Uneindeutig Weiß – DAS WEISSE STOTTERN und MIR IST ALLES VIEL ZU LAUT UND ALLES VIEL ZU LEISE im Berliner Theaterdiscounter

September 18th, 2017

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DAS WEISSE STOTTERN – Die Performerinnen der Frl. Wunder AG stellen sich in einer Selbstbefragungsstunde kritisch dem eigenen Weißsein

Das weiße Stottern(c) Frl. Wunder AG

Das Theater lebt bekanntlich von Rollenspielen, die in der traditionellen Form der Repräsentation zumeist als klassisches So-tun-als-Ob oder auch verabredete Lüge daherkommen. Trotzdem soll alles möglichst authentisch sein. Ein Widerspruch in sich. Die Frage der Repräsentation ist nicht erst seit gestern in der Kritik. Auch hebeln moderne Arten des Performance- oder Dokumentartheaters die klassischen Darstellungsformen zunehmend aus. Das immer noch vorwiegend weiß dominierte deutsche Ensembletheater hat bekanntlich ein weiteres Repräsentationsproblem, nämlich die Besetzung von Rollen, die im Stücktext Menschen mit anderer Hautfarbe beschreiben. Die sogenannten People of color werden dabei oft noch mittels entsprechender Schminke farblich angepasst, was von den meisten Poc als rassistisch empfunden wird. Auf die Unsitte des Blackfacing machte hierzulande der Verein Bühnenwatch aufmerksam. Die dadurch ausgelöste Diskussion über Rassismus, Kunstfreiheit und die Privilegiertheit der weißen Mehrheitsgesellschaft ist bekannt.

Was aber, wenn sich im realen Leben eine weiße Person als schwarz empfindet? Der Fall der weißen US-amerikanischen Bürgerrechts-Aktivistin Rachel Dolezal ging 2015 durch die Medien. Dolezal hatte sich jahrelang als Schwarze ausgegeben und auch ihre MitstreiterInnen von der National Association for the Advancement of Colored People über ihre Identität im Unklaren gelassen. Die Sache flog auf, als ihre Eltern in einem Interview die wahre Herkunft Dolezals öffentlich machten.

Die Kritik an ihrem Verhalten fiel besonders vonseiten der schwarzen Community recht harsch aus. Und trotzdem beharrte Dolezal weiter: „Ich identifiziere mich als schwarz. Nichts am Weißsein beschreibt, was ich bin.“ Sie begründet das mit ihrer selbst leidvoll erfahrenen Kindheit in einem autoritären, patriarchalen Elternhaus. Ist das nur falsch verstandene Solidarität mit dem Kampf der schwarzen Bürgerrechtsbewegung gegen Rassismus oder selbst schon rassistische Anmaßung?

 

Das weiße Stottern im Theaterdiscounter
Foto (c) Gernot Wöltjen

 

Ein klarer Fall für eine kritische Reflexion der sogenannten Critical Whiteness und damit auch ein Fall für das Theaterkollektiv Frl. Wunder AG – bestehend aus Verena Lobert, Melanie Hinz und Marleen Wolter, die sich im Berliner THEATERDISCOUNTER als weiße PerformerInnen in ihrer Produktion Das weiße Stottern mit dem eigenen Weißsein auseinandersetzen. Mit der kritischen Weißseinsforschung, die es in den USA bereits seit den 1990er Jahren gibt, betreten sie dabei im doppelten Wortsinn ein weißes Land. Mit dem Begriff des Weißseins als unmarkierte Normalität und dem Erbe des Kolonialismus haben sich im deutschen Performancebereich 2013 auch schon andcompany&Co mit ihrer Produktion BLACK BISMARCK beschäftigt. Zum näheren Verständnis und zur Begriffserklärung kann man hier nur wieder den 1992 erschienen Essayband Playing in the Dark. Whiteness and Literary Imagination der schwarzen US-amerikanischen Literaturnobelpreisträgerin Tony Morrison empfehlen, den es immerhin bereits seit 1994 in deutscher Übersetzung (Im Dunkeln Spielen) gibt.

Als ein Stottern beschreibt die selbst weiße US-amerikanische Philosophin Millay Hyatt den Versuch der Analyse des eigenen Weißseins. Denn es ist dies nicht nur ein Problem der eigenen Wahrnehmung, sondern vor allem eines der Sprache. Mit einem anfänglichen Wer-bin-ich-Spiel versuchen sich die drei Performerinnen der Frl. Wunder AG dann auch dem Gegenstand ihrer Untersuchung zu nähern. Die Fronten zum Fall Dolezal werden als diskursiver Meinungsaustausch Pro und Contra eins gegen zwei durchgespielt. Das Setting der Performance ist eine Art kleinbürgerlicher Vorgarten mit Papphäuschen, in das die drei sich immer wieder zum Reflektieren ihrer Ansichten, dem sogenannten Hausaufgabenmachen, zurückziehen.

 

Das weiße Stottern im Theaterdiscounter
Foto (c) Gernot Wöltjen

 

Aber wie ist denn nun der Fall Dolezal aus weißer Sicht zu bewerten? Hierzu nähern sich die drei Performerinnen vor allem über die Biografie der Aktivistin an das Thema an. Das Ganze läuft dann allerdings auch relativ didaktisch ab, in einer Art Beobachtungsaufbau oder ethnografischen Schau, in der sich die weiß sozialisierten und kulturwissenschaftlich gebildeten Frauen dem Blick des ebenfalls überwiegend weißen Publikums aussetzen. Dennoch sind die drei stets bemüht, ihre Wortbeiträge in möglichst lockeren Spielszenen darzubieten. Dazu werden Blumentöpfe für eine Familienaufstellung benutzt, oder die Frauen stellen sich zur Befragung in eine auf der Bühne stehende Glasvitrine.

Wirklich interessant wird es, wenn die Performerinnen ihre eigene, zumeist links sozialisierte Herkunft reflektieren. Als typische Beispiele von unkritischer weißer Aneignung von Merkmalen anderer Kulturen werden ein sogenanntes Pali-Tuch, eine Dreadlock-Perücke und ein traditionelles Kleid, das einer der Performerinnen bei einem Projekt in Afrika geschenkt wurde, an die Hauswand gepinnt. „Fake it ‚til you make it.“ steht auf der Glasvitrine. Spiele die Rolle so lange, bis sie dir passt. Das soziologische Phänomen des Passing (das Durchgehen als) ist in den USA nicht unbekannt, im weiß-normierten Deutschland allerdings schwer vermittelbar. Race, Gender, Class sind als Begriffe der Unterdrückung bekannt, seit Judith Butler auch als soziale Konstruktionen, was sich in Deutschland als Grundlage eines kritischen Diskurses allerdings noch nicht wirklich durchgesetzt hat.

Das Scheitern des Abends ist im Grunde vorprogrammiert und von den Performerinnen auch gewollt, um zu zeigen, dass die Frage um die Konstruktion ethnischer Identitäten aus weißer Sicht nicht endgültig beantwortet werden kann. Als Interaktion mit dem Publikum gibt es ein Frage-Antwort-Spiel per Mobiltelephon. Die ZuschauerInnen werden während der Performance auf ihren Handys angerufen und sollen einen vorgegebenen Katalog von Fragen zum Thema Weißsein, Privilegien und eigener Wahrnehmung im Alltag beantworten. Das führt immer wieder zu Brüchen im Ablauf. Ein wirklicher Einfluss auf die Performance ist kaum spürbar. Damit wird eigentlich die Möglichkeit einer direkten Interaktion durch netztaugliche Smartphones vergeben. So bleibt am Ende der Eindruck des allgemeinen Stotterns von abgespielten Stimmen aus den Handys der Performerinnen.

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DAS WEISSE STOTTERN (Theaterdiscounter, 02.09.2017)
von Frl. Wunder AG
Konzept: Frl. Wunder AG
Mit: Verena Lobert, Melanie Hinz, Marleen Wolter
Kostüm/Bühne: Büro unbekannt Berlin
Video: Gernot Wöltjen
Telefonie: Georg Werner
Musik: Stephanie Krah
Technik/Assistenz: Anahí Pérez
Produktionsleitung: Maike Tödter
Eine Produktion der Fräulien Wunder AG in Koproduktion mit Theaterdiscounter / Vierte Welt
Premiere war am 30.08.2017 im Theaterdiscounter

Info: https://theaterdiscounter.de/…

Zuerst erschienen am 04.09.2017 auf Kultura-Extra.

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Malte Schlösser singt mit seinem neuen Stück Mir ist alles viel zu laut und alles viel zu leise das hehre Lied des Widerspruchs und der Uneindeutigkeit

Mir ist alles viel zu laut und alles viel zu leise im Theaterdiscounter
Foto © Milena Schlösser

Autor und Regisseur Malte Schlösser ist bekannt für seine selbstreflexiven Theatertexte, die einen immer irgendwie an René Pollesch erinnern. Diese Abende heißen dann Zeig doch mal positiv, wie Du mit Schmerz umgehst oder Es ist nicht deine Schuld, dass das Leben nicht gelingt. Das sind im besten Falle therapeutische Lebenshilfen für den modernen, von der realen Welt gestressten Menschen. Schlösser ist im Hauptberuf studierter Philosoph und Dozent für Psychotherapie. Allerdings fehlt dem Ganzen das diskursive Element, auch wenn der Text meist auf mehrere DarstellerInnen aufgeteilt ist. Und so kommt einem auch Schlössers neues Stück Mir ist alles viel zu laut und alles viel zu leise, das gestern Abend im Berliner THEATERDISCOUNTER Premiere feierte, wie ein einziger, langer Monolog vor. Eine philosophische Rede auf den Widerspruch, der sich schon im Titel des Stücks manifestiert.

Man könnte den Text aber auch chorisch vortragen. Irgendwie leidet ja auch die ganze Welt am Eindeutigkeitssyndrom. Und so klagt das geplagte Individuum in Gestalt von Schauspielerin Judith Rosmair als Projektion auf einer Videoleinwand auch über Angstzustände, aufgegessenes Apfelmus und die Form der Reflexion ihrer Rolle als Vergessen und Überschreiben des Gedächtnisses. „Was haben meine Erinnerungen für ein Verständnis von mir selbst?“ „Meine Erinnerungen verstehen mich einfach gar nicht.“ Das Verschwinden in der inneren Mimese. Ein schöner Einstieg zum ewigen Drinnen-Draußen-Problem. Wir blenden innerlich aus, was in Form von Krisen an uns herangetragen wird. Wir hassen Unübersichtlichkeit und Uneindeutigkeit, weil sie uns orientierungslos machen. „Alles ist okay.“ Dabei benötigen wir gerade die Krise zur reflexiven Selbstbefragung.

 

Mir ist alles viel zu laut und alles viel zu leise im Theaterdiscounter – Foto © Milena Schlösser

 

Also, hallo, was ist denn nun da draußen los? Auf diese Frage gibt Malte Schlösser allerdings auch keine eindeutige Antwort. „Ihr seht aus wie die Projektion aller verleugneten Anteile meiner Persönlichkeit.“, sagt eines der drei Kinder (Manuel Garelli, Isabelle Laura Pana und Polly Schwalm-Unbehaun), die Schlössers Text nun vor dem Publikum weiterspinnen und dabei ihre Stimmen mal lauter oder leiser dimmen. Die Lautstärke wird hier zur Intensitätsanzeige der Bedeutung. „Hashtag: Überforderung“ und ganz wie bei Pollesch immer „Drama Baby“. Aber bitte nicht persönlich werden. „Wer unpersönlich schreit hat Recht.“

Der Versuch der drei mittels Text-Beballerung beim Publikum durch Reizüberflutung die individuelle Krise zu provozieren, wird immer wieder durch choreografierte Zwischenspiele zweier Tänzerinnen (Nefertiti Elong Ku und Kora Hamm) gebrochen, die sich zum live von Christoph Mäcki Hamann eingespielten Technosound synchron bewegen oder gar wie sufistische Derwische im Kreis drehen. Das mystische Verwischen des Egos in tänzerischer Leichtigkeit. So schwankt der Abend ironisch zwischen Zweifel und Selbstbespiegelung, Realitätsverlust und Realitätskonstruktion hin und her.

