena Eilers an die Herausgabe eines weiteren Kompendiums zum vieldiskutierten Theaterregisseur und Künstler gewagt.

Auch wenn Castorf anscheinend keinen Groll hegt, so neigt er sicher nicht dazu versöhnend zu wirken. Die Herausgeber des Arbeitsbuchs haben ihn nicht aktuell dazu befragt, aber anlässlich der Verleihung des Großen Kunstpreises der Stadt Berlin spricht Castorf nicht nur von den Erziehern und Bildungsgrößen Goethe und Schiller, den alles wissenden, satten Barbaren, die wir sind, sondern auch von den wilden Rolling Stones, von Anarchie und Partisanentum in der Kunst, gegen Harmonie und allgemeinen Konsens. Die Rede ist am Ende des Buchs abgedruckt, sie heißt Frühling, und damit ist nicht nur die Jahreszeit gemeint, sondern auch der Dichter Lenz, der in seiner Zeit den Zwiespalt und Konflikt gegen die gültigen Konventionen suchte, wenn auch vergeblich.

Eine Arbeitsweise, die auch Frank Castorf bevorzugt. Ob nun tot oder berühmt, geliebt, oder gehasst, Kritik ist nicht das, was Castorf interessiert, er ist nur glücklich, wenn er arbeiten kann und wenn sich damit eine gewisse Verstörung beim Publikum erzielen lässt. Das Phänomen Castorf, oder wie es die Herausgeber nennen, die „Castorf-Maschine“, ist ein Motor, der sich von Widersprüchen nährt, diese wie ein Vergaserkolben verdichtet und die Reste ins Publikum rotzt. Ein Bild, das so nicht im Buch steht, aber auf viele von Castorfs Inszenierungen zutrifft. Man kann nachlesen, wie sich der Regisseur in den Jahren von 1987 (Der Bau) über die 1990er Jahre bis heute zu seinen Inszenierungen äußert, über Vorbilder spricht (Die Volksbühne der 1970er Jahre ist mit Besson, Müller, Karge/Langhoff oder Marquard da besonders prägend) und auf Kritiker, die ihm Ost-Eklektizismus vorwerfen, reagiert.

 

Die Brüder Karamasov, 2015 an der Volksbühne - Foto: St. B.

Die Brüder Karamasow 2015 an der Volksbühne – Foto: St. B.

 

Castorfs forciert eingesetzter Eklektizismus speist sich aus dem „vorhandenen Eklektizismus des Alltags“ und einer Wut auf die soziale Wirklichkeit nach dem „Zusammenbruch des trainierten Wertesystems der DDR“. Ob nun „Sender Ost“ oder „DDR-Identifikationstor“, die Schubladen für Castorfs Volksbühne sind da allemal zu eng gefasst. Über die Entwicklung des typischen Castorf-Stils, in seiner Zeit als „Underdog“ 1981 in Anklam und als freier Regisseur in der DDR-Provinz berichten ein paar sehr schöne Essays alter Mitstreiter. Die „Early jears“ des Frank Castorf sind von Anfang an durch das Zertrümmern des Originals, den Einsatz von Kommentaren und Fremdtexten, populärer Musik sowie Slapstickeinlagen gekennzeichnet. Bereits 1988 kommt die erste Livekamera zum Einsatz. „Diese Form von coolem improvisiertem Diskurstheater“ hat dem Dichter Durs Grünbein sofort eingeleuchtet. Castorfs Ästhetik besteht aus einer „Montage kultureller Attraktionen“ wie es der Theaterwissenschaftler Erhard Ertel sehr treffend beschreibt. Das hat sich über die Jahre kulturviert.

Mit biografischen Daten hält sich das Arbeitsbuch zurück, einige Inszenierungs- und Bühnenbilder lockern den Textteil auf. Ehemalige und enge „Compañeros“ berichten über ihre Arbeit mit Frank Castorf, wobei doch eher wenig Details oder gar Interna ausgeplaudert werden. Während Stefani Carp mit All that fast schon einen wehmütigen Nachruf auf die Castorf-Volksbühne schreibt, philosophieren Carl Hegemann und Boris Groys munter über die Arbeiterklasse, Anarchismus Sozialismus und Neoliberalismus. Eine Ost-West-Synthese war die Volksbühne Anfang der 90er auch, erzählt Matthias Lilienthal in einem Interview. Also doch nicht alles nur Ostalgie und Kartoffelsalat. Allerdings hat Castorf damit erst die alte Stein-Ästhetik der Schaubühne West zerschlagen.

Letztendlich profitierte davon auch Thomas Ostermeier, der sich als großer Castorf-Bewunderer outet. Dieser raumgreifende Teil, der sich vielsagend Castorfs Welt nennt, gerät etwas zu sehr zur Lobhudelei und will doch nur die internationale Bedeutung des Regisseurs verdeutlichen. So schreibt etwa der polnische Regisseur Jan Klata vom „Glück, in der Ära Frank Castorf leben zu dürfen“, der schwedische Theater- und Opernregisseur Staffan Valdemar Holm pflanzt mit Castorf Bäume in Belgrad, und für den russischen Schriftsteller Anatoli Koroljow spielt der Regisseur von Der Meister und Margarita „Robin Hood in Moskau“. Castorf hat Theatermacher von Südamerika über Europa bis nach China beeinflusst. Wobei sein Auge wohl mehr auf dem Osten ruht und aus ihm auf den Westen zurückblickt. Ein ewiger „Karamasow“ im Herzen. „Ich muss den Leuten eine neue Sichtweise der Welt bieten.“ sagt Castorf in einem Gespräch mit Alexander Kluge, und das wird er hoffentlich noch eine ganze Weile auch ohne den schützenden „Berg“ Volksbühne.

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Castorf_Arbeitsbuch_TdZCASTORF
Theater der Zeit
Arbeitsbuch 2016

Herausgegeben von Dorte Lena Eilers, Thomas Irmer und Harald Müller
Broschur, 215 x 285 mm
184 Seiten, durchgehend farbig illustriert
EUR 24,50

Theater der Zeit GmbH, 2016
ISBN 978-3-95749-073-5

Weitere Infos siehe auch: http://www.theaterderzeit.de/buch/castorf/

Zuerst erschienen am 24.07.2016 auf Kultura-Extra.

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Entdramatisiertes Retrotheater mit Peter Handke und René Pollesch am Berliner Ensemble und an der Volksbühne

Mittwoch, Mai 11th, 2016

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Langer Titel, langes Warten, Langeweile – Nach Wien biegen Claus Peymann und Peter Handke mit Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße endlich am Berliner Ensemble in die Zielgerade

Die Unschuldigen_BE-Plakat

Foto: St. B.

Peter Handke hat sich etwas Zeit gelassen. Bereits seit Längerem konnte man auf der Website des Berliner Ensembles lesen, dass Claus Peymann die Inszenierung eines neuen Stücks des österreichischen Schriftstellers und Dramatikers, mit dem ihn eine langjährige Hassliebe verbindet, plane. Vor einem Jahr wurde dann freudig die Uraufführung für Januar 2016 am Wiener Burgtheater, an dem Claus Peymann 13 lange Jahre selbst Direktor war, angekündigt. Ein durchaus denkwürdiges Ereignis, ist es doch nun immerhin auch schon wieder 17 lange Jahre her, dass Peymann Wien samt Hose sowie anderem toten und lebenden Inventar in Richtung Berlin verlassen hat.

Fast ebenso lang ist auch Peymanns Liste mit Handke-Uraufführungen, angefangen mit der 1966 am Frankfurter Theater am Turm uraufgeführten Publikumsbeschimpfung. Recht lang ist auch der Titel ihrer 11. Zusammenarbeit, und ein wenig geschimpft wird auch hier. Peter Handke hat mit Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße (auf 180 Seiten) eine mal in poetischem, dann wieder gebräuchlichem Prosa-Ton anklagende bis selbstironisch klagende Suada (in vier Jahreszeiten) auf die moderne Welt und die darin „unschuldig“ umherstreifende Menschheit geschrieben. Der Autor bedient sich dabei so manchem literarischeren Zitats und einiger Anspielungen an den herrschenden Dramenkanon von der Bibel über Shakespeare und Goethe bis hin zu Brecht.

