Archive for the ‘Werner Schroeter’ Category

Zum Tod von Werner Schroeter

Sonntag, April 18th, 2010

Für Werner Schroeter war der Mensch und der Körper immer Thema, ob im Leben oder im Tod, das gehört immer dazu, da hat er sicher keinen Unterschied gemacht. Ich hoffe nur, das es zumindest den Kritikern leid tut, die in seiner letzten Inszenierung in der Volksbühne vorgezogen haben zu schlafen, eine nächste Chance ihn zu erleben wird es nicht mehr geben. Aber leider ist das wie mit der verschütteten Milch. Da er nun nicht mehr da ist, wird es ihm nicht mehr gerecht werden. Man kann von „Quai West“ keinen großen Abend erwarten und schon gar keine Opulenz und Wahnsinn wie in „Malina“, das gibt das Stück ja gar nicht her.
In einem seiner letzten Interviews mit der FAZ hat er zu einer Frage über sein Verhältnis zur Schönheit Tschaikowsky zitiert: „Man darf doch wohl vom Publikum verlangen, dass es eine Reise mitmacht, in der es den unaufgehobenen Widerspruch zwischen Schmerz und Schönheit als einen möglichen Weg in die Wahrheit und Wahrhaftigkeit sieht.“ Weiter sagt er: „Für mich ist Schönheit kein Verbrechen und kein Kitsch. Es ist nicht nur „des Schrecklichen Anfang“, wie Rilke schrieb, sondern Schönheit ist ein Seelenbedürfnis des Menschen. Und allein durch die Schönheit ist nicht alles Schreckliche so schrecklich, wie es sonst vielleicht aussieht. … Man muss den Menschen lieben, um ihn zu verstehen.“ Wenn das pathetisch klingt, na meinetwegen, aber da ist auch verdammt viel Kraft drin. Werner Schroeter ist eben selbst ein „Kraftwerk der Gefühle“.

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„Die Sinnlichkeit. Dass man den Menschen als Körper nimmt und nicht als Gedanken. Die Sprache ist doch körperlich. Sie ist wie Pisse, das ist auch physisch. Alles ist Körper. Schauen Sie doch: Hier ist der Sprachkörper. Und jetzt ist er weg.“ (taz, April 2009)
Werner Schroeter (* 7. April 1945 in Georgenthal; † 12. April 2010 in Kassel)
Danke!

Quai West von Bernard-Marie Koltès, inszeniert von Werner Schroeter in der Volksbühne Berlin

Freitag, März 12th, 2010

Es lässt schon tief blicken, wenn die versammelte Kritikerschar zum kollektiven Abpennen in die Volksbühne geht. Wenn sie es schon nicht knappe zwei Stunden aushalten können einem Text zu folgen, schlafen können sie doch wirklich zu Hause.

Natürlich macht es Schroeter keinem leicht, aber das war doch wohl auch zu erwarten, wenn man die Antigone/Elektra gesehen hat. Heute Abend hat zumindest, so weit ich das gesehen habe, kaum einer gepennt, obwohl man mindestens 2 Seesäcke zum ausbreiten hatte.

Das Stück versprüht ordentlich 80ziger-Jahre-Ästhetik und Schroeter lässt das auch mit seiner Inszenierung zu. Kein Gegenwartsbezug, keine Schlapperhosen, Plastikbeutel, Flaschen oder ähnlicher Kram stört. Der würde sowieso nach ein zwei Drehungen von der Scheibe fliegen.

Die Schauspieler sind konzentriert, immer präsent, verkrallen sich förmlich in diese schräge Platte. Wer aufgibt könnte runter fliegen. Jeder ist ganz Ich. Dialoge kommen kaum vor und wenn, dann ist da Kampf. Dieses Stück hat sehr viel mit der heutigen Gesellschaft zu tun.

Das ist düster und ohne Ausweg. Vielleicht hat sich Schroeter genau so gefühlt und Koltès gerade deswegen ausgewählt, auch wenn der ja sogar von einer unmittelbare Komik in „Quai West“ spricht. Man spürt das ja an der grotesken Situation und den Dialogen, die immer irgendwie ins Leere laufen. Aber da ist trotzdem ganz normales Leben drin, schon dadurch das Maria Kwiatkowsky ständig hin und her tänzelt eben weil sie einfach mal pinkeln muss. Das Körperliche zusammen mit dieser überhöhten Sprache ist das was Schroeter ausmacht.

Wer da wegschlummert, hat aufgegeben, wie Maurice. Wenn man dieses Stück noch sehen will, muss man sich wohl beeilen. Es wird wohl keine längere Chance an der Volksbühne haben.

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„Die Sinnlichkeit. Dass man den Menschen als Körper nimmt und nicht als Gedanken. Die Sprache ist doch körperlich. Sie ist wie Pisse, das ist auch physisch. Alles ist Körper. Schauen Sie doch: Hier ist der Sprachkörper. Und jetzt ist er weg.“ (taz, April 2009)
Werner Schroeter (* 7. April 1945 in Georgenthal; † 12. April 2010 in Kassel)
Danke!