Dass sich das Medium Theater hier auch selbst spiegelt, ist fast schon obligatorisch. Irgendwann taucht auch noch der Ex-Volksbühnenschauspieler Lars Rudolph auf einem Pferd in den Weiten brandenburgischer Landschaften auf, bläst die Fanfare der Unschärfe und philosophiert über Tautologien und das Identitäts-Paradigma. Das Dozieren vor leeren Rängen wird zum Schreien in den Straßenlärm hinein. Wir ballern unsere Maßstäbe und Projektionen auf andere, aus Angst, dass uns die Autorität unseres Selbst entzogen wird. Da müsste mal jemand scharf stellen. Oder lieber doch nicht.

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MIR IST ALLES VIEL ZU LAUT UND ALLES VIEL ZU LEISE
von Malte Schlösser
Text/Regie: Malte Schlösser
Musik: Ch. Mäcki Hamann
Raum/Ausstattung/Lichtdesign: Thomas Giger
Dramaturgie: Anna K. Becker
Produktionsleitung: Maria Kusche
Produktions-/Regieassistenz: Chris Wohlrab
2. Regieassistenz/Theaterpädagogik: Anna Kücking
Kamera: Patrick Burghenn / Samuele Malfatti
Schnitt/Ton: Sinan Özmen / Ricarda Feckenstedt
Mit: Judith Rosmair, Lars Rudolph, Manuel Garelli, Isabelle Laura Pana, Polly Schwalm-Unbehaun, Nefertiti Elong Kum, Kora Hamm
Koproduktion Theaterdiscounter / NFT – Netzwerk Freier Theater
Premiere war am 07. September 2017 im Theaterdiscounter

Termine: weitere Aufführungen im Herbst 2017

Infos: http://www.theaterdiscounter.de

Zuerst erschienen am 08.09.2017 auf Kultura-Extra.

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Die OSTRALE 2017 zeigt in den Futterställen des ehemaligen Schlachthofs im Ostragehege Dresden wieder jede Menge internationale zeitgenössische Kunst

September 9th, 2017

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Seit 11 Jahren gibt es sie nun schon, die OSTRALE in Dresden. Gegründet wurde sie 2007 von den beiden Dresdner Künstlern Andrea Hilger und Mike Salomon in den Futterställen des alten Erlweinschen Schlachthofs im Ostragehege in direkter Nachbarschaft zur Dresdner Messe. Als internationales Zentrum für zeitgenössische Kunst mittlerweile fest etabliert, musste die jährliche Ausstellung nun allerdings um ihr festes Domizil bangen, da die Anfang des 20. Jahrhunderts erbauten Gebäude inzwischen als höchst baufällig gelten und die Genehmigung für den weiteren Betrieb nicht mehr erteilte werden kann. Mit der Stadt hat man sich nach langem Hin und Her schließlich auf ein Sanierungskonzept geeinigt. Da der endgültige Zeitplan noch nicht steht, konnte die nun als Biennale laufende Kunstaustellung in diesem Jahr noch einmal stattfinden. Wenn dann das Areal saniert wird, muss die OSTRALE allerdings in noch zu findende Interimsräume umziehen. Sorge und Hoffnung zugleich. Es bleibt also weiterhin spannend um diese ganz besondere Schau unabhängiger internationaler zeitgenössischer Kunst, die von der Malerei über die Fotografie und Plastik bis hin zu Tanz, Video- und Performancekunst so ziemlich alle Genres abdeckt.

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Feng Lu – 13 am Tisch (Detail) – Foto (c) Stefan Bock

Auch in diesem Jahr haben sich die MacherInnen mit 164 eingeladenen Künstler aus 25 Nationen, die insgesamt 1.118 Werke und Werkgruppen präsentieren, wieder einiges vorgenommen. Damit es nicht allzu unübersichtlich wird, gibt es verschiedene Schwerpunkte wie Kunstgeschichte, Zukunft, Identität, Religion oder Krieg und Krise, in die sich die ausgestellten Werke lose einordnen lassen. Dem übergeordnet beschäftigt sich die OSTRALE mit drei weiteren Kernthemen. Mit der Theorie der „Kreativen Klasse“ wird kritisch der Zusammenhang der Aufwertung von Stadtgebieten durch Künstler und Kreative und der einhergehender Gentrifizierung untersucht. Über den „Pilgerweg zur Kunst“ begibt man sich zu urbanen Kunst- und Denkräumen. Mit „re_form & Reformation“ widmet sich auch die OSTRALE dem allgegenwärtigen 500. Reformationsjubiläum und in eigener Sache der Reform von Kunst im Wandel der Zeit sowie alten und neuen Formen der Präsentation.

 

Ostrale 17 – Ausstellungsansicht – Foto (c) Stefan Bock

 

Die OSTRALE will bewusst keine Verkaufsschau sein, die KünstlerInnen werden seit diesem Jahr ausschließlich von den Kuratoren eingeladen. Den einzelnen Ausstellungsräumen auf dem oberen Heuboden und den darunterliegenden Stallungen sind passend zu den politischen Schwerpunktthemen sinngebende Zitate aus Werken bekannter Schriftsteller und Denker wie Antonin Artaud, Jorge Luis Borges, Charles Bukowski, László F. Földényi, Heinrich Heine, Erich Kästner, Heinrich Mann, Fernando Pessoa oder Leo Tolstoi vorangestellt. Nach einem ausgedehnten Rundgang, für den man sich schon etwas Zeit nehmen sollte, fällt es allerdings schwer eine Art Best of der ausgestellten Werke zu küren. Bei der Fülle an Bildern, Fotografien, Objekten, Installationen und Videoarbeiten wird hier sicher auch jeder die Highlights anders setzen.

 

Diamante Feraldo – A nord del futuro (Nördlich der Zukunft)
Foto (c) Stefan Bock

 

Ein wenig düster mutet die Wahl zum Thema Zukunft mit Földényis Kulturgeschichte der Melancholie an. Aber wie es der Autor schon anmerkt: „…ich glaube, dass der Melancholiker dadurch ausgezeichnet ist, dass er sich vor dieser Welt verstecken möchte, er will aber nicht ins Jenseits flüchten, vielmehr ist er vertraut mit einer Geschichte, die verschwiegen und verdrängt wird.“ Man bewegt sich hier vorbei an Peter Makolies Memento-Mori-Sammlung aus Feldstein-Schädeln, träumerischen Zukunftsgemälden von Kerstin Junker und Katrin Königs 6-teiligem Aluminium-Tafelbild santuario (Heiligtum) hin zu Diamante Faraldos umgestürzter Weltkarte A nord del futuro. Alle Gewissheiten sind hier exemplarisch anhand der Auflösung der bekannten Anordnung der Dinge wie Kontinente auf den Kopf gestellt. Die Welt ist aus den Fugen und dichter zusammengerückt.

 

Jean Xavier Renaud – La défaite (Ausschnitt)
Foto (C) Stefan Bock

 

Großes und aktuelles Thema in der Kunst ist nach wie vor die Auseinandersetzung mit der Religion. Hier zeigt die OSTRALE wieder viele KünstlerInnen aus Osteuropa, die diesen Schwerpunkt nahezu dominieren. Aber zunächst begrüßt einen der Anblick von Papst Franziskus auf Jean Xavier Renauds Großgemälde La défaite. Eine in bunten Farben gemalte Allegorie des gesellschaftlichen Scheiterns. Auch Iwona Ogrodzka zeigt in ihrer Mixed-Media-Installation Flight&Church, dass die alte Weltordnung nach dem 11. September 2001 aus dem Gleichgewicht geraten ist. Ikonografisch arbeiten Pawel Napierala mit seinem umgedrehten Kreuzigungsbild und Petro Ryaska mit seinem, orthodoxen Ikonenbildern nachempfundenen Prayer. Franciszek Orłowski lässt in seinem Video SERCE den Ton der Kirchenglocke in Poznań verstummen. Kritisch setzt sich auch Verena Rempel in ihrer Fotocollage Pieta. Die Mareinklage mit dem neuen Gott Mammon auseinander und Stephan Popella zeigt in seinem Pieta-Gemälde das Problem der Gaffer im Handyzeitalter.

 

Arne Kalkbrenner – Sans-papiers – Foto (C) Stefan Bock

 

Krieg und Krise sind da nicht mehr weit. Hier droht Arne Kalkbrenners MPi red borderline, dort bilden in Parastou Forouhars Kopf-Portraits schwarze und weiße Figuren Vexierbilder der Gewalt. Der japanische Pop-Art-Künstler Keiichi Tanaami zeigt in seinem Video Crayon Angel einen Mix aus bunten Animationen und schwarz-weißen Kriegsbildern. In einer Nische des Raums steht Arne Kalkbrenners identitätslose Flüchtlingsgruppe Sans-papiers (Ohne Papiere). Auch der in Berlin lebende chinesische Bildhauer Feng Lu ist mit zwei Werken auf der Ostrale vertreten, die besonders ins Auge fallen. Ebenso bildgewaltig wie ironisch setzt er sich in Believe Me and God Bless You mit der Geschichte von Religion und Kriegszielen auseinander. Die Epoxidharz-Skulptur zeigt eine Kathedrale in einem Elefantenarsch. In Thirteen at Dinner veranstalten politische Persönlichkeiten eine Art Friedenskonferenz. Ihnen gegenüber sitzen farblose, tierköpfige Gestalten.

 

Fernando Sanchez Castillo – Mauerspringer
Foto (c) Stefan Bock

 

Mit der Miniatur-Figur Mauerspringer gedenkt der spanische Künstler Fernando Sánchez Castillo in seinem gleichnamigen interaktiven Skulpturenprojekt dem Fall der Berliner Mauer. Einen ganzen avantgardistischen Kunststaat präsentieren schließlich internationale KünstlerInnen mit der NSK (Neue Slowenische Kunst) auf der OSTRALE. In den 1980er Jahren um die slowenische Band Laibach gegründet, hat der NSK-Staat mittlerweile sogar eigene Pässe und erklärt immer wieder temporär bestimmte Areale wie etwa 1993 die Berliner Volksbühne zum künstlerischen Staatsgebiet.

 

Anka Leśniak – Women patRIOTs – Foto (C) Stefan Bock

 

Auch in den unteren Räumen des langgezogenen Gebäudekomplexes der OSTRALE befinden sich einige interessante Einzel- und Gruppenwerke. Direkt dort vor Ort hat Matthias Jackisch seine dem Gemälde Das Floß der Medusa von Théodore Géricault nachempfundene Installation Floß aus Holz, Stroh und Gips geformt. Auch das ein Sinnbild für das fast schon schicksalhafte Versagen der modernen Zivilisation. Mit Emanzipation und Patriotismus von polnischen Frauen beschäftigt sich Anka Leśniak in ihrer Mixed-Media-Installation Women patRIOTs.

 

Matthias Jackisch – Floß – Foto (c) Stefan Bock

 

Auch in den unteren Räumen des langgezogenen Gebäudekomplexes der OSTRALE befinden sich einige interessante Einzel- und Gruppenwerke. Direkt dort vor Ort hat Matthias Jackisch seine dem Gemälde Das Floß der Medusa von Théodore Géricault nachempfundene Installation Floß aus Holz, Stroh und Gips geformt. Auch das ein Sinnbild für das fast schon schicksalhafte Versagen der modernen Zivilisation. Mit Emanzipation und Patriotismus von polnischen Frauen beschäftigt sich Anka Leśniak in ihrer Mixed-Media-Installation Women patRIOTs.