Ein zunächst einsames Ich, das sich immer wieder in einen Ich-Erzähler und ein Ich, der Dramatische spaltet, wandert mit Rucksack auf einer ebenso einsamen Landstraße. Es ersehnt und flieht die Menschen, beschimpft sie z.B. als (Achtung Kalauer) „Pack, Doppelpack, Tetrapack“ und wartet auf die eine Unbekannte, die ihn erlöst. Der poetisch-prosaische Ich-Wandersmann, den Claus Peymann ins Rennen schickt, ist Christopher Nell, gut bekannt als wahn-wütiger Hamlet des Leander Haußmann und wahn-witziger Mephisto des Robert Wilson. Hier ist Nell ganz der lustige Kerl mit leichten Anwandlungen zum Rumpelstilzchen. Während das Ich auf der Bühnenschräge von Karl-Ernst Herrmann mit geschwungener und beleuchteter Kurve wandelt, fabuliert es sich beim Gehen so seine Theater- und Menschheitsgeschichte hin, denn nichts zu suchen, das war sein Sinn.

 

die Unschuldigen ... am BE - Foto (c) Monika Rittershaus

Die Unschuldigen … am BE – Foto (c) Monika Rittershaus

 

Es läuft ihm dann alles mehr wie zufällig und dennoch recht erwartbar über den Weg. Allerdings ist dieses Stück Straße im dramatischen Nirgendwo auch eine theatrale Sackgasse, und das ist zunächst nicht mal abschätzig gemeint. Mit ein bisschen Fingerschnipsen entstehen Theaterdonner und Blitze, Vogelgezwitscher; und eine ruinöse, aufgelassene Bushaltestelle fährt aus der Unterbühne hoch, die sich das Handke-Ich als elfenbeinernen Ausguck wählt, auf dem es wachträumt oder von dem es immer wieder über die vorbeiziehenden Sprechblasenkrebse, tätowierten Schwimmlehrer, Gegoogelten, Rundinformierten und sämtlich Smartphoneabhängigen vom Planeten der Traumlosen, die ihm einfach nicht zuhören wollen, mit fast schon oberlehrerhaftem Tonfall herzieht.

Das schlägt natürlich auch mal in die andere Richtung aus. Mit dem Häuptling und der Häuptlingsfrau gibt es so etwas wie einen weiblichen und einen männlichen Gegenpart, die die nicht wenigen Unschuldigen, wie sie Handke nennt, an- und wortführen. Da wird viel von Maria Happel tremolierend gekichert und gejodelt oder mit weiser Stimme von Martin Schwab geschnarrt. Claus Peymann veranstaltet ein wenig Budenzauber und spielt Komödchen mit Handkes selbstreferenzieller Lebensbeichte eines mit sich und der Welt hadernden Intellektuellen, der den letzten freien Weg der Welt verteidigt. Das ist selten wirklich witzig, eher unfreiwillig komisch und putzig anzuschauen.

Schlussendlich stößt die doch noch aufgetauchte und zunächst stumm gestikulierende Unbekannte unseren blinden, selbstverliebten Denker etwas unsanft und wortschwallend vor die Stirn. Meret Becker musste sich in nur drei Tagen die Rolle der verletzten Burgtheaterschauspielerin Regina Fritsch drauf bringen. Die Berlinpremiere wurde dafür um einen Tag verschoben. Da weht dann schon mal so etwas wie Anarchie durch das Mausoleum der ewig Gestrigen, die hier viel von Damals reden.

Die etwas lang geratenen Unschuldigen mit dem noch längerem Namen sind gegen Gotscheffs bemerkenswert leichte und dennoch schwergewichtigere Handke-Inszenierung von Immer noch Sturm (Shakespeares Prospero wird hier dann auch noch bemüht) leider ein ziemlich laues Theaterlüftchen. Da macht sich am nicht enden wollenden Ende, dem nach Handke letzten Stündlein fürs Theater, trotz flehendem Hoffnungsgeraune an Brechtgardine auf Dauer doch etwas Langeweile breit. Und jetzt? Da wäre nichts gewesen, was uns Peter Handke nicht an anderer Stelle schon wesentlich pointierter gesagt hätte.

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Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße (01.05.2015)
Ein Schauspiel in vier Jahreszeiten von Peter Handke
Eine Koproduktion des Berliner Ensembles mit dem Burgtheater Wien
Uraufführung war am 27.01.2016 im Burgtheater Wien
Berlinpremiere war am 01.05.2016 im Berliner Ensemble
Regie: Claus Peymann
Bühne: Karl-Ernst Herrmann
Kostüme: Margit Koppendorfer
Dramaturgie: Jutta Ferbers und Anke Geidel
Licht: Karl-Ernst Herrmann und Friedrich Rom
Musikalische Mitarbeit: Moritz Eggert
Geräusche / Töne: David Müllner
Mit: Christopher Nell („ich“ im Wechsel zwischen „Ich, Erzähler“ und „Ich, der Dramatische“), Krista Birkner, Anatol Käbisch, Luca Schaub, Hermann Scheidleder, Martin Schneider, Fabian Stromberger, Jörg Thieme (Die Unschuldigen, nicht wenige), Felix Strobel (Die Unschuldigen, unter ihnen mein Doppelgänger), Martin Schwab (Der Wortführer der Unschuldigen oder: Häuptling/Capo), Maria Happel (Die Wortführerin der Unschuldigen oder: Häuptlingsfrau/Häuptlingin/Frau), Meret Becker (Die Unbekannte von der Landstraße)
Dauer: ca. 3 Stunden, eine Pause

Termine: 12. und 13.06.2016

Infos: http://www.berliner-ensemble.de/repertoire/titel/120

Zuerst erschienen am 03.05.2016 auf Kultura-Extra.

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Mit der Bong auf dem Balkon – Im neuen René Pollesch I love you, but I’ve chosen Entdramatisierung wird an der Berliner Volksbühne der Kunst des Stoner-Movies und der virtuosen Beleidigung gehuldigt.

Nicht nur Peter Handke kann lange Stücktitel, nein auch René Pollesch hat schon einige Textwürmer kreiert wie etwa Von einem der auszog, weil er sich die Miete nicht mehr leisten konnte oder Wann kann ich endlich in einen Supermarkt gehn und kaufen was ich brauche allein mit meinem guten Aussehen? Sein neuer Streich an der Berliner Volksbühne heißt etwas kryptisch in Denglisch: I love you, but I’ve chosen Entdramatisierung. Eine geistige Darmwurst, sprich Abfallprodukt, des großen Twitter-Nachrichtendienstes on WorldWideWeb, wo sich der Autor Pollesch im Gegensatz zum Autor Handke ziemlich aktiv herumtreibt.

 

(c) Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

(c) Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

 

Wie Handkes Unschuldige … am Rand der Landstraße befinden sich die vier Pollesch-Akteure Kathrin Angerer, Inga Busch, Trystan Pütter und Samuel Schneider auf der Retrospur, wobei sie sich mit ihren Glitzerkostümen, dem Hang zum Kiffen und der Musik von Scott Walker wohl in den 1960er und 70er Jahren befinden. Im Bühnenbild, das aus drei Wagen der Rollenden Roadshow von Bert Neumann besteht, die seitlich auf der Asphaltfläche des Theatersaals stehen, spiegelt sich ein wenig die guten alten Volksbühnenzeiten, und das Publikum sitzt direkt davor wie einst im Prater, einem schönen Nebenspielplatz, den René Pollesch in den Anfangsjahren der Castorf-Ära etablierte. Man bewegte sich damals auf einer kleinen Seitenstraße der Volksbühne, die nun selbst im Mainstream angekommen ist, wie US-Rocker Bruce Springsteen, der „Hiding on the Backstreet“ röhrt.

Im Gegensatz zu Peter Handke findet René Pollesch zum Glück immer wieder einen Diskurs-Schleifenweg back to Futur oder zumindest ins aktuelle politische Alltagsgeschehen. Im Rückblick auf die Jammer-Kultur des No Futur der 1980er ist Zukunft heute kein Thema mehr für Gesprächsrunden. Keine Zukunft, kein Zuhause. Der Pollesch‘sche moderne und spaßverliebte No-Futur-Mensch lebt wie ein Nomade der hippen Airbnb-Welt auf irgendeiner Couch, einem Hybrid-Möbel zwischen Bett und Stuhl, und lässt die Tüte kreisen. Was hier ausgiebig getan wird, bevorzugt hinter der Wagenplane mit Livekameras auf zwei große Videoscreens übertragen.

 

 

Foto: St. B.

Foto: St. B.