 

Vj group CUBE – Multiperson M (mimicry)
Foto (c) Stefan Bock

 

In jedem Falle ein Highlight ist die Gestaltung des Ausstellungsraums hinter Tor 1. Der Chemnitzer Fotograf Thomas Kretschel hat hier mit aqua alta(r) eine fast gruftartige Installation gegen die Zerstörung der Lagunen-Stadt Venedig gebaut. Im Vorraum befinden sich zwei sehr starke Video-Arbeiten zum Thema Identität. Die Vj group CUBE zeigt mit Multiperson M den Versuch einer Person sich der Umgebung anzupassen und Sergiy Petlyuk formt mit aneinandergereihten kopflosen Körperprojektionen auf Oberbekleidung einen neuen biomorphen Ketten-Organismus.

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OSTRALE – Zentrum für zeitgenössische Kunst    
11. Internationale Biennale für zeitgenössische Kunst
28.07.2017 – 01.10.2017
Ostragehege
Messering 8 | 01067 Dresden

Infos: http://www.ostrale.de

Zuerst erschienen am 21.08.2017 auf Kultura-Extra.

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Für eine Handvoll Kies – Mit „Western“ drehte Regisseurin Valeska Grisebach einen interessanten Film über die Konfrontation von Kulturen und das Funktionieren von Männerbünden

September 5th, 2017

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(c) Komplizen Film

Die Faszination für das Filmgenre des Western scheint auch Jahrzehnte nach seinem eigentlichen Tod ungebrochen. Angefangen bei den US-amerikanischen Coen-Brüdern mit True Grit über den Euro-Western Slow West des schottischen Regisseur John Maclean bis zum Racheepos The Hateful 8 von Quentin Tarantino gab es in den letzten Jahren eine regelrechte Western-Renaissance im Kino. Auch der deutsche Regisseur Thomas Arslan, sonst für Filme der Berliner Schule bekannt, drehte mit Gold einen Western über deutsche Einwanderer, die in Nordamerika ihr Glück versuchen. Nun also kommt von Valeska Grisebach der erste nach den Regeln des Western-Genres gedrehte Film einer Regisseurin ins deutsche Kino. Premiere hatte Western im Mai bei den Filmfestspielen in Cannes, wo schon im Vorjahr Maren Ade mit Toni Erdmann brillierte.

Es ist nach den preisgekrönten Filmen Mein Stern (2001) und Sehnsucht (2006) der dritte Spielfilm von Valeska Grisebach, den sie ausschließlich mit Laien gedreht hat. Ähnlich wie Toni Erdmann in Rumänien spielt Western nicht im wilden Westen, sondern in Osteuropa, genauer in Bulgarien an der griechischen Grenze. Trotzdem spielt der Film auf fantastische Weise mit den Genremitteln des amerikanischen Spätwestern mit seinen gebrochenen Helden-Figuren. Der Lonesome Rider aus der amerikanischen Frontier-Mythologie ist hier ein zunächst unscheinbarer deutscher Bauarbeiter, der mit seiner Truppe an einem Fluss im bulgarisch-griechischen Grenzgebiet ein Wasserkraftwerk errichten soll. Meinhardt (Meinhard Neumann) entzieht sich mehr und mehr dem Gruppenzwang und den Männerriten seiner Landsleute und schart sich im Gegensatz zu ihnen nicht mehr nur im Camp unter einer aufgepflanzten Deutschlandfahne, sondern beginnt sich für die Einheimischen zu interessieren, um mit ihnen auch ohne die Chance einer wirklichen Verständigung ins Gespräch zu kommen.

 

Western(c) Komplizen Film

 

„Bist du ein Schlitzohr?“ fragt ihn der misstrauische Polier Vincent (Reinhardt Wetrek). Doch Meinhardt will nur Geld verdienen und hat trotzdem auch eine unbekannte, dunkle Seite, von der wir wegen seiner Schweigsamkeit nicht viel erfahren – außer dass er weiß, was Gewalt ist und als angeblicher „Legionär“ in Afghanistan auch erlebt hat. Meinhardt liebt seine Freiheit, wie er auf Fragen der Dorfbewohner nach seiner Familie besteht. Unbeirrt geht er geradlinig seinen eigenen Weg von Freiheit, auch wenn er damit aneckt oder sich zwischen alle Stühle setzt. Das macht ihn in den Augen des machtbewussten Poliers suspekt. Es beginnen sich die klassischen Fronten zu bilden.

Valeska Grisebach entwickelten diesen Konflikt zunächst aber recht langsam. Eine Zwangspause wegen fehlendem Kies und Wasser verurteilt die Bauarbeiter zum Nichtstun. Sie trinken Bier, klopfen Sprüche und baggern ungelenk bulgarische Frauen am Fluss an. Meinhardt dagegen reitet auf einem in den Bergen freilaufenden Pferd ins Dorf und lernt dort den Besitzer und Chef der Gemeinde Adrian (Syuleyman Alilov Letifov) kennen. Von ihm erfährt er den Grund für das abgestellte Wasser, das die Dorfbewohner zur Bewässerung ihrer Tabakfelder benötigen. Doch während sich zwischen Meinhardt und Adrian eine echte Männerfreundschaft und ein Zweckbündnis bilden, fährt der um seine Autorität fürchtende Vincent voll auf Konfrontation. „Wir haben hier was zu schaffen.“ Der Westen bringt dem Osten die Infrastruktur und versteht nicht, warum das die Dorfbewohner nicht interessiert.

 

Western (c) Komplizen Film

 

Natürlich sind auch die Frauen Grund zum Streit, vor allem die junge Studentin Veneta (Veneta Frangova), die den Sommer im Heimatdorf verbringt und nun zwischen Meinhardt und Vincent steht. Aber wir lernen auch Vyara (Vyara Borisova) und ihre alten Mutter (Ivanka Popova) kennen, jede für sich eine interessante, starke Persönlichkeit. Aber vor allem prallen hier zwei patriarchal organisierte Systeme mit starken Führungsfiguren aufeinander. Und doch liegt die Sympathie am Ende beim traditionell funktionierenden Dorfverband gegen die entwurzelten Bauarbeiter fern der Heimat.

Freiheit, Familie, Heimat, Heimweh und Zugehörigkeit sind neben den Männerbünden, deren Funktionsweise man hier wie unter einem Brennglas beobachten kann, das, was die Regisseurin interessiert. Ein fast ausschließlich aus Frauen bestehendes Filmteam mit einem Ensemble von Männern, die die Regisseurin direkt vom Bau oder im Fall des schweigsamen Meinhardt vom Havelländer Pferdemarkt gecastet hat. Man wird bei ihrem Auftreten nicht von ungefähr an den DEFA-Spielfilm Spur der Steine von Frank Beyer erinnert. Auch eine Art Western im Bauarbeiter-Milieu des noch wilden Ostens im Aufbau. Nur Grisebach zeigt den heutigen Bruch an der richtigen Stelle. Der Showdown wird zum Augenblick der Erkenntnis, wohin Mann wirklich gehört.

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Western
(Deutschland/Bulgarien/Österreich 2017)
Länge: 119 min.
Regie: Valeska Grisebach
Künstlerische Assistenz: Lisa Bierwirth
Bildgestaltung: Bernhard Keller
Montage: Bettina Böhler
Szenenbild: Beatrice Schultz
Kostümbild: Veronika Albert
Ton: Uve Haußig
Mischung: Martin Steyer
Tongestaltung: Fabian Schmidt
Casting: Katrin Vorderwülbecke
Produktionsleitung: David Keitsch
Herstellungsleitung: Ben von Dobeneck
Mit: Meinhard Neumann, Reinhardt Wetrek, Syuleyman Alilov Letifov, Veneta Frangova, Vyara Borisova u. a.
Kinostart war am 24.08.2017

Infos: http://www.western-der-film.de/

Zuerst erschienen am 01.09.2017 auf Kultura-Extra.

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Power-Frauen, Synthie-Pop mit E-Gitarren, Typewriter-Klangwelten und Refrains ohne Strophen – Das war die Pop-Kultur 2017

August 31st, 2017

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Die dritte Ausgabe der Pop-Kultur ist Geschichte. Auf dem Areal der Kulturbrauerei im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg versammelte das Festivalteam um Katja Lucker und den beiden Kuratoren Martin Hossbach und Christian Morin wieder eine illustre Schar von altgedienten und jungen Pop-AvantgardistInnen. Die gute Mischung aus Live-Musik, Gesprächen, Lesungen, Ausstellungen und Filmen zur Geschichte des Pop wie etwa die Foto-Schau des langjährigen Konzertfotografen Roland Owsnitzki aus den 1980er Jahren oder die Filme ostPunk! to much future und Bunch of Kunst über die englische Band Sleaford Mods macht dieses Festival aus, obwohl natürlich die Musik wie immer im Vordergrund stand. Dabei zeigten sich die Spielarten der zeitgenössischen Pop-Musik sehr vielgestaltig. Seien es nun Spoken-Words-Performances oder Typewriter-Klangwelten mit Tanz, Rap, Gitarren- oder Synthie-Pop, für jeden noch so speziellen Geschmack ließ sich etwas finden.

Und es ist so wie mit Owsnitzkis Auswahl aus unzähligen alten Schwarz-Weiß-Fotos, auf denen die Großen oder damals noch unbekannten Newcomer des Pop und Undergrounds wie Nick Cave, Divine, Nina Hagen, Sade, Iggy Pop, Blixa Bargeld, Die Ärzte oder Miles Davis versammelt sind. Fürs erste zählt der Augenblick, ein erster Eindruck. Was wirklich bleibt, wird sich in ein paar Jahren zeigen. Und vielleicht erinnert man dann auch den einen oder anderen Auftritt auf der Pop-Kultur 2017. Mit Sicherheit nicht so schnell vergessen sein wird die unsägliche BDS-Boykottkampagne, für die nicht nur deren Betreiber sondern auch das Festival selbst im Umgang damit in die Kritik geriet. Wichtig bleibt in jedem Fall die Absage an jegliche Form von Antisemitismus, Chauvinismus, Homo- und Xenophobie. Und damit hat das Pop-Kultur-Festival auch in der dritten Runde die Nase weit vorn. Diverser im Auftritt und auch kontroverser in den Diskussionen wie in diesem Jahr geht es kaum.

 

Romano auf der Pop-Kultur 2017 – Foto: St. B.

 

Der zweite Tag des Festivals gehörte auf der großen Bühne im Kesselhaus klar dem Rap. Auf die regionale Größe mit dem Zöpfchen-Rapper und Muttis Liebling Romano alias Roman Geike aus Berlin-Köpenick folgte hier die schwarze UK-Rapperin Little Simz alias Simbi Ajikawo aus London. Netter geradliniger Spaß-Proll-Rap von nebenan gegen eine eher experimentelle Mischung aus Elementen von Hip-Hop, Drum ’n’ Bass und Grime mit durchaus politischem Anspruch.

Sehr divers auch die musikalischen Beiträge aus Osteuropa. Jeweils ganz spezielle traditionelle Musikeinflüsse verarbeiten dabei das russische Elektro-Trio Oligarkh wie auch die im Kosovo gebürtige Berliner Sängerin ANDRRA alias Fatime Kosumi. Die St. Petersburger Band Oligarkh verbindet einen Mix aus EBM und Industrial mit Samplings russischer Folklore zu einer Art extrem tanzbarem „Slawischen Rave“ und arbeitet sich dabei u.a. auch noch verstärkt durch visuelle Mittel an der orthodoxen Kirche ab. ANDRRA dagegen hat folkloristische Lieder aus Albanien und dem Kosovo gesammelt und trug diese trance-artigen Gesänge mit elektronischer Unterstützung durch eine Band um PC Nackt (Apparat, Hans Unstern) vor. Dagegen haben sich der aus Polen stammende Konzeptkünstler Jemek Jemowit oder auch die Istanbuler Band Jakuzi klar den westeuropäischen Wurzeln aus Synthie-Pop sowie britischem Soul und New Wave verschrieben. Jemik Jemowit führte in seiner ironisch als Gala präsentierten Commissioned Work „10 Jahre Jemek Jemowit“ durch ein ganzes Potpourri aus Punk, Wave und Electronic Dance Music.

 

Oligarch auf der pop-Kultur 2017 – Foto: St. B.

 

Der ungekrönte König des deutschen Elektro-Pops bleibt aber der Hamburger Andreas Dorau. Hatte der Ex-NDW-Star vor zwei Jahren bei der ersten Pop-Kultur im Club Berghain noch sehr pointiert aus seinen Memoiren gelesen, so sammelte Dorau in diesem Jahr für seine Auftragsarbeit im Palais der Kulturbrauerei eine Art All-Star-Band um sich, mit der er 20 Refrains in 40 Minuten vortrug. Der Meister des ohrwurmartigen Refrains, den er selbst den „Brühwürfel eines Songs“ nennt, kreierte dabei einen unterhaltsamen Abend der pop-musikalischen Essenz auch ganz ohne störende Strophen. Ungewöhnlich zumindest von der Instrumentierung war auch der Auftritt der schottischen Komponistin Anna Meredith, die ihre Pop-Songs mit Unterstützung von Synthesizer, Klarinette, Schlagzeug, Cello, Tuba und E-Gitarre vortrug.

Noveller auf der Pop-Kultur 2017 Foto: St. B.

Aus dem englischen Bristol stammt die Post-Punk-Band Idles, die am Donnerstagabend im Franzz-Club den Auftakt der harten Gitarrenfraktion gaben und dabei zum Brexit kein Blatt vor den Mund nahmen. Brutalism heißt ihr erstes Album. Genauso rau und unbearbeitet wie der gleichnamige Architekturstil der Nachkriegsmoderne ist ihr Punk der depressiven Post-Brexit-Ära. „Well Done!“ Aber auch der Gitarrenrock ist schon lange keine reine Männer-Domäne mehr. Ob nun die in Berlin lebende US-Folkrock-Sängerin Marsha Qrella, die Hamburger Indie-Pop-Gitarristin Ilgen-Nur oder die US-Avantgarde-Gitarristin Noveller alias Sarah Liptstate, die auch schon in Glen Brancas 100 Guitar Ensemble spielte, beherrschten die Szene bei der Pop-Kultur. Besonders Noveller überzeugte hier mit ihrem mal flirrenden, mal knarzender Gitarrenambiant, elektronischen Loops und echten Soli.

Überraschend stark auch die Münchner Band Friends of Gas mit der Sängerin Nina Walser. Psychedelischer Krautrock und Post-Punk mit verrätselten deutschen Texten, gegen die die Headliner des Freitagabends All diese Gewalt, ein Soloprojekt des Friends-Produzenten und Gitarristen der Stuttgarter Post-Punker Die Nerven, Max Rieger, doch sehr eintönig und vorhersehbar erschien. Wie die weibliche Variante von Dinosaur Jr. wirkt der kraftvolle Indie-Rock mit deutschen Texten der Band AUF von Sängerin und Gitarristin Anne Rolfs. Und das nicht nur wegen der sehr hohen Gesangsstimme. Dass noch nicht alle Bands die Gitarren an den Nagel gehängt haben, zeigt auch das Comeback der schottischen Arab Strab. Eine gute Mischung aus Elektronik und Indie-Rock und der Beweis, dass trotzt dem Ende des dritten Pop-Kultur-Festivals die Pop-Musik noch nicht am Ende ist.

 

All diese Gewalt auf der Pop-Kultur 2017 – Foto: St. B.

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Pop-Kultur Berlin 2017
23.08. – 25.08.2017
In der Kulturbrauerei Prenzlauer Berg

Infos: http://www.pop-kultur.berlin/

Pop-Kultur 2017 – Teil 1

Zuerst erschienen am 28.08.2017 auf Kultura-Extra.

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Zur Eröffnung des Pop-Kultur-Festivals 2017 auf dem Areal der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg

August 31st, 2017

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Wenn man so will ist die Pop-Kultur 2017 in ihrem dritten Jahr mit der Wahl der Location Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg an ihre Ursprünge zurückgekehrt. An diesem geschichtsträchtigen Ort, an dem sich nach der Wende die ersten Kulturkreativen des ehemaligen Szenebezirks mit hoher Club- und Kneipendichte ansiedelten, fand auch einige Jahre das Vorgängerfestival, die ehemalige Popkomm statt. Mittlerweile ist der Prenzlauer Berg straff durchgentrifiziert, was sich nicht nur in einem verstärkten Clubsterben bemerkbar macht, sondern auch in immer massiveren Anwohnerbeschwerden wegen ruhestörenden Lärms aus den noch verbliebenen Clubs auf dem Gelände der Kulturbrauerei. Der Prenzlauer Berg hat zwar seine Anziehungskraft für Städtetouristen noch nicht ganz verloren, aber hinsichtlich einer lebenden alternativen Kneipen- und Clubkultur an Attraktivität stark eingebüßt.

Der Aufgabe neue innovative Kultur-Orte zu entdecken, trug die Pop-Kultur mit dem letztjährigen Ausflug in den Boom-Bezirk Neukölln Rechnung, nun scheint es an der Zeit Bilanz zu ziehen. Dabei hat man auch vom 2016 spontan gegründeten Neuköllner Gegenfestivals „Off-Kultur“ gelernt und tatsächlich einige Berliner Szene-Größen und DJs eingeladen, die im benachbarten Prater in der Kastanienallee auftreten werden. Aber keine Pop-Kultur ohne kleinen Medienskandal. Diesmal verursacht durch die Absage einiger arabischer Acts, die sich durch eine von der Organisation BDS (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) betriebene Boykott-Kampagne gegen das 500-€-Sponsoring der israelischen Botschaft in Berlin für die Anreise der jüdisch-arabischen Sängerin Riff Cohnen abschrecken ließen.

 

Pop-Kultur 2017 in der Kulturbrauerei – Foto: St. B.

 

Trotz Charme-Offensive mit Facebook-liken Kätzchen- und Hundepostern seitens der Pop-Kultur sorgte die vom BDS offensiv auch im Internet betriebene Anti-Israel-Kampagne im Vorfeld doch für einige Unruhe. Stellvertretend für die Festivalleitung versicherte Pop-Kultur-Chefin Katja Lucker bei der Eröffnung am 23. August, sich davon nicht einschüchtern zu lassen. Das Festival stehe nach wie vor für Diversität und kollektive, narrative Partizipation. Auch die Vertreter der öffentlichen deutschen Geldgeber wie die Kulturstaatsministerin Monika Grütters und der Berliner Kultursenator Klaus Lederer fanden klare Worte gegen die Vereinnahmung des Festivals für die Ziele des BDS.

Der Bund unterstützt die „jungen Rebellen der Pop-Branche“ (Zitat Grütters) mit 500.000 Euro für eine Veranstaltungsreihe sogenannter „Commissioned Works“. Klaus Lederer versprach langfristige Sicherung von Orten für junge Künstler. Dabei stehen Standorte wie die Alte Münze im Fokus. Es sollen in Zukunft nicht nur Grundrisse von Kulturorten wie die im Hof der Kulturbrauerei gezeigte Installation des vor einem Jahr in Berlin-Friedrichshain abgerissenen Projektraums Antje Øklesund übrig bleiben. Man wird den Kultursenator beim Wort nehmen müssen. Jüngstes Negativbeispiel ist die Meldung der Berliner Zeitung über den Verkauf des Künstlerareals der Weddinger Uferhallen. Die ehemaligen Bus- und Bahnwerkstätten wurden vom Land Berlin vor etwa zehn Jahren an die eigens gegründete Uferhallen AG veräußert. Diese hat das Gelände nun für fast das Fünffache an eine Investorengruppe um einen der Samwer-Brüder weiter verkauft. Gentrifizierung auf dem Vormarsch.

 

Balbina bei der Pop-Kultur 2017 – Foto (c) Stefan Bock

 

Musik gab es dann zur Eröffnung aber auch noch. Und die vor allem von starken Pop-Frauen, die bei diesem Festival erstmals mit einer Quote von 50 Prozent vertreten sind. Als eine der Auftragsarbeiten präsentierte die Berliner Sängerin Balbina ein Konzert in einer extra entworfenen Lichtinstallation, die das Weiß der Bühne und des Kostüms der Sängerin in immer neuen Farben erscheinen ließ. Ansonsten performte Balbina ihre philosophisch angehauchten, poetischen Popperlen gewohnt gefühlvoll aber auch recht routiniert vor vollem Kesselhaus. Auch längst kein Geheimtipp mehr ist die US-amerikanischen R&B-Sängerin ABRA, die mit ihrer bombastischen Video-Light-Show den Auftritt von Balbina fast noch toppte. Wem das schon zu mainstreamig war, konnte bei gut abgehangenem Psychelic-Rock und Surf-Pop z.B. von Alex Cameron im Franzz-Club abhängen.

Urbanen Electro-Pop machen die beiden Briten Darkstar. Für ihre chillende Lounge-Musik hat der Regisseur Cieron Magat die passenden Musikvideos städtischer Sub- und Jungendkultur in hippem Schwarz-Weiß-Negativ gedreht. Um Subkultur ganz anderer Art ging es beim Videovortrag von Too Much Future von Schriftsteller und Galerist Henryk Gericke und Radiomoderator Ronald Galenza. Die beiden plauderten über den DDR-Punk der frühen 1980er Jahre, zeigten Fotos und spielten Songs von Bands wie Planlos, Schleimkeim, Zwitschermaschine oder Rosa Extra. Im Stile von Zwei-alte-Männer-erzählen-vom-Krieg gab es einige Anekdoten über die ostdeutschen Verweigerer der Einvernahme durch Einheitspartei und DDR-Staatsorgane. Und tatsächlich war Punk zu sein in der DDR nicht ganz ungefährlich. Viele gingen für ihre politischen Texte in den Knast wie Otze von der Erfurter Band Schleimkeim oder Jana Schloßer von der Ost-Berliner Band Namenlos.

 

Too much future – Ronald Galenza und Henryk Gericke berichten über Punkrock in der DDR – Foto: St. B.

 

Jana Schloßer kann man übrigens seit letztem Jahr im Theaterstück Atlas des Kommunismus im Maxim Gorki Theater sehen. Im selben Stück tritt auch der schwule Musiker und Performer Tucké Royal auf, der mit seiner Boiband ebenfalls auf dem Pop-Kulturfestival vertreten ist. Einen CD-Sampler zu den ostdeutschen Punk-Bands hat Henryk Gericke für die 2016 im Martin Gropius Bau gezeigte Schau Gegenstimmen zusammengestellt. So schließen sich für den interessierten Berliner Kulturgänger Kreise auf diesem Festival, das mit diesem kleinen Ausflug in die Vergangenheit, der mit der ostdeutschen Post-Punkbewegung vor der Wende noch fortgesetzt wird, an die Geschichte des Austragungsortes erinnert, der mit seiner Umgebung des alten Prenzlauer Berg eng verwoben ist.

Der Stein des BDS-Boykottanstoßes, die Sängerin Riff Cohnen, hatte übrigens dann am Eröffnungsabend noch im Palais der Kulturbrauerei einen viel umjubelten Auftritt und überzeugte das Publikum mit einem feurigen Mix aus orientalischen Sounds und frankophilem Powerpop. Ein echtes Highlight, wie auch die hochgehandelte und bereits im letzten Jahr auf der Pop-Kultur vertretene französische Sängerin Fishbach, die zur späten Stunde im viel zu kleinen Maschinenhaus diesmal mit unterstützender Band auftrat. Französischer Elektro-Pop mit Gitarrenbegleitung und einer gut gelaunten Performerin, die auch noch lächelnd über „La morte“ singen kann und vom Publikum die deutschen Worte für Tod und Ende lernte. Am Ende ist die Pop-Kultur scheinbar noch nicht, auch wenn es in einer Gesprächsrunde heißen wird: „Pop-Kultur – brauchen wir das überhaupt?“ Die Antwort darauf lässt sich noch bis zum Freitag auf dem Festival ergründen.