 

Dazu fällt man sich immer wieder ins Word, wirft Gedanken hoch und fängt die der anderen wortreich wieder ab. So werden etwa Theorien über die soziale Praxis der Konfliktbewältigung durch Beleidigung im multiethnischen Burkina Faso oder die befreiende Wirkung des Lachens über das Beschimpfen des Gegners vor bewaffneten Kämpfen in Zentralafrika ausgetauscht. Zum besseren Abbau von Spannungen und der Herstellung des sozialen Friedens wird sogar über ein Gesetz, das zur gegenseitigen Beleidigung verpflichtet, nachgedacht. Man könnte das durchaus als einen augenzwinkernden Kommentar zur aktuellen Böhmermann-Debatte verstehen oder als lustige Diskurs-Fortsetzung von Frank Castorfs Thesen gegen die herrschende Konsenskultur. Zumindest kämpft man hier ein wenig gegen deren entdramatisierende Wirkung an, wenn da so herrliche Sätze fallen wie: „Beleidigung kann auch was Kathartisches haben, wenn man sie nicht übel nimmt.“

Den philosophischen Überbau bilden diesmal theoretische Schriften wie Soziale Raumzeit von Gunter Weidenhaus, Peripherie und Ungleichzeitigkeit von Klaus Ronneberger, Was ist ein Ereignis von Slavoj Žižek sowie Der Implex von Dietmar Dath und Barbara Kirchner, deren selbstgeschöpftes Amalgam René Pollesch wie immer in leicht ironischen Dosen beimengt und damit sein Diskurstheater mit kapitalismuskritischen Thesen zu Raum, Zeit, Realität und Fortschritt befeuert.

Zusammen mit der US-Komödie Half Baked (1998) über vier durchgeknallte Marihuana-Dealer und ihre Freundin Mary Johanna, was hier zu einigen schönen Kalauern ausgebaut wird, huldigt man viel der Kunst der virtuosen Beleidigung und dem Genre der Stoner-Movies, die in den 1990er Jahren wie bunte psychodelische Pilze aus dem Boden schossen. Allerdings macht Shit in der Birne auch ein wenig bewegungsfaul, und ein Fahrrad ist nun mal kein Pit-Bike. Ein Ausflug der Vier mit qualmender Bong auf den Balkon ist da schon das aufregendste Ereignis dieses sanft entdramatisierten und trotzdem recht witzigen Abends. Da träumt der Dude von.

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I love you, but I’ve chosen Entdramatisierung (UA)
Text und Regie: René Pollesch
Bühne: entwickelt von Lenore Blievernicht / Nina Peller mit den Wagen der Rollenden-Road-Schau (RRS) von Bert Neumann, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz 2000-2006
Kostüme: Nina von Mechow
Licht: Frank Novak
Kamera: Mathias Klütz, Ute Schall
Videoschnitt: Cemile Sahin
Ton: Hans-Georg Teubert, Georg Wedel
Tonangel: William Minke
Dramaturgie: Anna Heesen
Mit: Kathrin Angerer, Inga Busch, Trystan Pütter und Samuel Schneider
Premiere war am 04.05.2016 in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
Dauer: ca. 90 Minuten, keine Pause

Termine: 03., 16. und 27.06.2016

Infos: http://www.volksbuehne-berlin.de

Zuerst erschienen am 05.05.2016 auf Kultura-Extra.

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Der russische Roman Exodus in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz – Eine Terrorkampagne mit Musik nach DJ Stalingrad in der Regie von Sebastian Klink

Sonntag, April 10th, 2016

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(c) Volksbühne

(c) Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Pünktlich zur Karfreitagspremiere von Exodus gab es auch die erste Kreuzigung in der Schwarzen Oster-Serie der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Die schmalen Holzkreuze liegen zu Beginn des Abends noch abgeklappt auf dem Beton, aber Alexander Scheer, bewaffnet mit Megafon, Stahlhelm und roter Lederjacke, macht keinen Hehl daraus, was damit in der Bühnenadaption des von Pjotr Silaew 2011 unter dem Pseudonym DJ Stalingrad in Russland veröffentlichten und 2013 in deutscher Übersetzung erschienen Debütromans geschehen soll. „Wir brauchen keinen Jesus. Wir sind selbst alle Jesus.“ brüllt er irgendwann ins Publikum. Später wird es eine Golgatha-Szene geben mit Hanfpflanzen in Töpfen und anschließendem Zertrümmern von Kloschüsseln, auf die man sich zu dritt davor gesetzt hatte, um über Jesus Einzug in Jerusalem am Palmsonntag auf einem Esel zu sinnieren.

 

Exodus_Volksbühne_Schaukasten_antik

Foto Schaukasten Volksbühne – St. B.

 

Ein Symbol des Friedens und der Provokation der Mächtigen zugleich. Silaews Roman strotzt nur so vor Beschreibungen provokanter Aktionen. Nur ist seine Darstellung der postsowjetischen Zeit nicht gerade friedlich, sondern geprägt von blutiger Gewalt rivalisierender linker und rechter Straßengangs. Exodus ist zudem stark autobiografisch geprägt. Silaew wurde bis vor kurzem mit internationalem Haftbefehl gesucht. Der 1985 geborene Autor, der Anfang der 2000er Jahre gegen russische Neonazis kämpfte und als Umweltaktivist an Aktionen gegen den Autobahnbau teilnahm, soll in Russland wegen Rowdytums vor Gericht. Es droht ihm Arbeitslager. Man kennt das von der Punkband Pussy Riot. Mittlerweile lebt und arbeitet Petr Silaew als Journalist und Autor in Spanien.

Silaew, der ein abgeschlossenes Studium der Philosophie und Religionswissenschaft hat, verwendet in Exodus einige religiöse Metaphern. Es gibt einen fleischgewordenen Verführer, der wie eine Erscheinung des Herrn, dem jungen, namenlosen Erzähler Unheil verkündet, wenn er ihm nicht folge. Später wird der sich in der Volksbühne Iwan nennende Protagonist diesen Mann mit der Eisenstange erschlagen. Alexander Scheer malt das hier in allen Farben aus. In der Gewaltausübung findet die Gruppe um ihn (Rouven Stoer als Ruslan und Patrick Güldenburg als Crack) sogar etwas von Heiligkeit. Ihr Handeln ist dabei bewusst ambivalent und changiert von extrem links bis nach rechts außen inklusive Judenwitzen.

Die verlorene, postsowjetische Generation geriert sich wütend gegen Staatsmacht, Wendegewinnler und das kapitalistische System des Westens. Der Hass der Verlierer entlädt sich bei Fußballspielen, Demos und Punkkonzerten. Ihre Religion ist der Schmerz. Das resultiert vor allem aus den Kindheitserlebnissen der Protagonisten, die bereits von Gewalt geprägt sind und sich wie mit einer Nadel in „eine Rille des Schmerzes auf das Vinyl“ gepresst hat. Wenig Licht, viele Schläge. Nur das Schmerzhormon lässt sie noch fühlen. Silaew beschreibt es u.a. recht poetisch wie das Gehen auf „Gras mit spitzen, scharfen Halmen, eine Wiese aus Blut.“

 

Exodus_Volksbühne

Schwarze Serie in der Volksbühne – Foto: St. B.

 

Der sowjetische Mensch ist schwer zu erklären, heißt es einmal. Der Homo soveticus (nach Schriftsteller Alexander Sinowjew) hat sich in die neue Zeit nach dem Zusammenbruch des Kommunismus hinübergerettet, in eine Gesellschaft aus ziel- und prinzipienlosen Opportunisten, die bereitwillig den ihnen zugewiesenen Platz einnehmen. Silaew erklärt diese Geburt des neuen russischen Helden ausführlich in einem Abriss über „überflüssige männliche Individuen“, die als kluge Selbstregulierung der Gesellschaft aussortiert und einer ihren Talenten gemäßen Verwendung zugeführt werden. „Die einen überflüssigen Männer werden Polizisten, andere Verbrecher. Das hilft ein bisschen, das Blut fließt wieder.“ Ein Mechanismus des notwendigen Aderlasses, der zwangläufig nur ein Ziel hat: den Krieg. „Der Homo soveticus versteht was vom Sterben.“

Spätestens mit diesen Theorien von der Entstehung der Gewalt und der Ausnutzung des vorhandenen Gewaltpotentials dürfte er für Volksbühnenintendant Frank Castorf interessant geworden sein, der eben genau diese Passagen aus Exodus als Fremdtext für seine Bearbeitung von Dostojewskis Roman Die Brüder Karamasow nutzte. Ein irrlichternder Abriss über die Geschichte der Gewalt von der russischen Orthodoxie, dem Nihilismus über die gewalttätige Vätergeneration bis zum politischen Ideologen Stalin und seinen Nachfolgern.

Was wir nun in der Inszenierung Exodus – Eine Terrorkampagne mit Musik nach DJ Stalingrad von Sebastian Klink erleben, ist so etwas wie eine wilde, konzertante Zugabe. „Die Seele dem Chaos verkauft“, dient hier als Motto für einen schier überbordenden Abend voller aggressiver Rockmusik, körperbetontem Posing und kleinen Geschichten über die Schizophrenie der russischen Gesellschaft und deren Zusammenhalt anhand des Märchens von Strohhalm, Kohle und Bohne. Der Soundtrack zum Abend kommt von der Hardcore-Metalband The New World Order. Die drei Musiker spielen recht laut am Fuße des Asphaltbetons in einem Metallkäfig, der vom Schauspielensemble immer wieder bestiegen und mit Baseballschlägern und Eisenrohren traktiert wird.

 

Rote-Armee-Denkmal in Sofia

Rote-Armee-Denkmal in Sofia

 

Es wird wie bei Castorf üblich viel mit der Livekamera aus den Katakomben der Volksbühne übertragen und als ergänzender Fremdbeitrag eine Vernehmung des politischen Konzeptkünstlers Pjotr Pawlenski, der sich u.a. mit seinem Hoden auf den Roten Platz genagelt hatte, nachgespielt. Was in eine Diskussion über die Einordung seiner Aktionen entweder als Schändung von gesellschaftlichen Symbolen und Bauwerken oder als Kunst führt. Zu sehen ist unter anderem auch die recht ironische Umgestaltung von Figuren des Russischen Ehrenmals in Sofia durch unbekannte Künstler zu US-amerikanischen Helden und Symbolen der Popkultur. Videoeinspielungen alter sowjetischer und DDR-Kinderfilme wie dem singenden Krokodil Gena und Jan und Tini auf Reisen stehen neben Straßenkampfszenen von Demonstranten mit russischen Sicherheitskräften.

Sebastian Kling hat seinen Cliquenturbo aus Ernst Haffners Blutsbrüdern im 3. Stock noch mal angeworfen und die dortigen Darsteller Patrick Güldenberg und Rouven Stöhr mitgebracht. Sogar Axel Wandke ist erneut als Biberkopfinkarnation mit E-Gitarre wieder mit von der Party. Ähnlich wie Alexander Scheer, der seinen grandiosen Karamasow-Bruder Iwan in die Hauptfigur aus Pjotr Silaews Exodus transformiert. Eine Fortsetzung des alten Dostojewski-Prinzip „Alles ist erlaubt“ ins moderne Russland. Wobei der Bezug zum Westen etwas zu kurz kommt.

Zum männlichen Trio Infernale gesellt sich noch die Schauspielerin Margarita Breitkreiz mit ein paar eindrucksvollen Szenen, etwa als Mutter Russland, die die Gekreuzigten wäscht, oder als Mutter eines aus dem 8. Stock eines russischen Plattenbaus gefallenen Kindes, was sie, während sie auf der anderen Seite rauchen war, nicht registriert hatte. Allerdings wirkt der gut zweistündige Abend auch etwas überdreht, und vieles wird durch das andauernde männliche Gepose mit tätowierten Oberkörpern und die krachige Musik übertönt. Als Livekonzert mit Zwischentext ist der Abend sicher annehmbar. Man sollte ihn aber unbedingt mit einem Besuch der Brüder Karamasow kombinieren. Denn nur so entfalten die Texte von DJ Stalingrad in einem gesamtgeschichtlichen Kontext ihre ganze Wirkung.

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 (C) Matthes & Seitz

(C) Matthes & Seitz

Exodus (01.04.2016)
nach DJ Stalingrad
Bühnenfassung und Dramaturgie: Thomas Martin
Regie: Sebastian Klink, Bühne und Kostüme: Gregor Sturm, Musik: The New World Order, Licht: Hans-Hermann Schulze, Ton: Christopher von Nathusius, Video: Konstantin Hapke
Mit: Margarita Breitkreiz, Patrick Güldenberg, Alexander Scheer, Rouven Stöhr, Axel Wandtke, Kriton Klingler-Ioannides (Musiker), Mathias Brendel (Musiker) und Conner Cornelius Rapp (Musiker)
Dauer: ca. 2 Stunden, keine Pause

 

Uraufführung in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz war am 25. März 2016.

Termine: 23.04. und 06.05.2016

Infos: http://www.volksbuehne-berlin.de

Zuerst erschienen am 03.04.2016 auf Kultura-Extra.

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„Erobert euer Grab!“ – Die Berliner Volksbühne veranstaltet eine Schwarze Serie über Ostern

Donnerstag, März 24th, 2016

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Sterbehochamt – Krieg von Ragnar Kjartansson mit einer Komposition von Kjartan Sveinsson

Foto: St. B.

Foto: St. B.

Mit dem Aufruf „Erobert euer Grab“ hat die Volksbühne kurz vor Ostern eine „Schwarze Serie“ genannte Reihe von Kurz- und mittellangen Produktionen im Theatersaal und auf der Hinterbühne ins Leben gerufen. Eine theatrale Befragung über Gott und die Welt, zum Dilemma von Leben- und Sterbenmüssen und dem Sinn und Unsinn der Unsterblichkeit. Sieben Premieren in sieben Wochen im vom verstorbenen Bühnenbildner Bert Neumann schwarz gestalteten Inneren der Volksbühne.

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Die theatralen Karwochen eröffneten dann standesgemäß mit einem düsteren, fast schon sakralen Stück des isländischen Installations- und Performance-Künstlers Ragnar Kjartansson. Krieg ist nach Der Klang der Offenbarung des Göttlichen seine zweite Theaterarbeit für die Volksbühne mit Musik des isländischen Komponisten Kjartan Sveinsson. Der Ex-Keyboarder der Postrocker Sigur Rós hat sich nach seinem Ausstieg aus der Band musikalischen Soloprojekten gewidmet, die stark sakrale Züge tragen, wie etwa das 2010 in New York uraufgeführte Orchesterwerk Credo. Und so ist Krieg nicht etwa wie angekündigt wirklich eine Oper, sondern eher ein Requiem für einen sterbenden Soldaten.

(c) Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

 

Recht dramatisch sieht es in jedem Fall aus, was der Volksbühnenmime Maximilian Brauer da ungefähr eine geschlagene Stunde lang treiben muss. Laut stöhnend sich den Bauch haltend robbt und stolpert der in verdreckter preußischer Gardeuniform Steckende durch ein Art Bühnen-Diorama aus dem Siebenjährigen Krieg vor einem mit Bergen und glutrotem Himmel bemaltem Rundhorizont. Ragnar Kjartansson hat ein dreidimensionales Schlachtengemälde mit glimmenden Lagerfeuern, Zaunresten, Baumstümpfen und herumliegenden Soldatenleichen auf die Hinterbühne gestellt, vor der das Publikum andächtig einem pathetischen Sterbehochamt beiwohnt.

Maximilian Brauer performt von der Musik begleitet einen physischen Gewaltakt, bei dem er sich blutspuckend immer wieder entweder an einem Gatter, seinem Säbel, oder einem Vorderladergewehr mit aufgepflanztem Bajonett hochzieht und wieder zusammensackt. Blick und Arme gehen hin und wieder nach oben. Doch der Himmel ist bekanntlich leer und das Verrecken fürs Vaterland ein ziemlich unheroischer und dreckiger Job. Trotz recht plastischer Darstellung bleibt diese Performance in ihren Mitteln leider relativ eindimensional. Sterben als reine Kunstanstrengung.

 

Foto Schaukasten Volksbühne - St. B.

Foto Schaukasten Volksbühne – St. B.

 

Und das ist das zweite Minus des Abends, der sich anmaßt, etwas über das Sterben zu wissen, das über eine bloße Theatralik hinausgeht. Ein Kinderspiel aufgeblasen zu einem multimedialen Bühnenereignis im Hollywood-Breitbildformat. Wenn das nur ansatzweise karikiert würde. Aber die vereinzelten Lacher im Publikum gelten eher der unfreiwilligen Komik des sich hinziehenden Sterbeaktes, dem dann ein Kartätschenschlag doch noch ein jähes Ende setzt. Zum Beifall erhebt sich der leidvoll gestorbene Akteur dann nicht mehr. Tot ist tot, würde Heiner Müller sagen.