 

Riff Cohen bei der Pop-Kultur 2017 – Foto: St. B.

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Pop-Kultur Berlin 2017
23.08. – 25.08.2017
In der Kulturbrauerei Prenzlauer Berg

Infos: http://www.pop-kultur.berlin/

Pop-Kultur 2017 – Teil 2

Zuerst erschienen am 24.08.2017 auf Kultura-Extra.

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„Lucky Loser“ und „Die Hannas“ – Neues deutsches Kino überzeugt mit Witz und Ernsthaftigkeit

August 21st, 2017

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Sommerzeit ist Open-Air-Kinozeit, und selbst wenn das Wetter derzeit nicht mitspielt, machen zumindest zwei neue deutsche Filme Lust auf Sonne, Ferien und Liebe, auch wenn es zunächst nach Beziehungsstress aussieht. „Camping ist Kacke“, ruft der Lucky Loser in Beziehungspause Mike im gleichnamigen Film von Regisseur Nico Sommer; und Hans aus Die Hannas von Regisseurin Julia C. Kaiser stöhnt auch nur: „Schon wieder ein Beziehungsfilm“. Was also ist das Besondere an diesen beiden Low-Budget-Filmen, dass man sie unbedingt gesehen haben muss?

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Nico Sommer hat mit Filmen wie Silvi (2013) und Familienfieber (2014) schon ganz gut unter Beweis gestellt, dass er sein Handwerk als Regisseur für improvisierte Filme mit hintersinnigem Humor versteht. Nun hat er mit Filmförderung durch das ZDF zum ersten Mal ein richtiges Drehbuch geschrieben. Für das Gelingen am Set sorgte bisher immer ein ausgesuchtes Ensemble von DarstellerInnen, zu denen vor allem sein jetziger Hauptdarsteller und Impro-Könner Peter Trabner gehört. In Lucky Loser gibt Trabner Mike, einen alleinstehenden Mitvierziger, der nach 8 Jahren Beziehungspause immer noch an seiner Ex-Freundin Claudia (gespielt vom TV-Liebling Annette Frier) hängt. Die ist allerdings längst mit dem etwas spießigen Thomas (Kai Wiesinger) liiert. Aber Mike gibt nicht auf. Am Rückspiegel seiner Schrottkarre hängt das Bild seiner Angebeteten – bis sie ihn erhört oder bis zu seinem bitteren Ende, wie er der gemeinsamen 15jährigen Tochter Hannah (Emma Bading) versichert. Hanna ist die einzige, die noch zu Mike hält, und beschließt daher spontan nach einem Streit mit der Mutter und deren Freund, bei ihrem Vater einzuziehen.

Da Mike aber gerade von seinem Vermieter (Gustav Peter Wöhler) wegen Mietrückständen auf die Straße gesetzt wurde, fängt die Sache an etwas kompliziert zu werden. Vom seinem Chef (Tatort-Kommissar Kopper alias Andreas Hoppe auf Kinoabwegen) aus der Autowaschanlage, in der er arbeitet, bekommt Mike einen alten Wohnwagen und beschließt notgedrungen, seine Tochter auf eine Campingtour ins Brandenburgische zu lotsen. Damit wird die Sache aber nicht einfacher, und es beginnt ein „Sommer in der Bredouille“, wie die Beziehungskomödie kalauernd im Untertitel heißt.

 

Lucky Loser(c) Farbfilm Verleih

 

Denn nicht nur Mike hat Tochter und Ex nicht ganz die Wahrheit gesagt, auch Hannah hat ihrem Vater verschwiegen, dass sie ihren Freund Otto (Elvis Clausen) zwecks geplanter Entjungferung zum 16. Geburtstag auf den Campingplatz, auf dem schon Mutter Claudia die verregnetsten Sommer ihres Lebens verbringen musste, eingeladen hat. Nun ist Otto zum Erstaunen Mikes trotz entsprechendem Namen kein sogenannter „Biodeutscher“, sondern ein in Deutschland geborener, großgewachsener Spross ghanaischer Eltern, was nicht nur P.C.-Debatten über das „N“-Wort auslöst, sondern auch Anlass zu Auseinandersetzungen mit rassistischen brandenburgischen Jugendlichen gibt.

Mike macht sich aber zunächst eher Gedanken über Drogenkonsum sowie die Jungfräulichkeit seiner Tochter und wie sie alle gemeinsam die Verwicklungen vor der nun auch noch auf dem Campingplatz angekommenen Mutter verbergen sollen. Der Film schrammt hier natürlich hart an allerhand Klischees vorbei, kann diese aber auch zu jeder Menge Wortwitz nutzen. Mitreißend aber ist, wie Peter Trabner in der Rolle des Mike, ohne dessen Bemühungen um Tochter und Ex ins Lächerliche zu ziehen, den Jungen spielt, der nicht erwachsen werden will und dem als Lucky Loser alle Sympathien gehören.

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Als Komödie beginnt der neue Film von Julia C. Kaiser, der – wie schon ihr Erstling Das Floß! (2015) – wieder beim Achtung Berlin Filmfestival im April lief und dort gleich die Preise für den besten Film, das beste Drehbuch, die beste Darstellerin und den besten Darsteller abräumte. Anna (Anna König) und Hans (Till Butterbach), zusammen Die Hannas, leben seit 15 Jahren zusammen und sind nach der etwas unschmeichelhaften Feststellung von Annas Freundin (Anne Ratte-Polle) das Paar, das im Kompromiss glücklich sein kann. Wir sehen zwei, die ihren Alltag leben ohne durchzudrehen. Scheinbar. Denn eigentlich gehen die beiden jedem Konflikt – sei es die Urlaubsplanung oder nur das gemeinsame Essen – aus dem Weg. Und damit beginnen dann aber auch schon die Probleme.

Nicht nur die Physiotherapeutin Anna verliebt sich für sie ganz überraschend in ihre umtriebige und nicht ganz einfache Patientin Nico (Ines Marie Westernströer), die in einer veganen WG mit Café-Betrieb lebt und einen recht taffen 15jährigen Sohn (Tim Blochwitz) im Heim hat. Auch der etwas gemütliche und korpulente Hans gerät unverhofft auf Abwege, als er beim über seinen Freund Florian (Christian Natter) vermittelten Hardcore-Fitnesstraining die Bondage und anderen Spielen nicht abgeneigte Kim (Julia Becker) kennenlernt. Dass Nico und Kim Schwestern mit zunächst unklaren Vergangenheit sind, erfährt man erst nach und nach, was für weitere Verwirrung sorgt, die Spannung und scheinbare Absurdität der Story aber noch beständig steigert.

 

Die Hannas – (c) W-film

 

Allerdings beginnt hier auch der Wandlungsprozess des Paars, was die durch ihren Psychotherapeuten (Falilou Seck) ermunterte Anna weiter beflügelt ihren Gefühlen nachzugehen und auch Hans immer mehr aus seiner Lethargie reißt. Das bedeutet aber auch, dass die beiden den geschützten Kokon ihrer gewohnten Zweisamkeit verlassen müssen und ihre Beziehung auf eine harte Probe gestellt wird. Wie unwirklich sich das für sie manchmal anfühlt, zeigt der Film in einigen surreal wirkenden Szenen. Einerseits genießen Die Hannas den Reiz der neuen Freiheit und die anderen Erfahrung in Sachen Liebe, andererseits wollen sie sich nicht verlieren, was wiederum die Schwestern in eine Krise stürzt.

Julia C. Kaiser hat einen aufregenden Film gedreht, der abseits normierter Sehgewohnheiten für einen freieren Umgang mit Liebes- und Beziehungsdingen wirbt, Alternativen zur Diskussion stellt, es den Beteiligten aber auch nicht unbedingt einfach macht sich zu entscheiden. Ob Die Hannas, um ihr Leben zu ändern, über den geraden gelben Strich, den ein Straßenarbeiter beständig zieht, springen können, sei hier noch nicht verraten. Es lohnt aber in jedem Fall ihnen beim Versuch zu zusehen.

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Lucky Loser – Ein Sommer in der Bredouille (Deutschland 2017)
Dauer: 94 Minuten
Regie und Buch: Nico Sommer
Kamera: Thomas Förster
Montage: Nico Sommer, Carlotta Kittel BFS
Ton: Tim Stephan
Sounddesign: Manuel Laval
Redakteur: Christian Cloos
Producerin: Katharina Possert
Produzenten: Boris Schönfelder
Mit: Peter Trabner, Annette Frier, Emma Bading, Kai Wiesinger, Elvis Clausen, Ursula Werner, Andreas Hoppe, Harald Polzin, Christin Nichols, Antonio Wannek, Michael Kind, Gustav Peter Wöhler, Karim Cherif, Alexandra Grimaldi, Deborah Kaufmann, Katharina Schlothauer

Weitere Infos: http://www.luckyloser-film.de/

Die Hannas (Deutschland, 2016)
Dauer: 102 Minuten
Regie, Buch: Julia C. Kaiser
Kamera: Dominik Berg
Schnitt: Linda Bosch
Musik: Sorry Gilberto, Dominik Berg, Coleslaw Clubbing
Ton: Tobias Rüther
Kostüm: Ulé Barcelos
Szenenbild: Melanie Peter
Produzenten: Oliver Schütte, Stefan Jäger, Katrin Renz, Milena Klemke
Produktion: tellfilm Deutschland
Mit: Anna König, Till Butterbach, Ines Marie Westernströer, Julia Becker, Anne Ratte-Polle, Christian Natter, Tim Blochwitz, Çetin Ipekkaya, Mandana Mansouri, Cynthia Micas, Robert Nickisch, Jakob Renger, Falilou Seck, Oliver Steffen

Infos: http://diehannas.wfilm.de

Zuerst erschienen am 16.08.2017 auf Kultura-Extra.

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„Kalakuta Republik“ und „Au-delà de l’humain“ – Zum Auftakt der 29. Ausgabe von Tanz im August standen Choreografien aus Afrika im Mittelpunkt

August 15th, 2017

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Am 11.08.2017 wurde im HAU 1 die 29. Ausgabe von TANZ IM AUGUST eröffnet. Nach Reden von Gastgeberin Annemie Vanackere, Kultursenator Klaus Lederer und der Kuratorin Virve Sutinen, die den Jahrgang in seiner Themenvielfalt und dem Versuch von künstlerischen Reflexionen angesichts einer globalisierten Welt allgemein als einen sehr guten anpriesen, stand eine Aufführung des Tänzers und Choreografen Serge Aimé Coulibaly aus Burkina Faso auf dem Programm im HAU 1. Mit seiner Kalakuta Republik tourt er derzeit durch ganz Europa. Deutschlandpremiere hatte die Produktion bei der bei Africologne in Köln. Die nächste Station wird das Sommerfest auf Kampnagel in Hamburg sein.

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Coulibaly thematisiert in seinem Tanzstück den Zusammenhang von Kunst und Revolte am Beispiel des bekannten nigerianischen Afrobeat-Musikers Fela Kuti, der von den 1960er Jahren bis zu seinem AIDS-Tod 1997 als Künstler und politischer Aktivist tätig war. In seinen Texten kritisierte er vor allem die Militärregierung des Landes. Anfang der 1970er Jahren gründete er in Lagos die titelgebende Künstlerkommune Kalakuta Republik. Diese wurde 1977 bei einem Angriff nigerianischer Regierungstruppen zerstört. Fela Kuti ist nach wie vor eine Leuchtfigur im Kampf gegen afrikanische Diktatoren oder die Folgen der westlichen Kolonisation. Von Kritikern wird er aber auch als Demagoge und sexistischer Fundamentalist bezeichnet. Vor allem seine klare Ablehnung der Homosexualität und der AIDS-Prävention sind bekannt.

 

Kalakuta Republik von Serge Aimé Coulibaly – Foto (c) Doune Photo

 

Diese Ambivalenz Kutis untersucht die Choreografie in zwei Teilen. Im ersten Teil, der mit „Without a Story we would go mad“ (Ohne eine Geschichte würden wir verrückt werden) überschrieben ist, zeigen die Tänzer in Gruppen- und Solopartien das Entstehen eines gemeinsamen Widerstands. Aber auch hier gibt es einen charismatischen Führer, der die einzelnen, farblich unterschiedenen Individuen um sich schart. Und immer mehr beginnen sie diesem zu huldigen. Die Choreografien sind dabei sehr körperlich, dynamisch und in ihrer Zeichenhaftigkeit nicht immer endschlüsselbar. Der treibende Beat der Funkmusik mit Saxofon-Einlagen trägt aber über die gut 40minütige, schweißtreibende Darbietung der 7 afrikanischen Tänzer und Tänzerinnen, zu denen der Choreograf selbst und auch die weiße, französische Tänzerin Marion Alzieu gehören. Als Requisiten dienen ihnen dabei einige Stühle eine Ledersitzecke und zwei große Videowände.

Der zweite Teil nach der Pause spielt in einem verrauchten Soul-Nachtclub, in dem die Stühle wild herumliegen, eine Frau auf einem Podest tanzt, betrunkene Gestalten umherirren und Männer die Frauen mit Gesten erniedrigen. So bläst einer der Tänzer einer Tänzerin, die am Mikrofon zu singen versucht, immer wieder Zigarettenqualm ins Gesicht und auf den Körper. „War is a purifiction rite“ (Krieg ist ein Reinigungs-Ritus) steht auf der Videowand oder auch „Dekadence can be an end in itself“ (Dekadenz kann Selbstzweck sein). Einer der Tänzer ruft: „Ich werde Präsident sein.“ Die Befreiung schlägt in ihr Gegenteil um, die Revolution frisst ihre Kinder. Der Widerstand erstickt in Ritualen der Körperlichkeit, der Dekadenz und des Machismo. In einer kleinen Parade mit wieder sehr symbolhaften Gesten verlässt die Truppe, die Tänzerinnen auf den Schultern der Tänzer, den Saal.

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Zora Snake bei seiner Tanzperformance Au-delà de l’humain vor dem HAU 1
Foto: St. B.

Mit traditionellen Riten beschäftigt sich der 1990 in Kamerun geborene Choreograf Zora Snake in seiner Tanzperformance Au-delà de l’humain (Jenseits des Menschlichen), die er im Anschluss an die Eröffnungspremiere draußen vor dem HAU 1 begann. Er setzt sich darin mit dem postkolonialen afrikanischen Körper auseinandersetzen und bedient sich dabei Mitteln der Performing Arts sowie des Urban und African Dance. Zunächst sprang Snake mit zwei Ritualschalen auf die Stresemannstraße und zog danach einen Sarg mit der Kameruner Flagge zum HAU 2, wobei ihm das Publikum folgte und auch eine Kette aus schwarzen Holzkreuzen hinterher trug. Vor dem Café Wau zelebrierte der junge Performer noch ein streng durchchoreografiertes, afrikanisches Begräbnisritual auf einem quadratischen Erdfeld und hielt eine Rede in Französisch, die im Programmblatt auf Deutsch abgedruckt war.

In dem Text Die Toten sind nicht tot geht es um die Tragödie aus Kriegen überall in Afrika. „Werden wir immer schweigende Beute bleiben?“ fragt Zora Snake und verneint dies mit dem Aufruf „dem Leben, das vor Jahrhunderten gestorben ist, wieder Leben einzuflößen“. Snake ruft dazu die Ahnen des schwarzen Widerstands wie Nelson Mandela, Mohamed Ali, Fidel Castro, Martin Luther King, Malcom X oder Patrice Lumumba. „In dem Ring meiner Erinnerung boxt die Hoffnung gegen die Hoffnungslosigkeit. Wir leisten Widerstand.“ Gerade in ihrer für uns Europäer vielleicht etwas simplen Archaik blieb diese Performance nicht ganz ohne Wirkung.

 

Zora Snake bei seiner Tanzperformance Au-delà de l’humain vor dem HAU 2 – Foto: St. B.

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Kalakuta Republik
Konzept & Choreografie: Serge Aimé Coulibaly
Von und mit Adonis Nebié, Marion Alzieu, Sayouba Sigué, Serge Aimé Coulibaly, Ahmed Soura, Antonia Naouele, Ida Faho
Musik: Yvan Talbot
Video: Eve Martin
Dramaturgie: Sara Vanderieck
Assistenz Choreografie: Sayouba Sigué
Bühne & Kostüm: Catherine Cosme
Licht: Hermann Coulibaly
Technische Leitung: Sam Serruys
Produktion: Faso Danse Théâtre & Halles de Schaerbeek
Produktionsleitung: Halles de Schaerbeek
Distribution: Frans Brood Productions
Koproduktion: Maison de la Danse Lyon, TorinoDanza, Le Manège Scène nationale de Maubeuge, Le TARMAC – La Scène internationale francophone Paris, Les Théâtres de la Ville de Luxembourg, Ankata Bobo Dioulasso, Les Récréâtrales Ouagadougou, Festival AfriCologne, CC De Grote Post Oostende.
Dauer: 85 min + Pause

Au-delà de l’humain
von und mit Cie Zora Snake
Künstlerische Leitung: Zobel Raoul Tejeutsa / Snake
Konzept & Choreografie: Zora Snake
Bühnenbild: Snake
Produktion: Compagnie Zora Snake
Mit der Unterstützung von: Festival Ambony Ambany 4 Madagascar, Festival Mantsina Sony sur Scène – Congo-Brazzaville, Festival Les Récréârales, La Triennale danse l’Afrique danse, Festival les Dètours de Babel, Othni (laboratoire de théâtre de Yaoundé-Cameroun).
Dauer: 45 Min

Infos: http://m.tanzimaugust.de/

Zuerst erschienen am 13.08.2017 auf Kultura-Extra.

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Lucian Freud: Closer – Der Martin Gropius Bau zeigt erstmals Radierungen des britischen Malers aus der UBS Art Collection

August 13th, 2017

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Lucian Freud – Ausschnitt aus Head and Shoulders of a Girl, 1990 – © The Lucian Freud Archive, Bridgeman Images, UBS Art Collection

Lucian Freud (1922-2011) wurde von seinen Kritikern als der „besessenste Maler des Fleisches“ bezeichnet. Seine stark pastösen Gemälde nackter Modelle wirken oft sehr korpulent und auf viele geradezu obszön. Jede Ader, jede Hautfalte, jeder noch so kleine Makel, alles Intime liegt in seinen radikal-realistischen Bildern gnadenlos offen. Aber es ist die Art, wie er die Menschen sah. „Zu den aufregendsten Dingen gehört, durch die Haut hindurchzusehen, bis zum Blut, zu den Venen und Narben.“ Das Innere bildhaft nach außen kehren. Darin ähnelt Lucian Freud seinem Malerkollegen und Freund Francis Bacon. Beide haben sich mehrfach gegenseitig portraitiert.

Die Modelle fand der in Berlin geborene Enkel des berühmten Psychoanalytikers Sigmund Freud im direkten Umfeld. „Mein Werk ist rein Autobiografisch. Es ist der Versuch, etwas aufzuzeichnen. Es geht darin um mich und meine Umgebung. Ich male nach Menschen, die mich interessieren und die mir etwas bedeuten und über die ich nachdenke, in Räumen, in denen ich lebe und die ich kenne.“ Auch die Natur und vor allem Tiere tauchen immer wieder in Freuds Gemälden auf. In Kombination sind dies Bilder der Ruhe und Ausgeglichenheit, fast wie fleischgewordene Meditationen.

Wie setzt man diese Art zu Malen nun in das eher reduziertere Medium der Druckgrafik um? Dazu sind im Martin Gropius Bau zurzeit 51 Radierungen Freuds aus der UBS Art Collection zu sehen. Ergänzt werden sie durch ein aquarelliertes Selbstportrait und zwei bekannte Gemälde aus der großen Schweizer Unternehmens-Sammlung. Lucian Freud: Closer ist nach großen Retrospektiven 2010 im Centre Georges Pompidou Paris, 2012 in der National Portrait Gallery London und 2013 im Kunsthistorisches Museum Wien, eine erste Ausstellung mit Werken Freuds in Berlin seit 1991.

 

Lucian Freud: The Painter´s Mother, 1982, Radierung, 29,5 x 24,2 cm © The Lucian Freud Archive, Bridgeman Images UBS Art Collection

 

1922 in Berlin geboren, wanderte der damals 10jährige Freud nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 mit seiner Familie nach Großbritannien aus. Mit 16 wurde er britischer Staatsbürger und besuchte bereits die Central School of Art. Kontinuierlich an sich arbeitend hatte Freud mit 21 seine erste eigene Ausstellung. Gezeichnet und radiert hatte er im kleinen Maßstab eigentlich schon immer. Aber erst ab den 1980er Jahren entstanden parallel zu seinen Gemälden viele auch großformatige Radierungen mit den gleichen Motiven. Die ausgestellten Werke stammen bis auf das Aquarell Self-Portrait aus dem Jahr 1974 aus der Zeit von 1982 bis 2001.

Als ironische Wertung der symbolhaft überladenen Werke der Surrealisten, denen er sich nur ganz kurz in den 1940er Jahren zuwandte, ist sein Ausspruch zu verstehen: „Was könnte surrealer sein, als eine Nase zwischen zwei Augen.“ Freud suchte die Wahrhaftigkeit in seinen Portraits. „Ich wünsche mir, dass meine Porträts sozusagen die Leute selbst sind, nicht nur deren äußere Erscheinung.“ Den strengen Maßstab seiner Portraitbilder legte er auch ans eigene Antlitz. Die Ausstellung öffnet mit dem besagten Selbstportrait am Eingang zum ersten Raum, in dem vorwiegend Portraits von Verwandten und Bekannten sowie Londoner Künstlerpersönlichkeiten gezeigt werden, und schließt mit einer sehr düsteren Self-Portrait-Radierung von 1996. Ein tief gefurchtes Gesicht mit dunklen Augenhöhlen und heruntergezogenen Mundwinkeln, nichts beschönigend. Zum Vergleich kann man im ersten Raum eine kleine Serie von Radierungen seiner Mutter betrachten. The Painter‘s Mother von 1982 dokumentiert schon ebenso kompromisslos die Vergänglichkeit des Körpers.

 

 

Lucian Freud: Large Sue, 1995, (Benefits Supervisor Sleeping), Radierung, 82,5 x 67,3 cm
(c) Lucian Freud Archiv/Bridgeman Images UBS Art Collection

 

Weitere Radierungen zeigen vor allem seine Tochter Bella, Bekannte der Familie, wie den Anwalt seines Großvaters Sigmund Freund, oder Freunde und Künstlerkollegen wie den britischen Konzeptkünstler, Bildhauer und Filmemacher Cerith Wyn Evans, dessen Kopf er zusätzlich mit Pastellkreide wild über den Rand der Radierung hinaus kolorierte, oder in Head of a Man und Large Head den australischen Modedesigner und Performancekünstlers Leigh Bowery, der Freud ebenfalls meist nackt Modell stand. Eines davon, Reclining Figure, ist im zweiten Raum zu sehen, der sich ganz Freuds vielen Nacktmodellen widmet. Sie verströmen alle eine ganz spezielle Nähe und Intimität.