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Krieg
Oper in einem Akt. Von Ragnar Kjartansson mit einer Komposition von Kjartan Sveinsson. Eingespielt vom Deutschen Filmorchester Babelsberg
Regie & Bühne: Ragnar Kjartansson
Komposition: Kjartan Sveinsson
Aufnahme: Deutsches Filmorchester Babelsberg
Kostüme: Tabea Braun
Maler: Christoph Fischer, Anton Hägebarth, Camilla Hägebarth, Ragnar Kjartansson, Julia Krawczynski, Anda Skrejane
Licht: Johannes Zotz
Mitarbeit Bühne: Axel Hallkell Jóhannesson, Jana Wassong
Ton: Jörg Wilkendorf
Dramaturgie: Henning Nass
Mit: Maximilian Brauer
Uraufführung am 11.03.2016 auf der Hinterbühne der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Termine: 08. und 17.04.2016

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Castorf-Jünger auf Sommerfrische – Silvia Rieger inszeniert die SOMMERGÄSTE von Maxim Gorki

Viel rumgelegen wird in Silvia Riegers Inszenierung des 1904 uraufgeführten Dramas Sommergäste von Maxim Gorki. Die für ihre recht kühlen und eher formal strengen Regiearbeiten bekannte Volksbühnenschauspielerin hat mit Studierenden der Schauspielschule Ernst Busch eine relativ freie und ziemlich abgefahrene Version des vorrevolutionären russischen Konversationsstücks auf den Asphaltbeton der Volksbühne geknallt. Wer noch die Birken von Peter Stein oder den abgeranzten Charme von Alvis Hermanis‘ Gartenvilla in der Schaubühne im Kopf hat, muss sich hier allerdings schnell von der Vorstellung eines konventionell gespielten, melancholisch schönen Theaterabends verabschieden. Nur eine Plastikblume, ein großer Pappmache-Pilz und ein von Frank Büttner und Martin Otting im Blaumann hereingeschleppter weißer Baumstamm zeugen noch von ländlicher Restatmosphäre. Ein düsterer Sommernachtsalbtraum auf kahlem Asphalt.

(c) Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

 

Wirklich heller wird es auch nach einer längeren Bach-Ouvertüre nicht. Dafür brüllt und kreischt es dann umso lauter, leider meist auch etwas unverständlich aus dem Dämmerlicht, wo die DarstellerInnen in einzelnen Gruppen oder ineinander verknäult Gorkis Text bröckchenweise von sich geben. Es wird viel gesoffen, mal berlinert, mal gesächselt, unterm Pilz philosophiert und viel auf hohen Hacken rumgerannt. Dazu gibt es noch einen Lampionumzug und ein Picknick auf rotem Tuch. Das hatte sich bereits zuvor, vom Rang heruntergelassen, Theresa Riess als schrille Dichterin Kaleria um den Kopf gewickelt und als russische Sphinx finster prophezeiend das 1918 verfasste Gedicht Die Skythen von Alexander Blok rezitiert. Der gierige Asiat schaut auf den finster brütenden Germanen. Nun ja, ein bisschen weltgeschichtlicher Fremdtext darf es an der Volksbühne ja immer sein.

 

Sommergäste_Volksbühne_Schaukasten_antik-sepia

Foto Schaukasten Volksbühne – St. B.

 

So wie dem Rad schlagenden Literaten Schalimow (Benjamin Kühni) seine Leser abhandengekommen sind, verliert das Publikum hin und wieder mal den Faden. Genauere Figurenzuordnungen erschließen sich nur für Kenner des Textes, was hier aber nicht weiter ins Gewicht fällt. Die schlaffe, russische Intelligenzija-Meute auf Sommerfrische unterscheidet sich eh kaum voneinander. Sie sind wie Blasen auf den Pfützen, kommen hoch und platzen – weiß Martin Otting, Berlins meistbeschäftigter Nebendarsteller. Er und Frank Büttner vom Volksbühnenensemble geben das Wächterpaar, das wie Waldorf und Statler aus der Muppet Show vom Rang aus das Treiben unten auf dem Asphalt zynisch kommentiert und zum Schluss die verstreuten Picknickreste wieder einsammeln darf. Büttner gibt retrospektiv den Castorf inklusive Wutausbruch und Mäusehirn.

Wie soll ich denn nur leben? Auf die große Frage des Stücks scheint es nach wie vor keine passende Antwort zu geben. Dafür wird dem Gorki gehörig der Tschechow ausgetrieben. Die Inszenierung zerfällt dabei aber zusehends in kleine, teils auch mal ganz amüsante Nümmerchen wie etwa einem Ausflug ins Pulp Fiction Trashfach. Kim Schnitzer zückt als Julia Filipowna den Revolver, ballert das Magazin leer und brüllt dann: „Pfoten hoch“. Darin lässt sie sich auch nicht von den beiden Clowns aus der Loge beirren, die von fehlender Form und Inhalt reden. Die Jugend hat halt ihren eigenen Kopf. Der Leere von Gorkis Figuren, die sich wie Scheintote auf Urlaub durchs Stück palavern, kann die Regie mit diesem bunten Kostüm-Karneval allerdings nicht allzu viel hinzufügen.

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Sommergäste
nach Maxim Gorki
Regie: Silvia Rieger
In der Bühne von: Bert Neumann
Kostüme: Laurent Pellissier
Licht: Torsten König
Einrichtung Musik und Ton: Wolfgang Urzendowsky
Dramaturgie: Sabine Zielke
Mit: Frank Büttner, Maximilian Hildebrandt, Daniel Klausner, Benjamin Kühni, Martin Otting, Marie Louise Rathscheck, Theresa Riess, Celina Rongen, Kim Schnitzer, Janet Stornowski, Ulvi Erkin Teke, Léa Wegmann und Felix Witzlau
Eine Kooperation mit der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin
Premiere war am 15.03.2016 an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Termine: 10., 16., 23.04.2016

Infos Schwarze Serie: http://www.volksbuehne-berlin.de/deutsch/spielplan/?reihe=77

Zuerst erschienen am 22.03. und 23.03.2016 auf Kultura-Extra.

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ICH BINS DEINE MUTTER – Wolfram Koch spielt an der Berliner Volksbühne „Tod des Lehrers“ und andere Erzählungen aus dem Buch „Die Bande“ von Einar Schleef

Montag, Januar 11th, 2016

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Wie ein Stern in einer Sommernacht
Ist die Liebe, wenn sie strahlend erwacht
Leuchtet hell und gar durch Raum und Zeit
Wie ein schöner See Unendlichkeit

Wie ein Stern, Songtext Frank Schöbel (1971)

Einar Schleef_Die Bande_Suhrkamp 1982

(c) Suhrkamp Verlag

Laut der österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek hat es in Deutschland nach dem Krieg nur zwei Genies gegeben: „im Westen Fassbinder, im Osten Schleef“. Während dem Film- und Theaterregisseur Rainer Werner Fassbinder zum 70. Geburtstag gerade wieder eine Ausstellung in Berlin gewidmet wurde und zum 87. Geburtstag des anderen ostdeutschen Theatergenies Heiner Müller überall in der Stadt gelesen wird, ist es um den am 17. Januar 1944 in Sangerhausen/Thür. geborenen Autor, Regisseur und bildenden Künstler Einar Schleef etwas stiller geworden.

Nach seinem Tod im Jahr 2001 hatte es nur den von Edith Clever recht pathetischen am Berliner Ensemble eingerichteten Soloabend Gertud (nach Schleefs Roman über seine Mutter) oder die Aufführung der Nietzsche-Trilogie in der Regie von Thomas Bischoff an der Volksbühne gegeben. Eingehender beschäftigte sich der Theaterregisseur Armin Petras in einigen Inszenierungen in Dessau, Leipzig, Frankfurt/M und Berlin mit den Werken Schleefs. Letztes kleines Highlight in Berlin war zum 40. Jahrestag des Mauerbaus das Erscheinen des Bildbandes Ich habe kein Deutschland gefunden mit Fotos und Texten des zwischen den beiden deutschen Staaten gespaltenen Künstlers.

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Zeit also, um mal wieder an den Schriftsteller Einar Schleef zu erinnert, dachte sich der bekannte Film- und Theaterschauspieler Wolfram Koch, und entwickelte gemeinsam mit dem jungen Regisseur Jakob Fedler (einst Assistent von Dimiter Gotscheff) einen Solo-Abend mit 4 Erzählungen Einar Schleefs aus dem 1982 erschienenen Buch Die Bande. Zehn Geschichten von deutscher Gegenwart. Dazu verknüpfte Koch die Erzählungen mit Briefen von Schleefs Mutter an ihren seit 1977 in West-Berlin lebenden Sohn. Die Koproduktion der Ruhrfestspiele Recklinghausen mit dem Schauspielhaus Bochum hatte bereits im Juni 2015 im Theaterzelt Recklinghausen Premiere.

Wie man liest, fand der tief im Westen noch unter dem Namen Tod eines Lehrers gestartete Schleef-Abend zumindest in Bochum keinen recht großen Publikumsanklang. Laut den Ruhrfestspielen interpretiert Wolfram Koch „einen Monolog aus literarischen Fragmenten des genialen Einar Schleef, dessen Geschichten einfühlsam und lakonisch die Welt seiner Mutter, die Einsamkeit und Glücklosigkeit der kleinen Leute umkreisen“. Für diese Art erzählerischer Miniaturen aus dem Leben in der ostdeutschen Provinz ist Schleef bei seinen Fans bekannt und beliebt. Und nun, am Abend des Heiner-Müller-Geburtstages im wieder bestuhlten Saal der Berliner Volksbühne, sind sie auch zahlreich zum Berliner Gastspiel erschienen. Zumindest waren etliche Schauspielerkollegen Wolfram Kochs im Publikum, um den hier bereits in Stücken von Dimiter Gotscheff zu sehenden oder mit Bühnenpartner Samuel Finzi am Deutschen Theater auftretenden Koch als Schleef-Interpreten zu erleben.

Tod eines Lehrers - Foto: Ruhrfestspiele Recklinghausen

Wolfram Koch spielt „Tod eines Lehrers“ und andere Erzählungen von Einar Schleef – Foto: Ruhrfestspiele Recklinghausen

Ich bins deine Mutter nennt sich nun das Stück. Und mit diesem Satz beginnt Wolfram Koch auch hocherhobenen Arms im braunen Kittelkleid auf goldfarbenem Denkmalsockel stehend (Bühne und Kostüme: Dorien Thomsen) seinen denkwürdigen Solo-Abend an der Volksbühne. Koch mimt hier einerseits das Kyffhäuserdenkmal aus der Erzählung Das Denkmal, zu dem seine Mutter Gertrud und ihre Freundin Elli einen Ausflug machen, und dann wieder Schleefs Mutter selbst, die extra von Sangerhausen nach Berlin fährt, um in einer Telefonzelle mit ihrem Sohn im Westen zu telefonieren. Das ist hochkomisch und tragisch zugleich, wenn Koch mit verzerrtem Gesicht als Elli von dem wegen verdorbener HO-Schlagsahne beeinträchtigtem Erlebnis der beiden alten Freundinnen erzählt, das im Bus nach Hause seinen durchschlagenden Höhepunkt findet, und dann wieder als Gertrud pantomimisch nach Münzen angelt, während sie in der Telefonzelle ihrem Sohn ihr Leid klagt.

Verstärkt wird das immer wieder durch die Passagen aus den Briefen der Mutter, in denen die früh Verwitwete ihre Einsamkeit schildert und sich darüber beschwert, dass der Sohn sich so selten meldet. In zwei dicken Bänden ist dieser eindrucksvolle Briefwechsel erschienen. Die Erzählung Tod des Lehrers greift das Thema des Verlassenseins immer wieder auf. Hier geht es neben einem Friedhofsbesuch der Mutter auch um den ehemaligen Zeichenlehrer Schleefs, Herrn Richter, der immer wieder die Mutter nach dem Schüler ausfragt und irgendwann Selbstmord begeht. In schnellen komischen Wechseln auf dem Sockel sitzend stellt Wolfram Koch einen bedrückend peinlichen Besuch Schleefs beim Lehrer und seiner Frau dar. Koch zieht hier aber alle Register seines großartigen komödiantischen Könnens.

Auch die beiden Erzählungen Das Haus und Wittenbergplatz changieren geschickt zwischen Komödie und Tragödie. Das Besondere an der Inszenierung ist, dass alle vier Erzählungen ständig wechselnd ineinander verwoben werden. Fast ansatzlos springt der Schauspieler zwischen den Figuren hin und her. Mal ist er der heroische Maurer auf dem Sockel, der stolz von seinem Hausbau erzählt und nachdem sich Frau und Sohn von ihm entfremdet haben, das Haus zweimal anzündet und schließlich Selbstmord begeht. Dann wieder windet er sich über den Boden als verzweifelnder Ehemann, der nicht weiß, ob er zu seiner Frau, die sich mit anderen Männern trifft, zurückgehen oder vor den U-Bahnzug springen soll. „Wie ein Stern“ – mit diesem Lied von DDR-Schlagersänger Frank Schöbel über das Glück der kleinen Leute endet diese schöne Erinnerung an einen großen Autor, den Wolfram Koch über eine kurzweilige Stunde lang auf seinen kleinen Sockel hebt.

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Ich bins deine Mutter (09.01.2016, Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz)
Wolfram Koch spielt Einar Schleef.
„Tod des Lehrers“ und andere Erzählungen aus dem Buch „Die Bande“
Regie: Jakob Fedler
Bühne und Kostüme: Dorien Thomsen
Mit: Wolfram Koch
Eine Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen, Premiere im Theaterzelt: 13.06.2015 und dem Schauspielhaus Bochum, Premiere in den Kammerspielen: 23.10.2015

Infos: http://www.volksbuehne-berlin.de
und https://www.ruhrfestspiele.de

Zuerst erschienen am 10.01.2016 auf Kultura-Extra.

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Don’t look back – In der Volksbühne denkt René Pollesch über den Sinn von Kunst und Service / No service am Theater nach

Sonntag, Januar 3rd, 2016

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(C) Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

(c) Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

„Don‘t look back!“ heißt es im neuen Stück von René Pollesch. Eigentlich eine unsentimentale Aufforderung, Altes hinter sich zu lassen und sich Neuem zu öffnen. Und dennoch erscheint Service / No service eher wie eine Reminiszenz auf vergangene Volksbühnentage im letzten vom kürzlich verstorbenen Bühnenbildner und Pollesch-Freund Bert Neumann gestalteten Einheitsbühnenbild mit schwarzem Flittervorhang und asphaltiertem Fußboden, auf dem schon Frank Castorfs Brüder Karamasow irrlichterten, und der nun ohne die bequemen Sitzsäcke vollkommen blank daliegt. Straße, Großraumdisco oder Bretter, die die Welt bedeuten, auf denen man nicht einfach so rumlungert, wie uns Kathrin Angerer mitteilt. Stühle oder keine Stühle, Eventbude oder Theater, Service oder No service, das sind hier die Fragen, denen sich der Abend neben einer veritablen Sinnkrise widmet.

Und nachdem Maximilian Brauer, der – wie Franz Beil, Daniel Zillmann und Kathrin Angerer – im Superhelden-Weltenretter-Kostüm steckt, symbolische antike Thespiskarren durch den Raum geschoben und im Video viele bunte Smarties gegen eine suizidale Kopfschmerztablette ausgespielt hat, gibt die langjährige Volksbühnen-Diva im gewohnten Nölton eine theatrale Schöpfungsgeschichte zum Besten und klagt über die Abkopplung des eigenen Lebens vom Weltgeschehen. Mitten im Elektra-Monolog hat sie aufgehört zu sprechen und die Bühne verlassen. Es schien ihr so, als sei alles gesagt. Was soll‘s, man kann nicht immer in Geberlaune sein.

Und so teilt sie die Welt in lauter Gegensatzpaare wie Licht und Finsternis. Auf der einen Seite die Capulets und auf der anderen die Montagues. Da die Liebe und dort keine Liebe. Es gibt Leute, die auf das Ende der Welt warten, oder die, die es herbeiführen. Uns fehlt die Neugier, wie es nach dem Tod weitergehen könnte, der Drang nach der Unsterblichkeit. Die Verbindung zur Welt ist gekappt. Ohne Hoffnung geht es immer weiter. Und selbst die dritte Kraft, die das Theater sein könnte, kann daran nichts ändern. Die Diva wird vom diktatorisch fordernden Regisseurs-Chor aus sechzehn jungen Männern zur Servicekraft und Saftschupse degradiert. Wie sollte man darüber nicht verrückt werden?

 

Service-No Service_Volksbühne_St. Bock

Foto: St. B.

 

René Pollesch verbreitet ein wenig melancholischen Weltschmerz und philosophischen Kulturpessimismus, allerdings im gewohnt bunten Popgewand. Ein kleiner Ausflug in die Evolution des Theaters von der antiken Tragödie über das Nō-Theater, den leeren Raum von Peter Brook bis zu den Theaterkollektiven von Ariane Mnouchkine. In den Künstlern war doch mal der Weltgeist, hören wir. Aber das ist nicht mehr zeitgemäß. Die marxistische Line ist abgebrochen. Heute gibt es dafür Theatergruppen, die nur für kurze Projekte zusammenfinden, oder sogenannte Kunst-Cluster. Identitätslose Gebilde, wie sie eben auch der Jung-Männer-Chor darstellt. Die Diktatur der nicht mehr unterscheidbaren Massenproduktion. Selbst kreativer Individualismus scheint da wie ein inszenierter YouTube-Flashmob á la Praise You von Fat Boy Slim, zu dem dann alle auf der Bühne mittanzen.