Lucian Freud ließ in den Radierungen alles Interieur um seine Modelle weg. Das erweckt tatsächlich den Eindruck von Schwebenden. Als signifikantes Beispiel dafür hängen hier die Bilder der recht barocken Arbeitsamtsangestellten Sue Tilley, die ihm sehr oft Modell saß, oder besser lag. Wie eine schlafende Madonna von Rubens. Als Gemälde erzielten diese Aktbilder auf Auktionen enorme Preise. Die Radierungen Large Sue und Woman with Arm Tattoo sind aber nicht minder eindrucksvoll.

 

Lucian Freud: Double Portrait 1988–1990 (Susanna Chancellor und Freuds Hund Pluto), Öl auf Leinwand, 113,3 x 134,62 cm
(c) The Lucian Freud Archive, Bridgeman Images UBS Art Collection

 

Freuds Vorlieben für Tiere und Naturdarstellungen widmen sich die hinteren Räume der Ausstellung. Hier fasziniert vor allem die Radierung eine feingliedrigen Diestel, ein Motiv, das öfters in seinen Gemälden auftaucht. Ebenso wie Hunde, die er zusammen mit ihren Besitzern portraitierte. Als anschauliches Beispiel dient hier das Gemälde Double Portrait (1988–1990), das Freuds Modell Susanna Chancellor mit seinem Jagdhund Pluto zeigt. In der Radierung reduzierte Freud den Bildausschnitt lediglich auf den Hund, der zu Füßen der Ruhenden liegt.

Vorbilder fand Freud in der klassischen französischen Portrait-Malerei des 18. Jahrhunderts mit Vertretern wie Jean-Auguste-Dominique Ingres oder Jean Siméon Chardin, dessen Gemälde Die Schulmeisterin er in zwei Radierungen adaptierte. Chardin ist als „Maler der Stille“ bekannt, was Freuds Intensionen der Malerei natürlich sehr nahe kommt. In der Radierung The Egyptian Book reflektiert Freud Besuche des Berliner Ägyptischen Museums in seiner Kindheit. Das Bild zeigt das aufgeschlagene Buch Geschichte Ägyptens aus seinem Besitz, mit den Portraits zweier früher ägyptischer Statuen. Ebenfalls eine Referenz an die Kunstgeschichte wie auch an die Vergänglichkeit.

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Lucian Freud: Closer
Radierungen aus der UBS Art Collection
22.07.2017 – 22.10.2017
Martin-Gropius-Bau,  Berlin
Niederkirchnerstraße 7

Infos: https://www.berlinerfestspiele.de/

Zuerst erschienen am 10.08.2017 auf Kultura-Extra.

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A L‘ARME! Festival V – Das 5. Berliner Festival für Avantgardemusik und zeitgenössischen Jazz präsentierte viele neue Improvisations-Projekte und alte Gitarren-Helden

August 10th, 2017

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Auf mittlerweile bereits fünf Ausgaben kann in diesem Jahr das kleine aber doch auch großartige Avantgarde-Jazzfestival A L’ARME! zurückschauen. Erstmalig 2012 ertönte der Aufruf „A L’ARME – zu den Waffen“ im Radialsystem V, einem umgebauten Pumpwerk am Spreeufer, das sich seit 2006 als internationaler Treffpunkt für experimentelle Musik, zeitgenössischen Tanz und viele andere Künste etabliert hat. Weniger militärisch als viel mehr improvisationslustig präsentierte sich seitdem auch das Line-up des Festivals, auf dem sich Avantgarde-, Noise- und Free-Jazz-Größen wie Peter und Caspar Brötzmann, Joe McPhee, Thurston Moor, FM Einheit, Mats Gustafson, Massimo Pupillo, Ken Vandermark, Ingrid Laubrock und sogar Pop-Größen wie Neneh Cherry ein Stelldichein gaben.

Zum viertägigen Jubiläum versprachen die Veranstalter eine Vielzahl von Album-Erstvorstellungen und kompositorische Uraufführungen. Dazu wurde eine Mix aus AL’ARME!-All-Stars und jüngeren Talenten der Avantgardemusik-Szene eingeladen. Wobei der Fokus des Festivals auf der Berliner Jazz- und Improvisationsszene liegen sollte. Spezielle After-Show-Partys mit elektronischer Musik präsentierte das Raster-Noton-Label.

 

Mieko SuzukiFoto (c) Peter Gannushkin

 

Wie in den letzten beiden Jahren fand das Opening des Festivals am Mittwochabend in Berlins Techno-Tempel Nr. 1, dem Berghain statt. Die in Berlin lebende japanische DJ-Künstlerin Mieko Suzuki mischte dazu den passenden elektronischen Begrüßungssound. Auch wenn ihre schmale Silhouette hinter den Turntables kaum wahrnehmbar war, versprühte sie doch vor und zwischen den einzelnen Live-Acts mit ihren wabernden, elektroakustischen Basslinien eine bemerkenswert klangliche Präsenz. Ein fast psychodelisches Warm-up, zu dem der nachfolgende deutsche Elektropionier, Visual Artist und Mitbegründer des renommierten Raster-Noton-Labels, Frank Bretschneider, zunächst so gar nicht recht passen wollte.

Bretschneider, der mit seinem alten Kollegen aus Karl-Marx-Städter AG.Geige-Zeiten Olaf Bender aka Byetone Samstagnacht noch ein paar DJ-Sets im Radialsystem V spielen wird, trat mit seiner audiovisuellen EXP-Solo-Performance auf. Der elektronische Soundtüftler erzeugte auf seinem Laptop ca. eine halbe Stunde lang elektroakustische Störgeräusche, zu deren Rhythmus auf einem Videoscreen im Hintergrund bizarre Herzfrequenzkurven und andere Computergrafiken hypnotisch zuckten.

 

Frank Bretschneider(c) A L’ARME! Festival

 

Es war ein Abend der Extreme und klanglichen Collagen. Extrem experimentell wirkte im Anschluss auch das Zusammenspiel der beiden avantgardistischen Gitarren-Gurus Caspar Brötzmann und Thurston Moor. Berliner Industrial trifft New Yorker Noise-Rock – zwei Fender-Gitarren im unmittelbaren Soundbattle. Die beiden Experimental-Gitarreros türmten zunächst ein paar improvisierte Lärmwände auf, die sie nach und nach unter viel Getöse wieder einrissen. Dabei wurden die Stahl-Saiten der Elektrogitarren auf alle nur erdenkliche Art und Weise malträtiert. Vorwärtstreibende Gitarrenriffs von Thurston Moor verknäulten sich mit den metallen zerrenden Geräuschen, die der Massaker-Frontmann seiner E-Gitarre entlockte. Ein Noise- und Feedbackgewitter, das hin und wieder auch in ein fast meditatives Glockengeläut überging.

Allein das wäre für geübte Noise-Rock-Jünger schon das Eintrittsgeld wert gewesen, wenn nicht mit dem norwegischen Hammond-Orgel-Powertrio Elephant9 gegen 23 Uhr noch ein ganz spezielles Set das Lärm-Glück komplettiert hätte. Man könnte meinen, die musikalischen Uhren im Berghain liefen an diesem Abend rückwärts. Die Auferstehung des Avantgarde-Jazz und Prog-Rock der 1960er Jahre, der nicht nur Brötzmann und Moor inspiriert haben dürfte, im bombastischen Sound-Gewand des Elektro-Organisten Ståle Storkløkken begleitet von Nikolai Hængsle Eilertsens psychedelischen Basslinien und den treibenden Drums des Schlagzeugers Torstein Lofthus. Und damit schwimmen die drei Norweger natürlich auf einer anhaltenden Retro-Welle. Was diesen an Prog-Rock-Größen wie King Crimson oder Amon Düül erinnernden Instrumentalsound ins 21. Jahrhundert trägt, sind der konsequente Einsatz von elektronischen Loops und verzerrten Fender Rhodes, die den Sound dadurch auch für jüngere Techno-Fans tanzbar machen. Eine gelungene Fusion von Elektronik und Art-Rock.

 

Elephant 9Foto (c) Hans Petter Heggli

 

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Nach der ersten Lärmoffensive zur Eröffnung des 5. A L’ARME!-Festivals am Mittwoch im Berghain stand der Donnerstag im Radialsystem V wieder ganz im Zeichen der Improvisation. Der Abend begann mit einem recht minimalistischen Solokonzert der in Amsterdam lebenden slowenischen Pianistin Kaja Draksler. Sie gehört zu den derzeit gefragtesten ImprovisatorInnen der Avantgarde-Szene und war daher auch noch für einen Auftritt mit ihrem Kaja Draksler Octet am Samstag gebucht. Im quadrophonisch neu ausgerichteten Saal des Radialsystems überzeugte Draxler mit einer Darbietung ihres Könnens am eher klassischen Konzertinstrument, bei dem sie alle Spielarten der Klangerzeugung selbst mittels auf die Saiten des Flügels geworfener Metallstückchen atmosphärisch austestete.

 

Kaja DrakslerFoto (c) Beata Szparagowska

 

Gleich danach präsentierte der Berliner Schlagzeuger und SWR-Jazzpreisträger 2017 Christian Lillinger mit seinem dänisch-deutschen Ensemble-Projekt Dell/Brecht/Lillinger/Westergaard eine elektroakustische Weltpremiere für Schlagzeug, Vibraphon, Kontrabass und Live-electronics. Herbei wurden die von Schlagzeuger Christian Lillinger, Vibraphonisten Christian Dell und Bassist Jonas Westergaard gespielten Improvisationen durch die Live-Bearbeitung des Stuttgarter DJs Johannes Brecht verstärkt. Was Brecht hier mit den Klängen der drei Mitstreiter anstellte, ist zwar musikalisch gesehen nicht unbedingt ganz neu, verfehlte aber seine akustische Wirkung im Saal nicht.

Natalie Sandtorv Foto: St. B.

Eine improvisatorische Meisterleistung gelang der jungen norwegischen Sängerin und Preisträgerin des Moldejazz/”Sparebank 1-Jazz Talent“-Preises 2016 Natalie Sandtorv mit ihrem neustes Projekt, dem New Roots Trio. Bei diesem auskomponierten Konzert für Stimme, präpariertes Klavier und Schlagzeug wurde sie von dem norwegischen Schlagzeuger Ole Mofjell und der griechischen Pianistin Zoe Efstathiou unterstützt, die wiederum als sogenannte Meisterin des präparierten Klaviers gilt. Bemerkenswert aber war vor allem das Können Ole Mofjells, der ähnlich wie Draxler und Efstathiou, alle erdenklichen Möglichkeiten der Klangerzeugung auf seinen Drums und Schellen nutzte, was Natalia Sandtorv elfengleichen Voice-Improvisationen bestens ergänzte.

Ein bombastisches orchestrales Konzerterlebnis stand zum Finale des Donnerstagabends in der Halle des Radialsystems auf dem Programm. Der New Yorker Trompeter und Komponist Nate Wooley hat für die Berlin-Premiere der 2015 in New York uraufgeführten fünften Edition seiner siebenteiligen Kompositionsserie Seven Storey Mountain ein 19-köpfiges Ensemble, bestehend aus bekannten SpitzenmusikerInnen der internationalen Avantgarde-Bewegung, zusammengestellt. Das Werk begann mit einem fanfarenartigen Auftakt der Bläsersektion und steigerte sich dann im Zusammenspiel von zwei Vibraphonen, Schlagzeugen und Streichern, der Vocal-Instrumentalistin Liz Allbee und der Trompete von Nate Wooley zu einem orchestralen Infernal aller beteiligten MusikerInnen. Nach etwa einer Stunde war das fünfte Lärm-Geschoss erklommen und der Abend klang mit fast meditativen Glockenschlägen als Zeichen der unaufhaltsamen Vergänglichkeit aus.

 

Nate Wooley mit Seven Storey Mountain – Foto: St. B.