Ein heiter besinnlicher Abend, wie gemacht für die Weihnachtszeit. Man begibt sich auf die Suche nach der verlorenen Schönheit, diskutiert den ästhetischen Unterschied von weißen Plastikstühlen und solchen von Manufactum und erklärt die Kunst zum sequentiell traumatisierten Pflegfall. Aber eigentlich scheint es dann irgendwie auch egal, ob der Patient noch therapierbar ist oder nicht, so lange er noch so perfekt glitzert, wie das polyedrische Raumschiff, das vom Bühnenhimmel schwebt. Die Vorstellung einer anderen, schöneren Welt (sprich Utopie) ist hier wie das Deko-Bäumchen, an dem Maximilian Brauer wild herumschneidet, das irgendwie verhunzt aussieht, nie passend scheint und dennoch immer wieder neu grünt. Auch unter dem glatten Asphalt einer kommenden Eventkultur, wo beim Umbau der Volksbühne, wie wir hören, gerade ein echter antiker Adonis gefunden wurde.

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Service-No Service_Volksbühne_Bühne_Dez. 2015

Foto: St. B.

Service / No service (23.12.2015)
Text und Regie: René Pollesch
Bühne: Bert Neumann
Kostüme: Bert Neumann
Licht: Lothar Baumgarte
Ton: Tobias Gringel, William Minke, Christopher von Nathusius
Video: Mathias Klütz
Chorleitung: Christine Groß
Soufflage: Katharina Popov
Dramaturgie: Anna Heesen
Mit: Kathrin Angerer, Franz Beil, Maximilian Brauer und Daniel Zillmann
Chor: Walid Al-Atiyat, Jakob D’Aprile, Niklas Dräger, Jonathan Hamann, Lucien Strauch, Max Heesen, Sten Jackolis, Fynn Jedrysek, Jan Koslowski, Luis Krawen, Max Martens, Paul Rohlfs, David Thibaut, Christopher Wasmuth, Friedrich Weißbach, Daniel Wittkopp
Die Premiere war am 03.12.2015 in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
Spieldauer: 1 Stunde 30 Minuten

Termine: 08.01., 03.02. und 29.02.2016

Infos: http://www.volksbuehne-berlin.de

Zuerst erschienen am 27.12.2015 auf Kultura-Extra.

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„Keiner findet sich schön“ an der Berliner Volksbühne – Fabian Hinrichs kämpft sich mit dem Text von René Pollesch durch eine Rest Zeit Story

Freitag, Juni 26th, 2015

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(C) Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

(C) Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Die Hälfte des Abends an der Volksbühne ist bereits verstrichen, da rückt der Solo-Mime Fabian Hinrichs in René Polleschs neuem Stück Keiner findet sich schön endlich mit der großen Erkenntnis heraus, dass wir gar kein Leben haben. Dazu bläst sich die auf der rot-weiß gestreiften Bühne von Bert Neumann liegende Hülle zu einem riesigen No-Fear-Bear auf, und Hinrichs knuddelt und zerrt an dem weißen Emo-Teddy, als gelte es den sehnlichst erwarteten Mitspieler zum Leben zu erwecken.

Zuvor hatte der Schauspieler bereits 35 Minuten lang allein auf weiter Flur mit dem etwas redundanten Text und der Entscheidung gekämpft, wahlweise zu einem Iggy-Pop-Konzert zu gehen, dabei die Liebe seines Lebens kennen zu lernen, oder zu Hause zu bleiben und sich auf Tinder zu verabreden. Oder noch ganz anders, darauf zu warten, dass es klingelt und die alte Liebe wieder vor der Tür steht. So oder so, es kommt weder zum Live-Erlebnis mit Stagediving, da beim Filmen mit dem Handy eh keiner den fliegenden Iggy auffangen würde, und auch nicht zur Verabredung im Café, da man dort doch immer nur auf Betrüger trifft. Ob in New York, Sidney oder Schweinfurt: „Bleibt zu Hause. Ihr findet nicht, was ihr sucht.“

„Es ist so schwierig zu leben.“ René Pollesch hat dazu einen zunächst doch recht pessimistischen Text geschrieben, der laut Programmzettel von Schriften der Wirtschaftswissenschaftlerin Ève Chiappelo, des Soziologen Luc Boltanski, dem Philosophen Allain Badiou und dem Musical-Film West Side Side Story von Robert Wise und Jerome Robbins aus dem Jahr 1961 inspiriert ist. Und Fabian Hinrichs, gekleidet in T-Shirt und Boxershorts, versucht diesen mit gewohnter Verve in der Stimme, aber auch mit einigen sympathischen Hängern eindrucksvoll zu beglaubigen.

Foto: St. B.

Foto: St. B.

Es geht zwar nebenbei auch um das „Leben als Projekt“ und den „neuen Geist des Kapitalismus“. Aber die frohe Botschaft ist, dass man das alles nicht gelesen haben muss, um die andere große Botschaft zu verstehen. Fabian Hinrichs klagt nicht nur über die Auswüchse des neoliberalen Selbstertüchtigungswahns, der nun auch die Partnersuche in den verschiedensten Online-Datingplattformen erreicht hat (so ähnlich, nur für die älteren Semester, hatte das schon Christoph Marthaler in seinem schlagernden Testsiegerportal Tessa Blomstedt festgestellt), sondern singt das hohe „Lob der Liebe“, die unsere Eintrittskarte ins Leben ist, und nicht nur das Geld.

Jeder wartet darauf, dass die oder der eine kommt, auf das Leben im Gleichklang für die Ewigkeit. So einfach kommen Schönheit und Zeit aber nicht zusammen. Man verheddert sich beim Versuch diesem einen Versprechen auf die große Liebe nachzujagen, in den vielen verschiedenen Möglichkeiten und Nebensträngen, die täglich neue „Kackentscheidungen“ verlangen. „Please, please, please, let me get what I want.” Hedonistischer Jugendwahn und Fitness-Jo-Jo, alles kommt zurück, sogar die Smiths. Nur der Sixpack-Bauch nicht. Und da wir alle jemanden brauchen – ein Gesicht neben uns, etwas Schönes in dieser hässlichen Welt – spricht Hinrichs auch vom Aufwachen in etwas, in dem er weiterträumen will. „I want to wake up in that city that sleeps.” Hier schmeißt Pollesch den Drehbühnen-Turbo an und lässt Hinrichs Frank-Sinatra-Klassiker umdichten. Kein Ich, kein Wir: „I did at your way.“

Dazu tanzen Nina Baukus, Rebekka Esther Böhme, Uri Burger, Jessica Kammerer und Tobias Roloff im Sternen-Freizeitdress Szenen aus der West Side Story, dem amerikanischen Romeo und Julia, bevor es Leonardo di Caprio und Claire Danes im Kino gab. Boy meets Girl. Kommen sie zusammen oder nicht? Das ist das große Thema des Abends. Im Film geht es wegen oder trotz Tony schlecht aus. In der Volksbühne folgt nach dem Mambo wieder Hinrichs‘ Klage über die eigene „Rest Zeit Story“, sprich Midlifecrisis, die schon Udo Jürgens und Udo Lindenberg besungen haben. Aber besser als zur lebenden Legende oder dem Scherenschnitt seiner selbst zu werden, ist sich ständig neu zu erfinden. Zum titelgebenden Keiner findet sich schön passt Morrisseys „Good times for a change“, das hier bedeutet, sich ständig zu prüfen und sein Outfit zu ändern. Was Hinrichs auch anschaulich vorführt.

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Foto: St. B.

Trotz dass der Text zu Anfang noch etwas vor sich hin holpert und nicht die Höhen der legendären Pollesch-Hinrichs-Zusammenarbeit Kill your Darlings! Streets of Berladelphia erreicht, wird die Inszenierung im Lauf des Abends zunehmend besser und vermag so – je nach eigenem Erlebnishorizont – sicher auch in die Herzen des Publikums vorzudringen. Ansonsten gilt wie immer etwas mehr Gelassenheit. „Die Sonne scheint auch ohne dass sie was von uns zurückbekommt.“ Auch so eine schöne, ganz simple Wahrheit.

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Keiner findet sich schön
Text und Regie: René Pollesch
Bühne: Bert Neumann
Kostüme: Tabea Braun
Licht: Frank Novak
Ton: Tobias Gringel, William Minke
Souffleuse: Katharina Popov
Dramaturgie: Anna Heesen
Mit: Fabian Hinrichs und Nina Baukus (Tanz und Choreographie), Rebekka Esther Böhme (Tanz und Choreographie), Uri Burger (Tanz und Choreographie), Jessica Kammerer (Tanz und Choreographie) und Tobias Roloff (Tanz und Choreographie)

Termine: 26.06., 01. und 08.07.2015

Infos: http://www.volksbuehne-berlin.de/praxis/keiner_findet_sich_schoen/?id_datum=9212&news=46

Zuerst erschienen am 25.06.2015 auf Kultura-Extra.

The Smiths – Please, Please, Please, Let Me Get What I Want

Good times for a change
See, the luck I’ve had
Can make a good man
Turn bad

So please please please
Let me, let me, let me
Let me get what I want
This time

Haven’t had a dream in a long time
See, the life I’ve had
Can make a good man bad

So for once in my life
Let me get what I want
Lord knows, it would be the first time
Lord knows, it would be the first time

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Berlins digitale Theatervision: Der Impuls des Kulturstaatssekretärs Tim Renner in der Diskussion – Eine Nachbetrachtung zur Konferenz Theater und Netz 2015

Donnerstag, Mai 7th, 2015

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Bereits zum dritten Mal diskutierten an diesem Wochenende bei der Konferenz Theater und Netz in Berlin Journalisten, Blogger, Theatermacher und -enthusiasten in Workshops und Panels darüber, wie die vorwiegend noch analoge Bühnenkunst für das Internet fit gemacht werden kann. Also wie kommt nun das Theater ins Netz? Die Frage lässt sich so einfach und erschöpfend nicht beantworten, stehen dabei doch immer auch rein künstlerisch ästhetische Aspekte neben wirtschaftlichen und rechtlichen Interessen, die es alle zu beachten gilt.

Tim Renners Version vom digitalen Theater - Foto: st. B.

Tim Renners Vision vom digitalen Theater – Foto: St. B.

Seit einiger Zeit hat der Berliner Senat nicht nur einen neuen Bürgermeister und Kultursenator, sondern auch einen neuen Staatssekretär für Kultur. Tim Renner, Quereinsteiger aus der Musikbranche, hat sich da einiges vorgenommen, was man durchaus als eine kleine Revolution in der Berliner Theaterlandschaft bezeichnen könnte. Neben der heiß diskutierten Umbesetzung der Volksbühnenintendanz, will Renner auch Impulse im digitalen Bereich setzen. Bereits zum Beginn seiner Amtszeit machte er sich für das sogenannte Livestreaming von Theateraufführungen im Netz stark. Ein weiterer Punkt neben dem schon vielerorts praktizierten Twittern aus der Vorstellung heraus.

Tim Renner 1

Tim Renner
Foto: St. B.

Frage: Bringt der Einbruch der digitalen Welt in die analoge des Theaters den Machern oder den Zuschauern neben dem „Yes, we can!“ auch noch andere nennenswerte Vorteile? Ersetzt der Livestream das Live-Theatererlebnis vor Ort, oder soll er nur den Appetit auf den eigentlichen Besuch einer Theateraufführung anregen? Wie könnten speziell für das Internet erzeugte Theaterformate aussehen? Vereinzelt gibt es diese ja auch schon. Der allseits bekannte Theaterberserker Herbert Fritsch ist mit seinem Internet-Projekt X-Hamlet Vorreiter für eine nachstrebende Genration von Netzkünstlern, wie sie nun nach Vorstellung von Tim Renner an der neuen Volksbühne ab 2017 etabliert werden sollen.

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Hier sei nun noch einmal an den Vortrag von Kulturstaatssekretär Tim Renner erinnert, der am 02.05.2015  in der Heinrich-Böll-Stiftung über Berlins digitale Theatervision sprach und sich anschließend noch einer Gesprächsrunde mit stellte. Auch das hatte sicher Potential für ein kleines Politikum.

Erstmal ist zu konstatieren, dass sich die „Visionen“ Renners nicht nur um den schon oft diskutierten Livestream drehen. Zwischen „Geht nicht, gibt’s nicht“ und „Alles streamen ist Quatsch“ könne das Theater doch ganz entspannt auf das Phänomen der Digitalisierung schauen, sagte der sichtlich entspannte Kulturstaatssekretär. Aber was das TV (hier im Besonderen der arte-Theaterkanal) nicht geschafft habe (wie er selbst einwirft), wird wohl auch das Streamen von Theateraufführungen nicht leisten können. Der spätere Kommentar aus dem Publikum, dass der Livestream doch jetzt schon out wäre, spricht da Bände. Renner ist dann auch schnell weiter im Text und beim Marketing für die Theater, sprich einheitlichen Online-Ticketsystemen, der Bedeutung für die kulturelle Bildung in den Schulen und der unbeschränkten Teilhabe für alle, die nicht ins Theater gehen könnten. Sogar das Außenministerium zeige Interesse an Kunst und Internet, zum Beispiel mit Livestreams aus Istanbul.

Diskussionsrunde mit Moderator Christian Römer (Heinrich-Böll-Stiftung), Tim Renner (Berliner Kulturstaatssekretär), Franziska Werner (Leiterin der Berliner Sophiensaele), Christian Holtzhauer (Vorsitzender der Dramaturgischen Gesellschaft) und Wolfgang Behrens (nachtkritik.de)

Diskussionsrunde mit Moderator Christian Römer (Heinrich-Böll-Stiftung), Tim Renner (Berliner Kulturstaatssekretär), Franziska Werner (Leiterin der Berliner Sophiensaele), Christian Holtzhauer (Vorsitzender der Dramaturgischen Gesellschaft) und Wolfgang Behrens (nachtkritik.de)
Foto: St. B.

Tim Renner gab sich zunächst ganz als geübter Medienrhetoriker und den Spielball für die digitalen Visionen auch gleich wieder an die Theater zurück. Auch hier also weiterhin Entspannung beim Staatssekretär. Sein Impuls ist: Zum Sammeln der Ideen und Vorschläge hat die Senatskulturverwaltung einen sogenannten Call for Ideas eingerichtet, eine Plattform die erstmal nur einen Namen hat, aber noch kein Geld für die Umsetzung des von den Theatern und anderen Berliner Kulturinstitutionen zu leistenden Inputs. Die Auswertung beginnt laut Renner nach dem 5. Juli. Den Rest des Vortrags erspare ich mir hier mal. Zur künstlerischen Ausrichtung der neuen Volksbühne unter Chris Dercon und deren geplanten digitalen Ausdrucksformen war außer dem Hinweis auf das Terminal plus, einer Studiobühne als digitalem Raum, nicht viel mehr zu erfahren.

Die Verblüffung unter den Panel-Teilnehmer auf dem Podium, ob der neuen Vision, die Berliner Theater digital nach vorn zu bringen, hielt sich dann auch eher in Grenzen. Zunächst natürlich Freude über den neuen, noch virtuellen Projekttopf bei der Leiterin der Sophiensaele. Irgendwas wird man damit schon anfangen können, denn Förderinstrumente erzeugen immer auch Nachfrage, und mit der Truppe Turbo Pascal ist man da ja schon bestens am Start. Es gab aber auch Bedenken von Seiten Wolfgang Behrens. Einen unbedingten Bedarf zur Förderung sieht er nicht, da hier vorrangig auch die Marketingabteilungen der Theater selbst zuständig wären. Und was letztendlich zur Initialzündung bei den Schulklassen führe, sei immer noch die physische Präsenz im Theater.

Es wurde dann noch viel in Anglizismen wie Performance Spaces, Live Journey, Open und Close Shops gesprochen, oder über die Monopolmacht von Twitter, YouTube und Facebook sinniert. Das digitales Theater aber mehr als nur eine Frau mit einem Laptop im leeren Raum (sozusagen die 2.0-Version von Peter Brooks Theatervision) ist, dürfte jedem klar sein. Auf das salbungsvolle Schlusswort Renners, dass die Förderung von Kultur eine entscheidende Investition in die Zukunft ist, wird man den Staatssekretär aber wohl in Zukunft auch festnageln. Was zunächst bleibt, ist der Spruch von den dicksten Eiern am Theater, was ein auflockernder Tiefschlag in Richtung der alten Patriarchen sein sollte, und zum echten „Renner“ unter den Twitterern des Kongresses wurde.

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Tim Renner_Besetzungsschild

Foto: St. B.

Der Beitrag ist im Rahmen des Bloggerspace auf dem Liveblog der Konferenz Theater und Netz erschienen.

Texte zu den Schwerpunkten der Konferenz „Theater und Netz. Vol. 3“ vom 2. und 3. Mai 2015 in Berlin stehen auf nachtkritik.de.

 

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CLAUS PEYMANN KANN INTERNET – SOLIAKTION ZUM 1. MAI

Freitag, Mai 1st, 2015

 

Berliner Ensemble_Zeichen

SOLIAKTION zum Revolutionären 1.Mai von Claus Peymann für die Volksbühne am Rosa-Luxemburgplatz.

volksbüne for everFotos: St. B.

Gesponsert bei  renner

RENNER RÄUMT DEN LADEN AUF!

Den Renner in seinem Lauf,
halten weder Cast noch Peysel auf.
Ein Flimmibuster vom ollen Opernkahn
Ihnen flux zu Hilfe kam.
Die Alphamännchen von der Intendanz,
Verdrängt der ConBabar mit Tanz.
Wer will denn heut noch Repertoir?
Das sagt euch Timi Superstar.

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