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Im Song Trends des deutschen Avantgarde-Pop-Duos Foyer Des Arts hieß es 1982 noch ironisch „Gitarrensolos erobern sich die Rockmusik zurück“. Bewahrheitet hat sich das u.a. mit Avantgarde-Musikern wie Caspar Brötzmann und Thurston Moore, die beide ihre Karriere in den 1980er Jahren begannen und nun zum widerholten Mal zum A L’ARME!-Festival eingeladen wurden. Nicht zuletzt würdigte man diese Tradition mit dem Auftritt eines weiteren Gitarren-Sets mit der niederländischen Punk-Legende The Ex, die das Festival am Samstagabend beendeten. Auch wenn Caspar Brötzmanns letzte eigene Platteneinspielung schon ein paar Jahre zurückliegt und der Extrem-Gitarrist nach mittlerweile 30 Jahren im Geschäft immer noch als Geheimtipp in der Szene gilt, war der eigentlich nie wirklich weg. Nach Projekten mit FM Einheit von den Einstürzenden Neubauten und den beiden Schweizer Musikern Michael Wertmüller und Marino Pliakas belebte Brötzmann nun mit dem italienischen E-Bassisten Massimo Pupillo und dem Schweizer Schlagzeuger Alexandre Babel die Dreierkonstellation seiner legendären Band Massaker wieder.

 

Brötzman-Pupillo-Babel
Foto (c) A L’ARME! Festival

 

Den Freitagabend im Radialsystem eröffneten die drei Musiker mit der ersten öffentlichen Vorstellung ihrer neuen LP Alexandre Babel/ Massimo Pupillo/ Caspar Brötzmann: Live At Candybomber Studio Vol. I. Man kann also noch auf weitere Releases dieser rein instrumental eingespielten E-Gitarren-Improvisationen hoffen. Wer diese Art von Brachialbeschallung mag, wurde beim Konzert in der Halle nicht enttäuscht. Brötzmann ließ wieder seine nur selten abebbenden Gitarren-Lärmwellen fließen und wurde dabei von Babels treibenden Drums und Pupillos Bass, den der italienische Fusion- und Improvisationsspezialist noch über Live-electronics verstärkte, bestens unterstützt.

Weniger lärmig aber nicht minder intensiv war das Duett des US-amerikanischen Free-Jazz-Veteranen Joe McPhee mit dem norwegischen Schlagzeuger Paal Nilssen-Love in benachbarten Saal. Nur durch einige Spoken-Words-Darbietungen unterbrochen, ließ McPhee immer wieder seine Stimme mit und durch sein Saxophon aufheulen. Dabei assistierte ihm Nilsson Love an Drums Gongs und Rasseln.

 

Corsano – Lee – Abdelinour – MayaFoto: St. B.

 

Danach gehörte die kleine quadratische Bühne wieder dem nicht minder ambitionierten Nachwuchs. Der New Yorker Avantgarde-Schlagzeuger Chris Corsano, der am Donnerstag bereits beim „Seven Storey Mountain V“-Orchester an den Drums saß, präsentierte sein Projekt-Quartett Corsano/Lee/Abdelinour/Mayas, das neben ihm aus der koreanischen Noise-Cellistin Okkyung Lee, der Berliner Inside Piano-Virtuosin Magda Mayas und der französischen Alt-Saxofonistin Christine Abdelnour besteht. Ebenfalls ein Beitrag von spezieller, beeindruckender Improvisationskraft.

Thurston Moore & Band
Foto: St. B.

Mit dem Ausruf „Rock‘n‘Roll!“ wurde der mittlerweile in London lebende Ex-Sonic-Youth-Mastermind Thurston Moore zu später Stunde in der gut gefüllten Halle des Radialsystems begrüßt. Hier stellte er dann auch sein neues Album Rock N Roll Consciousness vor. Nach dem Gitarren-Battle mit Caspar Brötzmann am Mittwoch im Berghain und nachdem dieser bereits furios vorgelegt hatte, war man gespannt, was Moore neues zu bieten hatte. Letztlich ähnelte der Auftritt der Thurston Moore Group doch sehr dem auf der letzten Pop-Kultur im Berliner Huxleys vor einem Jahr. Thurston Moore setzt da ganz auf Beständigkeit. Zu psychedelischen Videos mit konvulsierenden Sonnen, wechselnden Planetenkonstellationen und Magic Mushrooms legte Moore mit seiner Band seinen gewohnt bewusstseinserweiternden Gitarrensoundteppich aus, den man im Gegensatz zum Free Jazz fast schon melodiös nennen könnte. Dazwischen brandete aber immer wieder improvisierter Gitarrenlärm auf, der am Ende in einem fast zehnminütigen Feedback-Gewitter kulminierte. Der langjährige Erfolg und die fast frenetischen Zugabe-Rufe geben dem alten Avantgarde-Hasen aber durchaus Recht. Rock’n’Roll will never die. „Peace and Love“ wünschte der Meister zum Abschied.

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Das Berliner Festival hatte also in seiner Jubiläumsausgabe so einiges zu bieten. Erstmals gelang es nach 5 recht erfolgreichen Jahren auch, eine spartenübergreifende Förderung durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa zu ergattern. Mit dieser Geldspritze ist das Fortbestehen dieses kleinen aber innovativen Avantgarde-Festivals erstmal bis zur nächsten Ausgabe gesichert, und der Berliner Senat beweist neben dem etwas größer angelegten Pop-Kultur-Festival, das in drei Wochen folgen wird, seine Verantwortung auch für die Förderung und den Erhalt von Strukturen freier, alternativer Musikformen in der Stadt. Das hat das Festival sicher auch dem unermüdlichen Einsatz seines künstlerischen Leiters und A L’ARME!-Begründers Louis Rastig zu verdanken. Möge diese Zusammenarbeit auf Dauer fruchten.

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A L’ARME! Festival Vol. V
Improvised music & contemporary jazz
02. – 05. August 2017
Im BERGHAIN und dem RADIALSYSTEM V, Berlin

Infos: http://www.alarmefestival.de

Zuerst erschienen am 04.08. und am 07.08.2017 auf Kultura-Extra.

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Alles im Eimer – Das Monbijou Theater spielt Shakespeares blutiges Königsdrama „Macbeth“ in einer Sandkastenarena

August 7th, 2017

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Macbeth im Monbijou Theater
Foto (c) Bernd Schönberger

Sommerzeit ist Open-Air-Theaterzeit. So auch in diesem Jahr im Amphitheater am Monbijoupark in Berlin-Mitte. Nach der Abspaltung der alten Hexenkessel-Truppe um Jan und Carsta Zimmermann, die nun die Woesner Brothers auf dem Pfefferberg beerbt haben und das dortig Pfefferberg Theater betreiben, hat Christian Schulz, Theaterleiter und Geschäftsführer der Monbijou-Theater GmbH, die Zeichen auf Erneuerung gesetzt. Neben Die lustigen Weiber von Windsor, einem der üblichen Sommertheaterklassiker von William Shakespeare, hat man nun zwei eher schwergewichtigere Klassiker auf die Amphitheaterbühne gehievt. Nach Die Mitschuldigen (einer Jugendsünde von Johann Wolfgang von Goethe) im letzten Jahr eröffnete man die laufende Saison mit Faust, des Weimarer Geheimrats Tragödie erster Teil, der nun alternierend mit Macbeth, einem der wohl blutrünstigen Königsdramen Shakespeares gezeigt wird.

Nach Schenkelklopfen ist nun also Hauen und Stechen im Monbijou Theater angesagt. Das nötige Theaterblut dafür schleppt man gleich in mehreren Zinkeimern und -wannen auf die Bühne. Das Geschehen um den schottischen Edelmann Macbeth, der, angestachelt von seiner Frau und den Weissagungen dreier Hexen, er würde es zum Thane von Cawdor und schließlich gar zum König von Schottland bringen, den alten Monarchen Duncan ermordet und nachfolgend noch viele weitere Widersacher ins Jenseits befördert, spielt sich hier in einer kleinen Sandkastenarena zu Füßen der Zuschauertribüne ab. Während hier noch die drei Hexen ihre verwunschenen Beschwörungsformeln im Original singen, rollen nach gewonnener Schlacht Macbeth und Kumpan Banco von oben herab.

Die beiden sehen dabei aus, als wären sie eher Maske und Kostümfundus eines Mad-Max-Endzeitstreifens entsprungen. Wilde Gladiatorenkämpfer mit Lederschützern an Armen und Beinen und phantasievoll geformten Helmen auf dem Kopf, die sich im Sand einer antiken Arena suhlen. Regisseur Darijan Mihajlovic hat Shakespeares Drama auf handliche 90 Minuten gekürzt, aber wenig an der klassischen Übersetzung Friedrich Schillers geändert. Ohne allzu pathetisch zu werden, lässt das der Geschichte ihre düstere Wucht. Der Kampf um die Macht fordert auch hier seine Opfer.

 

Macbeth im Monbijou Theater – Foto (c) Bernd Schönberger

 

Wer einmal im Blute gebadet, ist davon gezeichnet und wird das auch so schnell nicht wieder los. Zunächst bekommt der übergriffige Suffkopp König Duncan seinen Eimer auf und später auch noch Banquo, dem die Hexen weissagten, einmal Könige zu zeugen. Wer kann, flieht nach England. Duncans Sohn benutzt dazu den Waschzuber, in dem später Mcduffs Weib samt Frischgeborenem das nächste Opfer der Blutorgie des Macbeth wird. Das Spiel gestaltet sich dabei sehr dynamisch. Fast fliegend wechselt das Ensemble immer wieder die Rollen – bis auf Macbeth, seine Lady und Banquo, der dem Mörder weiterhin als Geist mit blutigem Kopf beim Abendessen mit den Thanes erscheint.

Nun ist dies aber beileibe nicht nur ein martialisches Sandkastenspiel. Auch wenn Mord-, und Fechtszenen wie im schnellen Nummernprogramm wechseln, bleibt hin wieder auch mal Platz für etwas Slapstick oder einen theatralischen Wahnsinnsauftritt der Lady. Ernst und Unterhaltung halten sich die Waage, und auch das Publikum darf seinen Beitrag zum Sturz des Tyrannen leisten. Wenn dann endlich der Wald von Birnam nach Dunsinane gekommen ist, gibt es neben dem klassischen Ende noch eine überraschende Wende, bei der Banquos Sohn Fleance eine maßgebliche Rolle spielt.

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Macbeth (Monbijou Theater, 31.07.2017)
von William Shakespeare
Regie: Darijan Mihajlovic
Dramaturgie: Maurici Farré
Kostümbild: Isa Mehnert
Maskenbild: Rivka Dette
Bühnenbild: David Regehr
Technische Leitung: Sebastian Söllner
Biomechanisches Training: Tony De Maeyer
Musik: Anna Krstajić in Zusammenarbeit mit Darijan Mihajlovic
Bühnenbild: David Regehr
Technische Leitung: Sebastian Söllner
Biomechanisches Training: Tony De Maeyer
Musik: Anna Krstajić in Zusammenarbeit mit Darijan Mihajlovic
ENSEMBLE:
Macbeth: Jonas Kling / Markus Braun
Lady Macbeth: Anja Pahl / Franziska Hayner
Duncan/ Macduff Matthias Horn / André Kudella
Banquo/ Banquos Geist: Uwe Neumann / Daniel Sellier
Hexe 1/ Malcolm/ Mörder/ Lord: Tobias Schulze / Rashidah Aljunied
Hexe 2/ Sohn Macduff/ Bote/ Mörder 2/ Lenox/ Soldat: Carolin Ott / Melanie Stahl / Marisa Wojtkowiak
Hexe 3/ Lady Macduff/ Fleance/ Rosse/ Krieger: Carmen Betker / Vlatka Alec
Premiere war 21. Juni 2017 im Monbijou Theater
Termine: 22. Juni – 3. September 2017

Infos: http://www.monbijou-theater.de/theater/macbeth.html

Zuerst erschienen am 02.082017 auf Kultura-Extra.

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